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Charlotte Hanisch, Thomas Hennemann et al.: Emotionale und Verhaltensprobleme in der Schule

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 24.12.2025

Cover Charlotte Hanisch, Thomas Hennemann et al.: Emotionale und Verhaltensprobleme in der Schule ISBN 978-3-8017-3095-6

Charlotte Hanisch, Thomas Hennemann, Manfred Döpfner: Emotionale und Verhaltensprobleme in der Schule. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2025. 156 Seiten. ISBN 978-3-8017-3095-6. D: 26,95 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 36,00 sFr.
Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie - 35.

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Thema

Der Leitfaden legt den Schwerpunkt bei sich gegenseitig verstärkenden emotionalen und Verhaltensproblemen sowie schulischen Schwierigkeiten auf Schulinterventionen. Er beschreibt hierfür ein gründliches diagnostisches Vorgehen vor dem Hintergrund individueller und schulischer Bedingungen für eine zielführende Interventionsplanung und Verlaufskontrolle. Dieses Buch richtet sich an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen, Kinder- und Jugendpsychiater:innen, Schulpsycholog:innen, Sonderpädagog:innen, Studierende und Lehrende in der psychotherapeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Autor:innen

Charlotte Hanisch ist Professorin für Psychologie und Psychotherapie in Heilpädagogik und Rehabilitation an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Sie leitet außerdem die Hochschulambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Universität zu Köln. Ebenfalls an der Universität tätig ist Thomas Hennemann, der eine Professur für Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung innehat. Manfred Döpfner war über 30 Jahre leitender Psychologe an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Köln sowie dort Inhaber eines Lehrstuhls für Psychotherapie der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Außerdem leitete er bis zu seiner Pensionierung 25 Jahre das Ausbildungsinstitut für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an der Uniklinik Köln.

Aufbau und Inhalt

Die Schule spielt eine sehr große Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen – kann sie doch entwicklungsförderlich wirken, aber auch als Belastung erlebt werden, wenn beispielsweise Leistungsanforderungen nicht erfüllt werden oder soziale Exklusion droht. Verschiedene psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters gehen mit schulischen Problemen einher. Am häufigsten müssen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen mit Personen im Bereich der Schule in Kontakt treten, wenn sie Kinder und Jugendliche mit ADHS behandeln. Aber auch in der Therapie von Leistungs- und sozialen Ängsten, Schulvermeidung, Depressionen, Störungen des Sozialverhaltens oder Autismus-Spektrum-Störungen werden in der Regel schulbezogene Themen angesprochen. Der Leitfaden legt den Fokus auf Schule und ist damit eine Ergänzung der störungsspezifischen Bände der Reihe.

Zunächst werden die theoretischen Grundlagen sowie nationalen und internationalen Befunde zu wirksamen schulischen Interventionen bei emotionalen und Verhaltensproblemen berichtet. Aber werfen wir einen genaueren Blick in dieses Buch, wozu wir aus jedem der Teile ein Kapitel näher betrachten.

Im ersten Teil Stand der Forschung zu emotionalen und Verhaltensproblemen in der Schule wird schnell deutlich, dass ein Schulbesuch ohne Erfolge das Risiko, emotionale und Verhaltensprobleme zu entwickeln, erhöht. Forschungen zeigen deutlich, dass im Jugend- und Erwachsenenalter Depressionen, Suchtprobleme, aber auch das gleichzeitige Auftreten mehrerer psychischer Störungsbilder wahrscheinlicher werden – und auch die Gefahr von Suizidalität scheint mit Schulmisserfolg zu korrespondieren. Die Folgen können also dramatisch sein. Umso wichtiger ist es, Risikofaktoren identifizieren zu können, die zur Entstehung, aber auch zur Manifestierung von emotionalen und Verhaltensproblemen in der Schule beitragen können. Hier betrachten die Autor:innen mehrere Ebenen. So können aufseiten des jungen Menschen zum Beispiel familiäre Risikofaktoren bestehen, worunter ungünstige Erziehungsbedingungen, psychische Störungsbilder aufseiten der Eltern, aber auch zu hohe oder zu niedrige Anforderungen seitens der Eltern subsumiert werden. Besonders im Fokus sind Jungen, bei denen „eine Zunahme an externalisierendem Problemverhalten durch (…) elterliche Scheidung, Tod, ernsthafte Erkrankung von Elternteilen oder Freund:innen oder außerhäusliche Unterbringung“ (S. 9) erklärbar zu sein scheinen. Aber auch in Schulstruktur oder -organisation lassen sich Risikofaktoren identifizieren: Hier ist insbesondere das Schulklima zu benennen, für das die Forschung vier Dimensionen benennt: Lehr- und Lernqualität, die Gemeinschaft, die strukturelle und physische Lernumwelt und die Sicherheit. Das Vorhandensein dieser Dimensionen begünstigt nicht bloß die schulische Leistung, sondern auch zum Beispiel Problemlösefähigkeiten und reduziert die Gewaltbereitschaft. Klar ist aber auch: „ein wenig unterstützendes Klima [begünstigt] die Entstehung emotionaler und Verhaltensprobleme“ (S. 10). Auch auf Ebene der Lehrer:innen und ihrer Beziehung zu den Schüler:innen lassen sich Risiko- und Schutzfaktoren identifizieren.

Der Schwerpunkt des zweiten Teils liegt auf der Beschreibung von Leitlinien zur Diagnostik, Interventionsplanung und Verlaufskontrolle sowie zu schulischen Interventionen. Es geht darum, die individuellen und schulischen Beziehungen und Rahmenbedingungen zu analysieren, um relevante Kontextbedingungen zu erkennen, die die Entstehung und Aufrechterhaltung der emotionalen und Verhaltensprobleme begünstigen. Ein gemeinsam erarbeitetes Bedingungsmodell dient dann als Basis für die weitere Interventionsplanung. Die Maßnahmen können an verschiedenen Ebenen ansetzen: So geht es z.B. um die Aufklärung und Beratung der Lehrkraft, der Verbesserung der Beziehung zwischen Lehrkraft und betroffenem Kind, um die Beziehungen innerhalb der Lerngruppe bzw. Klassengemeinschaft und um die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. Wenn schulische Maßnahmen nicht ausreichen, müssen gegebenenfalls weitere außerschulische Hilfen zur Unterstützung hinzugezogen werden. Diese Interventionen sind Teil störungsspezifischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und können zeitweise sogar im Vordergrund der Behandlung stehen. Die vorgestellten Interventionen können aber auch in schulpsychologischen oder sonderpädagogischen Kontexten genutzt werden, um über schulbasierte Interventionen emotionale und Verhaltensprobleme in der Schule zu reduzieren. Dies wird anhand von Fallbeispielen und Grafiken erläutert.

Im dritten Teil stellen die Autor:innen hilfreiche Materialien vor, die zur Exploration, Bedingungsanalyse, Interventionsplanung und -umsetzung genutzt werden können.

Diskussion

Fachliche Kompetenz trifft eine gut durchdachte Gestaltung – das führt dazu, dass die Verknüpfung von Grundlagenwissen mit Fallbeispielen nicht nur auf beeindruckende Weise Wissen und Haltung vermittelt, sondern dieses leicht zu verinnerlichen ist. So reiht sich auch dieses Buch in eine hervorragende Fachbuch-Reihe ein, sodass es uneingeschränkt für all jene Fachkräfte zu empfehlen ist, die mit emotionalen und Verhaltensproblemen in der Schule konfrontiert werden.

Fazit

Wer ein Buch aus der Hogrefe-Reihe „Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie“ kauft, kann nichts falsch machen – das ist auch bei dieser Neuerscheinung so!

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 203 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245