Amina Kielblock, Stephan Kielblock: Erfolgreiche Qualitätsentwicklung für die Ganztagsschule
Rezensiert von Beate Lutze, 27.05.2026
Amina Kielblock, Stephan Kielblock: Erfolgreiche Qualitätsentwicklung für die Ganztagsschule. Ein Manual für die fachliche Begleitung. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2025. 186 Seiten. ISBN 978-3-8474-3160-2. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR.
Thema
Das Manual gibt eine ausführliche Beschreibung wesentlicher Elemente für die Qualitätsentwicklung von Ganztagsschulen mit Blick auf Angebotsgestaltung passend zu den Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird einerseits auf Basis verschiedenster Studien gearbeitet und andererseits auf den Erfahrungen aus vielen Fallbeispielen aufgebaut. Das Manual ist sowohl für Steuergruppen als auch für fachliche Begleitungen von Schulentwicklungsprozessen an Primar‑ und Sekundarganztagsschulen geeignet. Es stellt eine gute Verbindung und Anleitung für das Workbook als auch für die Downloadmaterialien her.
Autor:inen
Die Autor:innen sind Amina Kielblock und Stephan Kielblock. Amina Kielblock ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, DIPF, in der Abteilung Struktur und Steuerung des Bildungswesens. Sie hat an verschiedenen Forschungsprojekten zu Ganztagsschulen mitgearbeitet und veröffentlicht, wie z.B. an dem Forschungsverbund SchuMaS – Schule macht stark. Dr. Stephan Kielblock ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in der Abteilung Schulpädagogik/​Schulentwicklung und hat an verschiedenen Forschungen zu Qualität im Ganztag teilgenommen, wie z.B. der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen, StEG, und der Leitung des Qualitätsdialogs zum Ganztag.
Entstehungshintergrund
Mit dem Ausbau der Ganztagsschulen durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab August 2026 unterstützt dieses Manual Schulleitungen, Steuerungsgruppen und Ganztagsteams bei der Evaluierung ihrer Ganztagskonzeptionen, um Qualität zu verbessern und zu erhalten. Die darin beschriebenen Entwicklungstools, die als Vorlagen im Workbook enthalten sind, sind in verschiedenen Schulen erprobt worden und im Manual konkret mit Anregungen zur Umsetzung beschrieben.
Aufbau
Das Buch ist in 5 Hauptabschnitte untergliedert, die von der Begründung für Qualitätsentwicklung bis zur nachhaltigen Qualitätssicherung leiten. Alle Abschnitte beinhalten einerseits Forschungsergebnisse mit übersichtlichen Grafiken und andererseits konkrete Schritte zur Umsetzung in Verbindung mit Entwicklungstools aus dem Workbook. Die Kapitel in den Abschnitten begleiten durch den Prozess, können aber auch noch einmal konkret bei einzelnen Schritten zur Unterstützung genutzt werden. Alle Abschnitte und Unterkapitel werden mit kurzen Zusammenfassungen eingeleitet.
Inhalt
Das Manual ist in 5 große Abschnitte unterteilt, die mit ihren Unterkapiteln die Bedeutung der Qualitätsentwicklung und ‑sicherung des Ganztags schrittweise begründen und entwickeln.
Im ersten Abschnitt geht es vorrangig um die Begründung, warum und wie Ganztagsschulen sich entwickeln, Konzepte für den Ganztag bzw. die Qualität der Ganztagsangebote verbessert werden sollen. Grundlage dafür sind unterschiedliche Studien, insbesondere Ergebnisse der StEG‑ Studien von 2005 – 2019 und dem Forschungsverbund SchuMas – Schule macht stark.
Dabei wird die Bedeutung der Kind‑ und Jugendorientierung als professioneller Rahmen für die Qualität erläutert. Als Grundlage werden die individuellen Bedürfnisse, die objektivierten Bedarfe und die gesellschaftlichen Erwartungshorizonte aufgezeigt und mit den Entwicklungsaufgaben im Kindes‑ und Jugendalter abgeglichen. Die Autor:innen beziehen sich auf das Modell von Quenzel und Hurrelmann und erläutern die Entwicklungsaufgaben Qualifizieren, Binden, Konsumieren und Partizipieren konkret bezogen auf Anforderungen in der Ganztagsschule.
Zum Abschluss des ersten Abschnittes folgen Erläuterungen zum Einsatz des Manuals für Berater:innen, Steuergruppen und Leitungen.
Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Entwicklung und den Aufgaben von Steuerungsgruppen in Schulentwicklungsprozessen zur Qualitätssicherung an Ganztagsschulen. Dabei wird einerseits auf die Potenziale von Steuergruppen im Vergleich zu Einzelorganisator:innen wie Schulleitung eingegangen und andererseits verdeutlicht, wie wichtig die Einbeziehung der einzelnen Akteur:innen und deren Perspektive auf die Gestaltung des Ganztags und seiner Angebote ist. In einzelnen Unterkapiteln wird daher auf die Angebotsleitungen eingegangen, die sowohl aus Lehrkräften, festangestellten pädagogischen Fachkräften als auch aus externen Honorarkräften bestehen können und daher unterschiedlich im Ganztag eingebunden sind, aber alle eine Verantwortung für die Qualität der Angebote und deren Ausrichtung an den Entwicklungsaufgaben der Kinder und Jugendlichen tragen sollten. So wird im darauffolgenden Unterkapitel auf die Perspektive der Kinder und Jugendlichen eingegangen. Grundlage bilden Ergebnisse der World Vision Studie von 2018, die den Entwicklungsaufgaben Qualifizieren, Binden, Konsumieren und Partizipieren zugeordnet werden. Für die Partizipation der Kinder und Jugendlichen wie auch für die Angebotsleitungen werden in diesen Abschnitten Entwicklungstools und deren Einsatz ausführlich erläutert. Das letzte Unterkapitel dieses Abschnittes widmet sich der Funktion der Ganztagsschule zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Verminderung von Bildungsungleichheiten. Darin werden die Intentionen von Eltern bzw. Familien herausgearbeitet, sich für eine Ganztagsschule zu entscheiden, und Zusammenhänge zwischen eigenen Bildungserfahrungen, Herkunft und Wohnlage verdeutlicht. In Hinblick auf die Bildungspartnerschaften und die Schule als lernende Organisation werden Formen der Elternbeteiligung wie Mitentscheidung, Mitarbeit und Freiwilligenarbeit erläutert und mit Methoden wie kommunikative oder kooperative Beteiligung erweitert. Für die Methode der evaluativen Beteiligung werden Entwicklungstools konkret vorgestellt.
Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für den Ganztag. Die Autor:innen verweisen darauf, dass eine freiwillige und langfristige Teilnahme an guten Ganztagsangeboten zu besseren Noten und mehr Freundschaften führt. Die Unterkapitel legen den Fokus auf die Angebotsgestaltung und auf die Rhythmisierung bzw. das Zeitkonzept des Ganztags. Für das kinder‑ und jugendorientierte Ganztagskonzept werden anhand von Forschungsbefunden und vielen Fallbeispielen Entwicklungstools vorgestellt, die beispielsweise die Verzahnung mit dem Schulalltag, die verschiedenen Altersgruppen oder die Formen der Verbindlichkeit und Dauer der Teilnahme an den Angeboten berücksichtigen. Die Zielsetzung der Angebote beruht auf der Basis der Entwicklungsaufgaben Qualifizieren, Binden, Konsumieren und Partizipieren und beinhalten auch Hausaufgabenförderung, soziales Lernen oder neue Medien. In diesem Kapitel werden auch weitere Aspekte für die Konzeptionsentwicklung aufgeführt wie Rückzugsmöglichkeiten, Wohlbefinden oder Snacks am Nachmittag. Für das Zeitkonzept wird auf die Möglichkeiten der flexibleren Zeitgestaltung an Ganztagsschulen verwiesen. Offene Beginn‑ und Endzeiten, die Gestaltung des Vor‑ und Nachmittags sowie der Mittagszeit ermöglichen mehr Wechsel von Lern-, Übungs-, Bewegungs‑ und Freispielzeiten, auch wenn die meisten Ganztagsschule mit einer Trennung von Unterricht am Vormittag und Ganztagsangebote am Nachmittag arbeiten. Die hier vorgestellten Entwicklungstools ermöglichen eine schnelle und teilstandardisierte Erfassung der Perspektive der Kinder und Jugendlichen.
Der vierte Abschnitt befasst sich mit der Gestaltung und Optimierung der Angebote im Ganztag. Hier wird herausgearbeitet, dass eine kinder‑ und jugendorientierte und zielorientierte Konzipierung zu Transparenz und langfristiger Realisierung beiträgt und die Reflexion und Weiterentwicklung erleichtert. In einem weiteren Unterkapitel werden Qualitätskriterien und Methoden für die Angebotsentwicklung aufgestellt, die den Fokus auf das Angebotsdesign, die Gestaltung sowie die soziale Eingebundenheit und Kompetenzerleben als Qualitätskriterien legen. Dazu werden Workshopformate und Entwicklungstools vorgestellt.
Der letzte Abschnitt befasst sich ausführlich mit der nachhaltigen Sicherung und Weiterentwicklung. Unter dem Aspekt des Wissensmanagements wird aufgezeigt, wie Angebotskonzepte und Erfahrungen bei Personalwechsel weitergegeben und neue Fachkräfte integriert werden können. Auch externe Honorarkräfte sollten durch organisatorische und pädagogische Einführungen eingebunden werden. Dieses Wissensmanagement dient auch als Teamaufgabe um Ressourcen und Potenziale wahrzunehmen. Des Weiteren werden verschiedene Dialogformate als mögliche Methoden umrissen, um die Bedeutung dialogischer Prozesse in allen im Manual vorgestellten Abschnitten zu verdeutlichen, sodass Vielfalt berücksichtigt und Dialogstrukturen und Ergebnisse gesichert werden können.
Diskussion
Das Manual ist eine wertvolle Handreichung für Schul‑ und Ganztagsleitungen, Steuerungsgruppen und fachliche Prozessbegleitungen, um Schulentwicklungsprozesse zu steuern, die auf die Qualitätsentwicklung des Ganztags gerichtet sind. Durch den Ausbau der Ganztagsschulen und zunehmend heterogene Schüler:innenschaften sind Ganztagsschulen gefordert, Ganztagskonzepte zu entwickeln und Qualität zu sichern. Dieses Buch legt dabei einen Fokus darauf, Ganztagsangebote nicht nur als Freizeitangebote zu definieren, sondern sie an den Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen zu orientieren und entsprechend der Schüler:innenschaft den Kompetenzerwerb und die Partizipation der Kinder und Jugendlichen einzuplanen. Auf Grundlage von Forschungsergebnissen wird hier schrittweise begründet und entwickelt, wie Qualität im Ganztag ermöglicht und gesichert werden kann. Gleichzeitig zeigen die Daten der Studien wie die StEG-Studien von 2005 bis 2019 oder die World Vision Studie von 2018, dass hier mit dem Ausbau des Ganztags und der schnellen Weiterentwicklung der neuen Medien, insbesondere dem Einsatz künstlicher Intelligenz, neue Studien sinnvoll sind. Die vielen Fallbeispiele verdeutlichen die Machbarkeit und gleichzeitig Notwendigkeit passgenauer Umsetzungen zur jeweiligen Schulsituation. Die Erläuterung des Ablaufs und Einsatzes der einzelnen Entwicklungstools stellen dabei eine gute Unterstützung für die Planung und Gestaltung des Entwicklungsprozesses dar.
Fazit
Das Manual ist ein fachlich und praktisch anwendbarer Leitfaden für die Qualitätsentwicklung und ‑sicherung von Ganztagsschulen, deren Angebote sich an den Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen orientieren, um soziale Beziehungen, Kompetenzerwerb und Partizipation zu fördern. Es ist ein gut strukturiertes Instrument für Steuerungsgruppen und Schul‑ bzw. Ganztagsleitungen, um die Schulentwicklungsprozesse zu gestalten und die vorgestellten Entwicklungstools aus dem Workbook oder als Downloadmaterial auf die jeweilige Institution angepasst einzusetzen.
Rezension von
Beate Lutze
8 Jahre Leitung der offenen Ganztagsbetreuung der Schinkel-Grundschule, seit 2019 Lehrkraft an der Fachschule für Sozialpädagogik des Pestalozzi Fröbel-Haus Berlin
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