Arnold Köpcke-Duttler: Menschliches Wohnen und die Hoffnung auf die Bewohnbarkeit der Erde
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 27.11.2025
Arnold Köpcke-Duttler: Menschliches Wohnen und die Hoffnung auf die Bewohnbarkeit der Erde. Philosophische, interkulturelle und politsche Sichtweisen.
Paulo Freire Verlag
(Oldenburg) 2025.
173 Seiten.
ISBN 978-3-86585-336-3.
D: 24,90 EUR,
A: 25,90 EUR.
Reihe: Edition Neuer Diskurs - Band 36.
Menschenwürdiges Wohnen ist ein Menschenrecht
Alle Menschen haben das Recht „auf einen für die Gesundheit und das Wohlergehen… Angemessenen Lebensstandard … einschließlich ausreichender Ernährung, Bekleidung, Wohnung …“ (Menschenrechtsdeklaration, 1948, Art. 25). Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen des menschenwürdigen Daseins. Individuelle, soziale, karitative oder kriegerische Gründe können dazu führen, wohnungslos zu sein. Menschen wohnen luxuriös in Palästen und vegetieren in Hütten und Notunterkünften. „Sage mir, wie du wohnst, und ich sage dir, wer du bist!“. Dieses Sprichwort hat Tücken und Fallen! In Gesellschaften, in denen Wohnungsnot herrscht, stimmt das soziale Gefüge nicht.
Entstehungshintergrund und Autor
Bereits seit der Antike setzen sich Menschen damit auseinander, wie Menschen wohnen: Aristoteles wohnte im Lykeion, Diogenes in der Tonne. Die deutschen Kaiser zogen von Burg zu Burg und ließen sich bedienen und versorgen. Flüchtlinge siedeln in Slums. Der Arbeits- und Wohnungslosen vegetiert auf der Straße. Es ist die soziale Gesetzgebung, die solidarisch die Not lindern soll. Überall da aber, wo die Reichen immer reicher und die Habenichtse immer ärmer werden, vergrößert sich die Not in der Gesellschaft.
Der Ochsenfurter Rechtsanwalt, Pädagoge und Sozialwissenschaftler Arnold Köpcke-Duttler meldet sich immer wieder zu Wort, um zu den rechtlichen, pädagogischen und sozialen Fragen des Menschseins Position zu beziehen. Mit dem Buch „Menschliches Wohnen“ setzt er sich damit auseinander, wie das Menschenrecht „Wohnen“ in der Menschheitsgeschichte und heute thematisiert und diskutiert wird.
Aufbau und Inhalt
Er gliedert seine Studie in vier Kapitel. Im ersten – „Auf-Gang“ – unternimmt er einen Ritt durch die Geschichte des Wohnens – mit Paulo Freire, den griechischen Philosophen, Dalai Lama, Ludwig Feuerbach, Marx und Engels, Heidegger, Ernst Bloch, Michel Foucault, Horkheimer… Im zweiten Kapitel ruft er die „Freunde der Erde“ zu Hilfe – Byong-Chul Han, Alberto Acosta, Keiji Nishitani… Im dritten Kapitel „Zwischen-Räume und Über-Gänge“ setzt er sich mit kulturellen und interkulturellen Denk- und Handelsstrukturen auseinander – mit religiösen und areligiösen, karitativen, friedfertigen, mentalen und kulturellen. Im vierten zeichnet er „Wege der Hoffnung“ auf – epistemologische, anthropologische, dialogische und philosophische.
Es sind Bestandsaufnahmen und Klagen, wie Wohnen in den Städte-Wüsten sich vollzieht: „Stadtluft macht frei?“ - „eingeklemmt zwischen Stein und Stahl“…Auch: „In einem Palast denkt (handelt und lebt) man anders, als in einer Hütte“. Dem kapitalistischen Denken ist die Erkenntnis fremd: „Dass mehr wird, wenn wir teilen“ (Elenor Ostrom). Armut und Not entstehen dort, wo der Egoismus zunimmt. Die Folgen von natürlichen und menschengemachten Veränderungsprozessen müssen von den Armen und Habenichtsen in erheblich stärkerem Maße ertragen werden, als von den Kapitalisten (Ernst Bloch). Walter Benjamin erkennt: Physische Armut wird zur humanen Not. Die gesellschaftspolitischen, sozialen und solidarischen Konzepte sind bekannt, etwa im „Manifest für das gute Leben für alle“: Buen vivir.
Diskussion
Ein besseres, gerechteres, solidarisches Leben ist möglich! Der Autor nennt eine Reihe von Beispielen, wo diese Vision umgesetzt wird, initiiert und koordiniert von der internationalen Vereinigung „Cities Race to Zero“. Es sind humane Lebens- und Friedensräume, die es gilt zu entdecken, zu diskutieren und nachzuahmen.
Fazit
Menschen- und Wagemut sind gefordert. Das erdhafte und kosmosbestimmte Dasein der Menschen braucht den Perspektivenwechsel, wie ihn die Weltkommission Kultur und Entwicklung bereits vor 30 Jahren gefordert hat: Umdenken, sich umorientieren und gesellschaftlich umorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden.
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
Mailformular
Es gibt 1727 Rezensionen von Jos Schnurer.





