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Nele Schubert: Partizipative Pädagogik

Rezensiert von Stefanie Stricker, 26.02.2026

Cover Nele Schubert: Partizipative Pädagogik ISBN 978-3-407-63319-4

Nele Schubert: Partizipative Pädagogik. Selbstwirksamkeit fördern in der Grundschule : mit Download-Materialien. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2025. 174 Seiten. ISBN 978-3-407-63319-4. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.
Reihe: Pädagogik.

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Thema

Die Berücksichtigung des Kindeswillens und das Recht gehört zu werden sind zentrale Rechte von Kindern. Auch die Bildungspläne von Kindertagesbetreuung bis Schule nehmen darauf Bezug. Doch was versteht man unter Partizipation? Weshalb ist partizipative Pädagogik ein Gewinn, sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden? Und wie lässt sich das erfolgreich innerhalb des Unterrichts umsetzen? Das sind die zentralen Themen dieses Buches.

Autor:in

Nele Schubert ist Grund‑ und Mittelstufenlehrerin. Sie gestaltet an einer Schwerpunktschule für Inklusion die partizipative Schulentwicklung mit und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Grundschulpädagogik der Universität in Hamburg. Sie ist Multiplikatorin für Begabungs‑ und Begabtenförderung, für Philosophieren mit Kindern und für forschendes Lernen. Sie hat langjährige Erfahrung in der Lehrer:innenfortbildung.

Aufbau

Das Buch ist in zwei Abschnitte untergliedert, welche wiederum in vertiefende Kapitel unterteilt sind. Entsprechend des Schwerpunktes liegt das Gewicht auf dem Zweiten Abschnitt, der Praxis.

Darüber hinaus sind im Anhang umfangreiche Materialien zur Verfügung gestellt, welche auch als Download verfügbar sind. Auf diese Materialien wird im jeweiligen Kontext des Buches verwiesen.

Inhalt

Der erste Abschnitt ist mit „Theoretische Vorüberlegungen“ überschrieben und widmet sich der Einführung in das Thema Partizipation. In einem ersten Kapitel der Partizipation als Pädagogischem Konzept und in einem zweiten Kapitel als Rahmen inklusiver und digitaler Bildung. Beide Kapitel fokussieren sich auf die Kerninhalte, welche stellenweise mit Praxisbeispielen in farblich hinterlegten Kästen angereichert sind. Dabei wird deutlich, dass Partizipation einer entsprechenden Haltung bedarf und weniger eine Methode ist. Er ermutigt in dem er den Nutzen für die pädagogische Praxis aufzeigt, sich diese Haltung anzueignen, beziehungsweise weiter diesen Weg zu gehen.

Der zweite Abschnitt ist mit Praxis überschrieben und hierauf liegt der Fokus des Buches. In den folgenden 13 Kapiteln widmet sich Nele Schubert den verschiedensten Bereichen der Grundschulpädagogik und gibt konkrete Hinweise, wie diese partizipativ ausgerichtet werden können.

Auf eine Einführung in das Gespräch im Grundschulkontext folgt eine Einladung, die Gesprächsroutinen hinsichtlich des Partizipationsaspektes zu reflektieren. Dazu werden entsprechende Fragen gestellt und konkrete Planungs‑ sowie Organisationsanregungen gegeben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Nachdenkgesprächen, für die auch Anregungen für den Fachunterricht Deutsch, Mathematik, Religion und Kunst gegeben werden. Dem Gespräch, genauer dem Zuhören, misst die Autorin eine herausragende partizipative Bedeutung zu. Es ist „die Basis und der Rahmen einer partizipativen Pädagogik“ (Schubert 2025, S. 35).

Mit Deeper Learning ist das folgende Kapitel überschrieben. Es folgt eine Einführung in das Konzept, eine Erklärung der Phasen und eine kurze Empfehlung für den Einsatz in der Grundschule. Partizipativ bedeutsam ist Deeper Learning, da die Schülerinnen zu einem Oberthema Fragen und Lernwege selbstständig erarbeiten.

Im nächsten Kapitel wird auf das forschende Lernen eingegangen. Auch hier folgt einer Einführung eine Phasenbeschreibung und eine Einsatzempfehlung. Diese Logik wird für die folgenden Kapitel „Kooperatives Lernen und Selbstbestimmtes Arbeiten – Wochen‑ und Arbeitsplanarbeit“ beibehalten. Die Autorin macht deutlich, dass der besondere partizipative Wert der letzteren dieser Arbeitsformen in der Eigengestaltung des Lernweges durch die Lernenden liegt. Im Fall des forschenden Lernens entwickeln die Schüler und Schülerinnen darüber hinaus eigene Fragestellungen. Sie übernehmen Verantwortung für ihren Lernweg und den der Mitschüler:innen.

Die Autorin stellt fest: „Gerade selbstbestimmte, eigenverantwortliche Arbeitsprozesse brauchen – möglichst vor der Fremdeinschätzung durch die Lehrkraft – die Selbstreflektion, um von Schüler:innen zunehmend als ermutigend und motivierend erlebt werden zu können“ (Schubert 2025, S. 75). Die folgenden beiden Kapitel widmen sich folgerichtig der Reflektion. Zunächst der Selbstreflektion und der Fremdeinschätzung nach verschiedensten Arbeitsphasen und dann der Lernentwicklung im Jahresverlauf. Auch hierfür werden den Lesenden verschiedene Methoden und Einsatzempfehlungen an die Hand gegeben. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Reflektion von schulischer Leistung. Auch der Umgang miteinander und das individuelle Wohlergehen sind Reflektionsinhalte.

Und so hat dann auch das folgende Kapitel das Klassenleben zum Inhalt. Hier wird eine Methode vorgestellt, mit der die Schüler und Schülerinnen befähigt werden, eigeninitiativ Konflikte zu lösen. Dem Bedürfnis der Kinder nach Zugehörigkeit, Gehörtwerden und Mitgestaltung kann am sichtbarsten im Klassenrat entsprochen werden. Wie der Klassenrat gestaltet sein muss um dem gerecht zu werden, wird folgend erläutert. Darüber hinaus wird als partizipativ wirksam auf das Feiern von Festen verwiesen, wo den Kindern von der Initiation über die Planung und Umsetzung sehr viel Raum gegeben werden kann.

Streitschlichter:innen, Kinderkonferenzen, die Grundschulvollversammlung sowie Patenschaften sind Möglichkeiten den Kindern Verantwortung zu geben. Die Grundideen und die Herangehensweisen werden im folgenden Kapitel erläutert. Im Anschluss daran widmet sich die Autorin dem Thema Raumgestaltung und Architektur und weist auch hier die verschiedensten Möglichkeiten, die Kinder miteinzubeziehen, auf. Indem sie auf den Ideenreichtum der Kinder hinweist, geht dieser Appell dann auch über die Schulgemeinschaft hinaus an Architekt:innen und Raumplaner:innen,

Partizipativ pädagogisch handeln, wenn´s schwierig wird“ ist das folgende Kapitel überschrieben. Schubert plädiert für das Konzept der ermutigenden Pädagogik, um schwierigem Verhalten gerecht zu werden. „Die ermutigende individualpsychologisch orientierte Pädagogik ist partizipativ und sehr hilfreich, um durchgehend präventiv, aber wesentlich auch problemlösend pädagogisch zu interagieren.“ (Schubert 2025, S. 101). Es wird auf herausfordernde Unterrichtssituationen eingegangen und mögliche Auslöser dafür, sowie Handlungsempfehlungen, dem Konzept entsprechend, benannt.

Das Beratungsgespräch zwischen Lehrkraft und Schüler:in wird in einem eigenen Unterkapitel thematisiert. Schubert gibt Anregungen wie dies so gestaltet werden kann, dass die Kinder daran aktiv teilhaben können. So in eigener Sache ernst genommen zu werden entfaltet große Wirksamkeit.

Das dreizehnte Kapitel widmet sich den Kindern mit individuellem Förderbedarf. „Inklusion kann nur über die Beteiligung aller gelingen, zumal, wenn es darum geht, dass Verschiedenheit perspektivisch als normal erlebt werden kann.“ (Schubert 2025, S. 29). Konkret werden dort den Kindern mit AD(H)S, den Kindern im Autismus-Spektrum, den Kindern mit traumatischen Erfahrungen, den Kindern mit speziellem sonderpädagogischen Förderbedarf und den Kindern mit besonders hohem kognitivem Potenzial jeweils ein bis zwei Seiten gewidmet. Ihre jeweiligen Schwierigkeiten mit herkömmlichen Unterrichtssettings werden beschrieben. Die Hürden, aber insbesondere auch die Chancen des partizipativen Miteinanders inclusive der Eltern werden erläutert.

Im folgenden Kapitel wird auf die Schutzkonzepte und die dort enthaltene Forderung partizipativ zu arbeiten eingegangen. Gelernt und erfahren zu haben, dass ihr Wort gewünscht ist und Gewicht hat, ist ein wesentlicher Schutzfaktor für die Kinder.

Das fünfzehnte und letzte Kapitel fokussiert die Partizipation in der Elternarbeit und im Schulkollegium. Hier wird auf die Erziehungspartnerschaft eingegangen und Elternabende und Themenabende zur partizipativen Pädagogik angeregt. Schubert dazu: „…es führt kein Weg am Miteinander mit den Eltern vorbei. Und die Mühen des Weges können in Hilfsbereitschaft, Vertrauen und in einer kooperativen erzieherischen Haltung seitens der Eltern münden.“ (Schubert 2025, S. 119). Als Methode die Partizipation der erwachsenen Akteur:innen untereinander zu stärken wird auf die kollegiale Fallberatung verwiesen.

Das Buch schließt zusammenfassend mit: „Partizipation lohnt sich auszuprobieren, die Kinder werden dabei sein.“ (Schubert 2025, S. 123).

Diskussion

Das Buch richtet sich überwiegend, ohne dass die Autorin das explizit benennt, an Grundschullehrkräfte. Es thematisiert partizipative Pädagogik im Kontext des Unterrichts, weniger im nonformalen Rahmen zum Beispiel innerhalb von Ganztagsangeboten. Das stellt keinen Nachteil dar. Die Inhalte sind sehr gut lesbar, leicht anwendbar und ohne weiteres übertragbar auch auf die nonformalen Bereiche. Insbesondere die umfangreichen Materialien, welche auch als Download zur Verfügung stehen, machen dies möglich.

Die vorgestellten Methoden sind, abgesehen von der Kinderkonferenz und der Grundschulvollversammlung keine reinen Partizipationsmethoden. Es sind Methoden, die auch hinsichtlich anderer pädagogischer Aspekte ihre Berechtigung haben. Sucht man aber hinsichtlich einer bestimmten Fragestellung eine Methode und legt hier das Gewicht auf Partizipation, so wird man in dem Buch fündig.

Hinsichtlich der Partizipation der Kinder mit individuellem Förderbedarf darf von dem Buch nicht zu viel erwartet werden. Hier werden vorrangig Hinweise gegeben, wie diesen Kindern zu begegnen ist und wie man sie gut erreichen kann. Dabei hat Partizipation ihre Berechtigung. Das trifft jedoch auf alle Kinder zu.

Bei der Lektüre des Buches wird deutlich, das Partizipation eine Haltung ist und keine Methode für sich. So heißt es denn auch Partizipative Pädagogik. Und es ermutigt, mehr Partizipation zu wagen. Um ein Beispiel herauszugreifen: Um wieviel entspannter wird der Lehralltag, wenn die Kinder gelernt haben, ohne Unterstützung Konflikte zu klären. Und es verdeutlicht wieviel Partizipation schon in den kleinen Prozessen im schulischen Alltag steckt, beziehungsweise stecken kann.

Fazit

Das Buch ist kompetent, klar strukturiert und praxisnah aufgebaut. Lehrkräfte, aber auch andere an Grundschulen tätige Professionen finden in dem Buch eine gute Handreichung, um ihre Pädagogik mit mehr Partizipation auszustatten, dabei unterstützt die reichhaltige Materialsammlung.

Rezension von
Stefanie Stricker
MA Kindheits- und Sozialwissenschaften, tätig im Themenschwerpunkt Partizipation an Ganztagsgrundschulen
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Es gibt 2 Rezensionen von Stefanie Stricker.

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ISSN 2190-9245