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Hans Gunia, Simone Saurgnani (Hrsg.): Der Körper in der Verhaltenstherapie

Rezensiert von Dr. Richard Hammer, 02.01.2026

Cover Hans Gunia, Simone Saurgnani (Hrsg.): Der Körper in der Verhaltenstherapie ISBN 978-3-497-03324-9

Hans Gunia, Simone Saurgnani (Hrsg.): Der Körper in der Verhaltenstherapie. Methoden und Interventionen für die Praxis. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2025. 174 Seiten. ISBN 978-3-497-03324-9. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR.

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Thema

Das zentrale Thema des Buches ist die Integration des Körpers und körperbezogener Interventionen in die kognitive Verhaltenstherapie. Die Herausgeber*innen beleuchten, wie Konzepte wie Achtsamkeit, Embodiment, Körperbild, körperliche Aktivierung und Körperskills therapeutisch genutzt werden können. Auch die Relevanz des Körpers für Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation und Interaktion steht im Fokus.

Autor*innen

Dipl.-Psych. Hans Gunia (1956-2025), Lehrtherapeut und Supervisor VT und DBT, war in eigener verhaltenstherapeutischer Praxis in Darmstadt und in der Fortbildung tätig.

Dipl.-Psych. Simone Saurgnani, Darmstadt, ist Lehrtherapeutin, Dozentin und Supervisorin für Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasiertes Arbeiten, DBT-Trainerin sowie in eigener psychotherapeutischer Praxis tätig.

Aufbau

Das Buch ist strukturiert in einen theoretischen Einführungsteil und einen umfangreichen Praxisteil mit Fallbeispielen und konkreten Übungsvorschlägen. Die Beiträge stammen von verschiedenen renommierten Autor*innen und bieten einen disziplinübergreifenden Zugang. Praktische Methoden wie Entspannungstechniken, Tango Argentino oder Übungen zum Körperbild werden durch direkte Anleitung und anschauliche Beispiele anwendbar gemacht.

Inhalt

Nach dem Einleitungskapitel setzen sich Thomas Heidenreich, Andrea Chmitorz und Johannes Michalak mit der historischen Rolle des Körpers in der Verhaltenstherapie auseinander. An ausgewählten Beispielen zeigen sie, dass Kognitionen immer verkörpert sind und nicht von sensorischen Erfahrungen und Körperzuständen getrennt werden können. Anhand einer Fülle von Befunden zu Haltungs-, Gang- und Bewegungsparametern in der Behandlung von Depressionen belegen sie sehr eindrucksvoll die Effizienz des Einbezugs vom Körper in der Behandlung von Depressionen.

Ernst Kern entwickelt in Kapitel 3, ausgehend von einer humanistischen Grundhaltung und Hypothesen von Damasio, die Prämisse, dass der für die Grundlegung von Körperpsychotherapie wesentliche Punkt darin besteht, dass Erfahrung immer körperlich fundiert ist. Körpererleben ist die Basis des Selbsterlebens und damit zentraler Ausgangspunkt von Körperpsychotherapie. Das genaue Aufspüren, das genaue Wahrnehmen und Vergewissern von Körperempfindungen ist eine grundlegende und spezifische Vorgehensweise in der Körperpsychotherapie. Ausgehend von dieser Grundhaltung entwickelt der Autor Übungen und Verhaltensweisen für die Therapie.

Michael Huppertz und Simone Saurgnani stellen in Kapitel 4 nach einer kritischen Würdigung der Rolle des Körpers in der Psychotherapie ihr Konzept von Achtsamkeit vor. Ausgehend von einem unter anderem durch die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) inspirierten Konzept der Achtsamkeit schlagen sie einen pluralistischen Weg vor, der sowohl stark strukturierte Übungen enthält als auch solche, die weitestgehend nondirektiv sind und den Teilnehmenden Raum lassen, selbst zu experimentieren.

In Kapitel 5 stellen Ilona Brokuslaus und Thorsten Welke Körper-Skills im Rahmen der DBT vor. Sie beschreiben Körperskills zu den Modulen Stresstoleranz und zwischenmenschliche Skills, außerdem antidissoziative Skills und körperorientierte Achtsamkeitsübungen.

Florencia Luz Koutsovitis und Eduardo Keegan beschreiben in Kapitel 6 körperliche Aktivität als Teil eines kognitiv verhaltenstherapeutischen Programms zur Behandlung einer ganzen Reihe von somatischen und psychischen Störungen. Sie gehen dabei auf biologische und psychologische Prozesse ein und diskutieren Faktoren, die im Rahmen von Programmen zur körperlichen Aktivierung von Bedeutung sind.

Maria Gualdalupe Rosales führt in Kapitel 7 in die Natur des chronischen Schmerzes ein. Nach einer theoretischen Einführung und einer Literaturübersicht stellt sie körperorientierte Übungen vor, wie z.B. die progressive Muskelentspannung oder bewegungsbasierte Interventionen bei Schmerzen. Diese werden im Rahmen eines kognitiv-verhaltenstherapeutischen Programmes gesehen, das kognitive Strategien genauso umfasst wie Psychoedukation.

Beatrice Herzog-Schilling verweist in Kap. 8 darauf, dass in der Behandlung von Essstörungen außer auf einer Fokussierung auf die Normalisierung von Nahrung und Gewicht der Veränderung des negativen Körperbildes der Betroffenen großes Gewicht beizumessen sei. Sie unterteilt die Störung des Körperbildes in eine affektive, eine perzeptive und eine behaviorale Komponente und beschreibt diese Komponenten anhand von Beispielen. Praktische Übungen wie z.B. Body Scan, Spiegel Exposition und Abtastübungen sind dabei eingebettet im Rahmen eines kognitiv-verhaltenstherapeutischen Gesamtprogramms.

Hans Gunia beschreibt in Kap. 9, wie er Tango Argentino mit Strategien aus der kognitiven Verhaltenstherapie kombiniert. Er zeigt, wie man aus Grundschritten des Tangos Achtsamkeitsübungen entwickeln kann und beschreibt, wie man aus Paarübungen Achtsamkeit in der Beziehung ableiten kann und er verdeutlicht, wie man durch die Kombination mit Tango Argentino Verhaltenstherapie ressourcen- und spaßorientierter gestalten kann.

In Kap. 10 schließlich geht es um Patient*innen, die krankheits- oder durch eine medikamentöse Behandlung bedingt unter Einschränkungen in ihrem sexuellen Erleben leiden. Hans Gunia stellt zwei Übungen vor, die Betroffenen helfen, den Fokus weg von „Ich muss“ und Leistungsdruck hin zu sexuellem Genuss auch ohne Erektion und Orgasmus zu lenken.

Diskussion

Dieses Buch greift aktuelle Entwicklungen und Diskurse in der Verhaltenstherapie praxisnah auf. Es reflektiert kritisch die bisher oft unzureichende Beachtung körperlicher Aspekte in der Psychotherapie und plädiert für eine stärkere Integration des Körpers als Verstärker und als Ressource im Veränderungsprozess. Als sehr hilfreich erweist sich die Verschränkung von Theorie und Praxis, die sensible und achtsame therapeutische Haltung sowie die klaren Anleitungen für Körperarbeit und Emotionsregulation.

Fazit

„Der Körper in der Verhaltenstherapie“ ist ein systematisches, praxisnahes Fachbuch, das zeigt, wie der Körper als Medium für therapeutische Veränderung effektiv genutzt werden kann. Lehrende und praktizierende Therapeut*innen erhalten zahlreiche konkrete Interventionen, die das Behandlungsspektrum der KVT sinnvoll erweitern. Die klare Struktur, interdisziplinäre Beiträge und alltagstauglichen Übungen machen das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre für alle, die Verhaltenstherapie lebensnah und ressourcenorientiert gestalten möchten.

Rezension von
Dr. Richard Hammer
Dipl. Motologe
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Es gibt 39 Rezensionen von Richard Hammer.

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ISSN 2190-9245