Michael Wipp, Peter Sausen: Regelkreis der Einsatzplanung
Rezensiert von Claudia Wyschkon, 11.02.2026
Michael Wipp, Peter Sausen: Regelkreis der Einsatzplanung. Dienstpläne sicher und effizient erstellen.
Vincentz Network GmbH & Co
(Hannover) 2025.
4. überarbeitete Auflage.
318 Seiten.
ISBN 978-3-7486-0738-0.
D: 52,90 EUR,
A: 54,40 EUR.
Reihe: Altenpflege. Reihe: PDL.
Thema
Mit der Einführung der Personalbemessung (PeBeM) nach § 113c SGB XI zum 1. Juli 2023 hat sich die Grundlage der Personalplanung in der Pflege grundlegend verändert. Die bisher starre Fachkraftquote von 50 % wurde aufgeweicht und ermöglicht nun eine qualifikations‑ und bedarfsgerechtere Einsatzplanung. Diese strukturellen Veränderungen wirken sich unmittelbar auf die Arbeitszeitgestaltung aus. Die entstehende Vielfalt eröffnet Chancen, führt jedoch zu Unsicherheiten und wirft arbeitsrechtliche sowie organisatorische Fragestellungen auf. Das Fachbuch von Michael Wipp und Peter Sausen greift diese Entwicklungen auf und will Orientierung beim Übergang von analogen zu digitalen Dienstplanungssystemen bieten – sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Führungskräfte. Die vorliegende Rezension untersucht, inwieweit das Werk diesem Anspruch gerecht wird.
Autoren
Michael Wipp ist Inhaber des Beratungsunternehmens WippCARE und verfügt über mehr als drei Jahrzehnte Berufserfahrung in der Altenhilfe: Von der pflegerischen Basis bis hin zum Pflegemanagement. Als ehemaliger Pflegedienstleiter, Geschäftsführer und Unternehmensberater gilt er als ausgewiesener Experte für Personalbemessung, Organisationsentwicklung und Dienstplanung. Seine Mitarbeit in bundes‑ und landesweiten Fachgremien unterstreicht diese Expertise.
Peter Sausen ist Fachanwalt für Arbeitsrecht spezialisiert für Pflegeeinrichtungen und Inhaber der Kanzlei SAUSEN & Partner Rechtsanwälte PartG mbH. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Gestaltung von Arbeitszeitmodellen, der Dienst‑ und Personaleinsatzplanung sowie in tarif‑ und betriebsverfassungsrechtlichen Fragestellungen. Gemeinsam vereinen die Autoren pflegefachliche, organisatorische und juristische Perspektiven.
Entstehungshintergrund
Die 4. Auflage des Buches „Regelkreis der Einsatzplanung“ ist vor dem Hintergrund tiefgreifender gesetzlicher und struktureller Veränderungen entstanden, insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung der PeBeM § 113c SGB XI. Darüber hinaus wird die Pflege zunehmend durch Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an die Arbeitszufriedenheit und die fortschreitende Digitalisierung der Dienstplanung geprägt. Dieses Buch wurde in der aktuellen Auflage inhaltlich aktualisiert und systematisch neu ausgerichtet, um den Planungsverantwortlichen ein rechtssicheres, praxisnahes und zugleich menschenorientiertes Instrument an die Hand zu geben.
Aufbau
Das Werk folgt einem klaren und praxisorientierten Aufbau. Nach der verständlichen Darstellung organisatorischer und arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen, die als grundlegende Voraussetzungen jeder Dienstplanung gelten, werden diese mit modernen und flexiblen Arbeitszeitmodellen verknüpft. Kernthema des Buches ist der Regelkreis der Einsatzplanung, der schrittweise von der Bedarfsermittlung über die Arbeitszeitverteilung und Dienstplanerstellung bis hin zu seiner Auswertung und Optimierung entwickelt wird. Das Ampelprinzip unterstützt insbesondere Einsteiger dabei, die Dienstplanung im „grünen Bereich“ zu halten, während erfahrene Anwender das Buch gezielt als Nachschlagewerk nutzen können.
Inhalt
Im Mittelpunkt des Buches steht die Dienstplanung als zentrale Führungsaufgabe im Pflegebetrieb. Die Autoren machen deutlich, dass sie weit mehr ist als eine reine Verwaltungsroutine: Jede Entscheidung zur Arbeitszeitgestaltung greift unmittelbar in das Privatleben der Mitarbeiter ein und wirkt sich zugleich auf Pflegequalität, Wirtschaftlichkeit, Verlässlichkeit der Arbeitsabläufe, sowie auf die Gesundheit aller Beteiligten aus. Gute Pflege kann daher nur dauerhaft gelingen, wenn Personalplanung zuverlässig, transparent, rechtssicher und zugleich flexibel an die jeweilige Situation angepasst erfolgt.
Zur Veranschaulichung dieses Anspruchs entwickelten die Autoren einen vierstufigen Regelkreis: Bedarf ermitteln, Arbeitszeit verteilen, Dienstplan erstellen, danach Auswertung und Optimierung. Dieser Regelkreis verdeutlicht, dass Dienstplanung ein fortlaufender Prozess ist, bei dem mit der wertvollsten Ressource des Pflegebetriebs gearbeitet wird‑ den Mitarbeitern. Veränderungen wie kurzfristige Personalausfälle, steigender Pflegebedarf, neue gesetzliche Vorgaben oder veränderte Arbeitszeitwünsche der Beschäftigten werden dabei nicht als Störungen, sondern als Bestandteile eines sensiblen Systems verstanden. Der Regelkreis bietet hierfür eine nachvollziehbare Struktur, die Orientierung und Stabilität schafft mit dem Handwerkszeug der Flexibilität. Besonders deutlich wird das Spannungsfeld zwischen betrieblichen Anforderungen und den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter.
Die Autoren zeigen auf, dass einfache Lösungen nicht zum Ziel führen und professionelle Dienstplanung immer auf mehrere Faktoren beruht. Arbeitszeitrecht, Mitbestimmungsrechte und tarifliche Vorgaben sind eine verbindliche Grundlage für eine faire, verlässliche und nachhaltige Planungspraxis. Durch Transparenz und offene Kommunikation schaffen klare Regeln, verständliche Kennzahlen und nachvollziehbare Entscheidungen die Grundlage für einen gemeinsamen Konsens in der Dienstplanung. Das zeichnet eine professionelle Führung aus. Digitale oder KI-gestützte Dienstplanungssysteme sind eine Unterstützung, jedoch niemals ein Ersatz für die fachliche Verantwortung und Führungskompetenz in der Dienstplanung. Praxisbeispiele im Buch zeigen, wie die Planung bei kurzfristigen Ausfällen oder veränderten Pflegebedarfen praktikabel gelöst werden kann. Statt ad hoc Überstunden anzuordnen, wird zunächst der tatsächliche Pflege‑ und Personalbedarf analysiert. Auf dieser Grundlage werden vorhandene Ressourcen – etwa Teilzeitkräfte oder flexible Abrufarbeit – gezielt neu kombiniert. Diese Prozesse können tetrisierend die Dienstplanung komplettieren. Einzelne Dienstzeiten und Qualifikationen werden neu zusammengesetzt, sodass sie weiterhin rechtssicher sind und den Betriebsablauf stabilisieren. Die Autoren schildern bekannte und konfliktreiche Beispiele aus der Pflegepraxis. Sie zeigen, wie bei einer hohen Zahl an Teilzeitkräften strukturierte Übergaben, bessere Abstimmung von Urlaubswünschen und Ferienzeiten sowie transparente Kommunikation über ein gestaltbares digitales System nachvollziehbare Kriterien schaffen und die Akzeptanz im Team fördern.
Diskussion
Das Buch versteht Dienstplanung als gestaltbares nachvollziehbares Instrument und verbindet authentisch die Dynamik der rechtlichen, organisatorischen und gesundheitspsychologischen Perspektiven. Die Einbeziehung von Mitarbeiterwünschen ins Planungssystem stärkt Motivation und Engagement entsprechend der aktuellen arbeitspsychologischen Erkenntnisse. Flexible Arbeitszeitmodelle in der KI-unterstützten Dienstplanung werden differenziert diskutiert und eröffnen neue Handlungsspielräume. Eine vertiefende kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Chancen und den Grenzen der KI‑ Digitalisierung wäre wünschenswert, schmälert jedoch den Gesamtwert des Werkes nicht.
Fazit
Das Buch „Regelkreis der Einsatzplanung“ zeigt eindrucksvoll, wie Dienstplanung als zentrale Führungsaufgabe im Pflegealltag wirksam und realistisch gestaltet werden kann – gerade unter den Bedingungen eines zunehmend belasteten Pflegesystems und zugleich im Kontext der neuen Möglichkeiten einer KI-gestützten Dienstplanung. Der ganzheitliche Ansatz verbindet rechtliche Sicherheit, wirtschaftliche Machbarkeit und mitarbeiterorientiertes Denken zu einem verständlichen und praxisnahen Konzept. Für eine zukunftsorientierte, menschliche und verlässliche Dienstplanung bietet das Buch einen klaren Leitfaden mit wertvollen Impulsen. – eine uneingeschränkte Empfehlung für alle Planungsverantwortlichen.
Rezension von
Claudia Wyschkon
Dipl. Berufspädagogin
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