Martin Groß, Christine Keller et al.: Fachpflege Palliative Care
Rezensiert von Marina Lenk, 04.08.2026
Martin Groß, Christine Keller, Dorothee Steinker: Fachpflege Palliative Care. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2026. 446 Seiten. ISBN 978-3-437-25571-7. D: 45,00 EUR, A: 46,30 EUR, CH: 61,00 sFr.
Thema
Die drei Herausgeber des Buches Groß, Keller und Steinker haben zusammen mit einem großen Autorenteam aus Experten verschiedener Fachrichtungen, ein umfassendes Fachbuch mit dem Titel „Fachpflege – Palliative Care“ verfasst. Das Buch möchte Pflegende und weitere Berufsgruppen in der Palliative Care, bei der Arbeit in der täglichen Praxis unterstützen. Die Auswahl eines Expertenteams verschiedener Fachrichtungen für das Fachbuch, unterstreicht auch gleichzeitig die multiprofessionelle Ausrichtung, welches das Palliative Care Konzept verfolgt.
Autoren
Die Herausgeber des Buches sind Martin Groß, Christine Keller und Dorothee Steinker, welche durch ein Autorenteam, zusammengesetzt aus Experten und Expertinnen verschiedener Fachrichtungen, unterstützt wurden.
Dr. med. Martin Groß: Facharzt für Neurologie sowie Intensiv-, Palliativ-, Schlaf‑ und Notfallmedizin. Seit 2025 Ärztlicher Direktor und Zentrumsleiter Neurologie der MEDIAN Klinik Bad Tennstedt. Veröffentlichung verschiedener Fachbücher zu den Themenbereichen Palliativmedizin, Beatmungsmedizin und Frührehabilitation, sowie Mitautor diverser medizinischer Leitlinien.
Christine Keller: Systemische Beratung (M. A.), Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe, Wundexpertin ICW e.V., Qualitätsberaterin für Einrichtungen im Gesundheitswesen, Heilpraktikerin (Psychotherapie), selbstständige Dozentin und Trainerin. Seit vielen Jahren auch als Autorin und Redakteurin tätig.
Dorothee Steinker: Krankenschwester, Weiterbildung Palliative Care, Fortbildungen zu verschiedenen Themenbereichen, langjährige Leitung einer Palliativstation. Als Autorin seit mehreren Jahren tätig.
Entstehungshintergrund
Im Vorwort des Buches beschreiben die drei Herausgeber, den Entstehungshintergrund, des Fachbuches „Fachpflege Palliative Care“. Viel Freude in der Beratung, Begleitung und der praktischen Arbeit mit schwerkranken Menschen sowie deren An‑ und Zugehörigen und die Förderung der Lebensqualität durch das Palliative Care Konzept, sind die Leitgedanken zum Buch. Im Vorwort ist ein Zitat zu lesen, welches sich direkt an die interessierte Leserschaft richtet: „Einiges möchten wir allerdings der Leserin, dem Leser von Fachpflege Palliative Care mit an die Hand geben. Die Palliative Care befindet sich in einem dramatischen Wandel: Die Bedeutung von Palliative Care wächst parallel zur Leistungsfähigkeit der kurativen Medizin. Palliative Care erobert so zunehmend ihren Platz in Fachbereichen, die auf den ersten Blick als im Widerspruch zu Palliative Care stehend wahrgenommen werden, wie der Intensivmedizin und der Rehabilitation“ (Groß et al., 2026, o. S.).
Das Fachbuch spricht Pflegefachfrauen und ‑männer, auf Palliativstationen, in Hospizen, in der SAPV, sowie Teilnehmende in der Fachweiterbildung Palliative Care, an. Das Fachbuch stellt sich dar als Lehrbuch, Nachschlagewerk und zur Prüfungsvorbereitung. Die Inhalte des Buches orientieren sich am Curriculum für die Basisqualifizierung Palliative Care, sowie den zehn Kernkompetenzen der European Association of Palliative Care (EAPC).
Begleitet und ergänzt wird das Buch durch Online-Materialien, welche zur Selbstreflexion und praxisnahen Übungen eingesetzt werden können.
Aufbau und Inhalt
Das Taschenbuch, umfasst insgesamt 446 Seiten. Das Buch beinhaltet neben dem Vorwort, ein Literaturverzeichnis, ein Abkürzungsverzeichnis und ein Register. Das Buch ist unterteilt in vier große Hauptkapitel mit bis zu 14 thematischen Unterpunkten. Jedes Kapitel endet außerdem mit einem eigenen kurzen Literaturverzeichnis. Das Buch ist mit vielen Beispielen, Bildern, Übungen, Hinweisen und Merksätzen ergänzt, um die wichtigen Themenbereiche verständlich zu erklären.
Die einzelnen Kapitel des Fachbuches werden im Folgenden kurz dargestellt:
1. Kapitel: Grundlagen der Palliative Care
Im Kapitel 1 werden grundlegende Begriffe aus dem Bereich Palliative Care erklärt. Das Kapitel ist untergliedert in 11 Unterkapitel mit vielen Merksätzen, Beispielen aus der Praxis, Bildern und Tabellen. Am Ende eines jeden Unterkapitels wurde ein eigenes Literaturverzeichnis angegliedert.
Die Unterkapitel beginnen mit dem historischen Hintergrund, der Begründerinnen des Hospiz‑ und Palliativkonzeptes, Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross, sowie Grundbegriffen und Prinzipien des Palliative Care Konzeptes. Im weiteren Verlauf werden die Bereiche Organisation der Palliative Care, Aus‑ Fort‑ und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich der Palliative Care, rechtliche Grundlagen, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Ethik, Spiritualität, die Bedeutung der Begleitung von An‑ und Zugehörigen, Kommunikation, Sterben, Umgang mit Trauer und der Bereich der Selbstfürsorge dargestellt.
Die Struktur und Organisation, untergliedert in stationäre und ambulante Bereiche, sowie die Bedeutung von Moral, Ethik und Würde, bilden einen Übergang von der Theorie in die Praxis.
Für Angehörige ist das Mitbegleiten, der letzten Lebensphase eines nahestehenden Menschen, sehr herausfordernd und mit vielen emotionalen, sozialen und physischen Belastungen verbunden. Daher wird im Palliative Care Konzept ein Schwerpunkt gelegt bei der Begleitung der betroffenen Menschen und deren An‑ und Zugehörigen.
Auch die Themenbereich Selbstfürsorge, Kommunikation und Beratung, sowie Spiritualität und Religion sind im Palliative Care – Konzept fest verankert und werden thematisch im Kapitel 1 aufgearbeitet.
2. Kapitel: Medizinische Fachbereiche mit Patienten in palliativen Lebenssituationen
Im Kapitel zwei zeigen die Autoren zunächst das Thema Entwicklung der Palliativversorgung aus demografischer und soziologischer Sicht auf. Danach werden die einzelnen Fachbereiche dargestellt, angefangen von Pädiatrie, über onkologische und nichtonkologische Erkrankungen, über neurologische Erkrankungen, bis hin zur Intensivmedizin, Geriatrie und Rehabilitation. Ein Unterpunkt beschäftigt sich auch mit dem Bereich Menschen mit Behinderungen und Palliative Care.
Der vielfältige Querschnitt im Kapitel zwei spiegelt den dynamischen Prozess wider, in welchem sich das Konzept Palliative Care im Moment befindet, nicht zuletzt auch bedingt durch den demografischen Wandel. Die Lebenserwartung steigt immer weitere an, zugleich treten aber mit dem höheren Lebensalter auch immer mehr gesundheitliche und körperliche Beeinträchtigungen ein, wie Demenz, chronische Erkrankungen, Krebserkrankungen dadurch verändert sich das Konzept Palliative Care auch immer weitere zu einem Konzept der geriatrischen Palliative Care. Auch Menschen mit Migrationshintergrund oder Diversität spiegelt sich zunehmend im Bereich der Palliativversorgung wider.
Das Kapitel greift verschiedene, nicht onkologische, aber zunehmend mehr, palliativrelevante Krankheitsbilder wie Demenz, Delir oder neurologische Erkrankungen auf. Zusätzlich wurde das Kapitel mit vielen Grafiken, Tabellen, Definitionen und Merksätze grafisch gestaltet, um die komplexen Inhalte der verschiedenen Fachbereiche kurz und prägnant darzustellen.
3. Kapitel: Symptomkontrolle
Im Kapitel 3 widmet sich das Autorenteam der Symptomkontrolle, mit Ursachen, Symptomen, Behandlungsmöglichkeiten und Diagnosen. Das Kapitel wurde untergliedert in folgende, Palliativmedizinisch relevantenen Symptom-Bereiche:
- Atemnot und respiratorische Insuffizienz
- Sekretmanagement, Trachealkanülenmanagement
- Schmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Schluckstörungen, Appetitlosigkeit und Kachexie, Essen und Trinken
- Obstipation und Ileus
- Fatigue
- Angst, Depression und Unruhe
- Palliative Sedierung
- Mundpflege
- Pruritus
- Palliative Wundversorgung
- Lymphödem
- Spastisches Syndrom
Die einzelnen Themenbereiche werden dabei detailliert mit vielen Fotos, Grafiken, Merksätzen und Tabellen sehr anschaulich erklärt. Auch auf die Kernkompetenzen nach EAPC (European Association for Palliative Care) wird dabei im Einzelnen eingegangen und kompakt erklärt.
4. Kapitel: Therapeutische Konzepte
Im vierten und letzten Kapitel des Fachbuches, geht das Autorenteam auf verschiedene therapeutische Konzepte ein, welche zur Unterstützung der Pflege und Behandlung, im Konzept Palliative Care Anwendung finden, um die Lebensqualität der Betroffenen zu fördern und zu unterstützen, dazu zählen: * Musiktherapie * Kunsttherapie * Aromapflege * Traditionelle chinesische Medizin (TCM) * Mobilisation und Positionierung – Kinaesthetics und LiN® * Basale Stimulation
Diskussion
Die einzelnen Konzepte werden detailreich vorgestellt, erklärt und mit praktischen Tipps untermauert.
Auch die Situation der An‑ und Zugehörigen, bei der Begleitung von schwerkranken Angehörigen, wird mit einbezogen
Viele Grafiken, Bilder, Merksätze und Beispiele aus der Praxis stellen die einzelnen Themen wieder anschaulich dar und laden dazu ein, sich näher mit dem Konzept der Palliative Care und den ergänzenden therapeutischen Konzepten zu beschäftigen.
Fazit
Das Fachbuch ist ein umfassendes Werk für Ausbildung, Fort‑ und Weiterbildung und auch als Nachschlagewerk für Pflegende im Palliativen Setting, stationär als auch ambulant, geeignet. Auch andere Berufsgruppen, wie Ärzte, Seelsorger oder Therapeuten, welche an der palliativen Versorgung von Menschen beteiligt sind, finden im Fachbuch Fachpflege Palliative Care, umfassendes Wissen, wichtige Grundsätze, Tipps und anschauliche Erklärungen. Dem Buch merkt man eine breitgefächerte Mischung aus fachlicher Expertise und praktischer Erfahrungen an, welches sehr gelungen umgesetzt wurde durch ein multiprofessionelles Autorenteam.
Rezension von
Marina Lenk
Gesundheits- und Pflegemanagerin (B.A.), Pflegeberaterin §7a SGB XI, Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, Palliative-Care-Fachkraft, Betriebliche Gesundheitsmanagerin, freiberufliche Fachautorin und Dozentin
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