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Sabine Schmidt-Lauff (Hrsg.): Transformative digitale Kompetenzen

Rezensiert von Prof. Dr. Paul Brandl, 13.01.2026

Cover Sabine Schmidt-Lauff (Hrsg.): Transformative digitale Kompetenzen ISBN 978-3-7639-7861-8

Sabine Schmidt-Lauff (Hrsg.): Transformative digitale Kompetenzen. Entwicklungen für Hochschule, Studium und Gesellschaft. wbv (Bielefeld) 2025. 368 Seiten. ISBN 978-3-7639-7861-8. 49,90 EUR.
Reihe: Innovative Hochschule: digital - international - transformativ.

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Die Herausgeberin

Sabine Schmidt-Lauff ist Professorin für Weiterbildung und lebenslanges Lernen an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind international-vergleichende Forschung zum lebensbegleitenden Lernen, Zeit und Temporalität(en) in der (Erwachsenen-)Bildung sowie Professionalisierung und Professionelles Sein im Kontext von Digitalisierung und Digitalität.

Die enorme Vielzahl der Autor:innen wird durch namentliche Erwähnung im Zuge der Vorstellung der Inhalte angeführt.

Thema und Aufbau

Um in internationalen Transformationsprozessen leistungsstark zu bleiben, ist die Entwicklung digitaler Schlüsselkompetenzen zur Querschnittsaufgabe des gesamten Bildungssystems geworden. Der vorliegende Sammelband dokumentiert zentrale Ergebnisse, Produktentwicklungen und Beiträge aus dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt Digitale Schlüsselkompetenzen für Studium und Beruf (DigiTaKS*). Ziel des Projekts ist es, technische Infrastruktur mit individueller Diagnostik und Kompetenzentwicklung, gestützt durch multimethodische Wirkungsforschung, zu verbinden. Im Zentrum steht die Förderung digitaler Schlüsselkompetenzen, die angesichts fortschreitender Digitalisierung in Studium und Beruf zunehmend an Relevanz gewinnen. Im Projekt wurde dazu Folgendes entwickelt:

  • ein digitales Basispaket,
  • barrierearme Open Educational Ressources inklusive Schulungsmaterialien für synchron-hybrides Lehren/Lernen
  • sowie die offene Bildungsressource ComDigiS* LXP zur Diagnose und Entwicklung digitaler Kompetenzen.

Nach einer Vorausschau auf den Band durch die Herausgeberin folgen in Teil I Betrachtungen zum digitalen Arbeiten und Lernen im Studium. Diese umfassen unter anderem die Konzeption des Begriffs „transformative digitale Kompetenz“ (Schiller), eine Untersuchung studentischen Lernens in verschiedenen formalen und digitalen Settings (Rosemann) sowie eine Analyse der Medienaneignung Studierender in ihrer Alltagspraxis (Rathmann).

In Teil II wird das im Projekt konzipierte Produkt ComDigiS* in seinen zwei Komponenten „Test“ und „Train“ vorgestellt (Schubert/Schasse de Araujo/Negt). Außerdem werden die technologischen Grundlagen erläutert, die auch für eine Adaption durch andere Hochschulen und Kontexte von Nutzen sein können (Klingner/Miller). Anschließend arbeiten die Autor:innen des zweiten Teils Konzepte zur Nachnutzung und Verstetigung heraus.

Teil III konzentriert sich auf kollaborative und hybride Lehr-Lern-Settings an Hochschulen. Hümmer/Breitschwerdt/Egetenmeyer untersuchen hybride Lernräume aus Sicht der Raumsoziologie, des kommunikativen Konstruktivismus und der Hochschuldidaktik und zeigen, wie diese gemeinsam von Lehrenden und Lernenden erschaffen und gestaltet werden können. Außerdem bieten die Autor:innen einen praxisnahen Erfahrungsbericht zur Umsetzung synchron-hybrider Lehre in hochschulübergreifenden und internationalen Settings.

Teil IV bringt Aspekte von Diversität und Partizipation im digitalen Lernen. Lowitzki et al. analysieren empirisch den Zusammenhang zwischen den individuellen Ressourcen der Studierenden sowie deren subjektiver Wahrnehmung dieser Ressourcen und dem Lernen unter digitalen Bedingungen.

Bemerkenswert ist Teil V, der nicht finales Fazit oder allwissender Schlusspunkt sein will, sondern als „Gedankensplitter“ in seiner Unfertigkeit, dem Prozessualen und dem VUKA erneut Raum schenkt. Das Kapitel verknüpft empirische und theoretische Perspektiven des Bandes und bietet Ausblicke auf Zeit, Raum, Lehren, Lernen, Bildung und Gesellschaft im Kontext der Digitalität.

Die Publikation liefert aufgrund der Vielfalt der gewählten Zugänge einen breiten Beitrag zum Kompetenzerwerb im Kontext einer Kultur der realen Virtualität (Castells). Es wird die zentrale Rolle der Hochschulen bei der Vermittlung von digitalen Transformationskompetenzen deutlich.

Inhalt

DigiTaKS* als Forschungs- und Entwicklungsprojekt zielt auf der Grundlage empirisch fundierter und multimethodisch gewonnener Daten auf die Entwicklung eines Modells zur Vermittlung und Aneignung transformativer digitaler Kompetenzen im Hochschulstudium. Es wird seit 2021 vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr und der Europäischen Union gefördert und wurde mit neuen Schwerpunkten bis 2026 verlängert (generative KI, synchron-hybride Lehr-Lern- und Arbeitsräume, Cybersicherheit im Wissenschafts- und Bildungssektor; zur Übersicht und aktuellen Weiterentwicklungen, https://www.hsu-hh.de/wb/digitaks). Ziel von DigiTaKS* (2021 bis 2024) ist es, dass Studierende höherwertige digitale Kompetenzen erwerben können, die Potenziale der Digitalisierung zu reflektieren und diese zielführend auszuschöpfen. Im Sinne transformativer digitaler Kompetenzen sollen sie digitale Räume und Tools nicht nur angemessen nutzen, sondern deren Voraussetzungen, Funktionsweisen und Wirkungen auf unterschiedlichen Ebenen reflektieren, kontextualisiert einordnen und auf dieser Grundlage kreativ-innovativ gestalten können. Die Leistungen und Chancen ebenso wie Probleme und Risiken der Digitalität in den verschiedensten Lebens-, Bildungs- und Arbeitskontexten werden reflektierend begleitet und befragt. Es ist eine Balance, die im Zuge der transformatorischen, disruptiven Momente von Digitalität angesprochen wird. Auf dieser Basis soll es möglich werden, Entscheidungen über die Auswahl, über Einsatzformen wie über nötige situative und mögliche technische Adaptionen zu treffen. Ein tiefergehendes Wissen zum digital Medialen, über sich wandelnde soziotechnische Logiken wie individuell-subjektive Praktiken (Einstellungen, Denk- und Handlungsmuster) wird zur Grundlage nachhaltiger und zukunftsweisender Schlüsselkompetenzen in einer digitalisierten Welt (vgl. Schmidt-Lauff et al., 2022). Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt ist, dass es stets um transformative digitale Kompetenzen als Konglomerat einer digitaltechnischen Handlungsfähigkeit, reflexiv-medialem Wissen und kritisch-performativem Umgang mit digitalen Technologien geht. Nötig sind Freiräume, die ein Ausprobieren, Testen, Reflektieren und Einüben – eine geschützte und medien- wie erwachsenenpädagogisch unterstützte Auseinandersetzung mit digitaltechnischen Optionen und veränderter Logiken unseres Lernens, Arbeitens, Lebens (Stichwort Mensch-Maschine- bzw. Mensch-Technik-Interaktion) – ermöglichen. Es geht um eine intellektuelle Durchdringung der Durchschaubarkeit.

Zur Projektarchitektur:

Im interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsprojekt DigiTaKS* verbinden sich technische Ausstattung mit individueller Diagnose, Kompetenzentwicklung und Training auf der Grundlage begleitender längsschnittlicher und multimethodischer Nutzungs- und Wirkungsforschung sowie entwickelter frei zugänglicher Lern- und Lehrmaterialien mit offenen Lizenzen:

  1. ein Digitales Basispaket bestehend aus Hard- und Softwaresuite,
  2. Instrumentarien zur digitalen Kompetenzdiagnose (Selftest ComDigiS* Test) und -entwicklung (Training ComDigiS* Train) sowie
  3. Open Educational Resources (OER).

Durch das multimethodische Forschungsdesign ermöglicht das Projekt die Bereitstellung empirisch fundierter Informationen über die Bedarfslage (vgl. Rathmann et al., 2022), Anforderungen und den faktischen Stand digitaler Kompetenzen der Studierendengeneration ebenso wie zu den umsetzungspraktischen Herausforderungen und Hürden von Digitalisierung in der Hochschulbildung (vgl. Schmidt-Lauff et al., 2022; Schubert et al.). Auf der Grundlage begleitender längsschnittlicher und multimethodischer Nutzungs- und Wirkungsforschung werden seit 2021 drei Studierendenjahrgänge an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU) der Fächergruppen Bildungs- und Erziehungswissenschaft, Geschichte und Psychologie forschend begleitet. Zur Analyse, Diagnose und Entwicklung transformativer digitaler Kompetenzen bilden den Verbundrahmen von DigiTaKS* insgesamt fünf transdisziplinäre Arbeitspakete mit folgenden Schwerpunkten:

Arbeitspaket 1:

Digitales Arbeiten und Lernen im Studienalltag bearbeitete Fragen der transformativen digitalen Kompetenzentwicklung für Studium und Beruf. Auf Basis einer initialen Bedarfs- und Anforderungsanalyse (Rathmann et al., 2022) erfolgte eine Längsschnittstudie über drei Studienkohorten (Jg. 21, Jg. 22, Jg. 23) zu digitalen Schlüsselkompetenzen und Arbeitspraktiken im Studienalltag. Diese umfasste:

a) quantitatives Monitoring mit Fragebögen;

b) qualitative Vertiefungsstudien mit Interviews und Beobachtungen;

c) Prozessanalysen digitaler Kompetenzentwicklung.

Interessant bei diesem Lernpaket ist der Einblick in das Arbeiten mit farblich gestalteten Lernebenen, wie man sie aus dem geteilten Arbeiten von Arbeitsgruppen im Internet bereits kennt, ebenso das adaptieren der analogen Arbeitsweisen für digital unterstützte Arbeitsformen.

Arbeitspaket 2:

Entwicklung und Ausgabe des digitalen Basispakets „Open Work & Study“ setzte an der studierendenseitigen Infrastruktur für das digitale Studium an und definierte ein Hard- und Softwarepaket mit hoher technischer Funktionalität, das bis dato als Grundausstattung für das geistes- und sozialwissenschaftliche Studium dient. Die Nutzer*innen der drei Studienjahrgänge werden von sämtlichen digital-technisch-administrativen Aufgaben entlastet, benötigte Software kann zentral auf allen Geräten installiert werden oder wird über einen „Kiosk“ individuell ergänzt. Damit können sich der Lehrbetrieb und die Studierenden frei von technischen Fragen auf die Inhalte konzentrieren. Über die Veränderung der Lehrinhalte auf eine Kombination mit einer digital unterstützten Arbeitsweise finden wenig Aussagen.

Arbeitspaket 3:

Entwicklung eines Tools zur Diagnose und Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen von Studierenden entwickelt das auf dem EU-Referenzrahmen DigComp 2.2 basierende Tool ComDigiS* als offene Lernressource mit zwei Komponenten. Das Tool ermöglicht eine nachhaltige und bedarfsgerechte Aneignung digitaler Kompetenzen im Selbststudium. Der spezifische Wissensstand kann über das Diagnosetool (ComDigiS* Test) ermittelt werden und in individualisierbaren Lernpfaden sowie entlang eigener Lerninteressen umgesetzt werden (ComDigiS* Train). Die Studierenden werden dabei durch praxis- und studiennahe Inhalte und Beispiele in ihrer Lebenswelt abgeholt.

Arbeitspaket 4:

Entwicklung und Pilotierung kollaborativer und synchron hybrider Lehr-Lern-Settings an Universitäten zielt auf die didaktische Entwicklung und Pilotierung von synchron-hybriden Lehr-Lern-Settings für zeitgleiche Online- und Präsenzteilnahme zur hochschul- wie (international) länderübergreifenden Zusammenarbeit im digitalen Raum. Dazu gehören die partizipative Förderung digitaler Schlüsselkompetenzen der Studierenden für und in synchron-hybriden Lehr-Lern-Settings sowie die Entwicklung offener Lernressourcen und digitaler Tools sowie die technische Ausstattung eines Pilot-Seminarraums.

Arbeitspaket 5:

Diversität und Partizipation im digitalen Lernen begreifen die Diversität der Studierenden als zu nutzende Ressource für die Partizipation im digitalen Lernen und für digitale Kompetenzentwicklung. Ziel ist die Identifikation von Diversitätsressourcen und Gelingensbedingungen für studentische Partizipation in und ihre Professionalisierung für digitale Lernsettings. Erkenntnisse aus dem qualitativen Forschungsdesign mit Studierenden fließen ein in die partizipative Entwicklung und Erprobung digitaler Lernsettings unter dem Ziel von Zugänglichkeit und Barrierefreiheit.

Diskussion

Die Strukturierung des Projekts nach dem klassischen Projektmanagement ist scheint sehr gelungen. Die formale Betonung durch die Projektdarstellung lässt die inhaltliche Seite für Außenstehende etwas wenig nachvollziehbar zurück.

Fazit

Die Publikation zeichnet sich aus durch eine sehr umfangreiche Recherche der Literatur und weiterführend durch eine methodisch sehr gute Aufarbeitung der Thematik – im Rahmen des Projektmanagements. Gleichzeitig wird eine sehr pädagogische Sichtweise der transformativen digitalen Kompetenzen sichtbar, der eine Verflechtung mit der studentischen Praxis abgeht. Alleine die Klärung der Definition dieser Kompetenzen in Verbindung mit den konkreten Praxisbereichen des Transformationsmanagements wäre ausbaubar.

Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement an der FH Oberösterreich, Department für Sozial- und Verwaltungsmanagement und ist Berater insbesondere für die prozessbasierte Optimierung und Neugestaltung von sozialen Dienstleistern
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Es gibt 132 Rezensionen von Paul Brandl.

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ISSN 2190-9245