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Reinhold Feldmann, Anke Noppenberger: FAS(D) perfekt durch den Alltag

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 13.11.2025

Cover Reinhold Feldmann, Anke Noppenberger: FAS(D) perfekt durch den Alltag ISBN 978-3-497-03325-6

Reinhold Feldmann, Anke Noppenberger: FAS(D) perfekt durch den Alltag. Ein Bilderbuch zum FAS(D) - fetales Alkoholsyndrom bzw. fetale Alkoholspektrumstörung : mit großem Ratgeberteil für Erwachsenen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2025. 75 Seiten. ISBN 978-3-497-03325-6. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: Reinhardt junior.

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Thema

Welche Regeln und Rituale brauchen Kinder mit FAS(D), um mit täglichen Abläufen und Aufgaben klarzukommen? Schneemann Belissimo weiß Rat: Er erklärt, was Lissi und ihren Freunden im Badezimmer oder beim Ankleiden hilft, wie Aufräumen geht und sogar, wie sie Weihnachten und Ferien überstehen – und das Ganze einmal als gezeichnete Bildergeschichte und dann in einem ausführlichen Erklärteil für Erwachsene. Das Buch richtet sich an Kinder und Jugendliche, die selbst betroffen sind, Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch an (Pflege-)Eltern.

Autorin

Dr. Reinhold Feldmann ist Psychologischer Psychotherapeut und seit 1998 in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Münster, seit 2011 zugleich in der FAS-Ambulanz in Walstedde tätig. Anke Noppenberger ist Sozialpädagogin und Referentin. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, ambulanten Familienhilfe, Pflegekinderfachdienst, Jugendamt und Jugendsozialarbeit an Schulen.

Aufbau und Inhalt

Es klingt so einfach: Morgens Zähneputzen, sich an Absprachen halten, nicht jedem Menschen, der einem nett zulächelt, direkt vertrauen. Für Kinder und Jugendliche mit FAS(D) ist es aber das genaue Gegenteil, wie Schneemann Belissimo anhand seiner Freunde erklärt. Wenn Lissi morgens das Zähneputzen weglässt oder zur vereinbarten Zeit nicht nach Hause kommt, sind ihre Erwachsenen richtig sauer. Lissi versteht oft nicht, warum das so ist – und damit ist sie nicht alleine. Während die Bildergeschichte voll auf die Sicht der Kinder fokussiert ist, wartet der zweite Teil Schritt für Schritt an der vorherigen Struktur mit Fakten für erwachsene Bezugspersonen auf. So zeigen Feldmann und Noppenberger, warum Struktur so wichtig ist und dass bei den Betroffenen die Lernfähigkeit häufig sehr eingeschränkt ist – was den Alltag eben so anspruchsvoll macht. Ein weiteres Thema ist zum Beispiel das fehlende Gefahrenbewusstsein, das bei Menschen mit FAS(D) sehr häufig ist. Das führt dazu, dass es oft schwierig bis unmöglich ist, sie altersgerechte Autonomie entwickeln zu lassen, weil sie eben auf Fehlern nicht lernen können, sich an Menschen hängen und oft auch mit ihnen mitgehen würden, die ihnen einfach freundlich erscheinen. All diese Probleme werden anhand von realen Beispielen und anhand von Forschungsergebnissen erläutert.

Diskussion

Wie die anderen Bücher aus der Reihe ist auch dieser Titel uneingeschränkt zu empfehlen, da er sowohl kindgerecht als Bilderbuch als auch als darauf beziehende Informationssammlung für Erwachsene zu nutzen ist. Die liebevollen, von Anke Noppenberger illustrierten Erklärungen des kleinen Schneemanns Belissimo wecken Verständnis und zeigen, wie schwer ein Leben mit FAS(D) sowohl für die Betroffenen als auch für sie sorgenden Erwachsenen ist. Besonders beeindruckt dabei die Klarheit im zweiten Teil, in dem deutliche Grenzen aufgezeigt werden, zum Beispiel beim Thema Eigenverantwortlichkeit von Kindern oder Jugendlichen mit FAS(D). Die Tipps für den Alltag sind aus einer idealtypischen Sicht formuliert, was auch klar benannt wird: Nicht alle Ideen dürften immer umsetzbar sein. Dass das so klar benannt wird, ist schön, werden doch so keine ‚Heilerwartungen‘ aufgebracht. So bleiben die Texte immer verständnisvoll und wertschätzend, zeigen aber auch ungeschönt die Herausforderungen bezüglich des Lebens mit einem jungen Menschen, der von FAS(D) betroffen ist. Kleiner Kritikpunkt: Eine einheitliche Schreibweise des Störungsbildes wäre schön gewesen, denn im zweiten Teil ist durchgängig von FASD die Rede, während es sowohl im Titel als auch im ersten Teil als FAS(D) bezeichnet wird.

Fazit

Dieses Buch ist sowohl für Kinder und Jugendliche zur Psychoedukation als auch für Erwachsene als fundierte und alltagstaugliche Erklärung für Verhaltensweisen von FAS(D)-Betroffenen ein absoluter Gewinn.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 191 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245