Thomas Etzemüller: Handgranate oder Zeichenstift
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 29.12.2025
Thomas Etzemüller: Handgranate oder Zeichenstift. Zur Ambivalenz der Moderne.
Hamburger Edition
(Hamburg) 2025.
144 Seiten.
ISBN 978-3-86854-879-2.
D: 15,00 EUR,
A: 15,40 EUR.
kleine reihe.
Moderne – Zerstörung und Neuanfang
Die Zeit vergeht – das Alte geht – das Neue kommt! Die Moderne ist Zumutung und Herausforderung im existenziellen Dasein, positive und negative, historische Entwicklung. „Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ sei aufgeklärt. Frage: „Wer bin ich ich?“ – „Was kann ich wissen“?“ – „Was soll ich tun“? -„Was darf ich hoffen?“ (Kant). Die Geschichte ist gemacht von fortschrittlich denkenden und handelnden Menschen, und von Egoisten, Ethnozentristen, Faschisten, Fundamentalisten und Menschenfeinden. Die „neue Zeit“ bringt gutes Leben und Leid, Frieden und Krieg, Menschenwürde und Unmenschlichkeit, Demokratie oder Diktatur, Zivilisation und Humanität. Die Hoffnung auf „ewigen Frieden“ ist Illusion. Die „heroische Moderne“ ist bestimmt von Macht und Ohnmacht, von kapitalistischem Immer-Mehr auf der einen und immer weniger auf der anderen Seite. Es ist die Janusköpfigkeit von Haben und Sein (Erich Fromm), die Unsicherheit und Verzweiflung bringt und Lebensmut verringert.
Entstehungshintergrund und Autor
„Das Schwanken zwischen Verdammung und Verherrlichung, die Spannung zwischen Fortschritt und Dekadenz, zwischen Herkunft und Zukunft, Nostalgie und Utopie gehört zu den Grundmerkmalen, die den Begriffsgebrauch durch die Jahrhunderte hindurch“ bestimmen. Der Oldenburger Historiker Thomas Etzmüller setzt sich mit der Epoche in der europäischen Geschichte auseinander, in der im 20. Jahrhundert Heldentum, Vormacht- und Höherwertigkeitsvorstellungen die Gesellschaften ausmachten.
Aufbau und Inhalt
In der Studie über die „heroische Moderne“ thematisiert der Autor die gesellschaftspolitischen, indoktrinierten und manipulierten Entwicklungen, indem er klärt, wie die „Moderne“ an Fahrt aufgenommen hat und Entwicklung entstanden ist, wie (diktiertes und veranlasstes) Ordnungsbewusstsein zum Gewohnheitsrecht wurde, wie Bruch und Balance das Denken und Handeln beeinflussten. Die inhumanen Verläufe, wie sie im Kolonialismus, im Nationalsozialismus, im Kommunismus, Kapitalismus, Imperialismus und Diktaturen entstanden und weiterhin wirken. Es ist die „Dialektik der Ordnung“, in der zum Ausdruck kommt, dass Fortschritt und Zerstörung die beiden Seiten der gleichen Medaille sind (Zygmunt Bauman). Die sozial- und gesellschaftspolitischen, Unterschiede, die gleichzeitig Gleichheit und Gerechtigkeit fordern, verbinden sich im Lokalen und Globalen und beenden die heroische Moderne.
Diskussion
Aus der Geschichte zu lernen, ist ein intellektueller, alltäglicher und allgemeingültiger Anspruch. Wenn heute weniger als 10 % der Weltbevölkerung in jeder Hinsicht friedlich, freiheitlich und gleichberechtigt leben kann, Machtmissbrauch, Diktaturen und Ideologien vorherrschen, ist es sinnvoll und nützlich, die Weltgeschichte zu analysieren (Simon Sebab Montefipore, Die Welt. Eine Familiengeschichte der Menschheit, Klett-Cotta, Stuttgart 2025, 862 S.).
Fazit
Das Büchlein regt an zum Nachdenken darüber, was wäre, wenn die Menschheit gut wäre.
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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