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Iris van den Hoeven: Kongruente Kommunikation in der Kita

Rezensiert von Alexandra Großer, 15.06.2026

Cover Iris van den Hoeven: Kongruente Kommunikation in der Kita ISBN 978-3-451-03620-0

Iris van den Hoeven:Kongruente Kommunikation in der Kita. Worte, Gefühle und Körpersprache im Einklang. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2026. 144 Seiten. ISBN 978-3-451-03620-0. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 26,00 sFr.

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Thema

Kommunikation besteht aus Worten, Intonation, Rhythmik, Mimik, Körperhaltung und Sprache. Wir drücken in der Kommunikation so viel mehr aus, als Worte allein es vermögen. Oft sind wir uns dessen nicht bewusst. Iris van den Hoeven führt in die kongruente Kommunikation ein. Die kongruente Kommunikation ist der rote Faden, der sich durch das Buch zieht. In den Fokus nimmt sie die ganze Kita. Dialoge mit Kindern, Eltern, Kolleg*innen, im Team. Dabei hat sie immer die systemische Brille auf und lädt zum Perspektivwechsel ein. Professionalität in der Kommunikation, in der Kita, zeigt sich durch eine kongruente Haltung. Diese zu entwickeln und auszubauen lädt die Autorin ein, mit vertiefenden Impulsen zur Selbst‑ und Team‑ und Gruppenübung.

Autor:in oder Herausgeber:in

Iris van den Hoeven ist Erziehungs‑ und Bildungswissenschaftlerin, Autorin, Supervisorin. Sie arbeitet als Lehrbeauftragte für verschiedene pädagogische Hochschulen. Sie ist als Referentin in Fortbildungen, Webinaren und Inhouse-Seminaren und auf Kongressen tätig. Über ihre Plattform Blickpunkt Erziehung bietet sie psychosoziale Beratung für Eltern und Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen an, Einzel‑ und Teamsupervision sowie ihren gleichnamigen Podcast.

Aufbau

Das Buch ist in drei Kapitel mit Unterkapiteln eingeteilt. In farblich abgesetzten Kästen finden sich Informationen und Übungen. Die Übungen werden ausführlich beschrieben und enthalten einen QR-Code zum Download. Das Downloadmaterial umfasst insgesamt 46 Seiten mit Einzel-, Team‑ und Gruppenübungen zu den einzelnen Kapiteln im Buch. Die Übungen im Buch und Downloadmaterial sind konkret ausgearbeitet, und eignen sich ebenfalls für Fort‑ und Ausbildung pädagogischer Fachkräfte.

Inhalt

In der Einleitung erklärt die Autorin, dass es nicht darum geht, noch eine weitere Kommunikationstechnik zu erlernen, sondern um Resonanz mit den vielfältigen Gesprächspartner*innen, mit denen es Fachkräfte in der Kita zu tun haben: Kinder, Eltern, Kolleg*innen. Die Autorin lädt unter anderem die Leser*innen dazu ein, „ein tiefgehendes Verständnis für kongruente Kommunikation und deren praktische Umsetzungsmöglichkeiten in der Kita zu entwickeln“ (S. 6), als auch die eigene Kommunikation zu reflektieren. Zugleich führt die Autorin bereits hier in die kongruente Kommunikation ein, welche sie im ersten Kapitel vertieft.

Das erste Kapitel Kongruenz beginnt mit der Kommunikationstheorie Carl Rogers. In der Frühpädagogik gilt die personenzentrierte Gesprächsführung, mit den drei beziehungsförderlichen Aspekten, Akzeptanz, Empathie und Kongruenz, „als zentrale Kompetenz“ (S. 13). Einen weiteren Ansatz zur Kongruenz, den Iris van den Hoeven vorstellt, stammt von Virginia Satir. Damit führt die Autorin in die inkongruente Kommunikation ein. Nach Virginia Satir braucht es die Selbstreflexion und einen wohlwollenden, wertschätzenden Umgang mit uns selbst, um kongruent kommunizieren zu können. Die eigenen Gefühle wahrzunehmen, bei sich zu bleiben, ermöglicht kongruentes Handeln. In Stresssituationen und/oder herausfordernden Situationen fällt dies oft schwer. Im Fokus steht hier auch „die Fachkraft als Erziehungsinstrument“ (S. 20). Der Autorin geht es hier darum, dass Fachkräfte Professionalität als Entwicklungsprozess verstehen. Professionalität entsteht durch Selbstreflexion und Selbstbeobachtung, sich selbst zu hinterfragen und individuelle Lösungen und Möglichkeiten zu finden. Denn oft wird Professionalität damit verwechselt, die „perfekte Lösung“ (S. 23) zu haben, das Patentrezept für jede Situation. Eine Fachkraft, die sich als Erziehungsinstrument versteht, geht in Beziehung mit den Kindern, reflektiert sich selbst, erkennt die eigenen blinden Flecken, weiß um die eigenen inneren Antreiber und Glaubenssätze, die sie leiten, weiß um ihre Vorbildwirkung „im Umgang mit Konflikten, Herausforderungen und Fehlern, in der Kommunikation von Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen“ (S. 29). Beeinflusst werden die Haltung und „professionelle Beziehungsgestaltung“ (S. 30) pädagogischer Fachkräfte durch das Bild vom Kind, welches sie in sich tragen. Dieses ist nicht nur geprägt durch die Bildungs‑ und Erziehungspläne und pädagogischen Ansätze, sondern auch von unserer Herkunftsfamilie, dem momentanen Zeitgeist, den „Vorstellungen im Team“ (ebd.). Iris van den Hoeven lädt zum Perspektivwechsel ein, und weist darauf hin, dass das Bild vom Kind durch Reflexion veränderbar ist. Das Bild vom Kind entscheidet darüber, wie wir Kinder wahrnehmen und ihr Verhalten bewerten. Als Problem oder als unerfülltes Bedürfnis und damit als Ruf nach Hilfe und Unterstützung.

Mit dem Growth-Mindset von Carol Dweck greift die Autorin den Gedanken auf, durch Erfahrung, Misserfolge und Fehler zu wachsen. Fehler als Lerngeschenke zu betrachten.

In „Kommunikation verstehen und gestalten“ stellt die Autorin verschiedene Kommunikationstheorien vor. Darunter die Klassiker, wie das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun, die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg und die Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick. Einen weiteren Ansatz, den sie einführt, ist das Konzept der Idiolektik von Adolphe David Jonas, in dem es um das Aufgreifen von Schlüsselwörtern geht. Zu jeder Kommunikationstheorie gibt es Übungen und Reflexionsimpulse. Mit Vorsicht zu genießen ist das Feedback-Sandwich, so die Autorin. Mit dem Feedback-Sandwich wird kritisches Feedback zwischen zwei positiven Rückmeldungen verpackt. Es stellt sich die Frage, ob es nicht stimmiger ist, die Beobachtung und damit kritische Rückmeldung, direkt anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Worte haben Wirkung. Worte lösen in unserem Kopf, in unserem Gehirn, Bilder aus, „verknüpfen Gedankengänge, konstruieren subjektive Wirklichkeiten“ (S. 71). Die Autorin gibt Einblicke in einige Worte, die wir nutzen, und deren Wirkung, wie beispielsweise die Frage nach dem ‚Warum‘, oder die Worte ‚aber‘ und ‚eigentlich‘. Doch nicht nur Worte haben Wirkung, auch unsere paraverbale und nonverbale Kommunikation haben Wirkung auf uns und andere. Gebrauchen wir diese als Technik, kann es schnell zu Unstimmigkeiten zwischen den Gesprächspartner*innen kommen. Kommunikation kann durch kongruente Kommunikation Türen öffnen, als Technik angewandt eher Türen schließen.

Einen weiteren Fokus legt die Autorin auf die Körpersprache und führt damit in den Embodiment Ansatz ein. Der Körper kommuniziert mit der Außen‑ als auch mit der Innenwelt. Körper und Seele kommunizieren miteinander. Mit kleinen Veränderungen in der Körperhaltung, sicherem Stand, tieferer Atmung, und langsamen Bewegungen, lässt sich beispielsweise Nervosität abbauen. Diese beeinflussen auch die Stimme und das Denken. Die zentrale Botschaft lautet, die Körpersignale wahrzunehmen und Muster durch Körperhaltung zu unterbrechen.

Mit konstruktiver Gesprächsführung in der Kita führt Iris van den Hoeven die zuvor besprochenen Ansätze, Konzepte und Theorien zusammen. Sie bezieht dabei alle Beteiligten in der Kita ein und nimmt die Kommunikation mit Kindern, Eltern und im Team in den Fokus.

Kinder brauchen Erwachsene, die sie in ihrer Entwicklung begleiten. Dazu gehört, dass Fachkräfte über entwicklungspsychologisches Wissen verfügen. Die Autorin geht hier explizit auf die Entwicklung der Perspektivübernahme bei Kindern sowie der Moral‑ und Emotionsentwicklung ein. Oft werden Kinder, wie kleine Erwachsene behandelt, ohne beispielsweise zu berücksichtigen, dass Kinder erst zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr zur Perspektivübernahme fähig sind. Auch die Moralentwicklung geht stufenweise vor sich und braucht Erwachsene, die ethische und moralische Werte vorleben und vermitteln. Doch oft verlangen Erwachsene Dinge von Kindern, mit denen sie sich selbst im Miteinander schwer tun. Erwachsene, die Kinder begleiten, brauchen „eine gute Portion Entwicklungswissen […] und eine regelmäßige […] Dusche Selbstreflexion“ (S. 116). Einen weiteren Fokus legt die Autorin auf die Emotionen, die Selbst‑ und Co-Regulation sowie auf herausfordernde Situationen.

Im Abschnitt Elterngespräche wirft die Autorin zunächst einen Blick darauf, was Elternschaft in der heutigen Zeit bedeutet. Sie gibt zu bedenken, dass Eltern das Eltern sein erst lernen müssen, dies ein lebenslanger Lernprozess ist. Es ist auch ein Unterschied, zwischen Elternwissen zu verfügen oder Eltern zu sein (vgl. S. 136). Eltern sein bedeutet für Eltern, unbekanntes Land zu betreten und sich mit dem Kind auf eine gemeinsame Lehr-Lernreise zu begeben. Zugleich sind Eltern vielen Einflüssen ausgesetzt, zum Beispiel wie Eltern erziehen sollen, diese Einflüsse sind oft widersprüchlich. Es ist diese Perspektive, die Fachkräfte zu mehr Verständnis für Eltern verhilft. Iris van den Hoeven lädt ein, die Lebenswelten der verschiedenen Eltern zu erkunden, in deren Perspektive zu schlüpfen und miteinander Lösungen bei Herausforderungen zu finden. Leitend dabei ist die Frage „Was bedeutet in diesem Moment Erziehung des Kindes […] für mich als Fachkraft […] und was für die Eltern […] und welche gemeinsamen Ziele […] lassen sich dabei wie verfolgen“ (S. 143 f), die Fachkräfte bei allen Gesprächen, ob Tür‑ und Angelgespräche, Entwicklungsgespräche oder Elternabend, im Hinterkopf haben sollten. Zur Deeskalation von Elterngesprächen werden Eskalationsstufen in Anlehnung an die Eskalationsstufen Friedrich Glasls vorgestellt. Des Weiteren findet sich ein „Begleitleitfaden“ für Elterngespräche, der alle Elemente der kongruenten Kommunikation enthält, und als roter Faden dient, den Fachkräfte individuell anpassen können.

Ein weiterer Aspekt des Kapitels ist die Kommunikation im Team. Anschaulich erläutert die Autorin, dass ein Kita-Team „mehr ist als nur ein Team“ (S. 163), und weist darauf hin, dass auch ein Kita-Team ein Erziehungsinstrument ist, dessen Umgang und Kommunikation miteinander Auswirkungen auf die Kinder und Eltern hat. Neben den Teamphasen gilt es auch, die einzelnen Rollen im Team, die jede*r im Team innehat, in den Blick zu nehmen. Dafür „braucht es […] Austausch und Reflexion“ (S. 166) im Team. Damit dies gelingt, empfiehlt die Autorin Supervision, welche sie anschließend erläutert.

Diskussion

Was dieses Buch besonders macht, sind die vielen Resonanzräume, die zur Selbst‑ und Team‑ bzw. Gruppenreflexion einladen. Jedes Kapitel enthält mehrere dieser Resonanzräume, die die Theorie mit der Praxis verbinden. Es sind Impulse, die nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern zu wahren Erkenntnissen führen. Iris van den Hoeven beschreibt die Durchführung für Gruppen ganz konkret, von der Gruppeneinteilung bis hin zum Abschluss und weiteren Reflexionsimpulsen.

Fachlich fundiert, praxisorientiert und verständlich führt sie in die kongruente Kommunikation ein. Häppchenweise erläutert sie die einzelnen Komponenten und Aspekte, die kongruente Kommunikation ausmachen, und erläutert deren Wirkweise für einen selbst, die Kinder, die Eltern und das Team. Im Kapitel Konstruktive Gesprächsführung in der Kita führt sie die Häppchen zusammen und es entsteht ein vollständiges Gericht für die ganze Kita. In der Zusammenführung erklärt sich noch einmal mehr, dass Kommunikation Auswirkungen auf alle Beteiligten in der Kita hat. Wer Eltern in der Kita als lästig oder gar Feinde betrachtet, darf sich nicht wundern, wenn Elterngespräche bzw. Elternabende eskalieren. Sie lädt ein, den Blick auf Eltern zu verändern. Zeigt auf, wie durch die kongruente Haltung und den Dialog, selbst auf der höchsten Stufe der Eskalation, Deeskalation möglich sein kann.

Besonders eindrucksvoll ist die Perspektive der Autorin auf die Fachkräfte als Erziehungsinstrument. Damit rückt sie deren Vorbildfunktion in ein anderes Licht. Wohl kaum eine Fachkraft dürfte sich als Erziehungsinstrument betrachten, als Vorbild eher schon. Die Autorin geht noch einige Schritte weiter und zeigt auf, was es bedeutet, Vorbild bzw. ein Erziehungsinstrument zu sein, was Professionalität ausmacht, die ebenfalls ein lebenslanger Lern‑ und Entwicklungsprozess ist. Sie zeigt auf, welche Auswirkungen eine wenig wertschätzende Teamatmosphäre auf Kinder und Eltern hat. Die systemische Grundhaltung der Autorin spiegelt sich in jedem Kapitel und jeder Übung wider. Immer wieder werden die Leser*innen eingeladen, die Perspektive zu wechseln, sich in das Kind einzufühlen, in die Rolle der Eltern zu schlüpfen oder auch aus der Perspektive der Kolleg*in oder eines Fremden auf die Situation zu blicken.

Sie ermutigt die Leser*innen öfter einen Schritt zurückzutreten, den Lichtstrahl mal dahin, mal dorthin zu richten und immer wieder auf sich selbst, die eigenen Gefühle, auch auf die unangenehmen, auf das Misslingen in Gesprächen, mit Kindern, Eltern, Kolleg*innen. Fehler als Lerngeschenke zu betrachten.

Sehr deutlich wird in diesem Buch: kongruente Kommunikation ist nichts, was man mal eben zwischen Tür‑ und Angel als weitere Gesprächstechnik in den Methodenrucksack packt, sondern es ist eine Haltung. Eine Haltung, die sich in einem Prozess durch Selbstbeobachtung, durch Achtsamkeit, durch Selbstwahrnehmung und Reflexion entwickelt. Deutlich wird auch, dass dies ein individueller Entwicklungsprozess ist, für jede einzelne Fachkraft sowie jedes Team. Sich gemeinsam auf den Weg machen, heißt auch, bereit sein, sich selbst zu hinterfragen, die blinden Flecken zu erkennen, anzuschauen. Es heißt auch, bereit sein für Veränderung.

Fazit

Was dieses Buch besonders macht, sind die vielen Resonanzräume, die zur Reflexion einladen, zu neuen Erkenntnissen und Einsichten führen. Dieses Buch begleitet Fachkräfte dabei, ihre Professionalität und pädagogische Qualität weiterzuentwickeln. Fort‑ und Weiterbildner*innen finden darin viele Anregungen für die eigene Praxis.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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Es gibt 103 Rezensionen von Alexandra Großer.

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ISSN 2190-9245