Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Nicola Maier-Michalitsch, Sabrina Boschner et al. (Hrsg.): Wohn- und Lebensräume

Rezensiert von Prof.in Dr.in Ulrike Mattke, 10.03.2026

Cover Nicola Maier-Michalitsch, Sabrina Boschner et al. (Hrsg.): Wohn- und Lebensräume ISBN 978-3-945771-38-9

Nicola Maier-Michalitsch, Sabrina Boschner, Lea Höfner (Hrsg.): Wohn- und Lebensräume. Von Menschen mit komplexer Behinderung. verlag selbstbestimmtes leben (Düsseldorf) 2025. 204 Seiten. ISBN 978-3-945771-38-9. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR.
Reihe: Leben pur - 21.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Diskutiert wird der Einfluss von Bedingungen des Wohnens auf die Lebensqualität von Menschen mit komplexen Behinderungen, verbunden mit vielen anschaulichen Beispielen.

Herausgeberinnen und Autor:innen

Die beiden Herausgeberinnen Nicola Maier-Michalitsch und Sabrina Boschner arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen bei der Stiftung Leben pur, die sich der Lebensqualität von Menschen mit Komplexer Behinderung widmet. Die dritte Herausgeberin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität München. Neben den Herausgeberinnen gibt es 26 weitere Autor:innen, Architektinnen, Sonder‑ und Sozialpädagog:innen, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen, Professor:innen und andere Berufsgruppen mit Erfahrungen und Kompetenzen im Themenfeld des Bandes.

Aufbau

Das Buch enthält 5 Kapitel mit fünfzehn Artikeln.

Kapitel I Raum und Atmosphäre gestalten

  • Andrea Möhn: Architektur als Therapieansatz. Sechs Fallstudien über die Renovierung von Zimmern für Bewohner:innen mit geistigen Behinderungen und unverstandenem Verhalten in Langzeitpflegeeinrichtungen.
  • Barbara Wolf & Wera Roth: Atmosphären und ihr ungeahnter Einfluss. Über die Gestaltung von Atmosphären in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen.
  • Leila J. Rudzki: Farbe für Menschen mit Behinderungen: Farb‑ und Lichtgestaltung – Wahrnehmung und Wirkung.
  • Patrick Wegmüller, Pia Georgi-Tscherry & Stefania Calabrese: Räumlich-architektonische Bedingungen zur Emotionsregulation. Blickwinkel der kontextzentrierten, präventiven Ausgestaltung in der Arbeit mit Menschen mit kognitiver und/oder mehrfacher Beeinträchtigung.
  • Barbara Heindl, Stefanie Holzapfe & Tabea Sadowski: Das Projekt „Sehen und Hören in Bayern“ mit der Broschüre „Sehen und Hören mitdenken. Anregungen zur Teilhabe von Personen mit komplexer Behinderung in Wohneinrichtungen“.

Kapitel II Der rechtliche Rahmen für innovative wohn‑ und Lebensräume

  • Kerrin Stumpf: Der rechtliche Rahmen für innovative Wohn‑ und Lebensräume von Menschen mit komplexer Behinderung.

Kapitel III Wohnformen wissenschaftlich untersucht

  • Fabian Riemen, Peter Groß & Christoph Ratz: „Was darf ich Dir geben?“ Vernetzungs-, Lebens‑ und Teilhabequalität beim inklusiven Wohnen mit komplexer Behinderung.
  • Annika Lang: Photovoice: Ein wissenschaftlicher Ansatz zur Erfassung von Wohnbedürfnissen.

Kapitel IV Wohn‑ und Lebensräume partizipativ gestalten

  • Annette Blaudszun-Lahm, Frank Eierdanz & Harald Weber: ELQue: Ein methodischer Ansatz, um Menschen mit komplexer Behinderung in die Bewertung der Wohn‑ und Lebensqualität einzubeziehen.
  • Karin Tiesmey & Friederike Koch: Wohnwunschermittlung bei Menschen mit komplexer Behinderung in Theorie und Praxis.
  • Tobias Fink, Fahim Rhamani: Personenzentriertes Arbeiten im Sozialraum als urbaner Gedanke in der Quartiersarbeit. Am Beispiel des Quartiers Baakenhafen in Hamburg.
  • Svenja Satller, Timo Tammena: Wie gelingt das Leben von Menschen mit komplexen Hilfebedarf im urbanen Raum?

Kapitel V Wohnraum technologisch assistiv gestalten

  • Susanne Dirks: Menschenzentrierte Umgebungen: Assistive Technologien, Universal Design und Barrierefreiheit als Katalysatoren für die Inklusion von Menschen mit komplexer Behinderung
  • Marcus Hopp: Inklusion neu gedacht – Wie Smart-Home-Technologien die Teilhabechancen von Menschen mit komplexer Behinderung verbessern.

Inhalt

Die Autor:innen des Bandes zeigen aus verschiedenen fachlichen Perspektiven einen Zusammenhang auf zwischen einer reflektierten Gestaltung der Wohnumgebung von Menschen mit komplexer Behinderung und deren Lebensqualität.

Erörtert werden in Kapitel I Perspektiven der Architektur, von Atmosphären, der Farb‑ und Lichtgestaltung und möglicher Seh‑ und Hörbeeinträchtigungen bei Menschen mit komplexer Behinderung. Insbesondere die architektonischen Fallstudien zur individuellen Umgestaltung von Wohnräumen von Andrea Möhn, die mit Vorher-Nachher-Fotografien illustriert sind, belegen einen frappierenden Einfluss auf Menschen mit komplexer Behinderung mit von ihr bezeichnetem „unverstandenem Verhalten“. Neben den weiteren sehr praxisorientierten Artikeln ist das bayerische Projekt „Sehen und Hören“ hervorzuheben, das aufzeigt, dass diese Sinnesbeeinträchtigungen bei Menschen mit komplexer Behinderung oft übersehen werden. Ein QR-Code ermöglicht einen Download zu einer für die Praxis nützlichen Broschüre „Sehen und Hören mitdenken“.

Kerrin Stumpf bespricht in Kapitel II, mit Fallbeispielen unterlegt, rechtliche Zusammenhänge und Möglichkeiten der Gestaltung und des Umbaus von Wohnräumen.

Kapitel III enthält zwei Studien: die Evaluation eines gelungenen inklusiven Wohnprojekts von vier Frauen mit komplexer Behinderung (Riemen, Groß & Ratz) und der Einsatz der so genannten Photovoice-Methode zur Erfassung von Wohnbedürfnissen (Lang).

Partizipative Wohnraumgestaltung steht im Fokus von Kapitel IV.

Annette Blaudszun-Lahm, Frank Eierdanz und Harald Weber haben ein empirisches Instrument entwickelt, um die Lebensqualität von Menschen mit komplexer Behinderung zu erfassen. Dabei schätzen Fachkräfte vier Kategorien ein: räumliche Umwelt, Aktivitäten, soziales Bezugssystem sowie emotionales Empfinden und Lebenszufriedenheit. Das Instrument soll zudem für Fachkräfte eine Rückmeldung über deren Selbstwirksamkeit bieten.

Karin Tiesmeyer und Friederike Koch berichten über ein Projekt zur „Wohnwunschermittlung bei Menschen mit komplexer Behinderung“ anhand elf verschiedener Methoden und resümieren, dass ein Zusammenspiel verschiedener Methoden in einem längerfristigen Projekt und in kleinen Schritten erforderlich ist. Hervorgehoben wird eine besondere Effizienz der Methode des „Unterstützerkreises“.

Die beiden Artikel von Tobias Fink & Fahim Rhamani sowie von Svenja Satller & Timo Tammena referieren konkrete Projekte der Quartiersentwicklung in zwei verschiedenen Hamburger Stadtteilen.

Kapitel V richtet den Fokus auf das Thema „Wohnraum technologisch assistiv gestalten“ und enthält einen theoretisch elaborierten Artikel von Susanne Dirks sowie praxisorientierte Ausführungen von Marcus Hopp über den Einsatz von Smart-Home-Technologien zur Unterstützung der Teilhabe von Menschen mit komplexer Behinderung.

Diskussion

Der vorliegende Band beinhaltet mehrere in Theorie und Praxis kaum bis gar nicht diskutierte Perspektiven wie eine an individuellen Bedürfnissen orientierte Raumgestaltung, Farb‑ und Lichtgestaltung, Wohnwunschermittlung bei Menschen mit komplexer Behinderung und andere mehr. Referiert werden zahlreiche theoretisch sehr gut fundierte Anregungen und Handlungsmöglichkeiten für die Praxis.

Fazit

Das Buch enthält äußerst gewinnbringende Aspekte zum Thema Wohnen von Menschen mit komplexer Behinderung und sollte zur Pflichtlektüre für Mitarbeitende in der Praxis der Eingliederungshilfe zählen sowie für Studierende und Wissenschaftler:innen, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Rezension von
Prof.in Dr.in Ulrike Mattke
Mailformular

Es gibt 5 Rezensionen von Ulrike Mattke.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner NPO Forum e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245