Andrea Länger: Teamcare
Rezensiert von Thomas Reinhardt, 15.04.2026
Andrea Länger: Teamcare. Know-how für Führungskräfte. Campus Verlag (Frankfurt) 2025. 200 Seiten. ISBN 978-3-593-52056-8. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR.
Thema und Autorin
Die Dipl.-Sozialpädagogin und Sozialwissenschaftlerin Andrea Länger ist als Seminar‑ und Workshopleiterin insbesondere zu Themen der psychosozialen Gesundheit in Unternehmen, Behörden, sozialen Einrichtungen, Hochschulen und Bildungsinstitutionen bekannt. Sie hat einen Lehrauftrag zu Methoden der Sozialen Gruppen‑ und Teamarbeit an der Hochschule München inne. Mit ihrem Buch «Team Care» möchte sie eine Lücke im Gesundheitsmanagement von Betrieben schliessen, da die vorhandenen Aktivitäten das Individuum adressieren, jedoch nicht die «Teamgesundheit». Sie nimmt dabei eine sozial‑ und neurowissenschaftliche Perspektive ein.
Aufbau
Das vom Campus Verlag herausgegebene Buch ist nach der Einleitung in vier Bereiche gegliedert: «Teamfürsorge», «Teamklima», «Teamkommunikation» und «Teamgeist». Die eingestreuten Grafiken können von Flip-Charts aus Workshops stammen und stützen somit die Umsetzung in die Praxis. Der Lesende wird im Text direkt angesprochen und befragt. Viele Beispiele aus der Praxis der Autorin sind in den Text zur Illustration der Theorie oder zur Umsetzung der Übungen eingestreut. Der Covertext verspricht: «Praktische Tools für mehr Zufriedenheit, Resilienz und Produktivität im Team».
Inhalt
Ausgehend von der Überlegung, dass Führung nicht für das individuelle Gesundheitsverhalten der Mitarbeitenden verantwortlich gemacht werden kann, sehr wohl jedoch Sorge dafür zu tragen hat, dass sich eine gesunde Arbeits‑ und Teamkultur entwickelt. Dafür besteht auch eine Fürsorgepflicht. Andrea Länger führt in die vier Bereiche von Teamfürsorge ein. Nach einer Skaleneinschätzung zum Entwicklungsgrad der vier Bereiche folgen Reflexionsfragen, die diese vier Felder durchleuchten. Einer kurzen Erklärung zur Entwicklung von Resilienz unter den Bedingungen der heutigen Arbeitswelt folgen weitere Übungstools, die die Säulen der Widerstandskraft erfahrbar machen wollen. Darunter gehören Inhalte wie: Persönliche Krisen oder «10 Dinge, die ich im Leben machen will».
Es folgen die vier Bereiche. Dazu jeweils passende Praxisthemen werden kurz erklärt. Tipps und Tricks sollen helfen, den Herausforderungen zu begegnen. Absentismus, Stress und mentale Gesundheit werden gestreift, um schliesslich «Zwölf Tools zum Abgrenzen – für Sie selbst und ihre Mitarbeitenden» aufzulisten. Dasselbe folgt mit dem Thema «Abschalten». Sie nimmt auch Bezug auf Mindfulness Based Stress Reduction von Kabat-Zinn und führt in Methoden des Achtsamkeitstrainings ein. Der Teil zum «Teamklima» endet mit einem Abschnitt zur gesunden Führung. Auch hier gibt es 12 Tools neben strukturierten Möglichkeiten zur Selbstreflexion.
Im Abschnitt zur «Teamentwicklung» streicht sie heraus, dass heterogene Teams, denen es gelungen ist, sich kennenzulernen, eine stärkere Resilienz aufweisen als homogene und meint: «Ähnlich wie ein Mischwald resilienter gegenüber dem Klimawandel ist als reiner Fichtenwald.» (Seite 94) Die vorgestellten Tools orientieren sich an den 5-Teamphasen von Tuckman und reichen von Kennenlernspielen über Konfliktbearbeitung, Regelentwicklung bis hin zur Auflösung von Teams. Dem Umgang mit Rollen und Teamdynamiken widmet die Autorin ein paar Seiten und stellt die Dimensionen «Zugehörigkeit», «Vielfalt im Team», «Intimität» und «lebensgeschichtliche Erfahrung» vor.
«Teamkommunikation» ist von den Wirkkräften Hierarchie und Beziehung bestimmt. Es kommt auf «wertschätzende Kommunikation» und nicht auf Floskeln an. Die Führungskräfte erhalten einen 12-Punkte Plan, wie sie dies richtig rüberbringen können.
Bedürfnisse zu äussern und Wünsche auszusprechen ist nicht immer einfach. Unterstützende Übungen können Teams öffnen, diese emotionalen und persönlichen Felder miteinander zu besprechen und zu bearbeiten.
Unterschiedliche Besprechungsformate stellt Andrea Länger sowohl für virtuelle als auch Präsenztreffen zur Verfügung.
Mit der Bemerkung auf Seite 161 «Unter Druck macht man Diamanten» wird der letzte Bereich «Teamgeist» eingeleitet. Dabei geht es um Verbundenheit und Empathie. Nähe und Distanz kann in einem Diagramm zur Verbundenheit im Team dargestellt werden. Diese wird durch «Soziokratie» erhöht: «Die soziokratische Methode stärkt die sozialen Verbindungen in jeder Art von Gruppe, da sie eine andere Form der Herbeiführung von Entscheidungen ermöglicht und jede Person mit ihrer Perspektive und Meinung Gehör findet.» (Seite 169) Eine passende Übung, wie ein «Konsent» gefunden werden kann, folgt. Ein guter Teamgeist kann auch mit Ressourcentratsch gesteigert werden, dies wirkt sich wiederum auf die Motivation aus.
Ab Seite 193 liste Andrea Länger die über 70 Übungen auf, die sie in ihrem Buch beschreibt. Das Literaturverzeichnis zum Schluss belegt die Quellen aus dem die Autorin schöpft.
Diskussion
«Team Care» liefert vor allem Tools, die je nach Fragestellung eingesetzt werden können. Führung gestaltet dabei das «Setting» in dem sich Wohlbefinden, Gesundheit, Leistung entwickeln kann. Diese Reihenfolge habe ich bewusst gewählt, da sie auch der Intention des Buches meiner Ansicht nach entspricht. Es ist nicht immer klar, in welchem Kontext diese Übungen eingesetzt werden sollen. Wie mit allen Tools hängt die Wirksamkeit vor allem damit zusammen mit welcher Haltung diese genutzt werden. So habe ich bei der Lektüre manchmal das Gefühl, in eine Spielkiste für Erwachsene zu greifen und das andere Mal mit sehr anspruchsvollen Methoden zu arbeiten, die ein hohes Vertrauen zueinander und zur Führung voraussetzen, um überhaupt wirken zu können. Dabei spielt Hierarchie und Macht auch eine Rolle. Erfrischend ist der Hinweis auf die Wirksamkeit soziokratischen Vorgehens.
Fazit
Andrea Länger stellt mit ihrem Buch über 70 «Tools» vor, die je nach Kontext hilfreich eingesetzt werden können, um Führungsarbeit im Sinne von Stärkung von Verbundenheit in den Teams zu unterstützen. Sie stützt sich dabei auf bewährte Modelle und erfindet das Rad nicht neu. «Team Care « ist es auf jeden Fall wert, darin nachzuschlagen, was in einer konkreten Führungs‑ oder Teamworkshopsituation helfen könnte. Es ersetzt nicht das Wissen über Grundlagen von Organisationsentwicklung, Führung oder Teamdynamik.
Rezension von
Thomas Reinhardt
Diplomierter Berater für Organisationsentwicklung. Arbeitet freiberuflich in «Organisation & Gesundheit» in den Bereichen Organisationsentwicklung, Gesundheitsmanagement, Konfliktmoderation, Coaching für Führungsverantwortliche, Teamentwicklung und Supervision. Schwerpunkte: Gesundheit und Führung, Change-Management, Leadership, Kommunikation, Psychohygiene und Glück. Er ist Präsident der Sozialhilfebehörde in der Gemeinde in der Schweiz, in der er lebt.
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