Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Aida Suerdieck de Rodriguez, Anika Osthoff et al.: Demokratische Werte in der Praxis leben

Rezensiert von Stefanie Stricker, 24.03.2026

Cover Aida Suerdieck de Rodriguez, Anika Osthoff et al.: Demokratische Werte in der Praxis leben ISBN 978-3-96046-420-4

Aida Suerdieck de Rodriguez, Anika Osthoff, Annalena Röber, Barbara Weber-Eisenmann, Eva Reiter u.a.: Demokratische Werte in der Praxis leben. In Kita, Ganztag und Schule. Klett Kita GmbH (Stuttgart) 2026. 128 Seiten. ISBN 978-3-96046-420-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
Deuretzbacher, Kiran; Henriette Grimm, Laura Henriette; Liussi, Michèle; Klüver, Nathalie; Ertem, Emel; Klimczak, Julia; Ayten, Nuran; Fuchs, Janice; Fehse, Kathrin ; Grebe, Anna; Imlau, Nora.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Zentrales Thema dieses Buches ist die Demokratieförderung im pädagogischen Alltag. Es gibt Impulse, vermittelt Wissen und Methoden und Reflexionsanstöße. Dabei wird die konkrete pädagogische Interaktion mit den Kindern, die Arbeit innerhalb des pädagogischen Teams sowie der Sozialraum thematisiert.

Autorinnen

16 Autorinnen haben Artikel zu diesem Sammelband beigetragen. Sie sind Pädagoginnen, Referentinnen, Psychologinnen, Lehrerinnen, Journalistinnen, Therapeutinnen, Schulleiterinnen, Ganztagskoordinatorinnen, Forscherinnen und/oder Dozentinnen. Nuran Ayten hat eine Projektleitung im Kooperationsverbund „Demokratie im Kindesalter“ im Bundesprogramm „Demokratie Leben“ des BMFSFJ. Kathrin Fehse und Janine Fuchs sind beide innerhalb der Deutschen Kinder‑ und Jugendstiftung (DKJS) im Themenfeld engagiert. Eva Reiter ist Bundesvorsitzende des Ganztagsschulverbandes e.V.

Entstehungshintergrund

Demokratieförderung ist angesichts der weltweiten politischen Entwicklungen als zentrales Thema in den Bildungsplänen von Kita bis Schule in den Fokus geraten. Diesem Thema nimmt sich der Klett Kita Verlag mit der Reihe „Sammelband Demokratie“ an. Derzeit sind in dieser drei Bände verlegt worden. „Demokratische Werte in der Praxis leben“ ist der zweite Band dieser Reihe. Zuvor ist „Haltung zeigen für demokratische Werte“ erschienen. Der dritte Band „Kinder stärken für demokratische Werte“ wird in Kürze erhältlich sein.

Aufbau

Nach einem Vorwort folgen in diesem Sammelband zehn Artikel. Definitionen, Beispiele, Methoden, Reflexionsfragen und Impulse sind beigefügt und mittels Piktogrammen kenntlich gemacht. Die Artikel sind doppelseitig, auffällig grafisch eingeführt und enden mit Reflexionsfragen. Zwei Exkurse und 5 Praxisanregungen, grafisch hervorgehoben, unterbrechen die Artikelfolge. Verweise auf externe Links und weiterführende Literaturempfehlungen finden sich in den einzelnen Beiträgen und sind auf den letzten Seiten zusammengefasst.

Inhalt

Das Vorwort führt in das Thema ein, weckt die Neugierde auf den Inhalt und erklärt die Piktogrammwahl.

Nuran Ayten geht in ihrem Beitrag auf die Bedeutung von Demokratiebildung ein. Kinder sollten schon in frühen Jahren erfahren, dass sie und ihre Sicht gefragt ist, ermutigt werden sich für ihre Belange einzusetzen und sich einzumischen, wenn sie Ungerechtigkeiten erkennen. Haben das die kommenden Generationen verinnerlicht, werden sie sich auch in Zukunft für Demokratie einsetzen. Sie führt dies theoretisch aus, verweist auf die aktuelle Studienlage und Fachliteratur und benennt antidemokratische gesellschaftliche Realitäten. Sie gibt Hinweise, wie Pädagog:innen dazu beitragen können, diese abzubauen.

Aida Suerdieck de Rodriguez, Schulleiterin und Schulgründerin, schreibt in Ihrem Beitrag „Selbstbestimmung als Grundpfeiler demokratischer Bildung“ über Partizipation, respektvollem Umgang und Selbstbestimmung im Bildungskontext. Sie weist darauf hin, dass Bildung mehr ist, als das von Erwachsenen an Kinder vermittelte Wissen. Bildung in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext muss Selbstbildungsprozesse in den Blick nehmen, diese ermöglichen und fördern. Bildung ist, wenn sie in diesem Sinne verstanden und gelebt wird, Demokratiebildung. Weiter geht sie auf Adultismus als Selbstbildungsprozesse hemmendes Verhalten und Inklusion und Vielfalt als demokratiefördernde Bedingungen ein.

Laura Henriette Grimm, deren beruflicher Schwerpunkt die Qualitätsentwicklung in pädagogischen Teams ist, stellt in ihrem Beitrag „Als Team eine Pädagogik der Zukunft gestalten“ eine einfache und wenig zeitintensive Methode vor: „…die euer Team dabei unterstützt, Toleranz, Diskriminierungsbewusstsein und Demokratie mit kleinen Schritten in den erlebbaren Alltag zu transportieren“ (vgl. S. 88). Und dies so, dass es direkt umsetzbar ist und damit auch unmittelbar Wirkung entfalten kann.

Eva Reiter stellt in ihrem Beitrag „Kinderrechte partizipativ gestalten und umsetzen“ die Frage „Wie also können Ganztagsschulen zu Orten echter Partizipation werden, in denen Kinderrechte im Alltag praktisch gelebt werden?“ (vgl. S. 77). Sie plädiert dafür, das Mehr an Zeit und Gestaltungsraum für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonventionen zu nutzen. Auf folgende Rechte im Kontext der Demokratiebildung geht sie im Besonderen ein:

  • Das Recht auf Schutz vor körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung
  • Das Recht auf Gleichheit und Recht auf Förderung behinderter Kinder
  • Das Recht auf Spiel und Freizeit und Recht auf Privatsphäre
  • Das Recht auf Bildung und Recht auf Information
  • Das Recht auf Beteiligung

Wichtig ist ihr dabei, diese Themen nicht allein auf außerunterrichtliche Angebote zu begrenzen, sondern schulkulturell zu verankern. Damit dies allen Kindern der Schulen zugänglich ist, muss der Fokus über die ohnehin schulgesetzlich geforderten SMV-Formate besonders auf inklusive und niederschwellige Angebote gerichtet sein. Für die praktische Umsetzung folgt eine umfangreiche Linkliste mit Methodendatenbanken und best-practice-Beispielen.

Die anderen Autorinnen widmen sich den Themen:

  • Vorurteile erkennen und reflektieren (Emel Ertem)
  • Demokratie und Antidiskriminierung leben (Barbara Weber-Eisenmann)
  • Kinder schützen, für Kinder einstehen (Annalena Röber)
  • Konstruktiver Umgang mit Konflikten (Kiran Deuretzbacher)
  • Zusammenarbeit mit Familien ist auch Demokratiebildung (Michèle Liussi)
  • Gemeinsam wirken im Sozialraum (Julia Klimczak)

Ergänzt werden diese um die Exkurse

  • Das Kinderparlament als Grundstein für Demokratie (Nathalie Klüver)
  • Kann ein/e Pädagog:in neutral sein? (Anika Osthoff)

Diskussion

Die Mehrheit der in dem Buch aufgegriffenen Themenfelder dürften in den Einrichtungen bekannt sein. Sozialraumorientierung, Inklusion und Schutzkonzept sind zum Beispiel Themenbereiche, deren Umfang in diesem Sammelband nicht gerecht werden kann. Das ist aber auch nicht der Anspruch des Buches. Die Themenfelder sind als Demokratieförderung enthaltend benannt und deshalb hier aufgeführt. Wie Situationen auch außerhalb des jeweilig größeren konzeptuellen Rahmens praxisnah demokratiefördernd begegnet werden kann, beschreiben die Autorinnen. Das Buch richtet sich damit erkennbar an die pädagogischen Fachkräfte und gibt Hinweise und Anregungen zur Demokratieförderung im pädagogischen Alltag.

Insbesondere die zahlreichen Reflexionsanregungen und Reflexionstools sind eine Einladung die einem innewohnenden Denkmuster und Gedankenfallen zu erkennen, zu hinterfragen, gegebenenfalls zu ändern und sich damit fachlich weiterzuentwickeln.

Wie im Sammelband „Haltung zeigen für demokratische Werte“ bleiben auch in diesem Buch Leitungs‑ und Trägerverantwortung weitestgehend unerwähnt.

Das Buch ist sehr leicht und flüssig lesbar und bietet damit in dem anspruchsvollen pädagogischen Alltag einen schnellen Zugang zur Demokratiebildung. Die einzelnen Kapitel eignen sich darüber hinaus sehr gut als thematischer Input zum Beispiel in Teamsitzungen oder Elternabenden.

Fazit

Der Sammelband „Demokratische Werte in der Praxis leben“ ist ein flammender Appell an die Pädagogen und Pädagoginnen sich ihrer Rolle und ihrer Wirkmächtigkeit im Erhalt der Demokratie bewusst zu werden und dies täglich in die Praxis zu tragen. Mit den vielen praxisnahen Anregungen ist es ein sehr guter Einstieg ins Themenfeld.

Rezension von
Stefanie Stricker
MA Kindheits- und Sozialwissenschaften, tätig im Themenschwerpunkt Partizipation an Ganztagsgrundschulen
Mailformular

Es gibt 3 Rezensionen von Stefanie Stricker.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner NPO Forum e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245