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Uwe Elsholz, Stefan Klusemann et al.: Auf der Suche!?

Rezensiert von Dr. Günther Vedder, 26.06.2026

Cover Uwe Elsholz, Stefan Klusemann et al.: Auf der Suche!? ISBN 978-3-7639-7828-1

Uwe Elsholz, Stefan Klusemann, Julia Schütz:Auf der Suche!? New Work und New Learning des Bildungspersonals. wbv (Bielefeld) 2025. 144 Seiten. ISBN 978-3-7639-7828-1. 39,90 EUR.

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Thema

Zentrales Thema des Buches sind die veränderten Lern‑ und Arbeitsbedingungen des Personals in der Beruflichen Bildung, Erwachsenenbildung und Hochschulbildung unter den Bedingungen der digitalen Transformation. Die Arbeit und das Lernen des Bildungspersonals zeichnen sich zunehmend durch flexible Strukturen und eine individuelle Gestaltung aus. Sie erfordern neue Kompetenzen, die zum Beispiel in organisationsübergreifenden Netzwerken zum Einsatz kommen. Die Betroffenen suchen nach Orientierung, nach neuen pädagogischen Praktiken und nach einem veränderten professionellen Selbstverständnis.

Autorinnen und Autoren

Dr. Uwe Elsholz ist Professor für lebenslanges Lernen und Prorektor für Weiterbildung, Transfer und Internationalisierung an der FernUniversität Hagen.

Dr. Stefan Klusemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung des Instituts für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität Hagen.

Dr. Julia Schütz ist Professorin und Lehrgebietsleitung im Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung an der FernUniversität Hagen.

Aufbau und Inhalt

Das 142 Seiten umfassende Buch ist in wissenschaftlicher Fachsprache verfasst und besteht aus fünf größeren Kapiteln. Es dokumentiert ein kleines Forschungsprojekt, das kurz nach der Gründung des Forschungsschwerpunktes „Arbeit – Bildung – Digitalisierung“ an der FernUniversität in Hagen initiiert wurde.

Kapitel 1 führt unter dem Titel „Perspektiven auf New Work und New Learning. Eine erziehungswissenschaftliche Annäherung“ zum Thema hin. Es geht um alte und neue, wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Diskurse zur Neuen Arbeit. Der Begriff New Work ist konzeptionell eng mit dem Philosophen Frithjof Bergmann verknüpft, der ihn in den 1980er Jahren vor dem Hintergrund der Krise in der US-amerikanischen Automobilindustrie prägte. Zwei essenzielle Grundannahmen von ihm lauteten: „Arbeit ist unendlich“ aber „Arbeitsplätze sind knapp“. Es ging ihm inhaltlich darum, die Arbeit so zu transformieren, dass sie freie, selbstbestimmte menschliche Wesen hervorbringen kann. Die Forderung nach einer „Arbeit, die wir wirklich, wirklich wollen“ wurde zu seinem Leitbild. Auch die Autoren Negt, Laloux, Schermuly und Helmold haben sich mit den zukünftigen Anforderungen an eine neue Arbeit beschäftigt. Der Startpunkt des Diskurses zu New Learning lässt sich keiner bestimmten Person zuordnen, geht aber auf Vorarbeiten von John Dewey zurück. Er stellte Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Laborschule in Chicago experimentelle und soziale Lernerfahrungen in den Mittelpunkt. Vermittelt wurden neben theoretischen Fächern vor allem handwerkliche und praktische Fertigkeiten zum Lösen konkreter Probleme. Das Konzept des New Learning beschreibt Lernen als kontinuierlichen, offenen, kollaborativen und praxisorientierten Prozess. Es ergibt sich weniger aus hierarchischen Strukturen, sondern es geht in den Verantwortungsbereich der Lernsubjekte über. Im Jahr 2020 wurde in diesem Kontext das Hagener Manifest „Lernen neu denken“ verabschiedet. Es beschreibt New Learning als kooperativ, situiert, kompetenzorientiert und datenintelligent. Auch das Neue Lernen setzt auf die Selbstbestimmtheit der Lernenden und fokussiert sich auf individuelle Voraussetzungen. Lernen wird angesichts der zunehmenden Digitalisierung in Unternehmen laut Baecker und Elsholz zu einer Frage der Haltung. Die Verbindung von New Work und New Learning wurde bisher erziehungswissenschaftlich kaum reflektiert, obwohl die Elemente Selbstbestimmung, Partizipation bzw. Teilhabe auch dort von zentraler Bedeutung sind.

Kapitel 2 nähert sich unter dem Titel „Auf der Suche in Literaturdatenbanken – im Format eines Critical Review“ konzeptionell der Thematik an. Es wurde die deutschsprachige Literatur zum Thema aus den Jahren 2019 bis 2024 ausgewertet. 59 Studien aus der beruflichen Bildung, 47 Studien aus der Erwachsenenbildung und 84 Studien aus dem Hochschulbereich wurden einer inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse angelehnt an Kuckartz unterzogen. Ausgangspunkt der Erörterungen sind in der Regel die Beobachtungen zu Veränderungen der Arbeitswelt infolge von Digitalisierung und sich daraus ergebende veränderte Kompetenzanforderungen. Im Zuge der digitalen Transformation führt das Skill-Management zu individualisierter Bildungsarbeit. Das Ausbildungspersonal erstellt Kompetenzprofile und darauf aufbauende Bildungs‑ sowie Beratungsangebote. Die Fähigkeit zum selbstorganisierten Lernen und netzwerkförmigen Arbeiten unter digitalen Bedingungen wird zentral. Im Hochschulbereich wird der KI-Literacy eine große Relevanz zugeschrieben. Berufsbilder, Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen der Arbeitswelt verändern sich teilweise deutlich. Das eher kurze Kapitel 3 beschreibt unter dem Titel „Methodologische Verortung und methodisches Vorgehen“ den Aufbau der eigenen Studie. Gewählt wurde ein qualitatives Vorgehen mit Experteninterviews (mit Führungskräften) und Gruppendiskussionen (mit hauptamtlich beschäftigten pädagogisch Tätigen).

Kapitel 4 trägt den Titel „New Work und New Learning im Bildungsbereich. Ergebnisse der qualitativ-empirischen Analyse“. Zunächst wird deutlich, dass die Begriffe New Work und New Learning kein fester Bestandteil der Sprache des untersuchten Feldes sind. Zwar haben sich die verbreiteten Arbeits‑ und Lernformen deutlich verändert, doch werden die beiden Modebegriffe kaum verwendet. Zu den modifizierten Arbeitspraktiken gehört die Vervielfältigung von Kommunikations‑ und Kollaborationsformen, die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort sowie die Veränderung der Führungsarbeit. Im Bildungsbereich ist eine deutliche Transformation der Angebots‑ und Programmplanung zu beobachten. Auch die Praktiken des Lernens haben sich stark verändert. Der gravierende Bedeutungsanstieg des eigenverantwortlichen Lernens ist nicht zu übersehen. In dem dynamischen technologischen Feld gibt es neue Lerninhalte, Kompetenzanforderungen und Professionalisierungstendenzen. Im organisationalen Bereich zeichnet sich der Aufbau agiler Strukturen an Hochschulen und in der beruflichen Bildung ab. Es entstehen neue Stellen zur Sicherung von Handlungs‑ und Expertenwissen im Bereich der sich transformierenden Lehre. New Work und New Learning sind mit New Organization (ausgeprägten organisationalen Veränderungen) im Bildungsbereich verbunden.

Kapitel 5 nimmt unter dem Titel „Und jetzt? Wie weiter mit New Work und New Learning?“ eine erziehungswissenschaftliche Perspektive ein. Das Bildungspersonal benötigt zunehmend Future Skills, die nur teilweise im Bereich der technologischen Kompetenzen liegen. Es geht darüber hinaus um individuelle Agilität, um Experimentierfreudigkeit und Wandlungsfähigkeit. Im Gegensatz zum geläufigen Dazu-Lernen steht eher ein Umlernen an, um das bisherige Mindset zu verändern. New Learning und New Work zeigen sich in einer starken Reflexionsfähigkeit als Ausgangspunkt für rationales Handeln. Es gibt eine gewisse Desorientierung (Was muss den überhaupt noch gelernt werden?), die einen professionellen Perspektivenwechsel im Bildungsbereich erforderlich macht. Sich auflösende Gewissheiten erfordern zunehmend ein transformatives Lernen, eine Öffnung für neue Handlungspraktiken. Das Bildungspersonal berichtet wiederholt von der Nichtantizipierbarkeit von Zukunft (Wir wissen gar nicht, wo die Reise hingeht). Es begegnet der daraus resultierenden Unsicherheit mit einer verstärkten Vernetzung zum Austausch von Erfahrungswissen sowie der Reflexion der eigenen Rolle. New Work und New Learning können dabei helfen, Ambiguitätstolerenz auszubilden und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Diskussion

Das Buch „Auf der Suche!? New Work und New Learning des Bildungspersonals“ von Uwe Elsholz, Stefan Klusemann und Julia Schütz greift ein sehr aktuelles Thema auf: Wie verändert sich das Arbeiten und Lernen des Personals in der Beruflichen Bildung, Erwachsenenbildung und Hochschulbildung im Rahmen der digitalen Transformation? Während die Modebegriffe New Work und New Learning noch nicht wirklich in die Alltagssprache der in diesen Feldern arbeitenden Menschen übergegangen ist, stellen die Betroffenen doch deutliche Veränderungen ihrer Rahmenbedingungen fest. Das Arbeiten bringt ein besonderes Maß an Flexibilität (hinsichtlich Ort, Zeit, Inhalten…) mit sich. Lernprozesse erfordern neue Kompetenzen, wenn es um ein zunehmend kurzfristiges und problemorientiertes Lernen geht. Kollaborative und erfahrungsbasierte Lernformen gewinnen an Relevanz, insbesondere in organisationsübergreifenden Netzwerken. Viele Beschäftigte im Bildungsbereich suchen vor diesem Hintergrund aktuell nach Orientierung und einem veränderten professionellen Selbstverständnis. Das Buch analysiert wissenschaftlich fundiert die Konsequenzen der digitalen Transformation in verschiedenen Bildungssektoren. Es beschreibt aus einer pädagogischen Perspektive die Suchprozesse und Unsicherheiten des dort arbeitenden Personals. New Work, New Learning und New Organization liefern dabei einen Deutungsrahmen für tiefgreifende Veränderungen.

Fazit

Für Personen, die professionell in den Bereichen Berufliche Bildung, Erwachsenenbildung und Hochschulbildung tätig sind, ist das Buch „Auf der Suche!? New Work und New Learning des Bildungspersonals“ sehr zu empfehlen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie das Gefühl haben, nicht genau zu wissen, in welche Richtung sich ihr Berufsfeld in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die wissenschaftliche Studie von Uwe Elsholz, Stefan Klusemann und Julia Schütz liefert dazu wichtige Impulse und regt zum Nachdenken an.

Rezension von
Dr. Günther Vedder
Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibniz Universität Hannover
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Es gibt 18 Rezensionen von Günther Vedder.

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ISSN 2190-9245