Anke König, Diana Franke-Meyer (Hrsg.): Playful learning und digitale Welten
Rezensiert von Dr. Richard Hammer, 30.04.2026
Anke König, Diana Franke-Meyer (Hrsg.): Playful learning und digitale Welten. Lernen im Spiel als Prinzip der Kindergartenidee.
Beltz Juventa
(Weinheim und Basel) 2025.
293 Seiten.
ISBN 978-3-7799-9300-1.
D: 28,00 EUR,
A: 28,80 EUR.
Reihe: Beyond Frühpädagogik.
Thema
Das Buch „Playful Learning und digitale Welten“ wurde von Anke König und Diana Franke-Meyer im Rahmen der Buchreihe Beyond Frühpädagogik herausgegeben. Diese Buchreihe aus dem Beltzverlag greift gesellschaftliche Transformationen auf, die das System der Frühpädagogik derzeit herausfordern, und will damit die Vielstimmigkeit der Diskurse als »soziales Phänomen« sichtbar machen. Zielgruppe sind alle Akteur:innen in den verschiedenen pädagogischen Feldern, die sich mit den aktuellen Debatten auseinandersetzen. Die in diesem Sammelband publizierten Beiträge – herausgegeben im Auftrag des Pestalozzi-Fröbel Verbandes – sind das Resultat zweier Bundesfachtagungen des pfv, innerhalb welcher Fach-, Praxis‑ und Wissenschaftsvertreter:innen in Workshops und Fachvorträgen diskutierten.
Autor:innen
Diana Franke-Meyer, Dr. phil., ist Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Elementarpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Geschichte der öffentlichen Kleinkindererziehung.
Anke König, Dr.in, Univ.-Prof.in, Erziehungswissenschaftlerin, Professorin für Allgemeine Pädagogik mit dem Schwerpunkt Frühpädagogik an der Universität Vechta und Vorstandsmitglied des Pestalozzi-Fröbel-Verbands (pfv). Zentrale Forschungsgebiete: Erziehung und Bildung in der frühen Kindheit, Interaktions-, Inklusions‑ sowie Arbeitsfeld‑ und Professionsforschung.
Aufbau
Das Buch ist in 5 Abschnitte geteilt. Der 1. Abschnitt „Playful Learning“ geht der Frage nach, wie Lernen ins Spiel kommt, und dies insbesondere in digital geprägten Lebenswelten. Der 2. Abschnitt „Aufwachsen in einer digital geprägten Welt“ beleuchtet die Lebenswelt von Kindern im Spagat zwischen analogen und virtuellen Welten. Der 3. Abschnitt geht den „historischen und theoretischen Zugängen“ des Kinderspiels nach. Im 4. Abschnitt „Praxen und praktische Zugänge“ werden praktische Beispiele des Kinderspiels dargestellt. Der 5. Abschnitt ermöglicht „Einblicke in das pfv-Archiv“, in Texte aus der Geschichte der Kindheitspädagogik.
Inhalt
Der Band eröffnet vielfältige Perspektiven auf das Spiel in einer zunehmend digital geprägten Welt. Zugleich beschreiben einzelne Beiträge historische Entwicklungslinien zurück bis zu Friedrich Fröbel.
Im 1. Kapitel diskutieren Reinhard Fatke und Anke König in ihren Beiträgen die Frage nach dem „Lernen im Spiel“. Dabei betont Fatke, dass bei Fröbel ursprünglich nicht vom Lernen im heutigen Sinne die Rede sei, und beleuchtet in seinem Beitrag „Wie kam das Lernen ins Spiel?“ die damit verbundenen Diskussionen innerhalb der Kindergartenpädagogik. Anke König knüpft daran mit ihrem Beitrag „Playful Learning und Lernen im Spiel“ an. Auch sie erkennt das Spiel als vielschichtiges Prinzip in der Fröbelpädagogik. Aus soziokultureller Perspektive verdeutlicht sie, dass Spielen und Lernen eng miteinander verwoben sind.
Claus Stieve und Yvonne Bulander rücken mit ihren Beiträgen des zweiten Abschnitts das Aufwachsen in digital geprägten Lebenswelten in den Fokus. Stieve widmet sich in „Das Virtuelle des Materiellen und das Materielle des Virtuellen“ den Erfahrungsformen von Kindern im Spannungsfeld zwischen Dingen und digitalen Medien. Bulander plädiert in ihrem Beitrag „Hybride Möglichkeitsräume: Zur pädagogischen Begleitung analog-digitaler Lebenswelten im Kindesalter“ für eine stärkere Verbindung beider Welten.
Die Beiträge des dritten Abschnitts von Günter Mey, Reinhard Fatke, Michaela Rißmann und Isabel Schamberger knüpfen an historische sowie theoretische Leitlinien zum Spiel an. Günter Mey führt in „Auf den Spuren von Martha Muchow – Mehr als ein Film“ in die Dokumentationsarbeit ein und eröffnet zugleich Einblick in die bedeutende Studie „Die Lebenswelt des Großstadtkindes“ von Martha Muchow, die als Schlüsselwerk zur Erforschung kindlicher Perspektiven gilt. Reinhard Fatke liefert in „Das Spiel und das ‚unbewusste Seelenleben‘ des Kindes“ psychoanalytisch fundierte Denkanstöße zum kindlichen Spiel. Mit „Das Bauspiel. Historische Verortung, Ermöglichung und Begleitung der Kinder“ erinnert Michaela Rißmann an die traditionsreiche Bedeutung des Bauspiels, dessen Potenziale in der frühpädagogischen Praxis heute oft ungenutzt bleiben. Isabel Schamberger gibt mit dem Beitrag „Spiel ist nicht Spielerei. Es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung“ einen Einblick in Fröbels Mutter‑ und Koselieder. Volker Mehringer, Peter Höfflin, Sidonie Engels, Lena Gräfer und Helene Skladny gewähren im vierten Abschnitt Einblicke in vielfältige Spielpraxen und den kreativen Alltag von Kindern. Volker Mehringer fordert in „Alternative pädagogische Perspektivierungen auf das digitale Spielen“ neue Sichtweisen auf die Potenziale digitalen Spiels. Peter Höfflin hebt in „Freiraum für Kinderspiel“ die Bedeutung guter sozialräumlicher Bedingungen und das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Spiel, Entwicklung und Wohlbefinden hervor – eine Stadtentwicklung, die Kinder konsequent mitdenkt, sei hierfür zentral. Die Beiträge von Sidonie Engels, Lena Gräfer und Helene Skladny verbinden Spiel und Kunst. Engels beleuchtet in „Kunst und Natur“ Fröbels Einfluss auf die moderne Kunst und zeigt zugleich auf, dass eine eigenständige Natur(raum)pädagogik entlang seiner Ideen noch weiterzuentwickeln sei. Fröbels Spielgaben veränderten nicht nur den Blick auf Dinge, sondern betonten auch das Lernen in und mit der Natur. Lena Gräfer fokussiert in ihrem Beitrag „Von Stöcken und Steinen“ das kindliche Sammeln als Ausdrucksform und stellt es als zentrales Moment frühpädagogischer Praxis vor. Helene Skladny zeigt, inwiefern Fröbels Bild vom „schöpferischen Kind“ wertvolle Impulse für eine zeitgemäße ästhetische Bildung liefern kann. In einem weiteren Beitrag „Ästhetische Bildung und Bildende Kunst im Spiegel ihrer Praxis“ stellt Lena Gräfer ein Forschungsprojekt vor, das im Bochumer Kunstmuseum durchgeführt wurde, und fragt danach, was unter künstlerisch-ästhetischer Bildung zu verstehen ist und wie diese in der frühpädagogischen Arbeit erfahrbar gemacht werden kann. Abschließend ermöglicht Diana Franke-Meyer mit einem Blick ins pfv-Archiv den Zugang zu drei historischen Schlüsseltexten zum Spiel. Ausgewählt wurden Texte von Lili Droescher, Martha Muchow und Erika Hoffmann.
Diskussion
Dieses Buch ist ein starkes Plädoyer für das freie Spiel des Kindes. Es belegt, wie wichtig das freie Spiel für die Entwicklung des Kindes ist, und es zeigt auch, dass Kinder sich gerne dem freien Spiel hingeben: Die Befragung von „zentralen Bezugspersonen der Kinder“ ergab, dass bei den 2–5-jährigen Kindern das Spielen nach wie vor an erster Stelle steht und dass Drinnen‑ und Draußen-Spielen 70 % der Zeit in Anspruch nimmt (S. 37f). Gute Gründe also, die vielfältigen Möglichkeiten für das Kinderspiel aufzugreifen. Und das tun die vielen Autor:innen in diesem Buch. Sie gehen dabei immer wieder zurück auf Friedrich Fröbel, einem wesentlichen Förderer des kindlichen Spiels, wobei der Aspekt des Lernens eine wichtige Rolle spielt. Wie kommt also das Lernen ins Spiel – eine zentrale Frage, die sich durch alle Beiträge zieht. Dem Buchtitel des „Playful Learning“ in den zunehmend digitalen Welten zufolge beschäftigen sich einige Beiträge mit dem Dilemma freies Spiel der Kinder (z.B. mit Bauklötzen) und dem digitalen Spiel (z.B. mit der Spielekonsole). Für beide Formen werden gute Argumente angeführt. So zeigt Mehringer in seinem Beitrag, dass aus seiner Sicht die Grundelemente der allgemeinen Spieldefinitionen auch auf das digitale Spiel angewendet werden können. Er vernachlässigt dabei aber, dass die Fantasie, welche im Spiel sich entfaltet, im digitalen Spiel keine kreative Eigenleistung des Kindes, sondern vom Spieleentwickler vorgegeben ist, und dass das Spiel sich auf dem Bildschirm abspielt und nicht in der realen Welt des Kindes. Ausflüge in die Kunstpädagogik, in die ästhetische Bildung bieten da eher Anregungen, wie sich Kinder haptisch, mit Herz und Hand mit Spielgegenständen beschäftigen können. Was sich im „unbewussten Seelenleben“ des Kindes dabei abspielt, wird von Fadtke behandelt, der aus der Sicht eines psychoanalytischen Pädagogen dafür wirbt, in der Frühpädagogik den unbewussten Anteilen im Spiel des Kindes mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Rolle des Kindergartens würde dadurch entscheidend gestärkt, „denn damit wäre er nicht nur ein Bestandteil des Bildungssystems, sondern auch eine bedeutsame Stufe in einer umfassenden „Menschenerziehung“ (S. 129).
Fazit
Der Band beleuchtet die Bedeutung des Spiels aus verschiedenen Perspektiven und reflektiert seine Aktualität in digitalen Welten. Historische, theoretische und praktische Zugänge fördern eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Spiel als kindlicher Ausdrucksform. Diese umfangreiche Sammlung an Argumenten und Ideen unterstützen das eigene Nachdenken über das Dilemma „freies Kinderspiel – digitales Spiel“ und bieten genügend Stoff, um fundiert in Diskussionen darüber einzusteigen.
Rezension von
Dr. Richard Hammer
Dipl. Motologe
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