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Julia Schulenburg: Rhythmik im Fokus

Rezensiert von Prof. Dr. Raika Lätzer, 24.04.2026

Cover Julia Schulenburg: Rhythmik im Fokus ISBN 978-3-7520-0877-7

Julia Schulenburg: Rhythmik im Fokus. Perspektivwechsel durch inklusionsorientierte Praxiserfahrung. Dr. Ludwig Reichert Verlag (Wiesbaden) 2025. 250 Seiten. ISBN 978-3-7520-0877-7. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: Zeitpunkt Musik.

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Thema

Julia Schulenburg setzt sich in ihrem Buch detailliert mit Inklusion im Kontext der Rhythmik und im teritären Bildungsbereich auseinander. Hierzu beforschte sie ein inklusionsorientiertes Seminar an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen.

Autor:in

Julia Schulenburg studierte Rhythmik auf Diplom an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und erweiterte dann ihre Kompetenzen durch einen Bachelor of Arts im Fach Gebärdensprache an der Universität Hamburg. Durch diese ausgesprochen außergewöhnliche Fächerkombination ist Julia Schulenburg prädestiniert für künstlerische und pädagogische Vermittlungsangebote für Menschen mit Hörbeeinträchtigung jeden Alters.

Entstehungshintergrund

Unter einem leicht abgewandelten Titel hat Julia Schulenburg ihre Forschungsergebnisse an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen als Dissertation eingereicht und dadurch den Grad des Doktors der Philosophie erlangt.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer Vorstellung der für den weiteren Verlauf maßgeblichen Begriffe wie Inklusion, Integration, Heterogenität, Exklusion, Partizipation und andere mehr. Im Anschluss stellt Julia Schulenburg den Forschungsstand zu ihrem Themenfeld vor. Hernach folgt eine Erläuterung der Rhythmik, bevor dann ab dem 7. Großkapitel die Studie im Fokus steht: Es werden Design, Kategorien, Auswertung und schlussendlich Entwicklungspotenziale vorgestellt.

Inhalt

Spätestens 2009 mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ist Inklusion zur gesamtgesellschaftlichen Leitidee geworden. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung haben nun rechtsverbindlich die gleichen Möglichkeiten und Rechte auf Bildung, Zugang zu den Künsten und auf kulturelle Teilhabe.

Vielfach allerdings bleibt es bei Willensbekundungen; in musikbezogenen Kontexten sind Räumlichkeiten beispielsweise nach wie vor barrierereich, Fachkräfte haben keine entsprechenden Kenntnisse und Qualifikationen und Menschen mit Beeinträchtigungen haben eine Scheu davor, sich für Angebote zu interessieren und sich anzumelden.

Julia Schulenburg untersucht den Themenkomplex Inklusion und Rhythmik anhand eines inklusionsorientierten Seminars an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen. Die Autorin beschreibt das „soziale Gefüge dieses Seminars also als Begegnungsort zwischen Menschen mit Beeinträchtigung und Menschen ohne eine solche“ (S. 183).

Sie beginnt ihr Buch mit umfassenden Erläuterungen maßgeblicher Begriffe und leitet dann über zu ihrer qualitativen Studie. Zunächst stellt sie das Design und die Methodik vor (Triangulation: leitfadengestützte Interviews, Verlaufsprotokollierung und Videografie). Im Kapitel 8 erläutert die Autorin Einflussfaktoren und Kategorien aus Interviewdaten und wertet umfassend aus, indem sie eine Vielzahl von Kategorien herausarbeitet und darstellt (u.a. Form der Interaktion als Einflussfaktor, personale und seminarbezogene Kontextfaktoren, Verortung des Seminars zwischen Kunst, Pädagogik und Inklusion aus Sicht der Studentinnen). Zuletzt zeigt Julia Schulenburg Entwicklungspotenziale auf, die durch die Begegnungen in dem Seminar deutlich hervortreten konnten (S. 183). Hierzu gehören die Stärkung der Persönlichkeit und ein Einsatz für das Gemeinschaftsgefühl (S. 189), die gemeinsame Bewegungsgestaltung mit einem Gegenüber oder einer Gruppe (S. 190), die zunehmende Akzeptanz von Menschen mit Beeinträchtigungen als Künstler*innen oder die Akzeptanz der Individualität des Gegenübers (S. 206).

Diskussion

Die Notwendigkeit der vorliegenden Studie ist unumstritten; nach wie vor fehlt es in Deutschland im Hinblick auf Inklusion vielfach an Strukturen, Beteiligung und Verbindlichkeit (vgl. z.B. https://www.beratungsstelle-barrierefreiheit.de/aktuelles/blog/post/beitrag/​wie-inklusiv-sind-deutschlands-kommunen-forschungsstudie-analysiert-staerken-und-defizite.html, letzter Zugriff 21.04.2026). Dies gilt auch und insbesondere für musikbezogene Bereiche.

Kaum erforscht ist bislang im Übrigen die Perspektive von Studierenden einer Musikhochschule in künstlerischen oder künstlerisch-pädagogischen Studiengängen, und ebenfalls kaum erforscht ist das Themenfeld Inklusion und Rhythmik.

Die Rhythmik als ein Fach innerhalb des musikbezogenen Fächerkanons scheint sich für inklusive Ansätze jedoch insbesondere anzubieten, denn seit ihrer disziplinären Entwicklung unter Émile Jaques-Dalcroze zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es mindestens zwei Personen, die Rhythmik zur Arbeit mit Kindern mit Beeinträchtigungen nutzten: Mimi Scheiblauer war in der Schweiz und Charlotte Pfeffer in Deutschland und anderen Ländern rhythmik‑ und zugleich heilpädagogisch tätig.

Schon zu Beginn ihres Buches überzeugt Julia Schulenburg mit ausführlichen und sehr gut verständlichen Erläuterungen zu den Begriffen Inklusion, Behinderung und Rhythmik – alle Begriffe sind komplex und mehrdimensional und nicht ohne Weiteres nachvollziehbar aufzubereiten. Dies gelingt Julia Schulenburg in ausgesprochen überzeugender Weise.

Auch ihre nachfolgende Studie überzeugt, sowohl in der Darstellung des Forschungsdesigns, als auch in der Auswertung und Kategorisierung der erhobenen Daten.

Die von Julia Schulenburg in ihrem Schlusswort herausgearbeiteten Entwicklungspotenziale für Studierende in einer fähigkeitsgemischten Gruppe überzeugen ebenfalls; der Perspektivwechsel auf Studierende habe deutlich gemacht, „dass der Besuch eines fähigkeitsgemischten Seminars wertvolle Zugewinne nicht nur in den Bereichen Lehren, Lernen und Praktizieren von Musik und Bewegung, sondern auch im Hinblick auf die Wahrnehmung von, das Denken über und das Handeln mit Menschen mit Beeinträchtigung für sie bereit hält“ (S. 210). Neben den erwartbaren Ergebnissen (wertvolle Zugewinne) ergibt sich somit ein noch wesentlich differenzierteres Bild.

Für die Ausbildung angehender Musiker*innen ergibt sich somit die Bedeutung einer solchen inklusiven Lernerfahrung: (Mentale) Barrieren können abgebaut werden und Menschen mit Beeinträchtigung können auf eine selbstverständliche Weise zukünftig auch in professionellen musikbezogenen Tätigkeitsfeldern mitgedacht werden.

Fazit

Julia Schulenburg hat ohne Zweifel ein lesenswertes Buch vorgelegt; insbesondere Musikschaffende und musikinteressierte Personen werden in dem Buch wertvolle Anregungen zur Zusammenführung von Musik/​Rhythmik und Inklusion finden.

Rezension von
Prof. Dr. Raika Lätzer
Professorin für Musikpädagogik in der Sozialen Arbeit, Katholische Stiftungshochschule München
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Es gibt 20 Rezensionen von Raika Lätzer.

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ISSN 2190-9245