Michael Hatzenbühler: Der natürliche Sterbeverlauf
Rezensiert von Prof. Dr. Carsten Rensinghoff, 27.03.2026
Michael Hatzenbühler: Der natürliche Sterbeverlauf. Die letzten vier Phasen am Lebensende. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2026. 102 Seiten. ISBN 978-3-86321-757-0. D: 15,00 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 14,04 sFr.
Thema
Es geht in dieser Veröffentlichung um das natürliche Sterben, wie es Menschen beispielsweise mit einer Krebserkrankung erfahren.
Autor:in
Michael Hatzenbühler ist Anästhesist, Notfall-, Intensiv‑ und Palliativmediziner.
Entstehungshintergrund
Michael Hatzenbühler befasst sich in dieser Publikation mit dem Sterben, das naturgegeben nur ein einziges Mal erfahren werden kann. Das Buch soll Wissen über den Sterbeverlauf vermitteln. Für die Entstehung greift der Autor auf ca. 5000 Sterbebegleitungen zurück.
Aufbau
- Was ist das natürliche Sterben?
- Unbegründete Ängste
- Natürliche Veränderungen in den Sterbephasen
- Akzeptanz des Sterbens
- Empfehlungen und Anregungen für Sterbende und Angehörige
- Hospizbewegung und SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung)
- Kurative und palliative Behandlung
Inhalt
In der Veröffentlichung werden die natürlichen Sterbephasen hauptsächlich über den Sterbeprozess von krebskranken Menschen besprochen, „da er mit den meisten falschen Annahmen und vielen Ängsten verbunden ist“ (S. 9).
Über Jahrtausende hinweg entwickelte sich das Sterben. Michael Hatzenbühler spricht von einer Physiologie des Sterbens, die aus humanwissenschaftlicher Sicht so alt ist, wie die Menschheit selbst.
Zu differenzieren ist zwischen dem körperlichen und dem sozialen Sterben. Der soziale Sterbevorgang ist belastender als das körperliche Sterben.
Im natürlichen Sterbeprozess werden vier Phasen durchlaufen:
In der Diagnosephase werden Sterbende mit dem Sterben erstmalig konfrontiert. Das Leben verändert sich hin zu dem Unabwendbaren. Und so ist die Diagnose, an der gestorben wird, ein Schock. Im engeren Sinne gehört aber die Diagnosephase noch nicht zu den Sterbephasen, aber sie konfrontiert mit dem Sterben.
In der Wohnungsphase ist bei dem Sterbenden eine zunehmende körperliche Schwäche erkennbar. Das Haus, die Wohnung, wird nicht mehr verlassen. Auf wenige Meter beschränkt sich die Gehstrecke. „Der Rückzug in die Wohnung führt zu sozialer Isolation“ (S. 43). Es besteht eine Appetitlosigkeit. Nun kann das Sterben akzeptiert werden.
Charakterisiert ist die nun folgende Bettphase durch eine zunehmende Müdigkeit der sterbenden Person. Die Darmentleerung erfolgt selten. Ein trockener Mund führt nicht zu Durstigkeit. Die Isolation wird durch eine zunehmende körperliche und geistige Schwäche und ein großes Schlafbedürfnis befeuert.
Die Dauerschlafphase ist durch die ausschließliche körperliche Anwesenheit gekennzeichnet. Nun prasseln auf die sterbende Person keine Belastungen mehr ein. Dieser Komazustand schützt sie davor.
Diskussion
Hatzenbühler beklagt zurecht, dass das natürliche Sterben im Medizinstudium nicht unterrichtet wird. In der Praxis klammern viele Ärztinnen und Ärzte das Thema in der Behandlung aus. Oft wird es tabuisiert.
Auch in der Heilpädagogik, in der es bei schwersten Behinderungen, nicht selten zum Tod kommt, wird das Sterben, so die Erfahrung des Rezensenten, in der Regel im Studium nicht besprochen.
Fazit
Michael Hatzenbühler legt mit dieser Veröffentlichung ein lehrreiches Buch vor, welches ein natürliches Phänomen behandelt, das Phänomen des Sterbens. Der Autor befasst sich mit dem natürlichen Sterbeprozess, wie ihn jede und jeder am Lebensende erfährt.
Rezension von
Prof. Dr. Carsten Rensinghoff
Hochschullehrer für Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik an der DIPLOMA Hochschule
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