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Sandra Abend, Michael Ebert (Hrsg.): 20.000 Kilometer unter dem Roten Kreuz

Rezensiert von Dr. phil. Hubert Kolling, 03.12.2025

Cover Sandra Abend, Michael Ebert (Hrsg.): 20.000 Kilometer unter dem Roten Kreuz ISBN 978-3-943915-71-6

Sandra Abend, Michael Ebert (Hrsg.): 20.000 Kilometer unter dem Roten Kreuz. morisel Verlag GmbH (Asbach) 2025. 268 Seiten. ISBN 978-3-943915-71-6. D: 30,00 EUR, A: 30,90 EUR.
Fotografien von Elisabeth und Walter von Oettingen.

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Thema

Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen die Fotografien und eindrucksvollen Erlebnisse von Elisabeth und Walter von Oettingen (1875-1972 und 1873–1948), die als Helfer für das Rote Kreuz in einem Lazarettzug – sie als Krankenschwester und er als Arzt – im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) und im Ersten Weltkrieg (1914-1918) im Einsatz waren und sich um die Opfer kümmerten.

Herausgebende

Für die Herausgabe der vorliegenden Publikation zeichnet sich das Ehepaar Sandra Abend und Michael Ebert verantwortlich.

Sandra Abend (Jahrgang 1976) ist promovierte Kunsthistorikerin, Kuratorin und Publizistin, die seit 2019 das Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden leitet und in der Stadt für den Bereich Bildende Kunst verantwortlich ist. Zu ihren zahlreichen Publikationen gehören unter anderem „Götter in Weiß. Arztmythen in der Kunst“ (Hilden 2010) und „Die moderne Wunderkammer. Kuriositäten der Welt“ (München 2022).

Michael Ebert (Jahrgang 1959) ist Fotograf, Hochschuldozent und Kurator vieler Fotoausstellungen. Neben diversen Beiträgen in Fachzeitschriften veröffentlichte er beispielsweise auch gemeinsam mit seiner Frau das Buch „Fotografieren für Kids. Kinder entdecken die Welt der Fotografie und wie man die Welt fotografiert“ (Heidelberg 2020).

Entstehungshintergrund

„20.000 KM [Kilometer] unter dem Roten Kreuz“ basiert auf einer Ausstellung über das Ehepaar Walter und Elisabeth von Oettingen, die das Wilhelm-Fabry-Museum Hilden (https://wilhelm-fabry-museum.de/) vom 10. März bis 15. September 2024 zeigte (https://wilhelm-fabry-museum.de/20000kilometer/), von den Autoren dieser Publikation kuratiert und dafür im selben Jahr vom Deutschen Roten Kreuzes mit dem Castiglione-Preis (https://www.drk.de/geschichtspreis/) ausgezeichnet wurde.

Die Drucklegung wurde gefördert durch den Rotary Club Hilden-Haan, das Deutsche Rote Kreuz, die Stadt Hilden, den Museums- und Heimatverein Unser Hilden e.V., die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf sowie das Fabry-Museum Hilden.

Aufbau

Nach „Vorwort“ (S. 7–8) und „Prolog“ (S. 9–25) gliedert sich das großformatige Buch in die Kapitel „Elisabeth und Walter von Oettingen“ (S. 27–51), „Der Russisch-Japanische Krieg“ (S. 52–161), „Die Balkankriege“ (S. 163–171), „Der Erste Weltkrieg“ (S. 172–235) und „Die Geschichte danach“ (S. 236–239). Ergänzt wird die Darstellung durch einen Beitrag von Volkmar Schön über „Die internationale Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes und seine Entwicklung in Deutschland bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts“ (S. 240–267) sowie ein Literatur- und Bildnachweis (S. 268–269).

Inhalt

Ein Jahr nach ihrer Hochzeit begann für Walter und Elisabeth von Oettingen ein unerwartetes Abenteuer der besonderen Art. Ursprünglich daran gedacht, ein Leben des würdigen, braven Arztes mit fleißiger treusorgender Ehehälfte zu führen, fuhr das Ehepaar mit Lazarettzügen des Roten Kreuzes zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die Kriegsfronten und dokumentierte mit der Kamera seine Reisen in einem Hospital auf Schienen. So entstanden, zunächst im heute fast völlig vergessenen Russisch-Japanischen Krieg, eine Vielzahl ungewöhnlicher Fotos, die neben der medizinischen Arbeit die Landschaft und die Menschen in einem fernen und fremden Land zeigen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs machten sich die von Oettingens dann erneut im Lazarettzug „Kronprinzessin Cecilie“ auf die Reise an die Fronten eines Konfliktes, der bekanntlich zum Trauma des beginnenden 20. Jahrhunderts werden sollte.

Während Elisabeth von Oettingen ihre abenteuerlichen Erlebnisse bereits 1905 in dem Buch „Unter dem Roten Kreuz im Russisch-Japanischen Kriege“ (Leipzig 1905) veröffentlichte, zeigte das Ehepaar ihre Fotoplatten von dem Kriegsgeschehen an der Front auch in zahlreichen Lichtbildvorträgen, um Spenden für das Rote Kreuz zu sammeln.

Dass die 645 Negative der Nachwelt erhalten geblieben sind, ist dem Engagement des Düsseldorfer Arztes und Medizinhistorikers Prof. Dr. med. Hans Schadewaldt (1923-2009) zu verdanken, indem er – während seiner Zeit von 1965 bis 1991 als Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin an der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf – den „Fotoschatz“ erwarb. Der Nachlass, der bis heute im Archiv der Heinrich-Heine-Universität beheimatet ist, wurde 2024 im Hildener Wilhelm-Fabry-Museum erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellungsobjekte beziehungsweise fragilen Glasplatten-Fotografien zeigen eine Vielzahl an Details über das Leben und Wirken der Ärzte und des Pflegepersonals zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wobei die Sammlung neben Kriegsmotiven auch Familienfotos und Reiseaufnahmen umfasst.

In ihrem Vorwort weisen die Herausgeber darauf hin, dass die Fahrt der baltischen Sanitätstruppe mit der Transsibirischen Eisenbahn, Alltagszenen aus Sibirien und der Mandschurei, der Aufbau des Feldlazarettes sowie der Transport und die Behandlung von Verwundeten „in Aufnahmen von bemerkenswert technischer Qualität“ festgehalten wurden. Zur Bedeutung und Intention ihrer Veröffentlichung halten Sandra Abend und Michael Ebert sodann wörtlich fest: „Dieses Buch ist eine bemerkenswerte Zeitreise, deren Schwerpunkt auf dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges liegt. Sie konzentriert sich auf den lebensgefährlichen Einsatz von Medizinern im Krieg, auf die Kraft und die Technik des Mediums der Fotografie, die zu jener Zeit noch eine echte Herausforderung war. Zugleich ist es aber auch die abenteuerliche Lebens- und Familiengeschichte einer beeindruckenden Frau, die für ihre Zeit ungewöhnlich emanzipiert war. Und natürlich ist es auch ein fesselnder visueller Reisebericht, der ergänzt wird durch Zitate aus Elisabeth von Oettingens Buch und der unveröffentlichten Vita von Walter von Oettingen“ (S. 8).

Anschließend an einen Prolog mit kurzen Hinweisen zur Geschichte der mobilen medizinischen Versorgung und der Entstehung des Roten Kreuzes finden sich Biographien von Elisabeth und Walter von Oettingen, an die sich ihre zumeist ganz- und doppelseitig präsentierten Fotografien anschließen. Ergänzend hierzu gibt es zwischendurch jeweils kurze Texte zum Russisch-Japanischen Krieg, über die Goerz-Anschütz Kamera, die Transsibirische Eisenbahn, Lichtbildvorträge, die Balkankriege, den Ersten Weltkrieg, den Lazarettzug „Kronprinzessin Cecilie“ und über Momente mit der Familie.

Passend zum Thema enthält die Darstellung auch einen Beitrag von Volkmar Schön – einem profunder Kenner der Thematik und unter anderem Mitherausgeber mehrerer Bände der im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes e.V. und der Stiftung Rotkreuz-Museum im Land Brandenburg von ihm sowie Petra Liebner und Harald-Albert Swik herausgegebenen Reihe „Beiträge zur Rotkreuzgeschichte“ – über „Die internationale Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes und seine Entwicklung in Deutschland bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts“.

Diskussion

„20.000 KM unter dem Roten Kreuz“ ist ein außergewöhnliches Buch, in dem die Fahrt der baltendeutschen Sanitätstruppe mit der Transsibirischen Eisenbahn, Alltagsszenen aus Sibirien und der Mandschurei, Szenen vom Schlachtfeld, der Aufbau des Feldlazarettes sowie der Transport und Behandlung von Verwundeten in zeitgenössischen – bisher weitgehend unbekannten – Aufnahmen von bemerkenswerter technischer Qualität festgehalten werden. Die Lektüre, die tiefe Einblicke in frühe Phasen der internationalen Rotkreuzarbeit gewährt, erlaubt eine nicht alltägliche Zeitreise, deren Schwerpunkt auf dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges liegt. Sie konzentriert sich auf den lebensgefährlichen Einsatz von Ärzten und Pflegepersonal im Krieg sowie auf die Kraft und die Technik des Mediums der Fotografie, die zu jener Zeit noch eine echte Herausforderung war. Zugleich ist es aber auch die abenteuerliche Lebens- und Familiengeschichte eines beeindruckenden Ehepaares, die mutig und für ihre Zeit ungewöhnlich emanzipiert waren. Schließlich ist es auch ein fesselnder visueller Reisebericht, der durch Zitate aus Elisabeth von Oettingens Buch, der unveröffentlichten Vita von Walter von Oettingen sowie schriftlichen Dokumenten und Memorabilien des Ehepaars komplementiert wird.

Der Buchtitel dürfte in Anlehnung an den Roman von Jules Verne (1828-1905) „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1869-1870) beziehungsweise die riesige Distanz, die das U-Boot Nautilus während seiner Reise zurücklegte, gewählt worden sein. Ähnlich wie der bedeutende französische Schriftsteller, der in seinen Romanen Erfindungen schuf, die für die damalige Zeit unerhörte Sensationen waren, präsentiert „20.000 KM unter dem Roten Kreuz“ eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Lebensgeschichte. Im Rahmen der Ausstellung beziehungsweise des vorliegenden Begleitbandes haben die Herausgeber unterdessen nicht nur die ungewöhnliche Biographie des Ehepaares Oettinger beleuchtet, sondern auch die Rolle bürgerlicher Frauen im Sanitätswesen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Fazit

Bei „20.000 KM unter dem Roten Kreuz“ handelt es sich um ein außergewöhnliches Buch, das in Wort und Bild tiefe Einblicke in die frühen Jahre der Rot-Kreuz-Geschichte gewährt. Alle, denen die Medizin-, Pflege- oder Frauengeschichte am Herzen liegt, werden das Buch mit Begeisterung zur Hand nehmen.

Rezension von
Dr. phil. Hubert Kolling
Krankenpfleger, Diplom-Pädagoge und Diplom-Politologe
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Es gibt 199 Rezensionen von Hubert Kolling.

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ISSN 2190-9245