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Sven Schreivogel, Alexander Siebrecht (Hrsg.): Hollywood an der Leine - Film in Göttingen

Rezensiert von David Kreitz, 04.02.2026

Cover Sven Schreivogel, Alexander Siebrecht (Hrsg.): Hollywood an der Leine - Film in Göttingen ISBN 978-3-7410-0493-3

Sven Schreivogel, Alexander Siebrecht (Hrsg.): Hollywood an der Leine - Film in Göttingen. Ein Lesebuch. Schüren Verlag (Marburg) 2025. 456 Seiten. ISBN 978-3-7410-0493-3. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR.

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Thema

In den 1950er-Jahren war Göttingen ein bedeutendes Zentrum des deutschen Nachkriegsfilms. Das am 21. August 1948 eröffnete Filmatelier – ein umgebauter Flugzeughangar – galt damals als modernster Studiokomplex Deutschlands.

Bis 1961 wurden hier rund 100 Spielfilme hergestellt, darunter die Antikriegs-Filmklassiker „Hunde, wollt Ihr ewig leben?“ und „Nacht fiel über Gotenhafen“ sowie zahlreiche Heinz-Erhardt-Komödien. Damals war die Filmstadt Göttingen nur möglich, weil unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs allgemeine Aufbruchsstimmung herrschte und die Stadt weitestgehend unzerstört geblieben war. Es gab Infrastruktur, auf deren Grundlage man – im Gegensatz zu anderen Städten, vor allem den traditionellen Filmmetropolen Berlin und München – schnell wiederaufbauen konnte.

Das vorliegende Buch umfasst 35 Beiträge von 27 Autorinnen und Autoren. Dabei wird aber nicht nur die Spielfilmproduktion beleuchtet – in Göttingen war damals auch das größte Zeichentrickstudio beheimatet, jahrzehntelang das Institut für den Wissenschaftlichen Film, und bis heute gibt es eine enge Verknüpfung des Mediums Film mit verschiedenen Institutionen der hiesigen Georg-August-Universität. Auch Göttingens Kinogeschichte als „filmfreudigste Stadt“ der jungen Bundesrepublik und das Göttinger Filmfest aus den 1980er-Jahren werden im Buch gewürdigt. Fünf Jahre lang (2018–2023) war Göttingen auch Tatort-Stadt des Norddeutschen Rundfunks, bis der Rückzug nach Hannover verkündet wurde.

Herausgeber und Entstehungshintergrund

Sven Schreivogel und Alexander Siebrecht sind die Köpfe hinter dem Filmbüro Göttingen. Das Filmbüro Göttingen kümmert sich um die Aufarbeitung der südniedersächsischen Filmgeschichte und arbeitet am Aufbau eines regionalen Filmarchivs. Besonders beliebt sind eine Film- und Vortragsreihe sowie Stadtführungen zu Drehorten in der Göttinger Innenstadt. Der vorliegende Sammelband entstand vor dem Hintergrund des 75. Jubiläums der Filmstadt Göttingen und versteht sich als Lesebuch zu den diversen Facetten des Films in Göttingen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit Geleitwort und Vorworten der Herausgeber und gliedert sich dann in sieben Teile, bestehend aus unterschiedlich umfangreichen Beiträgen. Im Folgenden wird der erste Teil „Wie Göttingen Filmstadt wurde“ am ausführlichsten dargestellt, wohingegen die weiteren sechs Teile nur kurz umrissen werden.

 Sven Schreivogel eröffnet den ersten Teil des Bandes mit einem umfassenden Artikel zur Geschichte der Filmstadt Göttingen. Die lokale Filmhistorie wird eingebettet in den Kontext der deutschen Filmproduktion nach 1945, bevor dann die Entstehungsgeschichte des Filmateliers und der Filmaufbau Göttingen GmbH, sowie die Biografien der Gründer Hans Abich und Rolf Thiele ausgebreitet werden. Schließlich werden die maßgeblichen Stränge des Filmschaffens in Göttingen dargestellt: vom Trümmerfilm „Liebe 47“ nach Borcherts „Draußen vor der Tür“, über das ermöglichte Comeback des NS-Propaganda-Regisseurs Veit Harlan (u.a. „Jud Süß“, „Kolberg“) zu den Komödien mit Curt Götz, Valérie von Martens, schließlich die Erhardt-Filme, die Thomas-Mann-Verfilmungen und die Anti-Kriegsfilme. Diese Gesamtschau wird garniert mit reichlich Fotomaterial und zeitgenössischen Zeitungsartikeln.

Günther Siedbürger stellt den Lesenden dann „Die Stadt in die Hans Abich und Rolf Thiele kamen“ vor und zeichnet in seinem Text ein Panorama von Göttingen in den Nachkriegsjahren. Der Text umfasst auch eine Rückschau auf das nationalsozialistische Göttingen, die Befreiung und den Übergang von amerikanischer zu britischer Verwaltung. Unter Überschriften wie „Essen“, „Arbeiten“ und „Voller Flüchtlinge“, um nur einige zu nennen, werden die Stadt und die Zeit, in der Abich und Thiele Film machen wollten, plastisch – wiederum unterstützt durch passendes Bildmaterial.

Auf zwei Seiten fügt sich hier dann ein Rückblick auf den ersten westdeutschen Nachkriegsfilm an: „Zugvögel“, dessen Außenaufnahmen teilweise im südniedersächsischen Bodenfelde an der Weser entstanden.

Der Beitrag von Barbara Fischer „Zwei Herren in Göttingen. Die Filmaufbau Göttingen, ihre Rolle im Wiederaufbau des deutschen Films und der Einfluss filmpolitischer Strukturen“ nimmt die Freundschaft von Thiele und Abich vor dem Hintergrund ihrer geschäftlichen und filmischen Zusammenarbeit in den Blick. Detaillierter als im Artikel von Schreivogel geht die Autorin auf die Göttinger Linie ein, die für anspruchsvolle, gesellschaftskritische Filme entgegen dem auf Seichtigkeit gepolten Zeitgeist steht. 

Thorsten Hoppe und Peter Stettner steuern einen aktualisierten Beitrag zu „Der Nachlass der Filmaufbau GmbH im Archiv des Filminstituts Hannover“ (www.filminstitut-hannover.de) bei und gewähren Lesenden damit einen Einblick in die Erschließung des Nachlasses, die wiederum die Grundlage darstellt für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung. Schließlich umfasst dieser Nachlass nicht nur die Filme, sondern mehrere hundert Fotografien der jeweiligen Filmproduktionen.

Der nächste Beitrag von Jörn Barke ist wiederum eine Neuauflage – diesmal einer Artikelserie aus dem Göttinger Tageblatt. Barke nimmt uns mit auf die Reise des Göttinger Paars Carola Bornée und Gero Wecker, die die Arca-Film gründen und schließlich ein Filmunternehmen mit Dependancen in Göttingen, Berlin (bald Hauptwirkungsort) und Rom aufbauen werden. Bekannt sind heute noch die Immenhof-Filme. Doch auch die Aufklärungsfilme von Oswald Kolle und andere kontroverse Filme gehen auf das Konto der Arca-Film, sodass der Artikel einen interessanten Einblick in Diskussionen um FSK und Jugendschutz bietet.

„Ohne Verleih keine Filmstadt“ titelt Michael Petzels Beitrag und vergegenwärtigt den Lesenden die wichtige Rolle der Panorama-Filmgesellschaft und ihres Eigners Willy G. Sewerien für die Filmstadt Göttingen. Und überhaupt: Hier lernen Lesende, wenn sie es nicht schon wussten, dass es oftmals der Verleih ist, der erst den Ausschlag gibt, um einen Film zu produzieren. Denn: die Filmverleihe haben die Einblicke in das Marktgeschehen, wissen, was geht, was beliebt ist. So erhalten die Lesenden – auf der Folie der Regionalgeschichte – wesentliche Einblicke in die wirtschaftliche Struktur des Filmemachens. 

Das Thema Filmverleih findet sich auch im nächsten Beitrag zu „Die ‚Neue Filmkunst‘ und Walter Kirchner“, geschrieben von René Grohnert und fokussierend auf „Avantgarde-Filme und -Plakate für die junge Bundesrepublik“ (so der Untertitel). Nicht nur die Filme, die Kirchner verlieh (ganz mehrheitlich künstlerische Autorenfilme), sondern auch die für die Filme gestalteten Plakate waren jenseits des Mainstreams und ergänzten sich somit ganz wunderbar.

Der Beitrag von Norman Lippert macht die Lesenden dann auf „Die Exportgeschichte des Göttinger Films“ aufmerksam. Reich bebildert mit ausländischen Filmplakatfotos Göttinger Produktion erfährt man Hintergründe zur Exportgeschichte des deutschen Films als solchem, die Spezifika des US-Exports und wie die Göttinger Produktionen in alle Welt gerieten.

Den Abschluss dieses ersten Teils des Buches bildet ein auf Zeitzeugenberichten basierender Artikel von Claudia Klaft. „Das pralle Leben an der Leine“ – zuvor bereits in Michael Petzels „Filmstadt Göttingen“ (2023) veröffentlicht – verwebt Erinnerungen und O-Töne zu verschiedenen Themen, wie die Suche nach Kompars:innen und Drehorten, aber auch die Anwesenheit der Stars in Göttingen, das Filmgeschäft als Kunde und die Erinnerungen an den Filmarchitekten Walter Haag.

Der zweite Teil des Sammelbandes stellt „Persönlichkeiten aus Göttingens Filmgeschichte“ vor.

Den Auftakt macht dabei ein Artikel von Sven Schreivogel über das Gesicht der Filmstadt Göttingen: Heinz Ehrhardt – und seine dort gedrehten Filme.

Der bereits von Zeitzeug:innen erinnerte Walter Haag ist „In Göttingen vergessen“, was der reich mit Kulissenfotos bebilderte Beitrag von Klaus Wettig ändern möchte.

Hans-Jürgen Kutzner, der immer wieder gefragt wurde „Was macht dein Papa da eigentlich“ zeichnet ein persönliches Bild seines Vaters, des Filmarchitekten Hans Kutzner, wobei der Artikel darüber hinaus die Detailliertheit von gezeichneten Kulissenentwürfen verdeutlicht.

René Grohnert nimmt in seinem Beitrag wiederum Filmplakate in den Blick, wobei er diesmal auf Karl-Heinz Fehrecke und dessen Arbeiten für die Arca-Film scharfstellt. Fehrecke nutzte für die Plakate zumeist Standfotos aus den Filmen als Vorlage und ergänzte diese um Aufnahmen im eigenen Fotostudio.

„Um dem Schauspiel einen breiteren Rahmen zu geben“ gab es durchaus zahlreiche „Darstellende aus Göttinger Theatern in Göttinger Filmen“ und auch der bekannte Intendant Heinz Hilpert hatte einige Auftritte vor der Kamera. Dass es sich jedoch um ein Wechselspiel handelt und auch Filmstars auf die Bühne des Göttinger Deutschen Theaters strebten, weiß Michael Schäfer zu berichten.

Architektur und Plakate sind bereits behandelt, aber zum Film gehört natürlich auch Filmmusik und so werden den Lesenden sowohl die in Göttingen wirkenden Filmkomponisten vorgestellt, aber auch der „Jazz kommt über Kinos und Filme nach Göttingen“, so Udo Hinz. In den Kinos wurde live gespielt und im Film traten Jazzmusiker als Komparsen auf.

„Das Atelier, die Keimzelle der Produktion“ als dritter Teil des Buches wird wiederum von Sven Schreivogel mit einer Geschichte des Ateliergebäudes eröffnet, welches vom Flugplatzhangar zum modernen Film-Atelier zum Gebäude des Sartorius Campus wurde – und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bieten würde.

Diese unterschiedlichen Funktionen des Gebäudes werden im Folgebeitrag von Hans-Jürgen Kutzner noch einmal explizit herausgearbeitet und in den zeithistorischen, auch architektonischen, Kontext eingebettet.

Mit dem nächsten, dem vierten Teil des Buches werden Lesende mit einem noch weniger bekannten Thema konfrontiert, der „Göttinger Trickfilmproduktion“. Anna Schlenker schreibt „Die Geschichte des Trickfilms in Göttingen“, wobei Gerhard Fieber im Mittelpunkt steht, bekannt dadurch, dass er Wilhelm Buschs Tobias Knopp das Laufen auf der Leinwand beibrachte.

In Adelheid Maria Hungers Beitrag „100 Jahre Herbert Hunger “erinnert sie sich des Lebens und Werks ihres Schwiegervaters und auch seines Sohns, ihres Mannes Michael 'Mic‘ Hunger. Der in Stil und Ton sehr persönlich gehaltene Artikel gibt dabei gezielte Einblicke in die Göttinger Trickfilmproduktion und die Kreativität und Kunst der Hungers.

„Die Verbindung zwischen Film und Wissenschaft“ (Teil 5 des Buches) war in der Universitätsstadt Göttingen naheliegend und ist auch heute noch teilweise gegeben.

Das „IWF – Institut für den Wissenschaftlichen Film“ stellt uns mit seiner Geschichte und den entstandenen filmischen Werken sowie der dahinterstehenden Film- und Vermittlungsphilosophie Werner Große vor, der die IWF-Geschichte bereits in Buchform (Filme für die Wissenschaft, 2012) dargelegt hat. Von den entstandenen Filmen sind bereits 5.000 IWF-Filme online zugänglich.

Das IWF war auch die Keimzelle für die nach wie vor rege Filmproduktion zumindest am Ethnologischen Institut der Universität Göttingen. Torsten Näser stellt in seinem Beitrag „Durch die Augen der Kamera. Ethnografischer Film an der Georg-August-Universität“ die Entwicklung an der Universität und den Studiengang „Visuelle Anthropologie“ vor, dessen Studierende alljährlich ihr Filmschaffen in den Programmkinos der Stadt zeigen. Auch findet das German International Ethnographic Film Festival (www.gieff.de) alle zwei Jahre in Göttingen statt.

Medienpädagogik war und ist ein immer wieder geforderter Lehr-Lern-Inhalt für die Schule. An der Pädagogischen Hochschule Göttingen (1946-1978) war das Unterrichten von Medientechnik und -praxis in pädagogischen Studiengängen, sowie die Erstellung und der Einsatz von Unterrichtsvideos für den Didaktikunterricht Aufgabe des Hochschulinternen Fernsehens (HiF). Dessen Aufgaben, technische Ausrüstung, schließlich Abwicklung und heutige Nachfolge breitet Michael Schäfer in „Kritische Auseinandersetzung mit der Mediatisierung des gesamten Lebens“ vor den Lesenden aus.

„Die Göttinger Sammlung Stern. Eine neue Heimat für Antike und Altertumswissenschaften im Film“, heißt der Artikel von Martin Lindner, Kurator des altertumswissenschaftlichen Filmarchivs Sammlung Stern in Göttingen. Deren Namensgeber, der Archäologe Tom Stern, besaß eine umfangreiche Privatsammlung von Archäologiefilmen und Filmen über die Antike, die seit 2017 an der Universität Göttingen beheimatet ist. Die typischen Arbeiten, Herausforderungen bei Erhalt und Erschließung der Sammlung, sowie ihr Einsatz in Forschung und Lehre sind Thema des Beitrags.

Den Abschluss dieses Buchteils bietet ein Beitrag, der auch im nächsten Teil zum Kino in Göttingen seinen Platz hätte finden können. Martin Schülbe schreibt mit „Isco Optik Göttingen: Linsen für die große Leinwand“ einen wirtschafts- und technikhistorischen Beitrag, der laut Untertitel zeigt „Wie Technik aus Göttingen Generationen von Kinogängern prägte“.

„Vom Lichtspieltheater zum Multiplex“ ist der sechste Teil des Buches beschrieben. Und Markus Riese gibt den Lesenden auch gleich „Die Geschichte der Kinos in Göttingen“ an die Hand. Er porträtiert in Unterkapiteln die Besonderheiten vergangener und noch bestehender Leinwandtempel und interviewt abschließend Hans-Joachim Flebbe, der Göttingen ein Multiplex-Kino, aber damit auch das wirtschaftliche Aus vieler Einzelkinos bescherte.

Vertiefend dazu zeigt Michael Schäfer „Göttingens Kinolandschaft in den 1960er-Jahren“, wobei beide Artikel wiederum mit ausdruckstarkem Bildmaterial aufwarten.

Die beiden folgenden Artikel dieses Buchteils widmen sich den Deutschen Filmtagen Göttingen 1953 und den Göttinger Filmfesten. Rolf Aurich verdeutlicht anhand der Personaldebatten rund um die Deutschen Filmtage 1953 in Göttingen den langen Arm der NS-Verstrickungen auch der Film-Event-Macher und erläutert anhand zeitgenössischen Materials den Fokus auf Avantgarde- und Experimentalfilme.

Wolfgang Würker schreibt in „Das Kino feiern“ über das „Filmfestfieber im Jungen Theater und in der Stadt“ eine artikellange Chronik der Göttinger Filmfeste, wobei Mitwirkende, Festspielorte, Werbeplakate, aber natürlich vornehmlich die gezeigten Filme vorgestellt und eingeordnet werden.

Den Abschluss des Buches bildet der siebte Teil „Geht das Licht wieder an?“. Markus Riese beschreibt die mittlerweile wiederum vergangene kleine Filmstadt-Renaissance von „Göttingen als TATORT-Stadt“ und lässt die gedrehten Folgen Revue passieren, wobei er herausstreicht, wie die TATORT-Folgen aus Göttingen immer wieder aktuelle gesellschaftliche Debatten aufnahmen.

Stefan Zimmermanns Beitrag „Bilder für eine neue Welt. Die filmische Geografie Göttingens“ macht die Lesenden mit der geographischen Sichtweise auf Filmlandschaften und -städte vertraut, die der Verfasser des Artikels sodann auf die Göttinger Spielfilme und deren Drehorte fruchtbar anwendet und abschließend die Möglichkeiten eines Drehorttourismus diskutiert.

Diskussion

Der Sammelband vereint erstmalig verschiedene Facetten des Göttinger Filmschaffens in einem Band. War mit dem Werk von Gustav Meier (1989) die Spielfilmgeschichte bereits dargestellt und stellte der Band von Michael Petzel (2023) die einzelnen Göttinger Spielfilme vor, so ist die Filmgeschichte Göttingens doch erst mit diesem Band vervollständigt, der auch die Trickfilmproduktion und die wissenschaftlichen Filme des IWF (Institut für den wissenschaftlichen Film) beleuchtet. Die Vielzahl der Abbildungen, von denen sich einige, ebenso wie die Inhalte teilweise wiederholen, machen die Beiträge des Bandes visuell sehr ansprechend und die Inhalte greifbar, auch sind manche der Aufnahmen erstmalig abgedruckt.

 Als Lesebuch vereint der Sammelband nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch sehr unterschiedliche Texte: So finden sich Seite an Seite autobiografisch gefärbte Erinnerungstexte, neben journalistischen und (populär-)wissenschaftlichen Artikeln. Darauf müssen Lesende gefasst sein und sich auch einstellen, findet man eine solche stilistische Bandbreite doch eher selten in ein und demselben Werk.

Damit ist aber einerseits das Publikum für den Band sehr breit – von Filmfans und Film-/​Regionalhistoriker:innen bis zu interessierten Ortsansässigen – andererseits sind für jede Zielgruppe möglicherweise nur ausgewählte Texte wirklich von Interesse. Für Personen, die nicht aus Göttingen und Umgebung kommen, werden einige Texte Passagen enthalten, die nicht ohne weiteres nachvollziehbar sind, da sie Stadtkenntnis erfordern würden.

Das Buch hat eine mehrheitlich historische Ausrichtung, sodass es verständlich (aber trotzdem schade) ist, dass dem alljährlichen Europäischen Filmfestival Göttingen (filmfestival-goettingen.de) kein eigenständiger Artikel gewidmet ist. 

Fazit

Der Band bietet multiple Perspektiven auf Filme in und aus Göttingen und ergänzt bestehende Darstellungen um wichtige weitere Aspekte. Das Buch sei allen empfohlen, die die Vielfalt des Filmschaffens, der Filminfrastruktur und der Filmbegeisterung im südniedersächsischen „Leinehollywood“ Göttingen genauer kennenlernen möchten, ob aus regionaler Verbundenheit und/oder (film-)historischem Interesse.

Rezension von
David Kreitz
M.A., pädagogischer Mitarbeiter für politische Erwachsenenbildung bei der HVHS Mariaspring und freiberuflicher Trainer für wissenschaftliches Schreiben.
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Es gibt 37 Rezensionen von David Kreitz.

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ISSN 2190-9245