Dona Kujacinski (Hrsg.): Für Demokratie Gegen Extremismus
Rezensiert von Sebastian Kron, 12.02.2026
Dona Kujacinski (Hrsg.): Für Demokratie Gegen Extremismus. #FürDemokratieGegenExtremismus - Ein Plädoyer für die Demokratie von 27 Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Engels-Gymnasiums Senftenberg. Brandenburg Buch Beate Klemm & Mischa Klemm Kultur & Buch GbR (Neuenhagen) 2025. 213 Seiten. ISBN 978-3-945546-05-5.
Thema
Das Buch „#Für Demokratie, gegen Extremismus“ ist im Rahmen des Leistungskurses Geschichte im Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg entstanden und zeigt die Sorgen, Nöte und Unzufriedenheiten junger Menschen auf, wenn sie an ihre Zukunft denken. Eindrucksvoll erkennbar kombinieren die Schüler*innen des hiesigen Gymnasiums Geschichtswissen mit der aktuellen Realität. Andere beschreiben ihre familiären Bezüge zur deutschen Geschichte, wieder andere diskutieren aktuelle Unruhen und den zunehmenden Erfolg rechtspopulistischer Bestrebungen in der Politik. Sie wollen über die dynamische Auseinandersetzung mit einem hochkomplexen Thema für Demokratie und ein Bewusstsein dahinter einstehen und Menschen über bewusst emotionale Texte, unter anderem aus der eigenen Biografie, erreichen.
Autor*innen und Herausgeberschaft
Insgesamt haben 27 Schüler*innen an dem kleinen Sammelband und Handbuch gearbeitet.
Als Mentor*innen fungierten vier Lehrer*innen des Friedrich-Engels-Gymnasiums. Als Herausgeberin zählt Dona Kujacinski, die seit 2024 für das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg Beiträge verfasst. Das Vorwort wurde durch Iris Berben und Steffen Freiberg (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Bundeslandes Brandenburg) gestaltet.
Entstehungshintergrund
Die sogenannten Baseballschlägerjahre während der 1990er Jahre sind, gerade in der aktuellen Gesellschaft, fortwährend in aller Munde. Zeitgleich erinnern Berichte über Verharmlosungen antidemokratischer Strukturen an eine Machtübernahme in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte und weit vor 1990 an einen Verfall sämtlicher menschenrechtsdynamischer Sensibilitäten.
Die Gesellschaft befindet sich in einer zunehmenden Spaltung, die, hervorgerufen durch Unsicherheiten, begründet auf wirtschaftlichen und strukturellen Transformationsprozessen und dem zunehmenden Unbehagen insbesondere in der ostdeutschen Bevölkerung, beängstigende Strukturen und Ausmaße mit sich zieht. Der schmale Grad zwischen einer gewissen Desinformation der Menschen und dem zunehmenden Verdruss in die Bundespolitik bildet eine komplexe Sachlage, die bei genauem Betrachten ein nahtloses Verschmelzen antidemokratischer Haltungen und der dahinterstehenden Unzufriedenheiten zulässt.
Aufbau
Das vorliegende Werk beschreibt aus Sicht von 27 Autor*innen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren aktuelle Problemlagen und Herausforderungen. Thematisiert werden unter anderem Regierungsformen der heutigen Zeit, Frauenrechte, das Erstarken des Extremismus und parteipolitische Widersprüche von rechtspopulistischen Einflüssen.
Inhalt
Zusammenfassend werden kurz die Inhalte der Beiträge umrissen:
Wiktor Badura (17) beschreibt aus familiärer Perspektive die Schreckensherrschaft des NS-Regimes. Er geht dabei konkret auf das Jahr 1939 beispielhaft ein.
Oskar Blum (17) sah die Demokratie immer als eine Selbstverständlichkeit. Er beschreibt in dem vorliegenden Buch, ausgehend von prädestinierten Merkmalen der Demokratie, wie die Gewaltenteilung, die Menschenrechte und die Unabhängigkeit der Gerichte die Herausforderungen der Zunahme antidemokratischer Tendenzen mit den entsprechenden Gefahren.
Maya Bönisch (17) geht auf die Entstehung des Grundgesetzes mit Integration der Ewigkeitsklausel ein.
Hans Dalichau (18) thematisiert den dramatischen Aufstieg der NSDAP, die Machtergreifung Hitlers, und zieht Parallelen zum heutigen (Welt-)Geschehen. Als Indikator geht er auf den Faktor Unzufriedenheiten ein und arbeitet heraus, welche katastrophalen Folgen ein Aufstieg rechtsextremer Parteien haben kann.
Julia Emma Dewitz (18) geht auf das Thema Gleichberechtigung ein und diskutiert die Verletzungen der Menschenrechte am Beispiel Afghanistan.
Lilli Exner (18) diskutiert einen dunklen Abschnitt der deutschen Geschichte am Beispiel des Antisemitismusbegriffs der Vergangenheit und Gegenwart. Sie geht auf den Holocaust ein, sieht aber auch den Judenhass in nicht rechtsextremen Kreisen verbreitet. Mit einem Appell, die Vergangenheit als eine Warnung zu betrachten, richtet sie sich an das gesellschaftliche (Zusammen-)Leben.
Leo Franz (17) geht auf digitale Medien, die Verbreitung von Fake News und deren Gefahren für die Demokratie ein. Er thematisiert dabei Fakes, die negativen Einfluss auf die (jugendliche) Meinungsbildung haben können und rechtspopulistischen Bestrebungen helfen, den Machtbereich auszubauen.
Eddie Freigang (17) stellt biografische Bezüge her und thematisiert die Ausmaße des Nationalsozialismus am Beispiel seines Ururgroßvaters. Dieser widersetzte sich als Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands den Schandtaten des NS-Regimes und bezahlte dies später mit seinem Leben.
Lucy Illgner (16) beschreibt die Herausforderungen des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit. Sie thematisiert ausgrenzende, hetzerische Termini und geht beispielhaft auf Ausgrenzungsphänomene ein.
Charly Kaiser (17) verdeutlicht die Bedeutung der Wahlen als wesentliches Element gelebter Demokratie. Er geht auf historische Wahlen ein und verdeutlicht die Rolle der geheimen Wahlen, bei denen alle Menschen ihre Stimme abgeben und die Zukunft ihres Landes mitbestimmen können.
Käroly Koritnik (17) thematisiert die Bedeutung von Zeitzeugenerzählungen und geht dabei auf familiär-biografische Aspekte ein. Hierbei fließen Aspekte der DDR-Geschichte in das Buch ein. Er definiert Zeitzeugenerzählungen als fundamentalen Mehrwert der Demokratiebildung.
Hannah Lämmerhirt (18) diskutiert Risiken des zunehmenden Rechtsrucks, verbunden mit der Angst um die eigene Zukunft sowie der Angst vor Diskriminierungen und Ausgrenzungen. Sie baut eine Brücke zwischen Herausforderungen der Corona-Politik mit Blick auf junge Menschen, der zunehmenden Entfremdung von der Bundespolitik und zeigt im Zuge dessen die politischen Gefahren dieser Entwicklungen auf.
Jonas Arne Lehmann (18) thematisiert herausfordernde Zeiten mit Blick auf Unruhen in Europa, den Krieg in der Ukraine, die damit verbundene Akquirierung sogenannter Feindbilder, die Polarisierung über Fake News, die vorschreitende Spaltung und den zunehmenden Populismus.
Hannah Lein (16) hebt die Bedeutung der Demokratie insbesondere im Lebensfeld Schule hervor und richtet einen deutlichen Appell, die Bedeutung der demokratischen Entscheidungsfindung und ‑mitbestimmung noch intensiver in die Bildungszentren zu tragen. Sie hebt die Gefahren der sozialen Medien hervor, vornehmlich vor dem Hintergrund, dass Algorithmen zumeist eigene Meinungen stark verfestigen und kaum einen reflektierenden Rahmen schaffen, über andere Auffassungen nachzudenken. Der Bildungsort Schule sollte noch mehr als Lernort gelebter Demokratie verstanden und auch verkörpert werden.
Vivian Maibauer (18) thematisiert den Begriff Antisemitismus und appelliert an die Leser*innen auf menschlicher Ebene eine Sensibilität für Menschen anderer religiöser Hintergründe zu erreichen.
Lena Theres Neubert (16) vergleicht den Begriff Nationalsozialismus mit dem heute oft verwendeten Begriff „Nazi“ unter Schülerinnen und Schüler. Die immer deutlichere Verbindung zwischen der dunkelsten Zeit der Deutschen Geschichte und der heute, vielfach beiläufig genutzten Begrifflichkeit, vermutlich aus Unwissenheit der jungen Menschen, macht ihr Angst. Sie macht sich Sorgen vor der zunehmenden Radikalisierung und der Zunahme der Wählergunst rechtsextremer Parteien.
Phillipp Reinkensmeier (18) beschreibt Themen des Linksextremismus und die zunehmende Gefahr für eine fundierte, demokratische Entscheidungsfindung. Ferner thematisiert er die Antifa, die als Dachorganisation verschiedene kleinere Gruppen und Einzelpersonen integriert. Die Antifa verfolgt linksorientierte Ziele, ob Teile davon als linksextrem eingeordnet werden können, hänge von der jeweiligen Gruppe ab.
Gwen Shirley Roick (17) beschreibt das Ansehen der Frau in der Bundesrepublik. Sie würdigt die Möglichkeiten der Frau in einer Demokratie und kämpft für Gleichberechtigung und Gleichbestimmung.
Charlotte Schimmack (18) findet deutliche Worte für die Gleichberechtigung, ein tolerantes Miteinander in einer vielfältigen Gemeinschaft und verteidigt diese demokratischen Werte in ihrem Beitrag. Sie appelliert für Achtung, Wertschätzung, Akzeptanz und Weltoffenheit.
Emilia Sophie Schmidt (17) thematisiert die Bedeutung der sozialen Medien und den zunehmenden Einfluss rechtspopulistischer Bestrebungen, Desinformationen zu streuen und damit die Gesellschaft bewusst zu spalten. Sie beklagt, dass Informationen nicht ausreichend hinterfragt werden und Menschen haltlosen Informationen ungefiltert Glauben schenken. Weiterhin bemängelt sie die fehlende politische Bildung der heutigen Jugend. Ähnlich thematisiert Joel Schuppan (17) die Bedeutung von Fake News in sozialen Medien. Er betont, dass die Wahrheit eigentlich das wichtigste Element der Demokratie sei, Menschen, insbesondere junge Menschen, jedoch häufig mit Unwahrheiten, zumeist von rechtspopulistischen Parteien, konfrontiert werden, was eine adäquate Entscheidungsfindung bei den Wahlen maßgeblich beeinflusst. Beispielhaft unterfüttert er seine Überlegungen mit dem Wahlkampf der USA.
Florian Staff (17) erklärt die demokratische Mitbestimmung und Beteiligung anhand der Figuren eines Schachspieles und hebt die besondere Bedeutung der Grundwerte Freiheit, Achtung und Toleranz hervor, die er in den Figuren Dame und König verorten würde. Demokratie wird als ein gemeinsames Projekt verstanden, welches auf fundamentalen Grundwerten fußt.
Anton Steiniger (17) hebt die Vorbildrolle der Erwachsenen im Rahmen der demokratischen Sozialisation hervor und diskutiert rechtsextreme Straftaten, die seit einigen Jahren überhandnehmen. Gerade deshalb braucht es eine gesamtgesellschaftliche Politik des Wohlwollens und des Zuhörens.
Wilma Thomas (17) thematisiert die Gefahren einer zunehmenden Entfremdung der Menschen von der Bundespolitik und die fehlende Möglichkeit der Partizipation an bundespolitischen Prozessen. Ferner bricht sie ihre Erkenntnisse auch auf landes‑ und kommunalpolitische Prozesse herunter und appelliert dabei an das Wahlrecht aller Beteiligter.
Annika Uhlig (17) beschreibt ihre Wut und die Angst dahinter, wenn sie an eine Zukunft denkt, in der Kinder in einem Milieu der zunehmenden rechtsextremen Parolen aufwachsen und in der Toleranz und Weltoffenheit mit Hass und Hetze diskreditiert werden. Sie hat große Sorge davor, dass die Vergangenheit „vergessen“ wird.
Moddox Worischek (17) thematisiert die sozialen Medien und hebt hervor, wie ein rechtes Weltbild in scheinbar harmlosen Kanälen gestreut wird und wie rechte Gruppen versuchen, junge Menschen in ihrer Identitätsbildung befindend, zu manipulieren. Es sei wichtig zu verstehen, wie rechte Manipulation on‑ und offline funktioniert, und diese wichtigen Erkenntnisse mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen.
Jocelyne Lea Woweries (17) diskutiert die Widersprüche der AfD-Politikerin Alice Weidel. Sie stellte bei genauem Betrachten des Wahlprogramms der AfD in Gegenüberstellung zum Privatleben der AfD-Politikerin einige Widersprüche fest, die sie in ihrem Text zusammenfasst.
Das Buch beschäftigt sich demnach auf vielfältige Weise mit Gefahren, denen die aktuelle demokratische Mitbestimmung ausgesetzt ist. Es lassen sich aus den Sorgen der jungen Menschen Parallelen feststellen, insbesondere, wenn es um die Gefahren von Social Media und sogenannten Fake News geht. Emilia Sophie Schmidt beispielsweise diskutiert soziale Medien und die stetige Verfügbarkeit dieser. Sie geht auf Gefahren ein, die aufgrund der deutlichen Kürzung gewisser Beiträge nicht das reale Bild mit einem wahrhaftigen Sinngehalt der Nachrichten widerspiegeln und dadurch den Inhalt deutlich „verzerren“. Ferner blickt sie mit Sorgen auf den heutigen Politikunterricht, der nicht wirklich die Gefahren der heutigen Zeit transparent macht und im Rahmenlehrplan deutlich eingekürzt wird. Gerade in einer Zeit, wie der heutigen, wünscht sie sich mehr Aufklärung, vornehmlich mit Blick auf die sozialen Medien und die aktuelle Realität. Auch plädieren alle Jugendlichen für eine tiefgründige Erinnerungs‑ und Sensibilisierungskultur.
Eddie Freigang berichtet über seinen Ururgroßvater, für den ein Stolperstein, als Ort des Innenhaltens, verlegt wurde. Bedeutsam an Freigangs Geschichte ist der Bezug zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen rechtspopulistischen bis hin zu rechtsextremen Kräften, die erneut versuchen, die Gesellschaft zu spalten. Ferner blickt Eddie Freigang in die USA. Er äußert Sorgen und Zweifel an der aktuellen demokratischen Freiheit.
Jede einzelne Geschichte spiegelt die Ängste junger Menschen wider. Sie sprechen für ein Realitätsbewusstsein, für ein notwendiges Maß, politisch und geschichtlich tiefgründiges Wissen zu erwerben, und für eine weitreichende Sensibilisierungs‑ und Achtsamkeitskultur für die Gesellschaft, für unsere Mitmenschen und für eine gelingende, gesamtgesellschaftliche Entwicklung.
Diskussion
Toleranz, Gemeinschaft und Zusammenhalt sind die wesentlichen Grundwerte der Demokratie. Aktuell scheinen Kinder und Jugendliche in einer Welt heranzuwachsen, in der sie von vielfältigen Anforderungen nahezu „überrumpelt“ und die Grundwerte demokratischen Handelns von antidemokratischen Tendenzen und Akteur*innen angegriffen werden. Ängste vor einer Zukunft der Ungewissheit scheinen sich mehr und mehr auszubreiten. Die Bedeutung unserer wichtigen demokratischen Entscheidungsfindung steht auf dem Prüfstand.
Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn eine „politische Mitte“ ins Wanken gerät und populistische Akteur*innen bewusst versuchen, die Gesellschaft zu spalten und die Gemeinschaft mehr und mehr zu zerrütten. Aussagen derartiger Akteur*innen machen nachdenklich, erinnern teilweise an die dunkelste Zeit der Deutschen Geschichte, in der Menschen ohne jeglichen Grund um ihr Leben bangen mussten, in der Menschen aufgrund ihrer religiösen, kulturellen, geschlechtlichen Identität oder aufgrund ihrer „anderen“ politischen Überzeugungen verfolgt und verachtet wurden.
Jeder einzelne Beitrag des vorliegenden Buches ist unverzichtbar, unterstreicht die besondere Bedeutung der Demokratie, des demokratischen Miteinanders und des Lebens in der Gemeinschaft. Jeder einzelne Beitrag unterstreicht außerdem die besondere Bedeutung von Vielfalt und dem Recht jedes*jeder Einzelnen als einzigartiges Individuum heranzuwachsen. Dabei ist es wichtig, nicht zu verharmlosen, nicht wegzuschauen und bestimmte Wahrnehmungen und Nachrichten bewusst reflexiv zu hinterfragen.
Fazit
Ein Buch, welches aktueller nicht sein kann, beschreibt aus Sicht junger Menschen jene Herausforderungen, denen sich die heutige Demokratie täglich stellen muss. Es thematisiert in 27 kurzen Beiträgen fundamentale Themen zur Gefährdung der Demokratie in herausfordernden Zeiten. Dieses Buch ist für alle Menschen nur zu empfehlen, auch jenen, die an demokratischen Prozessen zweifeln, die sich selbst dabei ertappen, die wichtigsten Grundwerte der demokratischen Gemeinschaft zu hinterfragen oder die dazu neigen, aktuelle, politische Herausforderungen zu verharmlosen.
Rezension von
Sebastian Kron
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