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Jana Hollenberg: Zum Stand des Wandels in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 16.12.2025

Cover Jana Hollenberg: Zum Stand des Wandels in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe ISBN 978-3-7799-8674-4

Jana Hollenberg: Zum Stand des Wandels in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe. Verwaltungskultur und Professionsverständnis in kommunalen Jugendämtern. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2025. 288 Seiten. ISBN 978-3-7799-8674-4. D: 44,00 EUR, A: 45,30 EUR.

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Thema

Das Buch wirft Fragen auf: Wo genau steht die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe nach einer über 100-jährigen Entwicklungsgeschichte? Befinden sich Jugendämter in Deutschland erst am Anfang von wirksamen Ideen einer modern ausgerichteten Sozialpolitik? Oder kann bereits von einem fortgeschrittenen Stadium gesprochen werden, das mit der großen inklusiven Lösung durch das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz den Höhepunkt einer gelungenen Gesellschaftsgestaltungspolitik erreicht hat? Anhand einer dreigliedrigen Betrachtungsweise – nämlich Entwicklungshistorie, Organisation und Profession – versucht Jana Hollenberg, sich den Antworten auf diese Fragen zu nähern. Sie zeigt damit erfolgreich vollzogene Entwicklungen, bestehende Dysfunktionen und perspektivische Herausforderungen in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe auf.

Autorin

Dr. Jana Hollenberg ist hauptberuflich im Jugendamt des Rhein-Sieg-Kreises angestellt. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind in der Stabsstelle Controlling angesiedelt. Freiberuflich lehrt sie im Masterstudiengang Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Köln, für die sie auch an der Weiterbildung Handlungssicher im Kinderschutz mitwirkt.

Aufbau und Inhalt

Fünf Forschungsfragen stehen im Mittelpunkt dieser Dissertationsschrift:

  • „Wo genau steht die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe im Jahr 2023 nach einer über 100-jährigen Entwicklungsgeschichte? Stehen wir erst am Anfang investiver Strategien einer befähigenden Kinder- und Jugendhilfepolitik oder lässt sich im Zuge eines sich übergeordnet und global vollziehenden Wandels bereits von einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium einer modern aufgestellten öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe sprechen?“
  • „Wie hat sich der organisationale Wandel in Relation zu dem gelebten Kulturwandel innerhalb von Jugendämtern entwickelt?“
  • „Kann man in der Bundesrepublik unter den verfassungsrechtlichen Vorgaben des Art. 28 Abs. 2. GG, insbesondere unter Berücksichtigung des Art. 72 Abs. 2 GG, von einem (bundes-)einheitlichen und verteilungsgerechten Angebot der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe sprechen? Oder liegt im Zuge der regionalen Unterschiede, mithin der unterschiedlichen Strukturbeschaffenheit der kommunalen Gebietskörperschaften, ein Missverhältnis vor?“
  • „Wie hat sich der organisationale Wandel auf die Handlungslogik der professionellen Fachkräfte innerhalb der ASD von Jugendämtern ausgewirkt? Lässt sich in Bezug auf die historisch bedingten Veränderungsprozesse von reziproken Austauschverhältnissen, im Sinne von organisationalen und personalen Lernprozessen sprechen oder gibt es genau an jenen Schnittstellen Missverhältnisse bzw. Ungleichgewichte?“
  • „Ist im Zuge der bundesdeutschen Sozialstaatslogik sowie des Leitgedankens des Kinder- und Jugendhilferechts, wie es das Achte Sozialgesetzbuch vorsieht, ein (bundes-)einheitliches und professionelles Handeln der Akteure in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe, im Speziellen unter Berücksichtigung der differierenden Strukturgegebenheiten der kommunalen Gebietskörperschaften für die Fachkräfte in den ASD, überhaupt möglich?“

Über die Themenrelevanz und den aktuellen Stand der Forschung, die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der öffentlichen Kinder -und Jugendhilfe, Organisation und Aufbau der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe, eine systemtheoretische Analyse der Verwaltungskultur sowie eine sozial-epistemologische Analyse des Professionsverständnisses in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe kommt Jana Hollenberg zur Beantwortung ihrer leitenden Forschungsfragen und bildet daraus eine Synthese der Erkenntnisse: Verwaltungskultur und Professionsverständnis zwischen Anspruch und realer Handlungspraxis. Und natürlich stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie sieht es denn nun aus mit Verwaltungskultur und Professionsverständnis in kommunalen Jugendämtern? Konkret sei an dieser Stelle gar nicht so viel verraten, schließlich sollen sich die geneigten Leser:innen mit dem Buch und seinen Inhalten auseinandersetzen. Verraten werden soll aber, dass Hollenberg deutlich macht, dass Jugendämter Strategien brauchen, um sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen, die auf vier Säulen fußen sollten: der Finanzperspektive aus Sicht der Verwaltung, der Adressat:innenperspektive aus Sicht der Minderjährigen und ihrer Familien, einer Lern- und Entwicklungsperspektive aus Sicht der Mitarbeiter:innen der Jugendämter sowie einer Prozessperspektive aus der Sicht der Führungskräfte auf interne Organisationsprozesse.

Diskussion

Lange Zeit waren gerade die Allgemeinen Sozialen Dienste der Jugendämter eine wissenschaftliche Blackbox. Blicke von außen und Veränderungsvorschläge des Systems oft kritisch beäugt. Es ist gut, dass das mittlerweile anders ist. Nun muss es nur noch gelingen, dass es zumindest das eine oder andere Jugendamt gibt, dass sich den Ergebnissen einer Forschung wie der vorliegenden stellt und daraus Ideen für die eigene Entwicklung zieht. Und dazu bietet sich diese Dissertation absolut an. Sie ist fundiert, gut lesbar, vermittelt viele Informationen und wartet am Ende mit Vorschlägen auf, wie sich Jugendämter weiterentwickeln könnten – und eigentlich auch müssten. Insofern ist dieses Buch natürlich – was aufgrund der inhaltlichen Qualität schade ist – weniger etwas für die breite Masse, sollte aber von verantwortlichen Personen aufmerksam gelesen werden. Es lohnt sich.

Fazit

Spannende Forschungsergebnisse in gut lesbarer Form, die Wege aufzeigen können, wie sich kommunale Jugendämter den Herausforderungen, vor denen sie stehen, entgegenstellen können.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 208 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245