Christiane Rademacher, Manfred Döpfner: Familienprobleme im Jugendalter
Rezensiert von Prof. Dr. habil. Gisela Thiele, 18.11.2025
Christiane Rademacher, Manfred Döpfner: Familienprobleme im Jugendalter.
Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG
(Göttingen) 2025.
180 Seiten.
ISBN 978-3-8017-2507-5.
D: 54,95 EUR,
A: 56,50 EUR,
CH: 69,27 sFr.
Reihe: SELBST - Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen - Band 4. Therapeutische Praxis.
Thema und Autoren
Bei der Bewältigung alterstypischer Eltern-Kind-Konflikte im Kontext einer psychischen Störung spielen beiderseitige Änderungsmotivation und Selbstwirksamkeit, förderliche Erziehungsstrategien sowie Kommunikations- und Problemlösefertigkeiten eine wesentliche Rolle. Hierfür vermittelt der Band hilfreiche systemisch-behaviorale Interventionen und bietet zahlreiche Arbeitsmaterialien für die Praxis.
Dieses Buch richtet sich an:
Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen, Kinder- und Jugendpsychiater*innen, Schulpsycholog*innen, (Sozial-)Pädagog*inne, Fachkräfte in Erziehungs- und eigeneder psychotherapeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Die Herausgeber der Publikation sind Christiane Rademacher und Manfred Döpfner. NähereAngaben zu den Personen wurden nicht genannt.
Aufbau und Inhalt
Die Publikation ist neben einem Vorwort in drei Kapitel mit zahlreichen Unterkapiteln in unterschiedlicher Länge gegliedert.
Im „Vorwort“ wird betont, dass Probleme in den Familienbeziehungen normal seien und zu erwarten sind. Im Buch soll praxisnah über Erfahrungswerte vmit systemisch-behavioralen Interventionen bei der Behandlung von Familienproblemen im Jugendalter berichtet werden.
Im ersten Kapitel „Übersicht über SELBST- Familienprobleme“ wird herausgearbeitet, dass sich Familienprobleme im Rahmen der Autonomieentwicklung von Jugendlichen zeigen. Eine zentrale Entwicklungsaufgabe bestehe darin, dass Jugendliche ihre eigene Identität entwickeln und sich zunehmend von den Eltern ablösen müssen. Die Loslösung vom Elternhaus gilt als gelungen, wenn Jugendliche die Werte und Normen der Eltern hinterfragt haben, ein selbstständiges Leben führen und sich ihren Eltern dennoch verbunden fühlen.
E folgt Kapitel zwei „Therapiemanual SELBST Familienprobleme“. Der Erziehungsstil sei entscheidend bei Konflikten in der Familie. Ein autoritärer Erziehungsstil der Eltern führe dazu, dass sich Jugendliche abhängiger, weniger wissbegierig und weniger sozial-kompetent entwickeln. Mit strengen Regeln schränken die Eltern die Autonomiebestrebungen ihrer Kinder eher ein. Jugendliche, deren Eltern einen permissiven Entwicklungsstil praktizieren, zeigten sich weniger verantwortungsbewusst und eher daran orientiert, mit anderen konform zu sein. Permissive Eltern werden dadurch beschrieben, dass sie sich bezüglich der Disziplin ihrer Kinder eher passiv verhalten und den Kindern ein hohes Maß an Selbstbestimmung zugestehen würden. Eine noch problematischere Entwicklung haben Kinder von Eltern, die einen indifferenten Entwicklungsstil bevorzugten. Diese Jugendlichen zeigten sich impulsiver und häufiger delinquent. Diese könnten keine Lernerfahrungen hinsichtlich einer sozial-kompetenten Lösungsstrategie entwickeln. Nach Studien führe nur der autotoritative Erziehungsstil zu einer gesunden psychosozialen Anpassung der Kinder. Es folgen dann Ausführungen zu einem systemisch-behavioralen Konzept zur Behandlung von Familienbeziehungen und zur Zielgruppe und Indikatoren zur Behandlung von SEBST- Familienproblemen sowie zum pathologischen Modell von Familienkonflikten. Danach folgen Ausführungen zum Aufbau des Therapiemanuals, SELBST- Familienprobleme. Es werden die Therapiebausteine und ihre Kombinatonsmöglichkeiten sowie das Setting der Therapiesitzungen vorgestellt. Das Therapiemanual besteht aus sieben Behandlungsphasen. In der Regel werden alle Phasen nacheinander durchlaufen, könnten aber auch ohne Weiteres zurück verfolgt werden. Danach werden alle sieben Behandlungphasen im Einzelnen näher dargestellt. Dieses Prozedere erfolgt immer in gleicher Weise, so dass die Phasen zu vergleichen sind. Es erfolgt zuerst eine Einordnung der Inhalte und Ziele, dann der Ablauf der Phase und danach mögliche Schwierigkeiten.
Es folgt Kapitel drei „Fallbgeispiel Luca“. Es geht um die 17- jährige Tochter Luca, wobei die Mutter darüber berichtet, dass es im letzten Jahr zu ausufernden Streitereien gekommen sei. Seit der offiziellen Trennung der Eltern gelänge es Mutter und Tochter nicht, selbst über alltägliche Kleinigkeiten angemessen zu sprechen. Luca würde ihre Mutter nicht ausreichend respektieren, sie gering behandeln und ihr aus dem Weg gehen. Die Mutter hat deshalb die Sorge, dass sie den Kontakt zu ihr ganz verlöre und hat deshalb eine Therapeutin fernmündlich kontaktiert. Im Folgenden werden die sieben Behandlungsphasen nacheinander durchgegangen. Das Resümee ist, dass sich das gegenseitige Verständnis füreinander erhöht habe und sich ein produktiver Umgang im Miteinander aufbauen konnte.
Diskussion
Es ist eine Publikation über ein eher seltenes Problem, die Familienprobleme im Jugendalter betreffend. Es ist ein aktuelles Thema, denn in der Regel sind Probleme bei adoleszenten Kindern wohl unumgänglich. Der Therapieratgeber kann vielen Eltern und deren Kinder wertvolle Hinweise geben, welche Schritte einzuleiten sind, um diesbezügliche Probleme zu beheben und ein zufriedenstellendes Verhältnis mit den Eltern zu erreichen. Die Sprache des Textes ist akademisch, aber nicht übertrieben. Es gibt viele Schemata, die das Gelesene im Text näher erklären, so dass es auch von vielen Lesern gut zu verstehen ist.
Fazit
Die vorliegende Publikation ist eine gründliche Aufarbeitung des Themas. Es werden Gefahren und mögliche Interventionen doch recht verständlich diskutiert. Es empfiehlt sich für all jene, die mit ihren erwachsen werdenden Kindern Schwierigkeiten im Umgang haben, um wieder zu einem guten und verträglichen Miteinander zu gelangen.
Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische
Sozialforschung und Gerontologie
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