Heiko Löwenstein, Sabrina Schmidt (Hrsg.): Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit
Rezensiert von Prof. Stefan Müller-Teusler, 28.11.2025
Heiko Löwenstein, Sabrina Schmidt (Hrsg.): Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2025. 255 Seiten. ISBN 978-3-7799-9356-8. D: 44,00 EUR, A: 45,30 EUR.
Die Herausgeber:innen
Heiko Löwenstein, Prof. Dr., ist Professor für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Inklusion an der Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Köln
Sabrina Schmidt, Prof. Dr. phil., ist Professorin für "Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit - Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe" an der Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Köln
Anlass des Buches
Dieses Buch basiert weitgehend auf Gedanken und Inhalten, die den Masterstudiengang Soziale Arbeit, Schwerpunkt Innovation, an der Katholischen Fachhochschule Köln prägen. Die dort Lehrenden haben Gedanken, die sie sicherlich im Studiengang dort vorstellen, hier schriftlich festgehalten.
Aufbau des Buches
Das Buch teilt sich in drei verschiedene Abschnitte. beginnend bei den Grundlagen, dann eingehend auf das organisationale Handeln, um schließlich in Transferperspektiven zu münden. Vorweg gibt es eine Einleitung zu diesem Buch, die sehr umfassend ist und sowohl inhaltliche Schwerpunkte setzt, indem sie klar Positionen formuliert, als auch sehr gut und umfassend die Inhalte der einzelnen Beiträge aufzeigt. Sie bietet eine sehr gute Orientierung über die Themenvielfalt der Beiträge und anhand der Darstellung können Lesende sehr gut auswählen, welche Beiträge für sie selbst relevant sind.
Als Definition von Innovationen im Rahmen einer „Sozialen Arbeit als Profession des Werdens“ (S. 10), was wiederum mit sozialen Innovationen verbunden ist, legen die Herausgeber:innen zugrunde: „Innovationen sind neu geschaffene oder neu kombinierte Konzepte als intentionale Reaktion auf Problemstellungen. Dabei wird das Neue als nützlich bewertet, weshalb es nachgeahmt und schließlich institutionalisiert wird. Innovationen in der und durch die Soziale Arbeit zeichnen sich durch einen professionellen und disziplinären Bezug aus“ (S. 11). Diese sehr weitfassende Definition erlaubt viele Möglichkeiten und kann deshalb also auch in einem sehr großen Kontext angeführt werden. Innovationsmanagement ist: „Die kombinierte Gestaltung von Prozessen und Strukturen auf Grundlage einer scheiternsfreundlichen und partizipativen Haltung, um Innovation zu unterstützen“ (S. 11). Das ist auch der Tenor des Buches, der hier zugrunde liegt, der ein Nichtgelingen nicht als ein Scheitern sieht im Sinne einer Beschädigung einer Person oder das Misslingen eines Prozesses, sondern als ein Lernen aus Situationen, die nicht gelungen sind.
Mit den Grundlagen beginnt der erste Abschnitt dieses Buches und in diesem ersten Beitrag geht Katharina Motzke auf den Innovationsdiskurs in Deutschland ein. Sie untersucht dabei, wie weit es überhaupt in der Sozialen Arbeit einen solchen Diskurs gibt, geht dann auf die Begriffsbildung und Innovationen ein und und zeigt eine zeitliche, eine sachliche wie auch eine soziale Dimension auf.
Armin Wildfeuer legt in seinem Beitrag einen Ethos des Innovationsmanagements in der Sozialen Arbeit dar und begründet, warum diese Ethik dringend notwendig ist, um dann Linien des Innovationshandelns aus ethischer Sicht aufzuzeigen. Dabei geht es sowohl um Normen und Standards wie auch um Verhaltensweisen, Kompetenzen und Tugend. Er kommt zu dem Schluss, dass es hier bislang ein unzureichend erschlossenes Forschungs- und Handlungsfeld gibt, was dringend vertieft werden muss, insbesondere angesichts der Herausforderungen.
Innovation ist häufig auch mit Politik in Verbindung zu sehen und deshalb geht Isabelle Christine Panreck auf soziale Innovationspolitik ein und beschreibt Grundlagen und Impulse für die Soziale Arbeit. Sie stellt erst einmal dar, dass die Innovation bis dato sehr stark mit einem technologischen Begriff verbunden war und es deshalb notwendig ist, dass es auch politisch ein Umdenken gibt, nämlich in eine soziale Innovationspolitik, die sich aufgliedert in Polity, Policy und Politics. Das verbindet sie mit einem Ansatz der Sozialen Arbeit, der bekannt ist als das gute Leben, womit sie damit auch eine normative Ausrichtung formuliert, und geht gleichzeitig auch auf machtkritische Aspekte ein. Sie kommt in ihrer Schlussfolgerung zu einer Aufgliederung in drei Dimensionen: erstens eine analytische Dimension, zweitens eine normative Dimension und schließlich drittens eine kritische Dimension.
Heiko Löwenstein bildet eine Brücke, indem er eine relational pragmatistische Konzeptualisierung vornimmt und Agency als eine Stufe zur Innovation sieht. Dazu beschreibt er erst einmal das Verhältnis von Agency und Innovation, um dann weiter auf Agency in der Wissenschaft Sozialer Arbeit einzugehen. Innovation ist häufig auch eine nicht intendierte Nebenfolge menschlichen Handelns, insofern also auch vorhanden, ohne dass es entsprechend auch immer so betont ist. Schließlich geht es um Innovation als Relationierung von Zeit, Identität und Bewusstsein. Und so kommt er zu einer Agency des Innovationsdiskurses, um dann zu schließen, welche Konsequenzen dieses für die Gestaltung von Innovationsprozessen in Praxis, Forschung und Lehre Sozialer Arbeit hat. Seine Schlussfolgerung ist: „Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit bedeutet in diesem Sinne zuvorderst die Gestaltung von Strukturen, so dass es Sozialarbeiter:innen möglich wird, ihre Professionalität so zu entfalten und zu entwickeln, dass sie widerständige Problemstellungen erfolgreicher bewältigen als zuvor“ (S. 97).
Werner Schönig lenkt den Blick auf die wirtschaftliche Perspektive und beschreibt in seinem Beitrag Innovationsmanagement und Vernetzung bei Koopkurrenz durch Führung in der Sozialwirtschaft, wie mittels Innovation das Portfolio meritorischer Güter mitgestaltet werden kann. Er geht erst mal auf die Meritorik und die Innovation in der Sozialen Arbeit ein, um dann strategisch. in einer modifizierten Portfolioanalyse zu landen. Daraus leitet er die Vernetzung bei Koopkurrenz ab, um eine Zusammenarbeit dort hervorzuheben, wo sie notwendig ist, bei gleichzeitiger Konkurrenz von verschiedenen Trägern. Sein Fazit ist, dass "die Ausführungen gezeigt haben, dass zwischen den Begriffen Innovation und Vernetzung, Kooperation und Konkurrenz, Meritorisierung und Sozialwirtschaft sowie Portfolioanalyse und strategische Führung ein recht enger Zusammenhang besteht. Mehr noch: mit Blick auf das Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit sind diese teils widersprüchlichen Begriffe zusammen zu denken und führen zu Spannungsfeldern, deren Bearbeitung die eigentliche Aufgabe des Sozialmanagements ist“ (S.113).
Mit dem Blick auf Innovation und Organisation beginnt der zweite Abschnitt dieses Buches, in dem Nadine Rosenfelder und Sabrina Schmidt einen Blick auf das Innovationsmanagement in den professionellen Organisationen der Sozialen Arbeit richten. Dazu beschreiben sie erst einmal die Organisationen der Sozialen Arbeit, die schon von Hause aus eine gewisse Professionalität und Innovativität mitbringen (sollten). Sie gehen dann darauf ein, welche Merkmale wesentlich sind in diesem Kontext, wie beispielsweise Personal, Kommunikationswege, Entscheidungsprogramme und kommen dann zu einem Fazit, in dem sie „resümierend festhalten, dass sich eine innovations- und eine professionsförderliche Organisationsgestaltung sehr ähneln. Erfolgreiches Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit bedarf der Berücksichtigung der Paradoxien professionellen Handelns als auch organisationalen Gestaltens und muss die jeweiligen Voraussetzungen für Innovation in und von Organisationen in der Formalstruktur suchen, erkennen und nutzen“ (S. 128).
Zum Innovationsmanagement gehört auch immer die Umsetzung, und daher gehen Werner Schönig und Matthias Meyer in ihrem Beitrag "Dialektik und Innovation im partizipativen Projektmanagement der VUKA-Welt" auf die Frage ein, wie man Projektmanagement zwischen Perfektionismus und Kreativität gut ausbalancieren kann. Sie beschreiben dazu, wie man das Projektmanagement dialektisch betrachten kann, gehen auf das traditionelle Projektmanagement ein und setzen dem einen Begriff des agilen Projektmanagements entgegen. Dieses bündeln sie und sagen, das könnte der Ansatz für ein hybrides Projektmanagement sein, was dann auch entsprechend innovativ wäre, weshalb sie auch das Management partizipativer Innovationsprozesse in der Sozialen Arbeit beschreiben. Auch hier kommen sie am Ende zu einem Resümee: „Es ist sinnvoll und möglich, Perfektionismus und Kreativität im Projektmanagement zu verbinden. In dieser Perspektive haben Innovationsmanagement und Projektmanagement weite Überschneidungsbereiche“ (S. 146).
Innovationen sind auch hinsichtlich des Fachkräftemangels dringend gefragt, weshalb Amelie Bernal Copano, Katrin Lake und Nora Sellner mit „Work on Personalmarketing und Führung“ überlegen, welche Impulse es für eine innovative Ausrichtung des Personalmanagements in Organisationen Sozialer Arbeit geben kann. Sie beschreiben erst einmal den Weg vom traditionellen Personalmanagement zum Human Resource Management und stellen heraus, wie wichtig das Personalmanagement angesichts des Fachkräftemehrbedarfs ist, der sich überall abzeichnet, und lenken den Blick auf ein innovatives internes Personalmarketing. Dazu listen sie auf, welche Potenziale und Möglichkeiten darin enthalten sind, was unbedingt bei den handelnden Personen erst einmal angelegt sein muss, um dann zu einer Neuausrichtung zu kommen durch die Verzahnung von internen Maßnahmen von Personalmarketing und Führung. Auch hier gibt es ein Resümee: „Die Potenziale, die sich sowohl auf der strategischen wie auch auf der operativen Ebene im Sinne eines Innovationskatalysators aus der Verzahnung und den Synergien eines internen Personalmarketings und eines partizipativ angelegten Führungsverständnisses für Organisationen der sozialen Arbeit ergeben“ (S. 161).
Den Gedanken der Mitwirkung der beteiligten Personen als ein wesentliches Element von Innovationsmanagement folgend gehen Julia Steinfort und Birgitta Sträter auf Kommunikation als konstitutives Element der Innovationsgestaltung ein. Dazu gehen sie erst einmal der Frage nach, wie überhaupt die Systematisierung von Innovationskommunikation in sozialen Organisationen aussieht. Sie beschreiben diese dann als ein konstitutives Element in der Sozialen Arbeit und listen auf, welche Faktoren es gibt, die zum Ge- bzw. Misslingen beitragen. Sie beschreiben dann, welche Phasen des organisationalen und subjektiven Lernens es geben muss, um zu gelingenden Kommunikationswegen zu kommen. Dazu listen sie kommunikationstheoretische Werkzeuge und Techniken in der Innovationskommunikation auf und identifizieren, was davon im Hinblick auf eine innovationsfreundliche und förderliche Kultur in sozialen Organisationen sehr hilfreich ist. Ihr Fazit ist: "Es geht um eine offene und balancierende kommunikative Haltung in Innovationsprozessen der sozialen Arbeit, um den Austausch von Wissen, Ideen und Erfahrung in allen Phasen des Innovationsgeschehens zu fördern. Diese Haltung unterstützt nicht nur den Austausch von fachlichen Inhalten, sondern auch die Einbindung persönlicher Motivationen und Emotionen unter Berücksichtigung der jeweiligen Kontexte und möglichen Widerstände. Diese Haltung ist konstitutiv für die Bewältigung von durch die Veränderung entstehenden Lernherausforderungen und notwendige Bedingungen für Transfer und Weiterentwicklung. Durch eine Innovationsgestaltung, wie sie hier mit dem Schwerpunkt auf Kommunikation konturiert wurde, können Innovationen in und durch die Soziale Arbeit entwickelt, implementiert und verbreitet werden“ (S. 176).
Ohne Digitalität keine Innovation, so könnte man es etwas platt auf den Punkt bringen. Deshalb geht Karolin Kappler der Frage nach, wie sieht eigentlich die Soziale Arbeit und ihr Verhältnis zur Innovation des digitalen Wandels aus? Sie geht sehr kritisch mit diesem Gedanken um, setzt sich erst einmal mit Digitalisierung, digitaler Transformation und Digitalität auseinander und zeigt auf, wie die Digitalisierung quasi von außen in die Soziale Arbeit hineinwirkt. Deswegen stellt sie dann auch fest, wie sich Soziale Arbeit abbildet als soziomaterielle Bewertungspraktik im Spannungsfeld digitaler Innovation. Daher lautet auch Ihr Fazit: „Im Kontext eines machtsensiblen Innovationsmanagements in der Sozialen Arbeit ist eine kritische Positionierung gegenüber den immer wiederkehrenden digitalen Hypes von entscheidender Bedeutung. Dies impliziert, dass Sozialarbeitende nicht lediglich passive Nutzerinnen digitaler Technologie sein sollten. sondern aktive Gestalter:innen, welche die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technologien reflektieren und mitgestalten können“ (S. 192).
Mit der Frage der Theorieentwicklung Sozialer Arbeit als Grundlage durch Selbsterforschung ist der dritte Teil dieses Buches hinsichtlich der Transferperspektiven eingeläutet und Werner Schönig geht der Frage nach, wie Beiträge von Masterstudierenden als Grundlagen von Selbsterforschung die Theorieentwicklung der Sozialen Arbeit vorantragen können. Dabei beschreibt er, dass diese Theorie-Seminare durchaus nicht immer geliebt und geschätzt sind, aber gleichwohl dann doch von den Studierenden angenommen werden und es ihnen dann gelingt, in die Ebenen der Theorieentwicklung hineinzukommen.
Sein Fazit ist: „Das Muster, nachdem der Begriff der Innovation aus seiner technisch geprägten Heimat auf soziale Innovationen übertragen wurde, kann auch für eine weitere Ausweitung der Innovationszone, namentlich auf den Bereich der Theorieentwicklung, übertragen werden. Der vorstehende Beitrag liefert einige grundsätzliche Überlegungen zur typologischen Ordnung der Theorieentwicklung sozialer Arbeit und zeigt sodann am Beispiel eines Masterseminars zur Theorieentwicklung, dass ein solches Vorhaben erfolgreich bewältigt werden kann. Die Ergebnisse auf dem Niveau von Hausarbeiten sind teilweise beeindruckend. Zwar wird nur ein kleiner Teil etwa durch promovierende Absolvent:innen weiter ausgearbeitet und im Rahmen von Publikationsbemühungen aktiv weiterverfolgt. um sich möglicherweise als innovativ durchzusetzen. Allgemein besteht aber immerhin Anlass zur Erwartung, dass auch in Zukunft der Theoriekorpus der Sozialen Arbeit nicht im Dogmatismus erstarrt, sondern bewährte Theorieangebote auch weiterhin herausgefordert und durch innovative Entwicklungen ergänzt werden“ (S. 211).
Sebastian Wen greift soziale Ungleichheit auf und stellt diese nicht nur als eine Tatsache in den Raum, sondern beschreibt, wie diese auch eine Innovationsperspektive sein kann und zeigt dieses am Beispiel von Bildungsbenachteiligungen auf. Dazu diskutiert er, wie das gute Leben im Kontext sozialer Ungleichheiten aussieht bzw. eben auch nicht aussieht oder misslingt, geht dann auf die Handlungsbedarfe ein beim Zugang zu den Bildungsressourcen, insbesondere was die Bildung bei potentiell benachteiligten Personengruppen betrifft, wie Menschen mit Migrationshintergrund, aufgrund ihres Geschlechts, hinsichtlich der sozialen Herkunft, und kommt dann zu dem Fazit, dass es zwei zentrale Potentiale gibt: „Zunächst bietet das Konzept sozialer Ungleichheiten für die Soziale Arbeit eine Perspektive, wie sie ein gutes Leben im Sinne der Abwesenheit struktureller Barrieren bei der Realisierung allgemein geteilter Lebensziele verstehen kann. Es zeigt, welche Ressourcen die Disziplin und Profession in Forschung und Praxis fokussieren muss. Um zu diesem Ziel unter Berücksichtigung der individuellen Ebene des Handelns der Einzelnen als auch der Makroebene der gesamtgesellschaftlichen Strukturen beitragen zu können. Schließlich hat der breite Forschungsstand zu den Determinanten sozialer Ungleichheiten, wie er in diesem Beitrag in Bezug auf die Entstehung von Bildungsungleichheiten zumindest punktuell skizziert und in Innovationspostulate für die soziale Arbeit überführt wurde, zahlreiche Stellschrauben identifiziert, anhand derer soziale Ungleichheiten in der heutigen Gesellschaft reduziert werden können“ (S. 224).
Die Frage der Personalbindung spielt natürlich eine besonders große in der Sozialen Arbeit angesichts des Fachkräftemangels und in dem Feld der Heimerziehung noch einmal mehr, insbesondere weil dieses nicht als ein besonders attraktives Feld allgemein gilt. Deswegen beschäftigen sich Karla Verlinden und Teresa Frank in ihrem Beitrag mit Teamresilienz im Kontext der Fachkräftefluktuation in der Heimerziehung. Sie stellen erst einmal den Stand der Forschung dar, der eine besorgniserregende Fluktuation hervorbringt und stellen auch einen Zusammenhang von Teamresilienz und Fachkräftefluktuation fest. Sie gehen dann auf innovative Maßnahmen zur Fachkräftebindung in der Heimerziehung ein, indem sie insbesondere den Ausbau von Teamresilienz forcieren. „In diesem Beitrag wurden innovative Maßnahmen vorgestellt, die die Resilienz von Teams in der Heimerziehung fördern. Der Ausbau kollektiver Wirksamkeit, das Management von Fachkräftebindung, der Ausbau multiprofessioneller Teams sowie einer unterstützenden Führung. Alle diese Maßnahmen tragen durch die Steigerung der Teamresilienz auch zur Minimierung der Fachkräftefluktuation bei. Der Schlüssel der Wirksamkeit solcher Ansätze liegt jedoch in der Organisation der Heimerziehung selbst. Es bedarf einer Abkehr von bisherigen Strategien, die verstärkt auf die individuelle Resilienz abzielten, hin zur Etablierung von Maßnahmen zur Förderung der Teamresilienz. Damit verbunden sind vielfach auch Veränderungen der organisationalen Rahmenbedingungen und des Managements, um die Strategien wirksam umzusetzen“ (S. 237).
Jugendhilfeplanung ist ein wesentlicher Teil kommunaler Voraussicht und Katharina Motzke und Sandra Rostock gehen insbesondere auf die innovative Jugendhilfeplanung ein und zeigen auf, welche Innovationen darin liegen können. Dazu gehen sie erst einmal auf die Bezüge zur Innovationsforschung ein, um dann die Innovationspotenziale am Beispiel von Inklusion herauszustellen. Das bedarf natürlich einer entsprechenden Ausstattung der Ämter, beispielsweise um eine innovative Programmatik und Realität auch abbilden, entwickeln und abbilden zu können. Deshalb ist dann auch die Frage im Raum, wann überhaupt eine innovative Jugendhilfeplanung möglich wird. Gleichzeitig gibt es aber dazu letztendlich keine Alternative: „Aktuelle Herausforderungen wie demografischer Wandel, Umgang mit Migration, Digitalisierung und insbesondere die inklusive Ausrichtung der Kinder und Jugendhilfe erfordern umso mehr eine Jugendhilfeplanung, die die notwendigen Planungsprozesse gestaltet und Ergebnis, Entwicklungsimpulse und Innovationspotenziale aufzeigt, die ein gelingendes Aufwachsen ermöglichen“ (S. 253).
Diskussion
Dieses Buch bietet ein breites Spektrum über die Fragen von Innovation und Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit, wobei es weniger um einzelne Innovationsbeispiele wie Wohnformen oder neues Miteinander der Generationen geht, sondern vielmehr um übergeordnete und grundlegende Fragen. Die Beiträge sind sehr facettenreich und bilden sowohl auf der theoretischen wie auf der strukturellen Ebene diverse Aspekte ab, die sowohl im Hinblick auf die Zukunftsgestaltung als auch auf die derzeit drängenden Fragen von Gegenwart und absehbarer Zukunft von Relevanz sind. Dieses zeigt sich beispielsweise bei dem Thema Personal, wo es nicht nur um konzeptionelle Überlegungen geht, sondern auch um konkrete Ansatzpunkte für die Praxisfelder.
Der Beitrag von Werner Schönig hinsichtlich der Theorieentwicklung Sozialer Arbeit als Grundlagen der Selbsterforschung fällt ein wenig aus dem Rahmen, als er das etwas engere Feld der Sozialen Arbeit als Disziplin verlässt und eigentlich eher den Inhalt eines Masterseminars vorstellt, nämlich wie es gelingen kann, Studierende hinsichtlich der theoretischen Entwicklung Sozialer Arbeit mitzunehmen, was aber dem Buch insgesamt überhaupt keinen Abbruch tut und eine Anregung für eigene Seminartätigkeit sein kann.
Alle Beiträge sind gleich strukturiert: es gibt ein Abstract zu Beginn, versehen mit einigen Keywords, dann gibt es den Hauptteil und am Ende jeden Beitrags gibt es ein Fazit (wobei es nicht ausreichend ist, nur die jeweiligen Fazits zu lesen). Dadurch gibt es eine sehr gute Orientierung im Buch und man kann den leitenden Gedanken der jeweiligen Beiträge gut folgen. Auch wenn es thematisch eine Vielzahl von Berührungen gibt, so gibt es keine wesentlichen Redundanzen, sondern den Herausgebenden und Autor:innen ist es redaktionell gut gelungen, jeden Beitrag mit eigenem Gewicht zu präsentieren.
Lobenswert ist, dass das Buch als open access verfügbar ist und damit zumindest digital eine gute Verbreitung finden kann. Schade ist, dass es zu den Autor:innen keine berufsbiografischen Notizen gibt. Ebenso fehlt ein Stichwortverzeichnis.
Fazit
Wer sich übergeordnet mit Fragen des Innovationsmanagements in der Sozialen Arbeit befasst, sei es als Einrichtungsleitung, sei es als Lehrende oder auch als Studierende, dem sei dieses Buch sehr empfohlen, denn es gibt einen sehr guten Überblick über die Frage des Innovationsmanagements und seiner Facetten.
Rezension von
Prof. Stefan Müller-Teusler
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