Alexander Hagelüken: Die Ökonomie des Hasses
Rezensiert von Arnold Schmieder, 24.03.2026
Alexander Hagelüken: Die Ökonomie des Hasses. Wie Rechte von Trump bis AfD unseren Wohlstand zerstören und wie man ihre Wähler zurückholt. Verlag J.H.W.Dietz (Bonn) 2025. 272 Seiten. ISBN 978-3-8012-0701-4. D: 26,00 EUR, A: 26,80 EUR.
Thema
Was ökonomisch mit den Menschen geschieht, „wenn Rechte an die Regierung kommen“, stellt die Analyse vor, wobei das Augenmerk darauf liegt, „wie sich die politischen und ökonomischen Folgen rechter Politik gegenseitig verstärken.“ Das „Gefühl, sich in einer Dauerkrise zu befinden“, verbreite sich. Aber weniger die bundesdeutsche Regierung habe diese Dauerkrise verursacht, sie komme „von außen“, wobei die AfD von „ökonomischen Problemen“ profitiere. Ihre Kampagnen würden auch deshalb verfangen, „weil in der Ausnahmesituation aus Pandemie und Ukraine-Krieg die Preise raketenhaft stiegen“, wobei die Rechtswähler:innen die Inflation „zehnmal so schlimm“ einschätzten, „wie sie wirklich war.“ Zudem würde vielfach in Social Media die Desinformation gestreut, „die Mitte-Regierung und der Klimaschutz verursachten die Inflation – und alles gehe den Bach herunter.“ (S. 10 ff.) Bis heute nachwirkend habe der Neoliberalismus in seinen Wirkungen auf einen Großteil der Bevölkerung zu Nachteilen geführt, mit der Folge, dass die Rechten „‚das System‘“ als Schuldigen präsentieren: „Die Zustimmung zum bisherigen System bröckelt.“ (S. 20) Auch daher habe die AfD, vergleichbar wie Donald Trump, „bei der Bundestagswahl 38 Prozent der Arbeiterstimmen“ einsammeln können. (S. 17) Wie in Trumps Amerika artikuliert sich die Politik der Rechten, „dass sie sich gegen etwas richten.“ Daraus folge, dass aus „den vielen Nein! (…) die Rechten ihre Agenda“ schöpfen, es sei „eine Politik und Ökonomie des Hasses“, und sie verfolgte keine „Ökonomie der Verbesserung“. (24 f.) Festzuhalten bleibe, dass Populist:innen gleich welcher Couleur „die Wirtschaftsleistung ihres Landes im Schnitt um 10 Prozent reduziert“ hätten. (S. 27) Alexander Hagelüken macht im dritten Teil seines Buches Vorschläge, dass und wie eine „andere Politik möglich“ ist, „die die Effizienzvorteile der Marktwirtschaft mit Empathie für die Menschen vereint“ (S. 28): „Der Mehrheit der Gesellschaft mehr Sicherheit zu geben, das könnte eine Strategie gegen den Rechtsruck sein.“ (S. 244)
Autor
Alexander Hagelüken ist Ökonom und Leitender Redakteur Wirtschaftspolitik der Süddeutschen Zeitung, war Korrespondent in Berlin und Brüssel und Leiter des Finanzteils. Er veröffentlichte mehrere Bücher über wirtschaftliches Geschehen, darunter „Wirtschaft für Kids“
Inhalt
Das Buch ist in drei Teile mit insgesamt zwölf Kapiteln gegliedert. Ein Dank, die verwendeten Quellen und Angaben zum Autor kommen hinzu.
Der Teil I: Warum so viele Menschen rechts wählen, führt im ersten Kapitel in die Motive der Rechtswähler:innen und die Versprechen rechter Parteien ein, exemplarisch der AfD. Der Autor stellt hier seine Thematik vor, in der ökonomische Überlegungen immer im Vordergrund stehen, aber auch die Wirkungen ökonomischer Ausrichtungen auf den Großteil der Bevölkerung benannt werden. Das umfangreichere Kapitel kann nicht nur als Einleitung gelten, sondern hat den Charakter eines eigenständigen, zusammenfassenden Essays.
Im Teil II: Was Rechte anrichten kreist Hagelüken in sechs Kapiteln zwischen „Trumps Zollinferno“ und der klaffenden Schere in der Verteilung von Geldeinkommen zugunsten der Reichen die Problematiken aus relevanten Gegenstandsbereichen ein. Dargestellt wird, dass und wie Trumps Zölle zu einem Preisanstieg geführt haben, sein „Zollinferno der Weltwirtschaft schadet“ (S. 30 ff.) und nur wie schon bei einem Vorgänger-Präsidenten „bestimmte Industrielle“ (S. 49) begünstigt. Danach wird der „Ausstieg aus der EU“ untersucht, der „Millionen Jobs“ (S. 52 ff.) vernichten würde, was Aufruf der AfD ist, wobei schon die Kritik am Euro ihr „Gründungsmotiv“ war, bevor sie „Migranten als Hauptthema entdeckte.“ (S. 53) Hagelüken stellt parallel eine Analyse der Ursachen und Folgen des Brexit vor, wobei u.a. weniger Migration „eines der Versprechen der Brexiteers“ war. (S. 57) und dabei die tatsächlichen Vorteile durch die EU unter den Tisch gekehrt wurden. Alice Weidel, AfD-Chefin, hat den Brexit „als Modell für Deutschland“ bezeichnet, wobei de facto die EU für Deutschland „ein wichtigerer Absatzmarkt als die USA und China“ ist. (S. 66 f.) Wichtiges Thema ist Migration. Der Autor führt Beweis, dass ohne Migration „Alte nicht gepflegt“ werden und die „Wirtschaft schrumpft“. (S. 74) Dabei belegt er auch den Handlungsbedarf zur Vorbeugung der Straftaten seitens der „islamistischen Täter“, die sich „erst in Deutschland radikalisiert haben.“ Integration ist das Stichwort, „Remigration“ ein populistischer Hebel. (S. 78) Das bewirke, dass vor allem auch in wichtigen Berufszweigen qualifiziertes Personal fehlen wird, z.B. Ärzt:innen. Eine weitere Gefahr lauert, denn mit „Demokratischen Institutionen stirbt auch der Wohlstand“ (S. 97 ff.), und die Diffamierung von „Pfeilern des demokratischen Systems“ sei „oft der erste Schritt, den Rechtspopulist:innen unternehmen.“ (S. 97) Absehbare ökonomische Folgen zeigt der Autor auch an Trumps Maßnahmen auf. Trump selbst, der mit einer „Lüge“ auf die „Reichenliste“ kam und durch den „erschwindelten Platz auf der Liste (…) an die Kredite für seine Geschäfte“ kam (S. 24), „‚zerstört Grenzen zwischen privaten Firmen und Regierungspolitik in einer Weise, die in der modernen US-Geschichte beispiellos ist‘“, zitiert Hagelüken die Times. (S. 120) „Ohne Klimaschutz kollabiert der Planet“ (S. 122 ff.), wird im Zuge der allgemeinen „Antiwissenschaftlichkeit der Rechten“ (S. 124) auch heruntergespielt. Und den „Wohlstand“ zerstöre nicht, „wer Klimapolitik betreibt – sondern wer wie die Rechten keine Klimapolitik betreibt“, was die Forschung zeige. (S. 126) Problematisch sei, „dass konservative und liberale Parteien die Antipolitik der Rechten salonfähig machen“. (S. 129) „Wie die Rechten Reiche noch reicher machen“ (S. 140 ff.) werde auch bei der AfD offenkundig, deren Politik viele ihrer Wähler:innen am meisten schwäche. (vgl. S. 147) Am meisten „profitieren Topverdiener“. Festzuhalten bleibt, so Hagelüken, dass die vergangenen Jahre die „Deutschen finanziell belastet“ haben, wobei sich die „Einkommensverluste“ mit „Jobängsten“ gemischt haben. (S. 140 f.)
Im Teil III: Wie man Wähler:innen der Rechten zurückholen kann entfaltet der Autor eine breite Palette an Vorschlägen, wie Wähler:innen zu erreichen und „zurückzugewinnen“ sind, die nicht „vollends in Echokammern rechter Verschwörungsmythen verlorengegangen sind.“ (S. 160) Fehler seien vorgekommen; den „Neoliberalismus wuchern zu lassen“, „staatliche Leistungen“ zusammenzustreichen, „Steuern für Topverdiener und Reiche“ zu senken, habe eine „krasse Ungleichheit“ befördert und die Menschen „verstört“: „Es lässt sie zweifeln, dass es in der Marktwirtschaft und der Demokratie gerecht zugeht.“ Nächst „Corona-Pandemie“, dem „russische(n) Überfall auf die Ukraine“, der „Teuerungswelle“ kämen inzwischen „Großfragen wie Klimawandel, Technologiesprünge und die Demografie“ hinzu, „die das Leben in raschem Tempo verändern.“ Nun „müsste die demokratische Mitte besser erklären, was sie für die Menschen in der Krise oder im Wandel tut. Was oft sehr viel ist.“ (S. 161)
Der Autor schlussfolgert und bringt in Vorschlag, der „Mehrheit der Gesellschaft mehr Sicherheit zu geben“, und es bedürfte einer „neuen ökonomischen Politik“, um zu verhindern, „dass sich das Autoritäre weiter ausbreitet“, wie es in den weltweit mehrheitlich „autokratischen Ländern“ auf dem Vormarsch ist. (S. 244 ff.) An die Stelle von „Alarmismus“ müsse „Zuversicht rücken“, man müsse sich mehr in die „Lebenswelt der Wähler“ einfühlen, den „Leuten wieder ein Gefühl von Heimat“ geben. Und auch bei ihren „Emotionen“ sollte man die Menschen abholen. Bei allem sei einzuspeisen, dass die „Würde des Menschen unantastbar ist. Wer die Demokratie angreifen wolle, greife ihre Erzählungen an. Und genau das geschehe gerade, ob durch die AfD oder Donald Trump.“ (162 ff.) Alles helfe, was der von Populist:innen geschürten Panikmache „‚von Krise und Untergang entgegenwirkt.‘“ (zit Ch. Trebesch, S. 170)
Vor allem müssten „Verbesserungen staatlicher Leistungen“ auf der Agenda stehen, um damit den „Staat wieder zu einem Hort der Identifikation zu machen“, was heiße, ein „Gemeinschaftsgefühl zu fördern: Ein Wir-Gefühl.“ (S. 179) „Das sind alles natürlich nur Ideen“, räumt Hagelüken ein (S. 244), die jedoch schon aufgrund der Faktenlage Hand und Fuß haben und deren Realisierung erstrebenswert ist. Das buchstabiert der Autor am angeblichen Problem mit Migranten aus, an Deindustrialisierung und Setzen auf die Finanzbranche, am „Gefühl des Abgehängtseins“. (S. 225) Eine Bewältigung der Transformation „würde mehrere Ziele auf einmal erfüllen: das Klima zu schützen, zukunftsfähige Industriejobs zu schaffen – und den Aufstieg der Rechten zu bremsen.“ (S. 227) In der derzeitigen „Dekade der Unsicherheiten, was die Rechten ausbeuten“ (S. 229), ist mehr „Sicherheit für die Menschen“ (S. 228 ff.) unabdingbar. Allgemeine Sicherheit bedeutet, dass nicht zu leugnende „Systemfehler des Kapitalismus“ (mit der „Finanzkrise“) (S. 15) wie kaum noch bezahlbares Wohnen, zunehmende Altersarmut und ungesicherte Renten, nicht mehr garantierter Frieden und riskierte Sicherheit, starke Behinderungen der Vermögensbildung, nicht zuletzt mangelnder Klimaschutz überwunden werden müssen. Es sind ‚hautnahe‘ Problemlagen, deren Ursachen der Autor mit wie allenthalben viel Sachkunde anprangert und Lösungswege perspektiviert.
Diskussion
Das Buch „Die Ökonomie des Hasses“ wird u.a. vom NABU in „Naturschutz heute“ (2025) empfohlen und Hagelüken vom ‚Spiegel‘ als „Bestseller-Autor“ gelobt. Diese positive Aufnahme in doch sehr unterschiedlichen Publikationsorganen signalisiert, dass vielfach auf eine Reformierbarkeit des Systems gesetzt und nicht gleich mit der Geste abgewunken wird, wir reformierten uns zu Tode. Hagelüken präsentiert mehr als Ideen; es sind vorstellbare wirtschaftliche und politische Maßnahmen, etwas ‚Machbares‘, was die Wogen glättet und vor allem den Rechten das Wasser abgräbt. Hagelüken wird Horkheimers Satz aus 1939 geläufig sein: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“ Hagelüken entlarvt die z.T. offenen faschistischen Tendenzen großer Teile der Rechten, spricht aber nur an wenigen Stellen vom Kapitalismus, sondern betont die Segnungen der Marktwirtschaft. Sie beruhe darauf, „dass sich das bessere oder günstigere Produkt durchsetzt, was auch zum Vorteil der Konsument:innen ist.“ Dieser „Wettbewerb“ müsse durch „Gesetze und Justiz“ geschützt werden, weil sich sonst die „Unternehmen ihrer Investitionen nicht mehr sicher sein“ können. (S. 104) Man muss also nicht kapitalistische Ökonomie analysieren, den Imperialismus, über fallende Profitraten etc. reden, sondern Marktwirtschaft an sich in die gedankliche Nähe einer Sozialen Marktwirtschaft rücken, wie sie de facto nie war, aber schien. Ihre Segnungen aber bröckeln immer stärker und werden bis zur Unkenntlichkeit ausgehöhlt. All das prangert Hagelüken an, ohne den polit-ökonomischen Hintergrund zur Erklärung zu entfalten, und gleichwohl zeigt er, wie und warum viele Wähler:innen die rechte Kurve nehmen, aus der sie nicht von selbst fliegen. Dabei versäumt er nicht, für die vielen Demonstrant:innen, die sich insbesondere gegen Diskriminierung und Verfolgung von Migrant:innen engagieren, eine Lanze zu brechen, und er lässt einen namhaften Industriellen zu Wort kommen, der seinen Mitarbeiter:innen riet, nicht die AfD zu wählen. (vgl. S. 43, S. 163)
Man stutzt allerdings, wenn man belehrt wird, dass erst „Industrialisierung, Globalisierung und technischer Fortschritt (…) den heutigen Wohlstand für breite Massen geschaffen (haben), und das funktioniert nur mit permanentem Wandel.“ (S. 213) Was diese großenteils gewaltsam durchgesetzten Wandlungsprozesse in der jüngeren Geschichte angerichtet haben und unter welchen Opfern, füllte etliche Regalmeter an Büchern und sollte nicht angesichts eines scheint’s bekömmlichen Wohlstandes vergessen werden – innerhalb dessen es „krasse Ungleichheit“ gibt, die viele Menschen „verstört“. (S. 161) Das ist beschönigend formuliert; viele Menschen darben und erleben bittere Not. Da wispert dann doch Marx’ ‚kategorischer Imperativ‘ in manch einem Gedächtnis, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Die „Würde des Menschen“, was zu den „Erzählungen“ der Demokratie gehört (S. 164), ist wohl doch antastbar. Existierende Bestände zu bewahren, ist wichtig, die Menschenwürde inhaltlich weiter auszukleiden, möglichst weltweit, ist Projekt. Was „in der Krise oder im Wandel“ zu tun ist und getan wird, müsste diesen (‚erniedrigten und geknechteten‘?) Menschen die „demokratische Mitte besser erklären“. (ebd.) Fragt sich, wer diese Mitte ist und mehr noch, wer deren Speerspitze repräsentiert. Auch hier stellt sich eine flüchtige Reminiszenz ein, nämlich an das (veraltete?) Buch von Agnoli und Brückner über die „Transformation der Demokratie“, in dem die tonangebenden Parteien als „kapitalistische Einheitspartei“ zusammengefasst werden. Es sind wohl die Politikverantwortlichen, die derzeit Steuergelder empfindlich zuungunsten der ‚verstörten Menschen‘ umverteilen (u.a. m.), die aber auch den Rechten wehren, indem sie Schulterschlüsse kategorisch ablehnen und von einer Brandmauer sprechen. Brandschutzmauern schützen bekanntlich vor übergreifendem Feuer nur eine begrenzte Zeit, die reichen soll, Menschen in Sicherheit zu bringen. Gute Löhne, ein auskömmliches Leben, möglichst finanzielle Reserven geben Sicherheit, argumentiert Hagelüken, was man aber bei der Lage der Dinge und Kriege im Weltmaßstab sehen muss. Die Menschen brauchen ein „Wir-Gefühl“ (S. 179), was übrigens die Rechten auch in ihrem ideologischen Gepäck haben, und sie brauchen wieder, was auch ein Claim der Rechten ist, ein „Gefühl von Heimat“ (S. 162): Hat der Mensch „sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ (Ernst Bloch)
Soyez réalistes, demandez l'impossible! Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche! – war der ‚Aufruf im Pariser Mai 1968. Der damals gemeinte Realismus deckt sich nicht mit dem, was man mit Hagelüken ganz allgemein unter permanentem Wandel und landläufig unter Realismus versteht. Wenn Hagelüken auch sagt, seine Vorschläge seien „alles nur Ideen“, so sind oder wären sie doch realistisch ins Auge zu nehmen und anzugehen. Er durchforstet die Oberfläche von Gesellschaft(en) und indiziert eine Vielzahl neuralgischer Punkte, die für einigermaßen ausgependelte gesellschaftliche Stabilität zu glätten, wenn nicht gar zu beheben wären. Soll so eine skrofulöse Normalität ein Geschwisterkind mit starkem Immunsystem gebären, wäre bildhaft ein nicht zu spitzfindiger Zweifel anzumelden. Hagelüken ist Wirtschaftsjournalist und greift in seinen Argumentationen doch weiter über diese allerdings zentrale Spezifik hinaus. Jedoch touchiert er mit seiner beachtlichen, höchst kritisch-informativen wissenschaftsjournalistischen Leistung, hier in Buchform, nur den nervus rerum aller Übel. Theoriearbeit, und dies sei hier ohne jeden beckmesserischen oder abfälligen Unterton gesagt, ist nicht sein prominentes Terrain, obwohl er an manchen Stellen einen kritisierenden Blick auf den Kapitalismus und seine Auswüchse wirft (z.B. S. 15, S. 163). Erkenntnis wäre, zu analysieren und darzulegen, dass und wie seine „Ideen“ im Außerhalb der Logik des Systems liegen, nicht integriert werden können und darum mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zum Zuge kommen. Aber die „Ideen“ Hagelükens zu realisieren ist überfällig, schon im Sinne der abhängig Beschäftigten, in‑ und ausländischen Arbeiter:innen. Um es sprichwörtlich mit Hintersinn und flapsig zu formulieren: „Versuch macht klug.“ Und was macht ein Scheitern?
Hagelüken analysiert und klagt an – was nur zu bejahen ist. Mehrmalige Redundanzen fallen bei der Lektüre auf und sind wohl den jeweiligen Themen geschuldet, die komplex behandelt zu werden abnötigen. Das Buch wird Diskussionen provozieren, die um die Möglichkeiten und Reichweiten der „Ideen“ des Autors kreisen. Mehr sind es Vorschläge, die Hagelüken macht, und dies auf der Basis eines hohen Informationsniveaus, was man von kritischem Journalismus erwarten darf, der nicht die Regel ist.
Fazit
Als Leser:innen wären auch all diejenigen zu wünschen, die als Rechtswähler:innen, was die AfD meint, erste Zweifel bekommen haben. Geht es doch auch ums ‚Zurückholen‘. Für alle anderen bietet das Buch ein solides argumentatives Handwerkszeug in Debatten um rechte Tendenzen.
Rezension von
Arnold Schmieder
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