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Hans Spada, Andrea Kiesel (Hrsg.): Lehrbuch Allgemeine Psychologie

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 08.05.2026

Cover Hans Spada, Andrea Kiesel (Hrsg.): Lehrbuch Allgemeine Psychologie ISBN 978-3-456-86407-5

Hans Spada, Andrea Kiesel (Hrsg.): Lehrbuch Allgemeine Psychologie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2026. 5., überarbeitete Auflage. 624 Seiten. ISBN 978-3-456-86407-5. D: 70,00 EUR, A: 72,00 EUR, CH: 91,00 sFr.

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Thema

Dieses Buch richtet sich an Studierende der Psychologie und andere Personen, die sich über wichtige Gebiete der Psychologie informieren wollen. Für die 5., überarbeitete Auflage wurden die Kapitel teils überarbeitet und auf den neuesten Stand des Wissens gebracht. Besonders das Kapitel zu Bewegung und Handlung (bisher Psychomotorik) wurde teils neu erstellt – nun mit einem stärkeren Fokus auf die Handlungspsychologie. Von der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit über Gedächtnis und Wissen, Problemlösen, Denken und Entscheiden, Sprache, Lernen und Emotion bis zu Motivation und Psychomotorik wird der Stoff des ‑gesamten Fachs Allgemeine Psychologie in repräsentativer Auswahl dargestellt. Ergebnisse klassischer Experimente, kognitionswissenschaftliche Analysen und neurowissenschaftliche Erkenntnisse werden im Zusammenhang gesehen.

Herausgeber:in

Prof. Dr. Andrea Kiesel und Prof. Dr. Hans Spada sind tätig am Institut für Psychologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie werden durch Beiträge von rund 15 Autor:innen aus dem Spektrum der Psychologie mit ausgewiesener Expertise unterstützt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in neun Themenbereiche, die jeweils mit einem eigenen Literaturverzeichnis versehen sind. Ein umfassendes Personen‑ und Sachwortregister bilden den Abschluss.

1. Einführung

Hier werden zunächst wichtige Grundlagen gelegt, was eigentlich alles zur Allgemeinen Psychologie gehört. In diesem Fachbereich werden Fragen der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und Lernens, des Problemlösens, Denkens und Entscheidens, der Sprache, der Emotion, der Motivation und der Bewegung und Handlung behandelt. Das Ziel ist die Formulierung allgemein gültiger Gesetzmäßigkeiten für psychische Grundfunktionen. Es geht also darum, Prozesse zu konzeptualisieren, die bei allen Menschen gleich sind, und nicht um Unterschiede zwischen Personen oder Personengruppen.

2. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Sowohl die Wahrnehmung als auch die Aufmerksamkeit haben zentralen Einfluss darauf, wie Menschen Informationen verarbeiten. Dabei wird die Wahrnehmung häufig davon beeinflusst, worauf der Mensch seine Aufmerksamkeit lenkt. Eine besondere Kunst der Psyche liegt darin, die Bereiche so zu steuern, dass es aufgrund zahlreicher äußerer Einflüsse, denen wir ständig ausgesetzt sind, dass es nicht zu einer Überreizung des Organismus‘ durch ein ständiges Dauerfeuer von Reizen kommt. Zahlreiche bebilderte Experimente und Aufgaben erklären den Leser:innen in diesem Kapitel die entsprechenden Funktionsweisen, sodass deutlich wird, wie und auf welche Weise zum Beispiel unsere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit gelenkt wird.

3. Gedächtnis und Wissen

Von zentraler Bedeutung ist, dass der Mensch über mehrere Gedächtnisebenen verfügt. Zum einen gibt es das Kurzzeit‑ und Arbeitsgedächtnis: Während im Kurzzeitgedächtnis mit seiner begrenzten Kapazität Informationen für maximal eine halbe Minute gespeichert werden und nicht verarbeitet werden können, hat das Arbeitsgedächtnis trotz seiner noch stärkeren Kapazitätsbeschränkung die Aufgabe, Informationen aktiv zu verarbeiten. Dabei geht es zum Beispiel um Rechenoperationen oder Sprachverarbeitung. Das Arbeitsgedächtnis ist dabei – vereinfacht gesagt – auf Grundlage des Kurzzeitgedächtnisses tätig. Das Langzeitgedächtnis zum anderen ist der menschliche Informationsspeicher, der keinerlei Grenzen in Dauer und Umfang hat – zumindest in der Theorie. Enthalten sind dort Faktenwissen (das sogenannte semantische Gedächtnis), das episodische Gedächtnis als Speicher persönlicher Erinnerungen und das prozedurale Gedächtnis, das erlernte Fähigkeiten abspeichert.

4. Problemlösen, Denken, Entscheiden

Wie lösen wir Probleme? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen deduktivem und induktivem Denken? Und wie treffen wir Entscheidungen? Das sind die zentralen Fragen dieses Kapitels. Deduktives Denken, um zumindest eine Antwort in Kurzform schon zu verraten, bedeutet, aus einer allgemeinen Regel oder Annahme spezifische Schlussfolgerungen abzuleiten. Das induktive Denken meint das Gegenteil, also die Tatsache, dass spezifische Beobachtungen die Grundlage für allgemeingültige Regeln oder Hypothesen sind. Ein Beispiel wäre hier die spezifische Beobachtung, dass heute und gestern die Sonne aufgegangen ist, woraus sich schließen lässt, dass sie auch morgen wieder aufgeht

5. Sprache

Die Sprache ist ein zentrales Element des menschlichen Seins, ist sie doch Grundlage, um Gedanken und Ideen zu entwickeln, sich aber auch weiteres Wissen anzueignen. Unabhängig davon ist sie aber auch ein wichtiger Bestandteil, um am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können, Kontakte zu schließen. Deshalb untersucht dieses Kapitel ganz grundlegend zunächst, woher überhaupt die menschliche Fähigkeit kommt, Sprache zu verwenden – hier spielen zwischen Hirnareale eine bedeutende Rolle, die näher erläutert werden. Im weiteren Verlauf wird beschrieben, was im Körper und vor allem im Gehirn bei der Nutzung von Sprache geschieht, aber auch, wie sich die Sprache auf das eigene Denken auswirkt.

6. Lernen

Aus Erfahrungen zu lernen, Verhalten dahingehend anzupassen und kognitive Fähigkeiten durch Erweiterung von Wissen zu erweitern, sind grundlegende Aspekte der menschlichen Entwicklung. Aber wie lernen Menschen eigentlich? Dieser klassischen Frage der Allgemeinen Psychologie geht dieses Kapitel nach und beschreibt zum Beispiel das Modell der klassischen Konditionierung, dessen wohl klassischstes Beispiel der berühmte Pawlowsche Hund ist. Diese Experimente gehören wohl zu den bekanntesten Untersuchungen der Psychologie. Vereinfacht gesagt, geht die klassische Konditionierung davon aus, dass die Verknüpfung von Reizen und Reaktionen erlernbar ist, was zum Beispiel beim Thema Angst eine große Rolle spielt. Das Thema Angst im Zusammenhang mit aktivem Vermeidungslernen und entsprechenden Störungsbildern wird im weiteren Verlauf des Kapitels näher betrachtet.

7. Emotion

Emotionen sind sowohl im positiven als auch negativen Sinne ein bedeutender Aspekt menschlichen Seins. Neben der Diskussion über die Entstehung und die Natur von Emotionen geht es in diesem Kapitel zum Beispiel auch um die Funktionen, die mit Emotionen verbunden sind. Denn jeder Mensch merkt nahezu ständig, dass Emotionen Auswirken auf das eigene Handeln haben. So spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle, dass Emotionen helfen, den Fokus auf das auslösende Ereignis zu legen, aber auch, das Bewusstsein darüber zu informieren, wie konkrete Situationen – oft unbewusst – überhaupt eingeschätzt werden. Es werden einige Theorien dazu erklärt wie zum Beispiel die hedonistische Theorie, die davon ausgeht, dass Emotionen die Motivation zum Handeln dadurch beeinflussen, dass sie zum Ziel des Handelns werden. Meint: Ein Grundwunsch des Menschen ist es, angenehme Gefühle zu erleben und unangenehme zu vermeiden, worauf das individuelle Handeln ausgerichtet wird.

8. Motivation

In allen Bereichen des Alltags spielt Motivation eine Rolle. Aber was im psychologischen Sinne genau damit gemeint ist, beschreibt dieses Kapitel. Die Motivationspsychologie beruht auf verschiedenen Strömungen, die alle einen wesentlichen Bestandteil zum Verständnis von diesem Themenkomplex haben – sei es nun die Gestaltpsychologie, deren Fokus auf Wahrnehmung und Denken liegt aber auch die Positive Psychologie als aktuelle Strömung, bei der Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit zentrale Aspekte sind. Sie alle spielen beim Thema Motivation eine wichtige Rolle, um die zentrale Frage der Motivationspsychologie zu beantworten: Warum verhalten wir uns so, wie wir es tun?

9. Bewegung und Handlung

Welche Hirnareale werden benötigt, um Bewegungen zu kontrollieren? Wie steuert der Mensch Geschwindigkeit und Genauigkeit? Neben Antworten auf diese ausgewählten Aspekte des Kapitels erfahren die Leser:innen außerdem, wie komplex Bewegungen und ihre Abfolgen sein können und welche Leistung der Körper als Gesamtheit aber eben insbesondere auch die Psyche im Rahmen von zum Beispiel Informationsverarbeitung hier erbringt.

Diskussion

Für diese überarbeitete fünfte Auflage wurden die Kapitel teils auf den neuesten Stand des Wissens gebracht. Besonders das Kapitel zu Bewegung und Handlung (bisher Psychomotorik) wurde in Teilen neu erstellt, um nun einen stärkeren Fokus auf die Handlungspsychologie zu legen. Was geblieben ist, ist eine wissenschaftlich fundierte aber jederzeit gut und verständlich lesbare Beschreibung der Allgemeinen Psychologie. Wo es geht, lockern grafische Elemente den Text auf, was den didaktischen Wert des Titels ausmacht, der nun seit über 30 Jahren zu den Standardwerken in dieser Fachrichtung gehört. Lernen lässt sich mit diesem Buch auf jeden Fall sehr gut und sehr viel, von daher trotz des – angemessen hohen – Preises eine klare Empfehlung.

Fazit

Auch in seiner fünften Auflage bleibt dieses Lehrbuch ein absolutes Standardwerk, das wichtige Grundlagen für Studierende und andere an Allgemeiner Psychologie interessierte Menschen liefert.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 230 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245