Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Senia Salah: Papa ohne Grummelbären und Kater

Rezensiert von Dr. Anke Höhne, 29.09.2026

Cover Senia Salah: Papa ohne Grummelbären und Kater ISBN 978-3-98938-451-4

Senia Salah: Papa ohne Grummelbären und Kater. MoonWalker Verlag (Hamburg) 2025. 40 Seiten. ISBN 978-3-98938-451-4. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Das Buch thematisiert in Form eines Kinderbuches das Erleben einer elterlichen Suchterkrankung (Alkoholabhängigkeit) aus kindlicher Sicht.

HerausgeberIn

Senia Salah ist Dipl.-Sozialarbeiterin und verfügt über einen M.Sc. in Psychologie und Psychotherapie der Familie.

Veronika Hantschel arbeitet als selbstständige Illustratorin und Künstlerin.

Entstehungshintergrund

Das Buch versteht sich als Arbeitshilfe für Therapeut:innen, Erzieher:innen und weitere pädagogische, psychologische und therapeutische Fachkräfte.

Das Ziel des Buches ist es Kinder im Vorschul‑ und Grundschulalter behutsam über das Thema Erscheinungsformen von Suchterkrankungen aufzuklären.

Aufbau

Das Buch startet mit einem kurzen Vorwort und einer Anleitung, wie das Buch in der Arbeit mit Kindern eingesetzt werden sollte. Den größten Teil nimmt die eigentliche Geschichte um Leo und seinen alkoholkonsumierenden Vater ein. An die Geschichte schließt sich ein Fachteil an, der sich der Frage widmet: „Was ist Alkoholsucht?“.

Das Buch an sich ist als Kinderbuch gestaltet, d.h. illustriert.

Inhalt

Leo lebt mit seinen Eltern zusammen. Bei Feierlichkeiten gibt es oft Alkohol, aber der Vater trinkt auch im Alltag des Öfteren Alkohol. Die Veränderungen in seinem Verhalten nach dem Alkoholkonsum kann Leo sich nicht erklären: Sei es der glasige Blick, die schroffe, abweisende Art auf Leos Spielideen oder die Abwesenheit beim Familienfrühstück, weil der Vater länger schlafen möchte nach dem letzten Alkoholgenuss. Auch hört Leo den Streit zwischen den Eltern mit an, wenn die Mutter sich über den Alkoholkonsum des Vaters ärgert und ihn vergeblich zur Mäßigung animieren möchte.

Schließlich fasst sich Leo ein Herz und fragt die Mutter, was es denn mit dem „Teufelszeug“ auf sich hätte. Die Mutter beantwortet Leos Fragen und erklärt ihm kindgerecht die Dynamik von Suchterkrankungen. Die Geschichte endet damit, dass Leo seinen Vater auf seinen Alkoholkonsum anspricht, der Vater daraufhin sein Bier wegkippt und einsieht, dass er es „in der letzten Zeit übertrieben“ hätte und sich nun in Therapie begeben möchte.

Auf einer Doppelseite wird am Ende des Buches der Frage „Was ist Alkoholsucht?“ kindgerecht nachgegangen, indem die Definition und Diagnosekriterien in einfacher Sprache vorgestellt werden und Kindern Tipps gegeben werden, was sie für sich tun und wohin sie sich wenden können.

Diskussion

Das Buch ist liebevoll illustriert und eignet sich gut für Kinder im Vorschul‑ und Grundschulalter, um ihnen die Dynamik von Suchterkrankungen näherzubringen, da es anschaulich zeigt, wie Kinder sich ihre eigenen Gedanken machen, wenn sie Veränderungen im elterlichen Verhalten feststellen, die sie sich nicht erklären können. Allerdings ist in der Geschichte befremdlich, dass die Mutter beim Arzt anruft, um für den Vater einen Termin für ein Erstgespräch zum Thema Suchterkrankung auszumachen. Auch scheint die Geschichte zu sehr auf ein schnelles Happy End zuzusteuern (Einsicht des Vaters in die eigene Suchtproblematik und sofortige Umsetzung mit Terminvereinbarungen beim Hausarzt und in der Suchtberatung), das leider in vielen Familien, in denen elterliche Suchtprobleme existieren, so nicht zu finden ist.

Auch wird das Buch dem eigenen Anspruch, über „Erscheinungsformen von Sucht“ (Vorwort) kindgerecht aufzuklären, nicht gerecht, da „nur“ eine Form (Alkoholabhängigkeit) thematisiert wird. Der lange Weg ins Hilfesystem, Rückfälle etc. werden gar nicht thematisiert. Der fachliche Teil am Ende des Buches fällt mit einer Doppelseite sehr kurz aus. Hier wäre wünschenswert gewesen, wenn passgenaue Hilfsangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien genannt worden wären (z.B. Nacoa Deutschland – Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V. – www.nacoa.de oder Hilfen im Netz – www.hilfenimnetz.de) anstatt nur das Kinder‑ und Jugendtelefon 116 111.

Fazit

Das Buch hat den Anspruch, Therapeut:innen, Erzieher:innen und weitere pädagogische, psychologische und therapeutische Fachkräfte dabei zu unterstützen, einen passenden Einstieg mit Kindern in das Thema Suchterkrankung zu finden und über Erscheinungsformen von Suchterkrankungen zu informieren. Um mit Kindern über elterliche Suchtbelastungen ins Gespräch zu kommen, eignet sich das Buch in jedem Fall sehr gut. Auf verschiedene Erscheinungsformen von Suchterkrankungen geht es hingegen nicht ein. Es eignet sich aber in jedem Fall auch dazu, mit Eltern über das kindliche Erleben der Suchtproblematik von Erwachsenen ins Gespräch zu kommen.

Rezension von
Dr. Anke Höhne
Dipl.-Sozialwiss., Referentin bei SUCHT.HAMBURG gGmbH, Systemische Beraterin und Familientherapeutin
Website
Mailformular

Es gibt 24 Rezensionen von Anke Höhne.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245