Christian G. Schanz, Monika Equit et al.: Kein Stress ist nicht genug
Rezensiert von Marina Lenk, 15.01.2026
Christian G. Schanz, Monika Equit, Sarah K. Schäfer: Kein Stress ist nicht genug. Eigene Bedürfnisse erkennen und das Wohlbefinden steigern. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2024. 196 Seiten. ISBN 978-3-8017-3246-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,22 sFr.
Thema
Das Autoren-Trio des Buches Schanz, Equit und Schäfer bieten in ihrem Buch „Kein Stress ist nicht genug“ alltagsnahe Beispiele kombiniert mit theoretischen Grundlagen, um den Zusammenhang zwischen den eigenen Bedürfnissen, verschiedenen Stress- und Emotionsregulationsstrategien sowie dem Aufbau und Erhalt der psychischen Gesundheit zu unterstützen. Ergänzend zum Buch stehen auch zahlreiche Materialien zum Transfer in den Alltag bereit und können auf Verlags-Website heruntergeladen werden.
Autoren
Die Autoren des Buches sind Christian G. Schanz, Monika Equit und Sarah K. Schäfer.
Dr. phil. Christian G. Schanz: Ist psychologischer Psychotherapeut (VT). Seit 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität des Saarlandes.
Prof. (apl.) Dr. Monika Equit: Ist psychologische Psychotherapeutin (VT, Erweiterte Fachkunde Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie). Seit 2014 Leitung der Psychotherapeutischen Universitätsambulanz an der Universität des Saarlandes und Venia Legendi für das Fach Psychologie. Seit 2015 Supervisorin (VT) und Co-Leitung des Weiterbildungsinstitutes für Psychotherapie an der Universität Saarbrücken.
Jun.-Prof. Dr. Sarah K. Schäfer: Ist psychologische Psychotherapeutin (VT, Erweiterte Fachkunde Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie). Seit 2020 Juniorprofessorin für klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Technischen Universität Braunschweig.
Entstehungshintergrund
Im heutigen modernen Leben klagen viele Menschen zunehmend über Daueranspannung, Stress, psychischen Belastungen und Einschränkungen des Wohlbefindens. Der Ratgeber nutzt die verschiedenen Erkenntnisse und Methoden der Resilienzforschung und Psychotherapieforschung, es zeigt zudem mit praxisnahen Beispielen, was der Einzelne selbst tun kann, um sein psychisches Wohlbefinden zu fördern und die Widerstandskräfte zu stärken.
Begleitet und ergänzt wird das Buch durch Online-Materialien, welche zur Selbstreflexion und praxisnahen Übungen eingesetzt werden können.
Aufbau und Inhalt
Das Taschenbuch, umfasst insgesamt 196 Seiten. Das Buch beinhaltet neben dem Literaturverzeichnis und einem Anhangsverzeichnis mit begleitenden Online-Materialien, einen Hauptteil mit 6 Kapiteln. Die sechs Überkapitel sind wiederrum unterteilt in 3 - 8 Unterpunkten. Jedes Kapitel endet außerdem mit einer kompakten Zusammenfassung der Inhalte.
„Stress ist einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung psychischer Erkrankungen. Stress zu reduzieren, kann uns helfen, uns besser zu fühlen. Echtes Wohlbefinden entsteht aber nur, wenn es uns gelingt, unsere psychischen Grundbedürfnisse (wie etwa das Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit oder nach Selbstverwirklichung) zu erkennen und zu erfüllen.“ (Schanz; Equit; Schäfer, 2024, o. S.). Dieses Zitat ist auf dem Klappentext des Buches zu lesen und verdeutlicht damit, den Lesern bereits vor dem Lesen des Buches, die Wegrichtung, den eigenen Stress zu reduzieren und seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erkennen.
Die einzelnen Kapitel des Taschenbuches werden im Folgenden kurz dargestellt:
1. Kapitel: Was macht Gesundheit aus?
Im Kapitel 1 werden grundlegende Begriffe erklärt, mit vielen Fallbeispielen aus der Praxis verdeutlicht und mit kurzen Grafiken dargestellt. Zum Abschluss des Kapitels wird noch der Aufbau des Buches erklärt.
Die einzelnen Unterkapitel heißen:
- Grundbedürfnisse
- Stress
- Eine Frage des Investments
- Vulnerabilität – Hindernisse auf dem Weg zum Wohlbefinden
- Resilienzfaktoren
- Psychische Erkrankungen
- Aufbau des Buches und Onlinematerialien
2. Kapitel: Wie man wurde, wer man ist
„Um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu planen, hilft es manchmal, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Aus der Perspektive der Psychologie sind dabei vor allem die Erlebnisse der (frühen) Kindheit und Jugend relevant, da hier Erfahrungen gemacht werden, vor deren Hintergrund alle späteren Erlebnisse verarbeitet werden.“ (Schanz; Equit; Schäfer, 2024, S. 27)
Dieses Zitat aus dem Anfang des Kapitels 2 verdeutlicht den Inhalt des Kapitels. In diesem Kapitel zeigen die Autoren die Zusammenhänge auf zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit mit den verschiedenen Entwicklungsschritten und Entwicklung der eigenen Grundbedürfnisse von den ersten Lebensmonaten bis zur Adoleszenz. Das Kapitel lädt ein zur Selbstreflexion über das eigene Leben, die Entwicklung eines Menschen im Lebensverlauf und seine eigenen Grundbedürfnisse.
3. Kapitel: Grundbedürfnisse befriedigen
Im Kapitel 3 stellen die Autoren die Grundbedürfnisse eines Menschen in verschiedenen Lebensbereichen, wie Beruf, Familie, Freunde, Freizeit dar.
Zu diesem Kapitel gibt es ergänzende Arbeitsblätter, zum Download, um die vorgestellten Buchinhalte in den eigenen Alltag praxisnah übertragen zu können. Viele anschauliche Fallbeispiele und kompakte Grafiken runden das Kapitel anschaulich ab.
Auch Konfliktfelder, welche durch die Befriedigung der Grundbedürfnisse entstehen können, sowie Identität, Selbstverwirklichung und Rollenkonflikte sind weitere Themenbereiche im Kapitel 3.
4. Kapitel: Regulation von Emotionen und Stress
Kapitel vier handelt von Emotionen, Regulation und Regulationsmechanismen. Auch zum Kapitel vier stehen Arbeitsblätter zum Download zur Verfügung.
Die verschiedenen Emotionen wie Freude, Traurigkeit, Angst, Scham, Schuld oder Ärger werden im Kapitel von den Autoren, eingehend beleuchtet.
Ein weiteres Unterkapitel ist der Zeitpunkt der Regulation. Der Zeitpunkt der Regulation wird dabei von den Autoren unterschieden in proaktive Stressregulation und reaktive Stressregulation, sowie mit verschiedenen Fallbeispielen praktisch dargestellt.
Zunächst wird auf die dysfunktionalen Regulationsstrategien eingegangen, welche wahrscheinlich eher zu langfristiger Intensivierung des Stresses führen und nicht dem eigenen Stress-Abbau dienen.
Bei den dysfunktionalen Regulationsstrategien wird unterschieden in:
- Sorgenketten und Grübelschleifen
- Vermeidungs- und Rückversicherungsverhalten
- Selbstbestrafung
Im Anschluss werden die funktionalen Emotionsregulationsstrategien vorgestellt, welche eher zum Stress-Abbau beitragen, wie:
- Neubewertung
- Lösungsorientiertes Handeln
- Akzeptieren
- Körperliche Stressregulation
Das Kapitel vier ist auch wieder mit zahlreichen praktischen Fallbeispielen untermalt, um die theoretischen Grundlagen besser verständlich zu machen.
5. Kapitel: Vulnerabilität reduzieren, Resilienz fördern
Auch zum fünften Kapitel stehen wieder Arbeitsblätter zum Download zur Verfügung.
In diesem Kapitel geht es darum die eigenen Schwachstellen und Vulnerabilitäten zu erkennen, da diese Stress bedingen und verstärken. Daher ist es wichtig die eigenen Resilienzfaktoren zu kennen und zu stärken, sie machen Stress weniger wahrscheinlich und fördern einen funktionalen Umgang mit Belastungen.
Ein kurzes Fallbeispiel dazu aus Kapitel 5:
„Als Ali in Rente ging, löste das bei ihm eine Krise aus. Er hatte sich jahrelang durch seinen Beruf definiert. Jetzt sah er sich mit den leeren Vormittagen konfrontiert. Er stellte fest, dass alle seine Lebensziele erreicht waren – zumindest so gut, wie es ihm möglich gewesen war. Was sollte er tun? Monatelang kratzte er am Rande der Depression. Erst als sein erstes Enkelkind geboren wurde, es die ersten Tage bei seinen Großeltern verbrachte und er die Wiege fertig gebaut hatte, konnte er wieder Ziele in seinem Leben sehen.“ (Schanz; Equit; Schäfer, 2025, S. 156)
6. Kapitel: Psychische Erkrankungen behandeln
Im sechsten und letzten Kapitel wird noch kurz auf verschiedene psychische Erkrankungen eingegangen, sowie therapeutische Maßnahmen dazu erläutert.
Diskussion
Die drei Autoren Christian G. Schanz, Monika Equit und Sarah K. Schäfer verbinden in ihrem Buch die Bereiche Stress, eigene Grundbedürfnisse, Stressregulation, Resilienz sowie Selbstreflexion miteinander und lockern dieses Thema mit vielen unterschiedlichen praxisnahen Fallbeispielen auf.
Fazit
Das kompakte Taschenbuch, lädt ein zur Selbstreflexion über die eigenen Lebensgewohnheiten, Glaubenssätze, Grundbedürfnisse und dem Umgang mit der eigenen Stress- und Emotionsregulation. Das Ziel des Buches, ist es „(…) Leser: innen bei dem Spagat zwischen Bedürfnisbefriedigung und Stressbewältigung sowie dem Aufbau und Erhalt der psychischen Gesundheit zu unterstützen.“ (Schanz, Equit, Schäfer, 2024, o. S.)
Dieses gesetzte Ziel, wird in dem vorliegenden Fachbuch, mit den unterschiedlichen Themen, Fallbeispielen und ergänzenden Materialien, von den Autoren auf jeden Fall erreicht.
Rezension von
Marina Lenk
Gesundheits- und Pflegemanagerin (B.A.), Pflegeberaterin §7a SGB XI, Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, Palliative-Care-Fachkraft, Betriebliche Gesundheitsmanagerin, freiberufliche Fachautorin und Dozentin
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