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Elke Kruse: Von der Kindergärtnerin zur Kindheitspädagogin

Rezensiert von Prof. Dr. Daniela Ulber, Prof. Dr. Dagmar Bergs-Winkels, 09.07.2026

Cover Elke Kruse: Von der Kindergärtnerin zur Kindheitspädagogin ISBN 978-3-8252-5949-5

Elke Kruse:Von der Kindergärtnerin zur Kindheitspädagogin. Entwicklungslinien der Qualifizierungswege für Kindheitspädagogik. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2025. 176 Seiten. ISBN 978-3-8252-5949-5. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 25,50 sFr.
Reihe: Kindheitspädagogik und Familienbildung .

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Thema

Das Thema der Publikation stellt die Entwicklungsgeschichte kindheitspädagogischer Qualifizierungen, ausgehend von deren Vorläufern seit dem 19. Jahrhundert dar. Dazu werden sowohl unterschiedliche Ausbildungen (Kindergärtner:in, Jugendleiter:in, Erzieher:in) als auch historisch relevante Entwicklungsschritte und Diskurse in den Blick genommen, u.a. die Verabschiedung von Ausbildungsordnungen, die Ideologisierung und Deprofessionalisierung im Nationalsozialismus, die Neuordnung sozialpädagogischer Berufe sowie die Akademisierung im Jahr 2004.

Autor:in

Prof. Dr. Elke Kruse ist Diplom-Sozialpädagogin und Diplom-Pädagogin. Sie hat im Jahr 2003 zum Thema Entwicklung und aktuelle Reformen der (Hochschul-)ausbildung für Soziale Arbeit promoviert und ist damit für ein anderes Berufsfeld der Entwicklung von Qualifizierungswegen hin zur hochschulischen Qualifikation mit Bachelor und Master nachgegangen. Seit 2011 ist sie Professorin für Erziehungswissenschaft, insbes. Pädagogik der Kindheit und Familienbildung, an der Hochschule Düsseldorf. Zuvor war sie mehrere Jahre als Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Theorie und Geschichte Sozialer Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin tätig. Zudem verfügt sie über berufliche Erfahrungen in unterschiedlichen sozialpädagogischen Tätigkeitsfeldern.

Aufbau

Das Buch ist chronologisch-historisch gegliedert und beinhaltet 6 Kapitel. Nach der Einleitung „Die aktuelle Situation der Ausbildung im Bereich der Kindheitspädagogik als Ausgangspunkt historischer Vergewisserung“ wird im 2. Kapitel die Verberuflichung im 19. Jahrhundert thematisiert, es folgen Kapitel 3 mit Fokus auf Ausbildung und Beruf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Kapitel 4. Weiterentwicklung von Ausbildung und Beruf in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kapitel 5 widmet sich dem Aufbruch im 21. Jahrhundert mit der Teilakademisierung des Feldes und das letzte Kapitel umfasst ein kurzes Fazit.

Inhalte

Zu Beginn steht eine Einleitung, in der die Autorin die aktuelle Situation der Ausbildung im Bereich der Kindheitspädagogik beschreibt. Sie greift dabei gegenwärtige Debatten um Akademisierung und Professionalisierung auf. Die Einleitung dient somit als Ausgangspunkt für die folgende Analyse und stellt einen Bezug zwischen heutigen Herausforderungen und ihrer historischen Entwicklung her.

Das zweite Kapitel widmet sich der Verberuflichung im 19. Jahrhundert. Hier zeigt Kruse, dass Betreuung und Erziehung außerhalb der Familie zunächst nur wenig institutionalisiert waren. Tätigkeiten wie die von Gouvernanten, Ammen oder Schulschwestern bildeten frühe Formen der außerfamiliären Betreuung. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen der Industrialisierung entstand jedoch ein wachsender Bedarf an organisierter Kinderbetreuung. In diesem Zusammenhang entwickelten sich erste Schulungen für Betreuungspersonal sowie die Ausbildung zur Kindergärtnerin, insbesondere im Anschluss an die Ideen Friedrich Fröbels. Gleichzeitig war das Berufsfeld stark von der Leitvorstellung geprägt, dass Kindererziehung eine Form „weiblicher Mütterlichkeit“ sei.

Das dritte Kapitel behandelt Ausbildung und Beruf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In dieser Phase wird die Ausbildung zur Kindergärtnerin weiter gefestigt und institutionell verankert. Darüber hinaus entstehen neue Qualifikationsmöglichkeiten, etwa die Weiterbildung zur Jugendleiterin. Die Autorin beschreibt zudem Reformbestrebungen der 1920er Jahre, die auf eine Modernisierung des Berufsfeldes abzielten. Einen tiefen Einschnitt stellt jedoch die Zeit des Nationalsozialismus dar, in der es zu einer ideologischen Vereinnahmung und gleichzeitigen Deprofessionalisierung der pädagogischen Arbeit kam.

Im vierten Kapitel richtet sich der Blick auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier kommt es zu grundlegenden Neuordnungen der sozialpädagogischen Berufe, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland ab den späten 1960er Jahren. Es entsteht das Berufsbild der Erzieherin beziehungsweise des Erziehers, das sich zunehmend von der klassischen Kindergärtnerinnenausbildung abgrenzt. Parallel dazu werden auch die Entwicklungen in der DDR betrachtet, die eigene Ausbildungsstrukturen hervorbrachte. Zudem stehen die Reformdebatten der 1970er bis 1990er Jahre im Mittelpunkt, die eine stärkere institutionelle Differenzierung und Professionalisierung des Feldes vorangetrieben haben.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Aufbruch im 21. Jahrhundert, der durch eine zunehmende Akademisierung gekennzeichnet ist. Impulse hierfür kommen unter anderem durch internationale Vergleichsstudien wie PISA sowie durch den Bologna-Prozess, die eine stärkere wissenschaftliche Fundierung der Ausbildung unterstützen. In dieser Phase entstehen zahlreiche Studiengänge der Kindheitspädagogik, wodurch das Berufsfeld – wenn nur in geringem Umfang – akademisiert wird. Der Übergang von einer rein fachschulischen Ausbildung zu hochschulischer Qualifizierung markiert einen wichtigen Schritt hin zur Anerkennung als eigenständige Profession.

Abschließend fasst das sechste Kapitel die zentralen Entwicklungen zusammen und ordnet sie ein. Das Fazit verdeutlicht, dass die heutige Kindheitspädagogik das Ergebnis eines langen historischen Prozesses ist, der von gesellschaftlichen, politischen und bildungssystematischen Veränderungen geprägt wurde. Die Autorin zeigt auf, dass sich die Qualifizierungswege von informellen Tätigkeiten über berufliche Ausbildungen hin zu akademischen Studienstrukturen entwickelt haben.

Diskussion

Das Buch zeichnet umfassend und detailliert die historische Entwicklung von frühkindlicher Erziehung, Betreuung und – als Mitentwicklung der akademischen Studiengänge – auch Bildung nach. Sehr gut gelungen ist die Begründung der Professionalisierung und des Empowerments in einem spezifisch weiblichen Berufsfeld im Sinne der Unabhängigkeit und Berufstätigkeit von Frauen. Das Verhältnis von Studiengängen und Ausbildung wird gut beschrieben, beispielsweise in Hinblick auf die Übergänge zur Praxis. Auch die aktuell herausfordernde politische Situation und unzureichende finanzielle Ressourcen kommen zur Darstellung.

Die Eröffnung individueller Berufswege von Absolvent:innen der Studiengänge findet kurz Erwähnung, könnte aber im Sinne einer Qualifizierungsdebatte im Kontext von „Bildung von Anfang an“ pointierter und weitergehender beschrieben werden. Schließlich bezieht sich die Entwicklung der Akademisierung nicht nur auf Institutionen der Frühen Bildung, sondern wurde bewusst Institutionsübergreifend und mit einem größeren Altersspektrum angelegt. Mit der Akademisierung ist zudem ein wissenschaftstheoretischer Impetus verbunden, genauer gesagt die forschungsbasierte Entwicklung des Feldes.

Fazit

Die Publikation stellt eine hervorragende historische Perspektive zur Professionalisierung der Kindheitspädagogik dar. Zielgruppe sind sowohl angehende Erzieher:innen als auch Studierende der Kindheitspädagoik sowie Lehrende in den Bereichen. Besonders hervorhebenswert ist der fokussierte Blick auf weibliche Professonalisierung.

Rezension von
Prof. Dr. Daniela Ulber
HAW Hamburg
Professorin für Institutionsentwicklung und Management
Website
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Prof. Dr. Dagmar Bergs-Winkels
Mitglied in der Entwicklungsplanungskommission; Vorsitzende der Kommission für internationale Angelegenheiten
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Es gibt 1 Rezension von Daniela Ulber.
Es gibt 1 Rezension von Dagmar Bergs-Winkels.

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ISSN 2190-9245