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Ludger Veelken, Silvia Gregarek u.a.: Altern, Alter, Leben lernen. Geragogik kann man lehren

Cover Ludger Veelken, Silvia Gregarek, Bodo de Vries: Altern, Alter, Leben lernen. Geragogik kann man lehren. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2005. 131 Seiten. ISBN 978-3-89896-238-4. 16,50 EUR, CH: 29,00 sFr.

Reihe: Altern - Bildung - Gesellschaft - Band 13.
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Zielsetzung und Zielgruppen

Leitbild des vorgelegten Bandes von Veelken/Gregarek/de Vries könnte ein Selbstbildnis der spanischen Malers Goya sein: Es zeigt einen alten Mann auf zwei Krücken gestützt mit dem Untertitel "aun aprendo" (Noch immer lerne ich). Dass Lernen und Entwicklung auch im hohen Alter noch möglich sind und dies altersspezifischer pädagogischer Unterstützung bedarf, stellt gewissermaßen den Hintergrund der Publikation dar; zu zeigen, dass eine solche Unterstützung auch gelehrt und vermittelt werden kann, ist ihr Anliegen. Der Band versteht sich als Umsetzung und Konkretisierung der Publikation von Ludger Veelken "Reifen und Altern - Geragogik kann man lernen" (Oberhausen 2003): In Zusammenarbeit mit der Europäischen Senioren-Akademie und dem Bildungsnetzwerk AMPEL, der lernenden Region Kreis Borken wurde eine Fortbildung "Geragogik" konzipiert und durchgeführt.

Zielgruppe

Entsprechend wendet sich der Band an haupt- und ehrenamtliche MultiplikatorInnen, Schülerinnen und Schüler von Fachseminaren für Altenpflege, Studierende der Geragogik, MitarbeiterInnen von Bildungsträgern und Sozialen Diensten, aber auch an Unternehmen, die sich mit den Folgen des demographischen Wandels beschäftigen.

Aufbau und Inhalt

  • Im ersten Beitrag (20 Seiten) skizziert Veelken, Professor (em.) für Soziale Gerontologie und Geragogik an der Universität Dortmund, eine "Geragogik der Lebenskunst". Er bezieht sich dabei wesentlich auf Wilhelm Schmid (Philosophie der Lebenskunst) und Erich Fromm (Die Kunst des Lebens). Letzterem folgend ist Lebenskunst eine Wahl zwischen verschiedenen Lebensweisen (z.B. Freude am Leben versus Verlustangst; Kreativität versus Langeweile, etc.). Eine Geragogik der Lebenskunst ist entsprechend nach Veelken die Begleitung des Alterns bei der Entwicklung einer Lebenskunst. Geragogik versteht er dabei als Weiterführung von Pädagogik und Andragogik/Erwachsenenbildung. Mit Verweis auf die menschheitsgeschichtlich neue Erfahrung einer langen Phase entberuflichten Alters in modernen Gesellschaften müsse Altern gelernt werden und Entwicklungsförderung je nach Altersphase unterschiedlich gestaltet sein.

Im Zentrum der drei Beiträge des Bandes steht das Konzept und Curriculum (105 Seiten) der erwähnten Fortbildung Geragogik.

  • Gregarek, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Europäischen Senioren-Akadamie, bestimmt zunächst zentrale Begriffe (Geragogik, Bildung, Didaktik, etc.) des Konzeptes. Im weiteren Fortgang werden die verschiedenen Handlungsfelder der Geragogik mit ihren spezifischen Zielen und Zielgruppen beschrieben. Es folgt die sehr differenzierte Entwicklung von Zielen, Zielgruppen, Umfang und Dauer der Fortbildung Geragogik ebenso wie Ausführungen zur Didaktik und Methodik. Unterrichtsbeispiele und Schaubilder illustrieren das Konzept, ein Evaluationsbericht der ersten Fortbildung Geragogik beschließt dieses Kapitel.
  • Im dritten Beitrag (22 Seiten) beschäftigt sich Bodo de Vries (Leiter des Europäischen Instituts für Geragogik, Lebensweltbegleitung und Pflegeforschung) mit der Geragogik im Wandel der gesellschaftlichen Beziehungsgeflechte, wobei de Vries vor allem auf den (möglichen) Beitrag der Geragogik in den betrieblichen Milieus und in der Altenpflege eingeht. Exemplarisch sei hier der Argumentationsgang zur Altenpflege genannt: Die Entwicklungen in der Altenpflege hin zu einer ganzheitlichen Orientierung an den Bedarfslagen und Bedürfnissen der zu Pflegenden kurz streifend, fragt er (zu Recht): "Welche Aufgabenstellung bleibt eigentlich der Geragogik …?" Seine diesbezügliche These pointiert, dass die gleichzeitige Zuständigkeit für körperliche, soziale und personale Einbußen und Entwicklungspotenziale in den Pflegearrangements der Altenpflege auch einschränkend wirken kann. Entsprechend sei zu fragen, "… ob neben der Pflegehandlung eine geragogisch orientierte Beziehungsgestaltung notwendig ist, die Entfaltungspotentiale bewirkt, die weder durch die noch in den heutigen Pflegesituationen entstehen können." Leider wird an dieser Stelle nicht darauf hingewiesen und gewinnbringend ausgewertet, dass die Frage einer Arbeitsteilung zwischen Pädagogik/Sozialer Arbeit und Pflege, inklusive der darauf folgenden Diskussionen schon etwas älter ist.

Fazit

Das Buch wird seinem Anspruch, "Handreichung für die Praxis" zu sein weitgehend gerecht: Grundlagen der Geragogik und das Fortbildungskonzept werden anschaulich und verständlich dargestellt. Allerdings: auch eine Handreichung für Praktiker sollte auf sinnvolle Verknüpfungen zu nahe gelegenen Disziplinen nicht verzichten. Die sehr naheliegende Verbindung zu sozialpädagogischen Diskursen etwa wird nicht aufgezeigt, z.B. die Grundlegung einer "Sozialpädagogik der Lebensalter" bei Lothar Böhnisch (1997).


Rezensent
Prof. Dr. Heinz Bartjes
Hochschule Esslingen, Fakultät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Arbeitsschwerpunkte: Soziale Altenarbeit; Männer- und Geschlechterforschung; Theater und Soziale Arbeit, Bürgerschaftliches Engagement.
Homepage www.hs-esslingen.de/mitarbeiter/Heinz.Bartjes
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Zitiervorschlag
Heinz Bartjes. Rezension vom 22.02.2007 zu: Ludger Veelken, Silvia Gregarek, Bodo de Vries: Altern, Alter, Leben lernen. Geragogik kann man lehren. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2005. ISBN 978-3-89896-238-4. Reihe: Altern - Bildung - Gesellschaft - Band 13. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3411.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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