Petra Fuchs: Case Work
Rezensiert von Mandy Kretzschmar, 10.08.2026
Petra Fuchs: Case Work. Grundlagen Sozialer Arbeit spielend meistern. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2025. 145 Seiten. 39,00 EUR.
EAN:401-917240028-6
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Thema
Case Work ist ein strategisches Kartenspiel für 3–6 Mitspielende und bringt die Grundlagen der Sozialen Arbeit näher. Im Spiel übernehmen die Spielenden die Rolle von Fachkräften der Sozialen Arbeit und beschäftigen sich im Team mit realistischen Fallbeispielen. Es gilt die verfügbaren Ressourcen gewinnbringend und abgestimmt einzusetzen, um gemeinsam die Herausforderungen zu bewältigen. Bei der Erfüllung der Fälle sind keine fachlichen Entscheidungen relevant, vielmehr gilt bei der erfolgreichen Fallbearbeitung die Erfüllung vorgegebener Zielwerte. Daher sind keine fachlichen Vorkenntnisse notwendig. Das Spiel soll zeigen, wie Soziale Arbeit funktioniert und wie wichtig zentrale Prinzipien und Methoden sind. Ziel ist es, die Grundlagen der Sozialen Arbeit zu verstehen und praxisnah erleben zu können.
Autor:in
Petra Fuchs ist Sozialarbeiterin mit fundierter praktischer Erfahrung sowohl im Bereich der Sozialen Arbeit als auch in der Wissenschaft durch Lehre und Forschung. Nach ihrem Masterabschluss in Sozialer Arbeit mit Schwerpunkt Kinder‑ und Jugendpädagogik begann sie an verschiedenen Universitäten zu lehren. Petra Fuchs nutzte dabei einen spielbasierten Lernansatz und Gamifizierung. Im Rahmen ihrer Promotion in Erziehungswissenschaften (Universität Koblenz in Kooperation mit der Hochschule Rosenheim) entwickelte sie das Brettspiel „Fallbearbeitung“ als Lernspiel für die Praxis der Sozialen Arbeit. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Sozialarbeiterin leitete Petra Fuchs unter anderem ein Jugendzentrum und war maßgeblich an der Gründung des gemeinnützigen Spielvereins „Spielecafé der Generationen – Jung und Alt spielt e.V.“ beteiligt. Petra Fuchs erhielt bei der Entwicklung des Spiels Unterstützung von ihren Mitentwicklern Jannik Ammer und Alec Wagner.
Aufbau und Inhalt
Die Box umfasst das Spielmaterial mit zahlreichen Karten, 24 Marker-Steinen und zwei Booklets. Die Karten sind unterteilt in:
- Ressourcen
- Ereignissen
- Fälle
- Set aus Skalen
- Spielübersicht
- Wochentracker
- Fall-gelöst-Karte
- Fall-nicht-gelöst-Karte
Ein Set von Skalen besteht aus den Themenschwerpunkten Zeit, Beziehung, Psychische Stabilität und Professionelles Handeln. Die Themen sind an Symbolen erkennbar.
Das Regelheft erläutert das Spielmaterial, den Spielaufbau, den Inhalt der Karten, das Spielende sowie wichtige Hinweise. Am Ende des Regelhefts werden Spielvariationen für weniger Mitspielende, Fortgeschrittene oder ein umfangreiches Spielgefühl vorgestellt.
Die Autorin verweist im Begleitheft zunächst auf die Entstehungsgeschichte, das Ziel und die Bedeutung des Kartenspiels. Weiter und vordergründig liegt das Hauptaugenmerk des Begleitheftes auf der thematischen Vertiefung anhand von Reflexionsfragen und Verknüpfungen zu Projekten, die auf einigen Karten erwähnt werden.
Im Mittelpunkt des Spiels steht die effektive Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Es bildet realistische Alltagsszenarien aus der Berufspraxis und typische Problemstellungen ab. Das Spiel endet mit festgelegten Zielwerten, die durch Kooperation und Ressourcenerschöpfung erreicht werden. Es besteht aus mehreren Runden, die in drei Phasen unterteilt sind:
- Teambesprechungsphase
- Arbeitsphase
- Reflexionsphase
Während der verschiedenen Phasen können bestimmte Schritte parallel durchgeführt werden. Es gibt keine festgelegte Reihenfolge und eigene Ressourcen können anderen Teammitglieder zugutekommen.
Der niedrigschwellige Zugang hilft dabei, die grundlegenden Aspekte der Sozialen Arbeit zu vermitteln. Er fördert die Teamarbeit, die Kommunikation und das strategische Denken in der Bearbeitung der Fälle. Dabei sind Reflexionskarten ein wichtiger Teil des Spiels. Die Mitspielenden werden im Laufe des Spiels aufgefordert, diese Karten zu nutzen. Sie helfen dabei, Fehler zu verdeutlichen und negative Konsequenzen anhand von „So-nicht“-Karten aufzuzeigen. So werden die Mitspielenden in ihrer Handlungsplanung unterstützt und zum Umdenken angeregt.
Diskussion
Das Lernspiel ist ein gut geeignetes Tool für Gesprächsgruppen, Coaching oder Workshops. Es funktioniert auch für individuelle Lerneinheiten. Es bietet hilfreiche Impulse zur Reflexion und Interaktion im Team. Durch das Spiel gelingt es, die Unvorhersehbarkeit in der Praxis der Sozialen Arbeit besser zu verstehen.
Fazit
Petra Fuchs schafft eine gute Mischung von theoretischer Tiefe und Praxisnähe. Sie zeigt, wie das Spiel zuverlässig zu zentralen Bestandteilen in der Sozialen Arbeit informieren kann. Das Lernspiel bietet einen guten Überblick über die fallbezogene Herangehensweise, über die Zusammenarbeit im Team und über die Reflexion des eigenen professionellen Handelns. Das Lernspiel erweist sich als ein nützliches Füllhorn für Menschen im pädagogischen, sozialen oder beratenden Kontext.
Rezension von
Mandy Kretzschmar
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