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Peter Zimmermann (Hrsg.): Bindung und Autonomie

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 11.05.2026

Cover Peter Zimmermann (Hrsg.): Bindung und Autonomie ISBN 978-3-7799-9366-7

Peter Zimmermann (Hrsg.): Bindung und Autonomie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2026. 170 Seiten. ISBN 978-3-7799-9366-7. D: 30,00 EUR, A: 30,90 EUR.

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Thema

Das Bedürfnis nach Bindung und Autonomie ist für Menschen fundamental und mit intensiven positiven oder negativen Emotionen verbunden. Die Förderung oder Einschränkung von Bindung und Autonomie in Kindheit und Jugend kann die psychische Entwicklung von Kindern nachhaltig beeinflussen. Das Buch beleuchtet den Forschungsstand zur frühen Entwicklung des Selbst, zur Entstehung und Charakterisierung von Bindungs‑ und Autonomiemustern, zu den Einflüssen von Müttern, Vätern und Fachkräften, den Kenntnisstand bei speziellen Lebenslagen und Erfahrungen (wie sexualisierte Gewalt) und die Vorgehensweise und Wirkung spezifischer Förderangebote.

Herausgeber

Prof. Dr. Peter Zimmermann ist Inhaber des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Er forscht insbesondere zur sozialen und emotionalen Entwicklung im Lebenslauf, zur Bindungsentwicklung sowie zu Entwicklungsbedingungen psychischer Störungen im Kindesalter.

Aufbau & Inhalt

Ein Teil der Buchbeiträge basiert auf Veranstaltungsbeiträgen einer Tagung, die 2025 an der Bergischen Universität Wuppertal unter dem Thema „Gemeinsam Stark: Förderung von Bindung und Autonomie“ stattfand.

Zunächst wird es klassisch, wenn es um das Selbst in der Bindungstheorie geht, bevor im zweiten Kapitel Formen, Entwicklung und Erziehungseinflüsse zum Thema Bindung und Autonomie in Kindheit und Jugend im Fokus stehen. Hierbei wird deutlich, dass Bindung und Autonomie Grundbedürfnisse des Menschen sind, deren (Nicht)-Erfüllung mit intensiven (negativen oder positiven) Emotionen korrelieren, die wiederum das Sozialverhalten und die Selbststeuerung von Menschen beeinflussen. Dabei wird herausgestellt, dass Bindung und Autonomie eben keine Gegensätze sind, sondern in einem wichtigen Zusammenhang stehen und so als Summe Bedeutung haben für das weitere Leben – in Abhängigkeit davon, welche Muster und Organisationsformen Kinder aufgrund sozialer Erfahrungen jeweils entwickeln. Es ist von Bedeutung, Bindung und Autonomie nicht nur als Bedürfnisse zu verstehen, sondern auch auf das Ergebnis: Denn nur mit einem Verständnis, welche Auswirkungen Bindung und Autonomie auf Reaktionen im Hier und Jetzt haben können, wenn das Bindungs‑ und Autonomiebedürfnis ausgelöst werden, ist es im besten Fall möglich, Handlungsweisen von Menschen zu verstehen.

Kapitel 3 widmet sich einem Thema, das die große Bedeutung elterlichen Handelns für den weiteren Lebensweg des Kindes haben kann: Wie kann es gelingen, auch auf Schreien, Trotzen und Toben im Kleinkindalter trotz aller eigenen Genervtheit feinfühlig zu reagieren und den Nachwuchs durch diese Situation gut zu begleiten. Und welche Bedeutung hat das für die Entwicklung des Kindes? Auch im nächsten Kapitel steht die Feinfühligkeit im Blick, diesmal aber die der Fachkräfte der frühpädagogischen Arbeit: Wie kann gute Interaktionsqualität in der frühkindlichen Bildung hergestellt werden, um auch in diesem Umfeld Bindung und Autonomie zu unterstützen?

Einen Blick in die USA steht im Beitrag über das ABC-Programm an, das Möglichkeiten aufzeigt, so früh wie möglich zu intervenieren, um die Entwicklung von Kindern zu fördern. Das Akronym steht für Attachment and Biobehavioral Catch-up. Dabei geht es um warmherzige Fürsorge, die auch nicht-angstauslösend sein darf sowie die Freude, sich vom Kind leiten zu lassen.

Einen ganz anderen Fokus nimmt das sechste Kapitel ein, das sich mit Psychotherapieprozessen innerhalb einer bindungsbasierten Gruppenintervention zur Förderung von Bindung und Autonomie beschäftigt. Über die Bedeutung von PEKiP als Unterstützung für die Bindung und Autonomie im Säuglingsalter können die Leser:innen danach mehr erfahren, bevor es im achten Kapitel darum geht, welche Bedeutung Partnerschaftskonflikte für Kinder haben können. Werden diese Streitigkeiten konstruktiv ausgetragen und ohne Gewalt, können sie nämlich durchaus förderlich sein, weil die Kinder so den Umgang mit Streitigkeiten und das gegenseitige Aufeinanderzugehen danach erfahren. Kapitel 9 handelt von Bindung und Autonomie in der Erziehungsberatung, bevor es zum Abschluss um das Thema sexueller Missbrauch geht unter Betrachtung der Aspekte Bindung, Autonomie und Hilfeprozesse.

Diskussion

Bindung und Autonomie bilden im Wortsinne ein Gegensatzpaar, sind aber in einer entsprechenden Ausgewogenheit durchaus Teil derselben Medaille, denn beide Bedürfnisse sind für die Entwicklung des Menschen substanziell. Das wird in den verschiedenen Beiträgen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten informativ und in der Regel gut lesbar aufgegriffen und erläutert. Deutlich wird dabei durchgängig der inhaltliche rote Faden: Eine stabile Bindung ist eine Grundvoraussetzung für ein Kind, um überhaupt Autonomie entwickeln zu können. Die Gleichung ist insofern so einfach wie logisch: Ohne Bindung gibt es keine gesunde Autonomie, ohne Autonomie keine „gesunde“ Entwicklung, die die Grundlage ist, um sich mit anderen Menschen verbunden fühlen und gleichzeitig ein eigenständiges Leben führen zu können.

Fazit

Ein wichtiges Thema aus verschiedenen Blickwinkeln überzeugend beleuchten: Wer sein Wissen über diese beiden Grundpfeiler der kindlichen Entwicklung vertiefen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 230 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245