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Anke Elisabeth Ballmann: Das Faultier-Prinzip in der Kita

Rezensiert von Alexandra Großer, 01.04.2026

Anke Elisabeth Ballmann: Das Faultier-Prinzip in der Kita: Gelassene Erzieher:innen - entspannte Kinder. Don Bosco Verlag (München) 2026. 44 Seiten.
426-069492378-8 (EAN) Für pädagogische Fachkräfte und Kita-Teams. 44 Coaching-Karten für mehr Resilienz und Selbstfürsorge.

Thema

Die Coachingkarten unterstützen Teams und pädagogische Fachkräfte, sich ihrer selbst bewusster zu werden. Die Herausforderungen im Alltag einer Kita mit Gelassenheit, Humor und Wertschätzung zu begegnen. In den Coachingkarten finden pädagogische Fachkräfte Impulse, Faultierweisheiten und Reflexionsfragen für mehr Glimmermomente, Gelassenheit und Entschleunigung sowie Wachstum, Sinnfindung und ein friedvolle Pädagogik.

Autor:in oder Herausgeber:in

Anke Elisabeth Ballmann ist Psychologin, Pädagogin, Fort‑ und Weiterbildnerin, Beraterin und Autorin. Sie ist Gründerin des Instituts „Lernmeer“ sowie der Stiftung „Gewaltfreie Kindheit“ und hat einen Lehrauftrag an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg.

Aufbau

Das Kartenset besteht aus einem Booklet und 44 Karten. Das Downloadmaterial enthält 19 Seiten mit Checklisten, Reflexionen, Tests, Übungen, Beobachtungsbögen und Faultierweisheiten zur eigenen Gestaltung. Das Downloadmaterial kann mittels Code auf der Seite des Verlags heruntergeladen werden. Hier finden Leser*innen insgesamt 30 Seiten mit Impulsen, die zur Reflexion und Gesprächen im Team einladen. Das Onlinematerial enthält Checklisten, Reflexionen, Tests, Übungen, Beobachtungsbögen und weitere Faultierweisheiten. Das Kartenset enthält Karten zu den Themen Glimmermoment (violett), Gelassenheit (grün), Wachstum (blau), Sinnfindung (orange), Entschleunigung (türkis) und Fried(a)volle Pädagogik (rosa). Jede Karte enthält drei Impulse, sechs Fragen, drei Herausforderungen und eine Faultierweisheit. Die Zeichnungen, welche Frieda in verschiedenen Positionen zeigen, stammen von Diana Kohne. Das Booklet besteht aus insgesamt 8 Kapiteln. Darunter das Vorwort, Literatur und Quellenangaben sowie die Vorstellung der Autorin und die Auflistung der Inhalte der Coaching-Karten.

Inhalt

Im Vorwort des Booklets stellt sich Frieda, das Faultier, vor. Anke Elisabeth Ballmann schreibt aus der Perspektive des Faultiers, Frieda. Frieda erklärt, wie es zur Zusammenarbeit mit Anke Elisabeth Ballmann gekommen ist. Ziel der Autorin ist es Kitas zu Inseln des Friedens als auch als Schutzraum zu etablieren. Damit dies gelingt braucht es „Gelassenheit, gegenseitigen Respekt und eine klare, wertschätzende Haltung“ (S. 8). Neben der einzelnen pädagogischen Fachkraft steht auch das Team und deren Umgang miteinander im Fokus des Coachings. Die Coaching-Karten sowie das Downloadmaterial sollen pädagogische Fachkräfte und Teams dabei unterstützen „Klarheit zu gewinnen, eigene Stärken zu entdecken und als Team zusammenzuwachsen“ (S. 6). Das Fried(a)volle Faultier-Coaching dient der Entschleunigung, Momente bewusst zu erleben, um eine gewaltfreie Haltung, eine Haltung, die von Respekt, Achtsamkeit und Wertschätzung gegenüber sich selbst, Kolleg*innen und Kindern geprägt ist, zu entwickeln. Eine Haltung, die im Miteinander an die Kinder weitergegeben wird. Natürlich ist dies nicht immer einfach, vor allem in stressigen Momenten oder in Konflikten. Doch zeigt es sich in der Haltung, die das Handeln beeinflusst, ob in herausfordernden Situationen und Konflikten gewaltfrei, achtsam und wertschätzend gehandelt wird. Die Autorin lädt dazu ein, sich und die eigene Haltung zu reflektieren, sich der eigenen Gefühle und Gedanken bewusst zu werden, die das Handeln in solchen herausfordernden Momenten beeinflussen. Es geht darum die eigenen Stärken als auch die des Teams zu entdecken und darum „Herausforderungen mit Gelassenheit zu begegnen und [miteinander] friedvolle Wege […] zu finden“ (S. 13).

Die Karten können im Team oder zur Selbstreflexion in Einzelarbeit genutzt werden. Die Karten sollen Einzelpersonen dabei unterstützen mehr Klarheit über sich selbst zu bekommen. Die Fragen und Impulse regen zum Nachdenken an, dazu, das innere Erleben bewusster zu machen als auch die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen.

Als Teamcoaching unterstützen die Karten dabei die Zusammenarbeit und Vielfalt im Team zu fördern, miteinander ins Gespräch zu kommen, die unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven zu würdigen und miteinander klar und respektvoll zu kommunizieren (vgl. S. 16). Für die Arbeit mit den Karten im Team stellt die Autorin verschiedene Varianten vor und zeigt auf, wie die Karten als Teamcoaching helfen miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Karten sind in Kategorien eingeteilt. Jede Karte enthält Impulse, Reflexionsfragen, Herausforderungen und eine Faultierweisheit. Die Impulse sind mit der Frage verknüpft, was diese Aussage für einen persönlich bedeutet, welche Gedanken dazu entstehen. Die sechs Reflexionsfragen helfen, sich selbst besser zu verstehen, das „Selbstwertgefühl zu stärken“ (S. 17). Die drei formulierten Herausforderungen betrachten Stolpersteine auf dem Weg der Erkenntnis.

Exemplarisch werden hier zwei Karten vorgestellt.

Aus der Kategorie Fried(a)volle Pädagogik stellt die Herzkraft-Frieda folgende Impulse vor:

  • „Deine Herzkraft ist das mächtigste Lebensinstrument, das du hast.
  • Vertraue deiner Intuition, sie zeigt dir kraftvolle Wege.
  • Charakter zeigt sich durch Verbindlichkeit“.

Dazu fragt Frieda:

  • „Welche Entscheidungen triffst du nur mit dem Herzen?
  • Wie kannst du Menschen ermutigen, ihrer Herzkraft zu vertrauen?
  • Wann hast du dich zuletzt mit ganzer Kraft für etwas eingesetzt?
  • Woran zeigt sich deine Standhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Treue?
  • In welchen Situationen hat dir eine Herzkraftentscheidung geholfen und was hat sie dir offenbart?
  • Woher nimmst du die Kraft, dich zu verteidigen, wenn du angegriffen wirst?“

Herausforderungen, die damit verbunden sind:

  • „Zweifel sind das Unkraut in deiner Seele, sie überwuchern alles.
  • Du musst nicht zu allem Stellung beziehen.
  • Geradlinigkeit ist schwierig auf verschlungenen Wegen“.

Die Faultierweisheit dazu lautet:

„Lebe aus dem Herzen und behandle Menschen so, dass auch sie ihrem Herzen folgen mögen“.

Aus der Kategorie Entschleunigung gibt es folgende Impulse:

  • „Verhaltensvielfalt bedeutet Lebensvielfalt.
  • Befreie dich von einengenden Sichtweisen, Werten und Anpassungen.
  • Schärfe deinen Blick für dein Verhalten und das Verhalten anderer.“

Frieda fragt dazu:

  • „Wer und was beeinflusst, wie du dich verhältst?
  • Welche Verhaltensänderungen würden sich sofort positiv auf dein Leben auswirken?
  • Wie selbstbewusst gestaltest du dein Verhalten in Bezug auf die Liebe, die Arbeit und deine Kommunikation?
  • Welche Abhängigkeiten möchtest du aufgeben und wie kann das gelingen?
  • In welchem Bereich deines Lebens hättest du gerne eine bessere Selbststeuerung?
  • Was können andere Menschen von deinem Verhalten lernen?“

Stolpersteine, die dabei auf dem Weg liegen:

  • „Wenn Verhalten zwanghaft ist, sind Ideologien nicht weit entfernt.
  • Bewusstes Verhalten orientiert sich an authentischen Werten.
  • Selbstschutz beginnt mit der Wahrnehmung von bedrohlichen Menschen und Situationen“.

Die Faultierweisheit dazu lautet:

„Du hast gelernt, dich so zu verhalten, und du kannst lernen, dich anders zu verhalten.“

Diskussion

Anke Elisabeth Ballmann beziehungsweise Frieda hat ein Coachingkartenset erstellt, welches als Einzelperson, im Tandem oder/und im Team genutzt werden kann. Ziel der Karten ist es mehr Klarheit über sich selbst zu gewinnen beziehungsweise als Team zusammenzuwachsen, sich als Gruppe zu stärken und die Diversität des Teams wertzuschätzen. Die Autorin vergleicht Teams mit dem Regenwald, der aus vielen verschiedenen Pflanzen besteht, in der jede Pflanze wichtig für das Ökosystem ist und dadurch erst zum Wald wird. Die Autorin unterstreicht diese Diversität im Team, indem sie Teams dazu auffordert, sich im Team mit den verschiedenen Meinungen und Perspektiven auseinanderzusetzen und wertzuschätzen sowie eine Team‑ und Konfliktkultur des gegenseitigen Respekts zu entwickeln. Ob Einzelcoaching oder Teamcoaching, der Autorin ist bewusst, dass es für die Reflexion und Beantwortung der Karten Zeit braucht. Sie berücksichtigt dies in ihren Hinweisen, wie die Karten und Impulse im Team bzw. als Einzelperson genutzt werden können. Bei manchen Karten und Reflexionsfragen fällt die Beantwortung leicht, bei manchen Fragen braucht es Zeit, diese wirken zu lassen und immer wieder anzuschauen, sich den Fragen auch einzeln zu widmen. Anke Elisabeth Ballmann’s Reflexionsfragen und Impulse gehen in die Tiefe, berühren das Innere. Nach Meinung der Rezensentin sollten Leitungen, die die Karten im Team nutzen möchten, die Karten sorgfältig auswählen besonders dann, wenn das Team sich noch kennenlernt oder alte Konflikte auf Bearbeitung warten. Die Rezensentin kann sich gut vorstellen, dass manche Fragen oder Aussagen auch erst einmal Zeit brauchen, um sie dann im Team gemeinsam bearbeiten zu können. Es fordert von jeder/​jedem Einzelnen Vertrauen, sich auf die gemeinsame Reflexion und Kommunikation über die verschiedenen Karten im Team einzulassen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Autorin immer wieder betont, wie wichtig die Achtsamkeit und „Langsamzeit“ (S. 14) bei der Bearbeitung ist. Wer sich allerdings gemeinsam auf den Weg macht, wird von den Reflexionsimpulsen als Team profitieren und klarer, respektvoller, friedvoller und wertschätzender kommunizieren. Sich untereinander besser kennenlernen. Das Booklet führt Teams und Einzelpersonen achtsam und gelassen in den Coachingprozess. Immer wieder fordert die Autorin auf, geduldig zu sein, sich Zeit zu lassen. Diese besondere Atmosphäre der Wertschätzung, des Respekts, der Gelassenheit, des friedvollen Miteinanders, die Anke Elisabeth Ballmann als Ziel formuliert, wird auch durch ihre Texte transportiert. Die Fragen gehen, wie gesagt, in die Tiefe, und brauchen ihre Zeit der Beantwortung. Gleichzeitig sind die Fragen sehr klar formuliert und verlangen nach eigener Klarheit, danach sich seiner selbst bewusst zu werden.

Ihr Anliegen, Kitas für Alle, Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte, als friedvollen, gewaltfreien Lebensraum, als Wohlfühlorte zu gestalten, gelingt durch die Karten Schritt für Schritt. Die Autorin verspricht keine Rezepte oder schnelle Lösungen, sondern lädt ein „bewusst hinzuschauen“ (S. 5) gemeinsam zu reflektieren, sich miteinander oder allein auf den Weg zu mehr Klarheit, Gewaltfreiheit, und friedvollem, achtsamem Umgang miteinander zu machen und eine klare Haltung zu entwickeln.

Fazit

Pädagogische Fachkräfte und Teams, die sich auf die Coachingkarten und damit auf einen Selbstcoachingprozess einlassen, können durch ihre Klarheit zu einer friedvollen, feinfühligen und gelassenen Atmosphäre im Kollegium, bei den Kindern und Kita beitragen. Das Kartenset empfiehlt sich ebenso für Fachberater*innen und Berater*innen, die Teams in ihrer Entwicklung unterstützen beziehungsweise Leitungen und pädagogische Fachkräfte beraten und coachen.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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Es gibt 95 Rezensionen von Alexandra Großer.

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ISSN 2190-9245