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Miki Kandale, Kai Rugenstein: Das Repetitorium

Rezensiert von Dr. Philipp Thaler, 14.09.2026

Cover Miki Kandale, Kai Rugenstein: Das Repetitorium ISBN 978-3-942761-99-4

Miki Kandale, Kai Rugenstein: Das Repetitorium. Lehr- und Lernbuch für die Approbationsprüfung Psychotherapie. Deutscher Psychologen Verlag GmbH (Berlin) 2026. 5. Auflage. ISBN 978-3-942761-99-4. D: 60,00 EUR, A: 61,70 EUR.

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Thema

Im Hinblick auf eine grundlegende Veränderung der Ausbildungsstruktur erhebt das Buch den Anspruch, beiden Formen der Approbationsprüfung, die aktuell bestehen (Stand Herbst 2025), gerecht zu werden (16): sowohl dem ‚alten‘ Modell der Approbationsprüfung – nach dem Psychotherapeutengesetz von 1999 mit einer Multiple-Choice-Klausur, einem schriftlichen Prüfungsfall und einer mündlichen Prüfung – als auch dem ‚neuen‘ Modell – nach dem novellierten Psychotherapeutengesetz von 2020 mit einer anwendungsorientierten Parcoursprüfung und einer mündlich-praktischen Fallprüfung über eine selbst verfasste Anamnese.

Autorin & Autor

Dipl.-Psych. Miki Kandale ist Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie), Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapeutin sowie u.a. Schematherapeutin und zertifizierte EFT-Therapeutin, Dozentin und Supervisorin und Mitglied der Schwerpunktleitung der Berliner Akademie für Psychotherapie. Dr. phil., Dipl. Psych. Kai Rugenstein ist Psychologischer Psychotherapeut (Tiefenpsychologisch fundierte und Analytische Psychotherapie), Psychoanalytiker und u.a. Supervisor, Lehrbeauftragter an der International Psychoanalytic University und Mitherausgeber der Zeitschrift Forum der Psychoanalyse. Beide bieten mehrmals jährlich das Repetitorium in Seminarform an. Das Repetitorium erscheint hier im Deutschen Psychologen Verlag bereits in der fünften Auflage.

Entstehungshintergrund

Aufgabe des Buches ist die Vorbereitung auf die Approbationsprüfung, indem es ‚die Prüfungsinhalte in einem Kompromiss aus notwendiger Ausführlichkeit und möglicher Prägnanz‘ (14) darstellt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus 15 Teilen: Nach allgemeinen Hinweisen zum Umgang mit dem Buch (Teil 1) wird eine Anleitung zur Vorbereitung auf die alte Approbationsprüfung (Modell ‚Klausur‘) (Teil 2) sowie auf die neue Approbationsprüfung (Modell ‚Parcours‘) (Teil 3) gegeben. Anschließend folgen Kapitel zu den Grundlagen: psychologische Grundlagen (Teil 4), Rahmenbedingungen (Teil 5), medizinische Grundlagen (Teil 6) sowie pharmakologische Grundlagen (Teil 7). Daraufhin wird ein systematischer Lernkommentar zur ICD-10 geliefert (Teil 8) sowie ein in dieser Auflage neues Kapitel zu verfahrensübergreifenden Grundkompetenzen therapeutischen Handelns (Teil 9). Schließlich folgen verfahrensspezifische Kapitel zur Verhaltenstherapie (Teil 10), Psychodynamischen Psychotherapie (Teil 11), Systemischen Therapie (Teil 12), Gesprächspsychotherapie (Teil 13) sowie Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapie (Teil 14). Abgeschlossen wird das Buch mit Hinweisen zur Zeit nach der Approbation (Teil 15). Es folgt ein Literaturverzeichnis sowie ein Sach‑ und Personenregister.

Im ersten Teil liefern Kandale & Rugenstein einen Wegweiser zum Umgang mit diesem Buch. Zunächst wird auf eine hohe Erfolgsquote von ca. 95 Prozent für die Approbationsprüfung nach dem alten Modell hingewiesen (14), die sich für die Prüfung nach dem neuen Modell nicht systematisch unterscheiden dürfte (Kapitel 1). Anschließend wird der Aufbau des Buches erläutert (Kapitel 2) und es wird auf zwei Wege durch das Buch – gemäß der zwei Wege zur Approbation – eingegangen (Kapitel 3). Hier wird genau erläutert, welche Kapitel für die jeweilige Form der Approbationsprüfung besonders relevant sind (16-18), so ist z.B. der sechste Teil zu den medizinischen Grundlagen für die Prüfungsvorbereitung nach dem Modell ‚Parcours‘ von nachgeordneter Bedeutung (17). Im letzten Kapitel des ersten Teils wird auf hilfreiche Strategien zum Umgang mit diesem Buch eingegangen (Kapitel 4). Tiefe Verarbeitung bedeute die Anreicherung des zum Teil sperrigen Lernstoffs ‚mit Sinn und persönlicher Bedeutsamkeit‘ (18), weshalb das Buch einen breiten äußeren Rand für persönliche Ausarbeitungen vorsehe. Hierfür werden hilfreiche Fragen geliefert, z.B.: ‚Wie kann man das in der therapeutischen Praxis anwenden?‘ (18, mit Verweis auf Metzig & Schuster). Außerdem wird die zur tiefen Verarbeitung besonders effektive Methode ‚PQ4R‘ (19, mit Verweis auf Ellen Thomas und Alan Robinson) erläutert: Preview (Vorprüfung), Questions (Fragen), Read (Lesen), Reflect (Nachdenken), Recite (Wiedergeben), Review (Rückblick).

Im zweiten Teil liefern Kandale & Rugenstein eine Anleitung zur Vorbereitung auf die alte Approbationsprüfung (Modell ‚Klausur‘). Zunächst wird auf die Multiple-Choice-Klausur eingegangen (Kapitel 5), die aus 80 Aufgaben bestehe, für deren Bearbeitung 120 Minuten Zeit zur Verfügung stehen. Es würden fünf Aufgabenformate zu finden sein (Einfachauswahlaufgaben, Negationsaufgaben, Mehrfachauswahlaufgaben, Freitextaufgaben und Aufgabenfolgen). Aufgrund des speziellen Formats der Klausur seien ‚gerade Kriterienkataloge, Phasenmodelle und jegliche listenartige Gebilde ein so beliebtes Thema in den Klausuren‘ (23). Die Klausuren für Psychologische Psychotherapeut:innen und Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapeut:innen würden sich nur minimal unterscheiden (23). Letztere sollten sich ausführlicher mit entwicklungspsychologischen und ‑pathologischen Inhalten beschäftigen (24). Zur effektiven Vorbereitung wird empfohlen, Klausuren unter Wettkampfbedingungen durchzuarbeiten (24). Zusammen mit der Bearbeitung dieses Repetitoriums, des ICD-10, Kapitel V (F) sowie einer durchschnittlichen Lernmotivation reiche dies zur Vorbereitung aus, ‚um die Klausur angstfrei, sicher und ohne die Aufgabe eines Privatlebens innerhalb der Zeit der Vorbereitung zu bestehen‘ (25). Anschließend wird ein Muster eines Antwortbogens geliefert (26, 27). Schließlich wird darauf eingegangen, wie man sich erfolgreich in der Prüfungssituation verhält. Es wird auf den Umgang mit Ablenkungen eingegangen und darauf, dass 90 Sekunden pro Aufgabe viel Zeit sei. Außerdem werden zehn Schritte zum Erfolg geliefert (28, 29): u.a. Atmen, Fragen aufmerksam lesen, Wichtiges unterstreichen, Antworten markieren, Ausschlussverfahren.

Anschließend wird die mündliche Prüfung behandelt (Kapitel 6). Diese besteht aus einer 30-minütigen Einzelprüfung sowie i.d.R. 120-minütigen Gruppenprüfung (30). Es wird auf die Zusammensetzung der Prüfungskommission eingegangen (Vorsitzende, Beisitzer:innen, ärztliche Prüfer:innen) sowie auf den Inhalt (nahezu alle Inhalte der Psychotherapeutenausbildung). Es seien nicht nur die Richtlinienverfahren oder das eigene Vertiefungsverfahren von Prüfungsrelevanz (30), sondern alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren und u.a. auch Inhalte zu den Themen Ethik, Recht, Prävention und Rehabilitation (31). Zur effektiven Vorbereitung wird empfohlen, sich über die Prüfenden zu informieren und sich gemeinsam mit der tatsächlichen Prüfungsgruppe vorzubereiten. Anschließend wird darauf eingegangen, wie man sich erfolgreich in der Prüfungssituation verhält (32, 33): u.a. Ankern Sie sich, Respektieren Sie die Prüfer:innen, Raten Sie nicht, Spielbereitschaft. Anschließend wird auf Universalwerkzeuge für die mündliche Prüfung eingegangen. Hier werden verhaltenstherapeutische Universalwerkzeuge (33-36) geliefert (u.a. alles ist gelernt; wozu statt warum; seien Sie aktiv; Konkretheit; das Hier-und-Jetzt thematisieren; Perspektivenvielfalt betonen) sowie psychodynamische Universalwerkzeuge (36-38; u.a. Neugier gegenüber dem, was fehlt; seine Gegenübertragung analysieren; Freud zitieren).

Abschließend wird auf den Prüfungsfall eingegangen (Kapitel 7), womit nachgewiesen wird, ‚selbstständig und eigenverantwortlich psychotherapeutisch zu arbeiten‘ (38). Für die Falldarstellung wird gefordert, wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen, Überlegungen zu Diagnostik und Indikationsstellung anzustellen, ein ätiologisch orientiertes Krankheitsverständnis nachzuweisen und Behandlungsverlauf sowie ‑technik darzustellen und zu reflektieren (auch in Bezug auf die Supervision) (39). Kandale & Rugenstein empfehlen, einen Fall auszuwählen, ‚auf den Sie Lust haben, ihn ausführlicher darzustellen und zu reflektieren‘ (40) und raten von einer defensiv motivierten Fallauswahl und ‑darstellung ab. Für den Leser:die Leserin sollte ein roter Faden erkennbar sein und es sollte eine Reduktion auf das Wesentliche erfolgen.

Im dritten Teil wird eine Anleitung zur Vorbereitung auf die neue Approbationsprüfung (Modell ‚Parcours‘) geliefert. Diese bilde den Abschluss des Masterstudiengangs ‚Klinische Psychologie und Psychotherapie‘ und umfasse eine anwendungsorientierte Parcoursprüfung und eine mündlich-praktische Fallprüfung. Zunächst wird die anwendungsorientierte Parcoursprüfung erläutert (Kapitel 8). Der Parcours besteht aus zwei standardisierten Prüfungsstationen, an denen jeweils zwei der vier therapeutischen Kompetenzbereiche (Patienteninformation und Patientenaufklärung, Diagnostik, Leitlinienorientierte Behandlungsempfehlung, Patientensicherheit) kombiniert geprüft werden, außerdem wird zusätzlich an beiden Stationen der Kompetenzbereich ‚Therapeutische Beziehungsgestaltung‘ geprüft, sodass insgesamt alle fünf Kompetenzbereiche geprüft werden (42, 43). Für jede Station bekommt der Prüfling ein Aufgabenblatt mit Falldarstellung (Fallvignette) und (drei) Aufgabenstellungen sowie ggfls. Hilfsmittel (z.B. ein ICD-10, Vorbefunde, Protokollbogen) sowie i.d.R. 30 Minuten Vorbereitungszeit und 30 Minuten Bearbeitungszeit (43). Um in der Prüfungssituation zu zeigen, in der Lage zu sein, in verschiedenen therapeutischen Standardsituationen situationsgerecht und umfassend zu handeln, werden trainierte Schauspielpersonen eingesetzt, ‚die Patientinnen oder deren Bezugspersonen möglichst realitätsnah darstellen‘ (43). Die Aufgaben sind verfahrensübergreifend konzipiert, d.h. alle wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren und Methoden sind relevant (44). Kandale & Rugenstein empfehlen eine möglichst wettkampfnahe Prüfungsvorbereitung und die Bildung von Lerngruppen zum Training von Standardsituationen (Exploration von Symptomen, Mitteilung einer Diagnose, Einschätzung von Suizidalität, Umgang mit Suizidalität, Umgang mit nicht-kooperativen Patient:innen, Umgang mit substanzbezogenen Störungen usw.) (45). Zum erfolgreichen Verhalten in der Prüfungssituation werden verschiedene Empfehlungen gegeben (45-47): u.a. Vertraue dem Gelernten, Ankern Sie sich, Atmen, Raten Sie nicht, Aufgaben aufmerksam lesen, Unterstreichen und Notizen machen, Spielfreude, Sprechen Sie die Sprache des Patienten:der Patientin. Anschließend wird die mündlich-praktische Fallprüfung behandelt (Kapitel 9). Es handelt sich um eine Einzelprüfung mit einer Dauer von 40–45 Minuten zu einem der vier vorab eingereichten Anamneseprotokolle aus der angewandten Praxis der Psychotherapie im Masterstudium (47). Die Fragen umfassen fallspezifische, fallübergreifende sowie allgemeine Fragen. Zur effektiven Vorbereitung wird eine genaue Information sowie eine wettkampfnahe Prüfungsvorbereitung empfohlen (48). Zum erfolgreichen Verhalten in der Prüfungssituation werden hilfreiche Strategien genannt (48, 49): Respektieren Sie die Prüfer:innen, Sie sind nicht ihr Fall, Kompetenzorientierung, Beispiele.

Im vierten Teil werden die psychologischen Grundlagen behandelt. Zunächst wird auf die methodischen Grundlagen eingegangen (Kapitel 10). Diese umfassen die deskriptive Statistik (Normalverteilung, Skalentransformationen, Stichprobe und Grundgesamtheit sowie Skalenniveaus; 52, 53), die analytische Statistik (Hypothesenprüfung, statistische Entscheidungssituation mit ausführlichem Beispiel; 54–56), Experiment (RCT, quasiexperimentelle Studien, interne/​externe Validität, Laborexperiment und Feldstudie, Versuchspläne; 56, 57), Epidemiologie (Begriffe und Methoden, Maßzahlen sowie einige konkrete Zahlen; 58–60) und schließlich Psychotherapieforschung (Outcome-Forschung, Prozessforschung; 61–63). Anschließend werden die Allgemein-, sozial‑ und persönlichkeitspsychologischen Grundlagen erläutert (Kapitel 11). Diese umfassen Denken bzw. Kognition und Gedächtnis (u.a. die Unterscheidung zwischen deklarativem und prozeduralem Gedächtnis, die Theorie der kognitiven Dissonanz nach Festinger sowie die Theory of Mind; 63, 64), Fühlen bzw. Emotionen (u.a. die sechs Basisemotionen nach Paul Ekman, die Zwei-Faktoren-Theorie der Emotionen nach Schachter und Singer; 64–66), Wollen bzw. Motivation (u.a. das Rubikon-Modell nach Heckhausen, das Konzept der Kontrollüberzeugung nach Rotter oder das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura; 66–68), Persönlichkeit (u.a. das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit, Intelligenz; 68, 69) und Alter (u.a. das Modell der selektiven Optimierung mit Kompensation nach Baltes & Baltes; 69, 70). Im nächsten Kapitel werden Prävention und Rehabilitation behandelt (Kapitel 12). Zum Thema Prävention werden die Präventionsbereiche (70, mit Verweis auf Caplan) und die Dimensionen der Prävention (71, mit Verweis auf Perrez) in tabellarischer Form dargestellt. Zum Thema Rehabilitation wird u.a. die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO angeführt (72) und es wird auf die Organisation des Rehabilitationssystems in Deutschland eingegangen (72-74).

Im fünften Teil behandeln Kandale & Rugenstein die Rahmenbedingungen. Zunächst werden die Themen Medizinethik, Berufsrecht und psychosoziale Versorgungssysteme behandelt (Kapitel 13). Zur Medizinethik werden die vier Prinzipien der Medizinethik nach Beauchamp & Childress aufgeführt (76). Zum Thema Recht werden die Akteur:innen benannt (77, 78), es wird auf das Psychotherapeutengesetz eingegangen (78-82) sowie auf die Psychotherapie-Richtlinie (82-86), auf die Psychotherapie-Vereinbarung, die Psychotherapeutenkammer (87, 88) sowie auf die Psychotherapie im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (88-91). Anschließend werden die wesentlichen Aspekte der Rechtsbeziehung zwischen Therapeut:in und Patient:in dargestellt: beginnend mit dem formellen Ablauf der Psychotherapie im Rahmen der GKV, dem Behandlungsvertrag und dem Patientenrechtegesetz (91), über die Aufklärungspflicht, Dokumentationspflicht, Einsichtnahmerecht (92, 93) bis hin zur Schweigepflicht (93-95). Es folgen Ausführungen zur Psychotherapie im Rahmen der privaten Krankenversicherung, der Beihilfe oder der Berufsgenossenschaften (95, 96) sowie ein Unterkapitel zu den rechtlichen Besonderheiten der Therapie mit Kindern und Jugendlichen (u.a. zur Einsichtsfähigkeit, Einwilligungsfähigkeit, Geschäftsfähigkeit; zu Besonderheiten der Schweigepflicht, Sorgerecht, Kindeswohlgefährdung, Schuldunfähigkeit; 97–101). Schließlich folgen Ausführungen zur Schuldunfähigkeit aufgrund psychischer Störungen, zum Betreuungsgesetz, zur Unterbringung sowie zur Inobhutnahme (101-103). Abgeschlossen wird das Kapitel mit der Darstellung der psychosozialen Versorgungsstrukturen anhand eines tabellarischen Überblicks über die Sozialgesetzbücher (104, 105) und Angaben zu psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen (106, 107). Im anschließenden Kapitel wird auf die Dokumentation und Evaluation psychotherapeutischer Behandlungsverläufe näher eingegangen (Kapitel 14). Zur Dokumentation wird angeführt, auf welche Daten sich die Dokumentationspflicht bezieht, und es wird auf die Unterscheidung zwischen Basis‑ und Verlaufsdokumentation eingegangen (108). Zur Evaluation wird u.a. die Unterscheidung zwischen Ergebnis‑ und Prozessevaluation erläutert (109-111). Abgeschlossen wird das Kapitel mit Angaben zur Qualitätssicherung, u.a. mit einer tabellarischen Darstellung der Schwerpunkte der Qualitätssicherung in der Praxis nach Donabedian (111, 112).

Der sechste Teil ist den medizinischen Grundlagen gewidmet. Zunächst wird das Nervensystem behandelt (Kapitel 15). Dabei wird der Aufbau des Nervensystems erläutert (114, 115) und u.a. die Einteilung der wichtigsten Neurotransmitter nach Stoffklassen und Wirkung tabellarisch dargestellt (116). Anschließend wird auf die Gliederung des Nervensystems eingegangen und dabei auf die topografische Einteilung in zentrales und peripheres Nervensystem sowie auf die funktionale Einteilung in somatisches und autonomes Nervensystem (116, 117). Daraufhin wird die Wirkung des Sympathikus und des Parasympathikus an den verschiedenen Organen anschaulich anhand einer Tabelle dargestellt (118). Genauso anschaulich ist die darauf folgende Darstellung des Aufbaus und der Funktion einzelner Gehirnstrukturen (Großhirn, Zwischenhirn, Mittelhirn, Hinterhirn und Nachhirn) anhand von verschiedenen Abbildungen (119, 120) und einer Tabelle (120-122). Es folgen Angaben zu biochemischen und hirnorganischen Grundlagen einiger psychischer Störungen, wie Parkinson-Syndrom, Schizophrenie, Abhängigkeitserkrankungen, Angsterkrankungen und Depression (123, 124). Anschließend gehen Kandale & Rugenstein auf neurologische Erkrankungen ein: Multiple Sklerose, demenzielle Syndrome, Epilepsien, zerebrovaskuläre Erkrankungen und traumatische Schäden des Gehirns und schließlich Kopfschmerzen (124-131) – auch hier angereichert mit anschaulichen Tabellen sowie gefolgt von einem Glossar zu neurologischen Symptomen (132-134). Zum Ende des Kapitels wird die Neuropsychologie erläutert (134, 135), die neuropsychologische Diagnostik (135-140) – mit anschaulichen Tabellen zu typischen Wellen im EEG (136, 137), zu Schlafstadien und dazugehöriger EEG-Aktivität (138) sowie zu gängigen bildgebenden Verfahren (139, 140) – und die neuropsychologische Therapie (140). Im nächsten Kapitel wird auf weitere Organsysteme und deren Erkrankungen eingegangen (Kapitel 16). Hierbei stützen sich Kandale & Rugenstein auf eine pragmatische Unterteilung in folgende fünf Bereiche: Der Bereich Transport und Versorgung (141-144) umfasst das Blut‑ und Blutgefäßsystem (Leukämie, Eisenmangelanämie) sowie das Herz-Kreislauf-System (u.a. metabolisches Syndrom, vasovagale Synkope). Der Bereich Gas‑ und Stoffaustausch (144-154) umfasst das Atmungssystem (u.a. Asthma bronchiale, Hyperventilationssyndrom), den Verdauungstrakt (u.a. Gastritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), die Ernährung (u.a. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa), die Leber und die Gallenblase (u.a. Leberzirrhose), die Bauchspeicheldrüse (u.a. Diabetes mellitus) und schließlich das Harnsystem (u.a. Niereninsuffizienz). Der Bereich Schutz und Abwehr (154, 155) umfasst das Immunsystem (u.a. Allergien) sowie die Haut (u.a. Neurodermitis). Der Bereich Steuerung und Kommunikation (155-165) umfasst die Sinnesorgane (u.a. Tinnitus), den Schmerzsinn sowie das endokrine System und Hormone (u.a. Hyperthyreose, Hypothyreose). Der letzte Bereich der Reproduktion (165-168) umfasst schließlich die Fortpflanzung (u.a. sekundäre Amenorrhoe, Impotenz) und die Genetik (u.a. Trisomie 21, Phenylketonurie, Mukoviszidose).

Im siebten Teil werden die pharmakologischen Grundlagen erläutert. Zunächst behandeln Kandale & Rugenstein die Psychopharmakologie (Kapitel 17). Nach der Darstellung der Grundlagen der Pharmakotherapie – mit Erläuterungen zur Pharmakokinetik und ‑dynamik sowie zur pharmakologischen Beeinflussung der synaptischen Übertragung, auch anhand einer anschaulichen Tabelle (174) – gehen die Autor:innen auf Antidepressiva ein und liefern erneut eine sehr anschauliche sowie äußerst informative Tabelle mit Angaben zur jeweiligen Substanzgruppe, Wirkweise, Wirkung, unerwünschten Arzneimittelwirkungen, beispielhaften Wirkstoffen und weiteren Bemerkungen (176, 177). Daraufhin behandeln Kandale & Rugenstein Substanzen zur Phasenprophylaxe affektiver Störungen bzw. Stimmungsstabilisierer, insbesondere Lithium – wiederum mit Angaben zu Indikation etc. – sowie Antikonvulsiva bzw. Antiepileptika (179-181). Anschließend werden Neuroleptika erläutert anhand von tabellarischen Darstellungen (jeweils mit Verweis auf Hiller & Cuntz) der Unterscheidung zwischen typischen und atypischen Neuroleptika (183), der Unterscheidung nach der neuroleptischen Potenz (184) sowie der differenzierten Angaben zu unerwünschten Wirkungen der Neuroleptika (185, 186). Abgeschlossen wird das Kapitel mit Erläuterungen zu Anxiolytika und Sedativa bzw. Tranquilizer, insbesondere Benzodiazepine (187-189), zu Hypnotika (189, 190), Psychostimulanzien bzw. Amphetamine, insbesondere Methylphenidat (191-193) sowie zu weiteren Substanzklassen, wie Antidementiva und Anticholinergika (193, 194). Psychotrope Substanzen werden in einem eigenen Kapitel behandelt (Kapitel 18). Hier wird insbesondere auf Störungen durch Alkohol eingegangen, mit Angaben zur Entwicklung der Alkoholabhängigkeit nach Jellinek (195, 196), zu dessen Typologie der Alkoholikertypen (196), zu kurzfristigen und langfristigen Folgen sowie zu Entzugssymptomen (196, 197). Dieses relativ kurze Kapitel wird abgeschlossen mit einer tabellarischen Darstellung der psychotropen Substanzen – wiederum mit Angaben zur entsprechenden ICD-10-Codierung der jeweiligen Substanz, kurz‑ und langfristigen Folgen, Entzugserscheinungen und weiteren Bemerkungen (198, 199) – sowie einer Darstellung des fetalen Alkoholsyndroms bzw. der Alkoholembryopathie anhand einer anschaulichen Abbildung (200).

Im achten Teil liefern Kandale & Rugenstein einen systematischen Lernkommentar zur ICD-10. Eine Vorbemerkung (Kapitel 19) enthält eine Gebrauchsanleitung, Lernhinweise, grundlegende Informationen zur Diagnosestellung sowie Angaben u.a. zur medizinischen Logik der ICD sowie zum Verhältnis zum DSM (202-204). Ziel sei die Verdeutlichung der inneren Logik, die Herausarbeitung differenzialdiagnostischer Aspekte, eine Prioritätensetzung sowie ergänzende Angaben und Hinweise auf Veränderungen der ICD-11 (202). Es folgen vorab kurze Hinweise zur ICD-11 (Kapitel 20), u.a. zur Prüfungsrelevanz, zu Unterschieden auf Ebene des Gesamtsystems sowie zu einzelnen Veränderungen auf Störungsebene (204, 205). Der entsprechende Kommentar (Kapitel 21) folgt der Struktur der ICD-10, Kapitel V (F). Bei den organischen Störungen, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (206, 207), werden u.a. Angaben zu Minimalbedingungen bei Demenzen geliefert und delirante Zustandsbilder erläutert. Bei den psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (207, 208) wird auf die ausführliche Besprechung im entsprechenden Kapitel verwiesen. Bei der Schizophrenie bzw. bei schizotypen und wahnhaften Störungen (208-211) werden u.a. Angaben zu wichtigen Schlüsselmerkmalen bereitgestellt sowie zum Verlauf, zur Positiv‑ und Negativsymptomatik und zur historischen Erforschung (mit Verweis auf Bleuler und auf Schneider). Bei den affektiven Störungen (211-213) erfolgen u.a. Erläuterungen zur bipolaren affektiven Störung (mit einem Hinweis zu Neuerungen in der ICD-11), zum somatischen Syndrom und zur rezidivierenden depressiven Störung. Bei den neurotischen, Belastungs‑ und somatoformen Störungen (213-218) erfolgen diverse Hinweise zu Neuerungen in der ICD-11 sowie u.a. Angaben zu somatoformen Störungen. Bei den Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren (218-222) liefern Kandale & Rugenstein Erläuterungen u.a. zur Anorexia nervosa, Bulimie, Schlafapnoe-Syndrom, Narkolepsie, zu Dyssomnien und Parasomnien. Bei den Persönlichkeits‑ und Verhaltensstörungen (223-227) werden u.a. Hinweise auf Neuerungen in der ICD-11 zu den spezifischen Persönlichkeitsstörungen, abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, Störungen der Geschlechtsidentität sowie Störungen der Sexualpräferenz gegeben. Bei der Intelligenzminderung (227, 228) liefern die Autor:innen eine tabellarische Darstellung zu deren Einteilung. Bei den Entwicklungsstörungen (228-230) erfolgen Angaben u.a. zur Normalitäts‑ und Diskrepanzannahme. Bei den Verhaltens‑ und emotionalen Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend (231-237) werden schließlich Angaben gemacht u.a. zur einfachen Aktivitäts‑ und Aufmerksamkeitsstörung, zu Störungen des Sozialverhaltens, zur Entwicklungsbezogenheit der emotionalen Störungen des Kindesalters, zur Abgrenzung von reaktiver Bindungsstörung und Hospitalismus, zu Tic-Störungen sowie Enuresis.

Im neunten Teil widmen sich Kandale & Rugenstein den Kompetenzbereichen therapeutischen Handelns. Im Hinblick auf die Kompetenzorientierung in der Psychotherapie (Kapitel 22) wird auf das Kompetenzebenen-Modell eingegangen (mit Verweis auf Miller) und die dabei aufeinander aufbauenden Ebenen: theoretisches Wissen, Anwendungswissen, Demonstration sowie Handeln (240). Außerdem werden die fünf Stadien der Entwicklung therapeutischer Kompetenz behandelt (mit Verweis auf Sharpless und Barber): Novizenstadium, fortgeschrittenes Anfängerstadium, Kompetenz, Professionalität und Expertise. Daraufhin werden die fünf Kompetenzbereiche therapeutischen Handelns entsprechend der Approbationsordnung erläutert: Im Hinblick auf die therapeutische Beziehungsgestaltung (Kapitel 23) wird auf die therapeutische Allianz (mit Verweis auf Bordin), die Basisvariablen des Therapeutenverhaltens (mit Verweis auf Rogers) sowie auf kommunikative Kompetenzen bzw. die Berliner Global Rating Scale (mit Verweis auf Scheffer) eingegangen (241-245). Zum Kompetenzbereich Diagnostik (Kapitel 24) werden zunächst einige Begriffe (u.a. Krankheit und Gesundheit, Krankheitsverhalten, subjektive Krankheitstheorien, Adhärenz, Simulation und Dissimulation sowie die Krankheitsphasen) und Krankheitsmodelle (u.a. medizinisches Risikofaktorenkonzept, biopsychosoziales Krankheitsmodell, Diathese-Stress-Modell, transaktionales Stressmodell von Lazarus, Salutogenese-Modell von Antonovsky) erläutert (246-250). Es werden Grundbegriffe der Diagnostik behandelt (250-253): u.a. klassifikatorische, kategoriale oder dimensionale Diagnostik; funktionale, ätiologische oder deskriptive Diagnostik; Gütekriterien diagnostischer Verfahren sowie Wahrnehmungs‑ und Beurteilungsfehler. Es werden sehr anschauliche tabellarische Darstellungen der klassischen Testverfahren im Erwachsenenbereich (253-255, mit Verweis auf Brähler, Schumacher und Herzberg) und über die Merkmale des psychischen Befundes (256-258) geliefert. Der Kompetenzbereich Patienteninformation und ‑aufklärung (Kapitel 25) wird ausgeführt anhand von Angaben u.a. zu Patientenrechtegesetz und Aufklärungspflicht, zur informierten Einwilligung und zu Aufklärungsgesprächen – speziell zum ersten Aufklärungsgespräch vor Behandlungsbeginn (mit ausführlichen Beispielen), zur interventionsspezifischen Aufklärung sowie zum Verlaufsmonitoring (258-263). Zum Kompetenzbereich Leitlinienorientierte Behandlungsempfehlungen (Kapitel 26) liefern Kandale & Rugenstein zunächst einführende Hinweise und gehen anschließend ausführlicher ein auf substanzbezogene Störungen (alkoholbezogene Störungen, medikamentenbezogene Störungen sowie Rauchen und Tabakabhängigkeit), Schizophrenie, affektive Störungen (depressive Störungen, bipolare Störungen), neurotische, Belastungs‑ und somatoforme Störungen (Angststörungen, Zwangsstörungen, posttraumatische Belastungsstörung sowie körperliche Beschwerden, somatoforme Störung und assoziierte Syndrome), Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren (Essstörungen, Insomnien), Borderline-Persönlichkeitsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, Aufmerksamkeitsdefizit-/​Hyperaktivitätsstörung und schließlich Geschlechtsinkongruenz, ‑dysphorie und Trans-Gesundheit (263-283). Zum letzten Kompetenzbereich der Patientensicherheit (Kapitel 27) erfolgen Angaben zur Krisenintervention sowie zum Umgang mit Suizidalität, u.a. mit einem Formulierungsbeispiel zu einer Non-Suizid-Vereinbarung (283-286).

Im zehnten Teil wird die Verhaltenstherapie genauer erläutert. Zunächst werden Grundbegriffe (Kapitel 28) behandelt und exemplarische Vertreter:innen der drei Wellen der Verhaltenstherapie benannt (mit Verweis auf Pawlow, auf Beck und auf Hayes). Außerdem wird auf die vier Ebenen des Verhaltens (affektiv-emotional, kognitiv-verbal, physiologisch sowie motorisch) eingegangen (288, 289). Im anschließenden, relativ kurzen Kapitel zur psychischen Entwicklung (Kapitel 29) wird festgehalten, dass diese aus einer individuellen Lerngeschichte resultiere, wobei verschiedene Lernformen (klassische Konditionierung, operante Konditionierung, Modelllernen sowie kognitives Lernen) eine Rolle spielen (289). Diese Lernformen werden im anschließenden Kapitel zu den Modellen der Symptomentstehung (Kapitel 30) genauer ausgeführt anhand von prägnanten Zusammenfassungen, Beispielen, Abbildungen und Tabellen (290-297). Daraufhin gehen Kandale & Rugenstein auf die Diagnostik und Indikation (Kapitel 31) ein. Zur Problemanalyse wird das Schema einer Problemanalyse nach Reinecker tabellarisch dargestellt (298). Die Verhaltensanalyse (299-305) beinhaltet zum einen die horizontale Verhaltensanalyse (u.a. SORKC-Schema mit Verweis auf Kanfer, BASIC-ID-Schema nach Lazarus) zur Erklärung der vorausgehenden, begleitenden und nachfolgenden Bedingungen eines Verhaltens (299) sowie zum anderen die vertikale Verhaltensanalyse oder Plananalyse (mit Verweis auf Caspar) zur Erfassung der verhaltenssteuernden Motive und Bedürfnisse sowie Strategien zur Erreichung der Bedürfnisse (303). Es wird auf die Informationsgewinnung im diagnostischen Prozess sowie auf die Zielanalyse und Zielplanung (u.a. anhand der S-M-A-R-T-Regel) eingegangen (305, 306). Zur Therapieplanung wird eine anschauliche tabellarische Darstellung des Sieben-Phasen-Modells therapeutischer Veränderung nach Kanfer geliefert (307). Im nächsten Kapitel wird auf die Behandlungstheorie und Technik (Kapitel 32) eingegangen. Zunächst werden die Grundsätze der Gesprächsführung behandelt (308, mit Verweis auf Rogers), anschließend wird auf operante Verfahren als Techniken der Reaktionskontrolle eingegangen (308-312):

• Methoden zum Aufbau von Verhalten: Shaping, Chaining, Fading, Prompting und Token Economies (mit Verweis auf Siegl und Reinecker),

• Methoden zum Abbau von Verhalten: Bestrafung, Löschung, Checking, Response Cost, Timeout, Sättigung, Beschränkung und Verstärkung inkompatibler Verhaltensweise (mit Verweis auf Siegl und Reinecker),

• Methoden zur Stabilisierung von Verhalten: Hausaufgaben, Verhaltensverträge, Token Economies, Mediatorenmodell und weitere Methoden sowie

• Habit-Reversal-Training.

Daraufhin werden Expositionsverfahren als Techniken der Stimuluskontrolle behandelt (312-315): systematische Desensibilisierung, graduierte Exposition, Flooding, Konfrontation mit Reaktionsverhinderung sowie Trainings der Angstbewältigung. Im Bereich der kognitiven Verfahren wird auf die kognitive Umstrukturierung (u.a. Realitätstesten, Verhaltensexperiment, alternative Erklärungen, Entkatastrophisieren) und den sokratischen Dialog sowie Disputtechniken eingegangen (315-318). Insbesondere wird die kognitive Therapie nach Beck behandelt (318-321), die Rational-Emotive-Therapie nach Ellis (321, 322), die kognitive Verhaltensmodifikation nach Meichenbaum (323, 324) sowie verdeckte Verfahren (324, 325). Im Hinblick auf die Selbstmanagement-Therapie (325-327) wird auf die Begriffe Selbstmanagement, Selbstregulation und Selbstkontrolle eingegangen; außerdem werden Methoden der Selbstkontrolle benannt (Selbstbeobachtung, Kontingenzvertrag, Stimuluskontrolle). Zum Thema apparative Verfahren wird insbesondere auf Biofeedback und die apparative Enuresistherapie eingegangen (327-329). Entspannungsverfahren (329-332) beinhalten u.a. die progressive Muskelrelaxation (mit Verweis auf Jacobsen), autogenes Training (mit Verweis auf Schultz) sowie angewandte Entspannung (mit Verweis auf Öst). Als Fertigkeitentrainings (332-336) werden aufgeführt die Vermittlung sozialer Fertigkeiten (u.a. Gruppentraining sozialer Kompetenzen; mit Verweis auf Hinsch und Pfingsten), Rollenspiele, Kommunikationstrainings, Problemlösetraining sowie Trainings emotionaler Fertigkeiten (z.B. Training emotionaler Kompetenzen; mit Verweis auf Berking und Znoj). Als weitere Interventionsmethoden werden Psychoedukation, Aktivitätsaufbau und euthyme Methoden angeführt (336, 337). Schließlich wird auf verhaltenstherapeutische Paartherapie (337, 338) und auf verhaltenstherapeutische Gruppentherapie (338, 339) eingegangen. Das abschließende Kapitel behandelt störungsspezifische Modelle und Interventionen (Kapitel 33): Sucht bzw. Abhängigkeit von Alkohol (339-341), Schizophrenie (342, 343), affektive Störungen (343, 344), neurotische, Belastungs‑ und somatoforme Störungen (344-353), Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren (353, 354), sexuelle Störungen (354-356), Persönlichkeitsstörungen (356-358). Zu guter Letzt wird auf aktuelle Entwicklungen der dritten Welle-Verfahren eingegangen (358-361): u.a. Schematherapie (mit Verweis auf Young), achtsamkeitsbasierte Verfahren (mit Verweis u.a. auf Kabat-Zinn), Akzeptanz‑ und Commitment-Therapie (mit Verweis auf Hayes) und metakognitive Therapie (mit Verweis auf Wells).

Im elften Teil behandeln Kandale & Rugenstein die psychodynamische Psychotherapie. Zunächst werden einige Grundbegriffe (Kapitel 34) erläutert (u.a. Tiefe, das Unbewusste, Träume, Trieb sowie Objekt; 364–367) und Sigmund Freud als singulärer Gründer-Vater-Persönlichkeit identifiziert (364). Das topografische Modell beinhaltet die Unterscheidung des Unbewussten, Vorbewussten und Bewussten und das Strukturmodell die Unterscheidung zwischen Es, Über-Ich und Ich (367). Es wird auf die vier Psychologien der Psychoanalyse eingegangen (368, 369): Trieb-Psychologie (u.a. mit Verweis auf Sigmund Freud), Ich-Psychologie (u.a. mit Verweis auf Anna Freud), Selbstpsychologie (u.a. mit Verweis auf Kohut) sowie Objektbeziehungstheorie (u.a. mit Verweis auf Klein). Zum Thema psychische Entwicklung (Kapitel 35) wird u.a. die Entwicklung der Psychosexualität nach Freud (370) tabellarisch dargestellt (orale Phase, anale Phase, infantil-genitale Phase, Latenz und Pubertät), auf die Triebentwicklung und den Ödipuskomplex eingegangen sowie das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson (371) tabellarisch dargestellt. Es wird u.a. auf die Identitätsentwicklung nach Erikson (372) eingegangen sowie auf die Entwicklung des Selbst und seiner Objektbeziehung nach Mahler, auf Übergangsobjekte (373; mit Verweis auf Winnicott), Mentalisierung (mit Verweis auf Fonagy) und die Entwicklung des Bindungsverhaltens (374; mit Verweis auf Bowlby). Die Modelle der Symptomentstehung (Kapitel 36) beziehen sich entweder auf einen innerpsychischen Konflikt, oder auf ein strukturelles Entwicklungsdefizit oder auf ein traumatisches Ereignis (375). Das Konfliktmodell (Konfliktpathologie) ist gekennzeichnet durch ein allgemeines Modell einer konfliktbasierten Psychodynamik mit folgenden Elementen: auslösende Situation, aktueller Konflikt, Reaktualisierung eines infantilen Konflikts, Abwehr, Kompromissbildung und schließlich Symptom (375). Dies wird anhand eines anschaulichen Beispiels erläutert (376). Anschließend wird eine tabellarische Übersicht über die wichtigsten Abwehrmechanismen (376-378) angeboten und auf die Unterscheidung zwischen reifer und unreifer Abwehr sowie auf die zwischen primärem und sekundärem Krankheitsgewinn eingegangen (378, 379). Im Defizitmodell (Strukturpathologie) resultiert das Leiden ‚aus dem als unerträglich erlebten Verhalten der anderen Menschen‘ (379) und zeige sich in Form von Regulationsstörungen. Strukturelle Störungen könnten entwicklungsbedingt sein oder Resultat einer regressiven Entdifferenzierung aufgrund traumatischer Ereignisse oder toxischer Einflüsse (379). Gemäß dem Traumamodell (Traumapathologie) erfolgt die Symptombildung nach traumatischen Ereignissen (380). Hier wird auf die Begriffe kumulatives und sequenzielles Trauma eingegangen. Anschließend wird die Diagnostik und Indikation (Kapitel 37) behandelt. Die projektive Testdiagnostik ließe sich unterteilen in Formdeuteverfahren (z.B. Rorschach-Kleckse), Gestaltungsverfahren (z.B. Wartegg-Zeichen-Test) und verbal-thematische Verfahren (z.B. Rosenzweig-Picture-Frustration). Beim diagnostischen Erstinterview (mit Verweis auf Argelander) handele es sich um ein unstrukturiertes Interview mit drei Informationsquellen: objektive, subjektive und szenische Informationen (382). Dies wird anhand einer Tabelle und anschaulichem Beispiel ausgeführt. Die biografische Anamnese (nach Dührssen) liege teilweise dem Bericht für den Psychotherapieantrag der GKV zugrunde. Das strukturelle Interview (nach Kernberg) sei ein leitfadengestütztes Interview, welches die deskriptiv-psychiatrische und psychoanalytische Perspektive verbinde (383). Zur Beziehungsdiagnostik wird das zentrale Beziehungskonfliktthema (mit Verweis auf Luborsky und Crits-Christoph), das zyklisch maladaptive Beziehungsmuster (mit Verweis auf Strupp und Binder) sowie die strukturelle Analyse sozialen Verhaltens (mit Verweis auf Benjamin) angeführt. Bei der operationalisierten psychodynamischen Diagnostik handelt es sich um ein multiaxiales System und ein halbstrukturiertes, klinisch orientiertes Interview zur Erfassung der Psychodynamik eines Patienten:einer Patientin (383, 384). Die erste Achse betrifft psychische Störungen, Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzungen. Die zweite Achse erfasst zyklisch maladaptive Beziehungsmuster. Die dritte Achse unterscheidet u.a. sieben Konfliktmuster (u.a. Selbstwertkonflikt, Schuldkonflikt, ödipaler Konflikt, Identitätskonflikt). Hierzu wird eine anschauliche tabellarische Übersicht geliefert (386, 387). Die vierte Achse unterscheidet vier Strukturniveaus (von gut integriert bis desintegriert). Hierzu wird wiederum eine tabellarische Darstellung der Subdimensionen der Strukturachse geliefert: Wahrnehmung, Steuerung, Abwehr, Kommunikation sowie Bindung (388). Kandale & Rugenstein gehen auf die Formen psychoanalytisch begründeter Therapieverfahren ein und auf die schwierige Unterscheidung zwischen Psychoanalyse, analytischer Psychotherapie, Psychoanalyse im modifizierten Setting und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (389). Die analytische und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gelten als psychoanalytisch begründete Verfahren, ‚insofern beide ätiologisch begründet sind, eine unbewusste Psychodynamik in den Mittelpunkt des Behandlungsgeschehens rücken und Bezug nehmen auf die psychoanalytische Persönlichkeits‑ und Krankheitslehre‘ (389). Unterschiede bestünden im Behandlungssetting, im Umgang mit Regression, Übertragung und Widerstand, in der Behandlungsfrequenz sowie im Gesamtstundenumfang. Diese Unterschiede werden u.a. anhand einer anschaulichen Tabelle (390) dargestellt (mit Verweis auf Rudolf und Rüger). Auch werden weitere spezielle psychodynamische Verfahren erwähnt (391). Eine differenzielle Indikation bezieht sich erstens auf die Eingrenzbarkeit von Störung und Konflikt: Bei einer bis dato weitestgehend adaptiven Persönlichkeitsentwicklung sei in der Regel ein tiefenpsychologisch fundiertes Vorgehen indiziert, bei einer chronifizierten Symptomatik eher eine analytische Psychotherapie (391). Zweitens ist die Einschätzung des Strukturniveaus ein Kriterium: Bei stärkeren strukturellen Defiziten bietet sich eher ein tiefenpsychologisches oder modifiziertes analytisches Vorgehen an (392). Drittes Kriterium sei die Passung zwischen Therapeut:in und Patient:in. Die Indikation für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ergibt sich somit u.a. aus dem Wirtschaftlichkeitsgebot, bei einem klar umrissenen unbewussten Konflikt, einem Behandlungsfokus sowie speziell bei Persönlichkeitsstörungen (bzw. der Gefahr einer malignen Regression im analytischen Setting). Die Indikation für analytische Psychotherapie ergibt sich aus verschiedenen Anforderungen an die Fähigkeiten des Patienten:der Patientin: u.a. Ich-Stärke, Frustrationstoleranz, Reflexionsvermögen, therapeutische Ich-Spaltung, effektive Arbeitsbeziehung. Daraufhin wird auf die Behandlungstheorie und Technik (Kapitel 38) eingegangen. Hier wird genauer u.a. Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand behandelt und anhand prägnanter Beispiele veranschaulicht (392-396). Die therapeutische Haltung beinhaltet Abstinenz, freie Assoziation und gleichschwebende Aufmerksamkeit (396). Die Interventionen (397-400) bestehen aus Techniken (Konfrontation, Klärung, Deutung sowie Durcharbeiten), Takt, Containing (mit Verweis auf Bion), Holding Function (mit Verweis auf Winnicott), korrigierende emotionale Erfahrung (mit Verweis auf Alexander), Regressionsbegrenzung, Fokusbildung, strukturgebende Interventionen sowie dem Prinzip Antwort (mit Verweis auf Heigl-Evers und Heigl). Es wird auf psychodynamische Paartherapie (400) und psychodynamische Gruppentherapie (401, 402) eingegangen. Das abschließende Kapitel behandelt störungsspezifische Modelle und Interventionen (Kapitel 39). Psychodynamische Therapieansätze seien traditionell störungsübergreifend ausgerichtet (402). Anhand der Grundkonflikte (Nähe, Bindung, Autonomie sowie Identität; mit Verweis auf Rudolf) werden symptomatische Störungen als ‚Resultat spezifischer Verarbeitungsweisen einzelner Konflikte auf verschiedenen Strukturniveaus verstanden […]. Ein und derselbe Grundkonflikt kann also je nach Verarbeitungsweise phänomenologisch in vollkommen anderen Symptomatiken erscheinen‘ (402). Auch dies wird anhand eines anschaulichen Beispiels erläutert (403). Schließlich werden ausgewählte störungsspezifische Grundideen und Aspekte illustriert (403-406): Sucht, Schizophrenie, Depression, Angst, Zwang sowie Persönlichkeitsstörungen.

Im zwölften Teil wird die systemische Therapie näher erläutert. Zunächst wird auf die Grundlagen (Kapitel 40) eingegangen und dargestellt, dass es weniger eine zentrale Gründerpersönlichkeit als wesentliche Wegbereiter:innen gibt (mit Verweis auf Bateson und Satir). Es würde zwischen zwei verschiedenen Versionen der Kybernetik unterschieden: Die Kybernetik erster Ordnung ziele auf die Vorhersagbarkeit und Planbarkeit komplexer Systeme sowie strategische Interventionen zur Herstellung des Gleichgewichts. Die Kybernetik zweiter Ordnung ziele auf Theorien über Beobachter:innen von Systemen, unter Berücksichtigung der Einsicht über eine fehlende Möglichkeit der Veränderung lebendiger Systeme von außen, sondern nur als Eigenleistung (konstruktivistische Wende; mit Verweis auf Watzlawick sowie auf Luhmann). Es folgt die Erläuterung verschiedener Begriffe: u.a. Systeme, Systemtheorie, Homöostase, Konstruktivismus, Selbstorganisation, Autopoiesis, Emergenz (409, 410). Die systemische Therapie wende Erkenntnisse des systemischen Ansatzes auf den Bereich der Psychotherapie an und sei seit November 2018 das vierte Richtlinienverfahren (409). Die psychische Entwicklung (Kapitel 41) stelle einen dynamischen Prozess dar, welcher einer Eigendynamik folgt und sich nicht durch einen Beobachter:eine Beobachterin steuern und regulieren lasse (410). Entwicklung ist geprägt von Kontinuität und Diskontinuität, sie sei unvermeidbar und könne durch günstige Kontextbedingungen angestoßen oder durch ungünstige ausgebremst oder verhindert werden (410, 411). Einflussfaktoren bzw. Rahmenbedingungen stellen Mikro-, Meso-, Exo‑ sowie Makrosystem dar (mit Verweis auf Bronfenbrenner). Die Modelle der Symptomentstehung (Kapitel 42) beziehen sich erstens auf problemdeterminierte Systeme, wonach Probleme eine Gemeinschaftsleistung seien (411). Symptome würden als kontraproduktiver Lösungsversuch von Herausforderungen verstanden und der Symptomträger:die Symptomträgerin (oder Indexpatient:in) sei dasjenige ‚Mitglied eines problemdeterminierten Systems, das durch Bildung von Symptomen als Erster anzeigt, dass in einem System […] problematische Beziehungs‑ und Interaktionsmuster herrschen‘ (411). Im systemischen Ansatz werden psychische Störungen als Konstruktion verstanden und es wird statt von linearen Zusammenhängen von zirkulärer Kausalität bzw. Wechselwirkungskreisläufen gesprochen (412). Zweitens existieren Modelle zur Erklärung der Herausbildung von Problemattraktoren, d.h. ‚relativ stabile problematische Erlebens‑ und Verhaltensmuster wie ein Symptom‘ (412). Dies wird anhand eines anschaulichen Beispiels erläutert (412, 413). Zur Erzeugung eines Problemattraktors wird ein vierstufiges Modell vorgestellt (413, mit Verweis auf Schlippe und Schweitzer): Entdeckung bzw. Erfindung des Problems, Etablierung eines problemdeterminierten Kommunikationssystems, Konstruktion einer Problemerklärung mit Ausweglosigkeitscharakter, problemstabilisierendes Handeln. Außerdem wird auf Delegation (mit Verweis auf Stierlin), bezogene Individuation (mit Verweis auf Stierlin), Parentifizierung (mit Verweis auf Böszörményi-Nagy), perverses Dreieck (mit Verweis auf Haley) sowie Doppelbindungen (mit Verweis auf Bateson) eingegangen (413, 414). Zur Diagnostik und Indikation (Kapitel 43) wird darauf hingewiesen, dass es in der systemischen Diagnostik eher um die beteiligten Personen und Zusammenhänge gehe als um die Zuordnung zu diagnostischen Kriterien (414). Es würde weniger nach Ursachen gesucht als nach aufrechterhaltenden Mustern. Es würden verschiedene Selbst‑ und Fremdbeurteilungsverfahren zur Verfügung stehen, u.a. Partnerschaftsfragebogen (mit Verweis auf Hahlweg), Familie in Tieren, Familienaufstellung sowie Genogramm (414, 415). Es wird zwischen Individual-, Paar‑ und Familienanamnese unterschieden. Zur Ressourcendiagnostik wird ein halbstrukturiertes Ressourceninterview angeführt (mit Verweis auf Schiepek und Cremers). Es wird auf die Auftragsklärung, das Auftragskarussell und auf die Unterscheidung zwischen Besucher:in, Klagende:r und Kund:in eingegangen (415, 416). Die systemische Therapie als Richtlinienverfahren ziele u.a. auf eine Umwandlung symptomfördernder Interaktionsmuster im System, kommt seit 2024 bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen zur Anwendung und kann auch im Mehrpersonensetting stattfinden. Als Formen systemischer Therapieverfahren werden die strukturelle Familientherapie (mit Verweis auf Minuchin), die erlebnisorientierte Therapie (mit Verweis auf Satir), die strategische Therapie (mit Verweis auf Haley), das Mailänder Modell (mit Verweis auf Palazzoli u.a.), die systemische Sexualtherapie (mit Verweis auf Clement) sowie die hypnosystemische Therapie (mit Verweis auf Schmidt) aufgeführt (416, 417). Die Indikation orientiere sich an der Auftragslage der Klient:innen und an störenden Interaktionen. Eine Kontraindikation für das Mehrpersonensetting bestehe bei fehlendem Konsens hinsichtlich weiterer Gespräche sowie bei drohenden Repressionen bzw. Gewalt. Zum Thema Behandlungstheorie und Technik (Kapitel 44) wird zunächst auf therapeutische Haltungen eingegangen, die darin bestehen, dass eher von Klient:innen statt von Patient:innen gesprochen wird und dass Therapeutinnen eine große Offenheit ‚gegenüber dem Neuen, Kreativen, Verstörenden und Provokanten‘ (418) zeigen. Ähnlich bezieht sich die Expertise des Nicht-Wissens eher auf eine verstörende Funktion der Therapie als eine ‚beherzt-zielgerichtete Einflussnahme‘ (418). Entsprechend wird auch von Irritation, Perturbation und Musterunterbrechung gesprochen. Neutralität bzw. Allparteilichkeit, Ressourcen‑ und Lösungsorientierung sowie Auftrags‑ und Kundenorientierung sind wichtige Elemente. Außerdem verweist das systemische Hebelgesetz darauf, dass die Therapeutin eine Veränderung nicht mehr wünsche als das Klientensystem, sondern sich zur Anwältin der Ambivalenz mache (418). Die Interventionen beinhalten Hypothetisieren (mit Verweis auf Palazzoli), narrative Methoden inklusive Metaphernarbeit, Ressourcenaktivierung und Lösungsfokussierung, Utilisation (mit Verweis auf Erickson) sowie systemisches Fragen: hypothetische Fragen, zirkuläre Fragen, Skalierungsfragen, Wunderfrage (mit Verweis auf de Shazer), reflexive Fragen, problem‑ und lösungsorientierte Fragen, Fragen nach Ausnahmen sowie nach Ressourcen (419-421). Es wird eingegangen auf die drei Kommunikationsmodi (verbal, nonverbal, paraverbal), auf die vier Ebenen einer Botschaft (Sach-, Selbstoffenbarungs-, Beziehungs‑ sowie Appellebene; mit Verweis auf Schulz von Thun), auf die fünf Kommunikationsregeln (mit Verweis u.a. auf Watzlawick), auf die Metakommunikation (mit Verweis auf Kiesler) sowie auf paradoxe Interventionen (mit Verweis auf Weeks und L’Abate): Reframing, Relabeling, Symptomverschreibung und u.a. Advocatus diaboli (421-423). Weitere Interventionen beinhalten Reflecting Team (mit Verweis auf Andersen), Splitting (mit Verweis auf Erickson), Tetralemma, MiniMax-Interventionen (mit Verweis auf Prior), Genogramm, Externalisierung von Problemen sowie Aufstellungsarbeit (423, 424). Im letzten Kapitel werden störungsspezifische Modelle und Interventionen (Kapitel 45) behandelt. Die nosologischen Kategorien würden im sozialen Konstruktivismus als ‚Sprachspiel innerhalb der therapeutischen Community‘ (425) verstanden. Zu störungsspezifischen Modellen werden grobe Anhaltspunkte geliefert: Depression, Angst, Zwang, Borderline-Persönlichkeitsstörungen (425, 426).

Im dreizehnten Teil behandeln Kandale & Rugenstein die Gesprächspsychotherapie. Zunächst wird auf die Grundlagen (Kapitel 46) eingegangen und darauf hingewiesen, dass der nur in Deutschland übliche Begriff der Gesprächspsychotherapie von Reinhard Tausch eingeführt wurde für die von Rogers begründete nondirektive, klientenzentrierte oder personenzentrierte Therapie (428). Zum aktuellen Stand (2025) handele es sich um eine lediglich wissenschaftlich (aber nicht sozialrechtlich) anerkannte Methode für die Indikationsbereiche F3, F43 und F54. Als exemplarische Vertreter werden Carl Rogers (personenzentrierter Ansatz), Eugene Gendlin (Focusing) und Leslie Greenberg (emotionsfokussierte Therapie) benannt (428). Für die psychische Entwicklung (Kapitel 47) ist u.a. die Aktualisierungstendenz, Symbolisierung und die Entwicklung des Selbstkonzepts relevant (429). Die Modelle der Symptomentstehung (Kapitel 48) beziehen sich auf Inkongruenz und Abwehr (429, 430). Zur Diagnostik und Indikation (Kapitel 49) werden Selbstexploration bzw. SE-Skala (mit Verweis u.a. auf Truax), Erstinterview, Q-Sort (mit Verweis auf Rogers) bzw. SIO-Q-Sort, differentielles Inkongruenzmodell sowie der Würzburger Leitfaden (mit Verweis auf Tscheulin) behandelt (430, 431). Zur Indikation wird das selbstexplorative Verhalten während des Erstgesprächs berücksichtigt sowie eine Inkongruenz als Grundlage der Störung und deren Wahrnehmung durch die Klientin (431). Zur Behandlungstheorie und ‑technik (Kapitel 50) wird zunächst auf die Bedingungen des therapeutischen Prozesses sowie die Basisvariablen des Therapeutenverhaltens (jeweils mit Verweis auf Rogers) eingegangen (431, 432). Anschließend wird die Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte (mit Verweis auf Tausch), erlebenszentrierte Methoden wie Experiencing und Focusing (mit Verweis auf Gendlin) sowie die emotionsfokussierte Therapie (mit Verweis auf Greenberg) behandelt (432-434). In Bezug auf störungsspezifische Modelle und Interventionen (Kapitel 51) existieren kontroverse Diskussionen, aber auch entsprechende Überlegungen zur Behandlung von Depressionen, Angststörungen und Psychosen (434; mit Verweis auf Kriz und Slunecko).

Im vierzehnten Teil wird auf die Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapie eingegangen. Zunächst wird die Entwicklungspsychologie (Kapitel 52) behandelt. Die vier Stadien der kognitiven Entwicklung (mit Verweis auf Piaget) werden in einer anschaulichen Tabelle dargestellt und die Begriffe Schema, Assimilation, Akkommodation, Äquilibrium und Kreisreaktion erläutert und anhand prägnanter Beispiele veranschaulicht (437, 438). Es wird auf die Bindungsentwicklung eingegangen, insbesondere auf die Bindungstheorie (mit Verweis auf Bowlby) und erläutert werden Bindungsverhaltenssystem, mentale Bindungsrepräsentationen, der Entwicklungsverlauf der Bindung, der Fremde-Situation-Test (mit Verweis auf Ainsworth), Feinfühligkeit sowie das Erwachsenenbindungsinterview (439, 440). Es wird eine anschauliche tabellarische Darstellung zu Bindungsstil, Bindungsverhalten, korrespondierendem mütterlichem Verhalten und dazugehörigem Bindungsstil im Erwachsenenalter geliefert (441; mit Verweis auf Seiffge-Krenke). Eine ebenso anschauliche tabellarische Darstellung wird zu den Meilensteinen der kindlichen Entwicklung angeboten (442, 442; mit Verweis auf Steinhausen). Es werden Entwicklungsaufgaben (mit Verweis auf Havighurst) erklärt und wiederum genauso anschaulich tabellarisch dargestellt (444; mit Verweis auf Oerter).

Im Hinblick auf die Entwicklungspsychopathologie (Kapitel 53) wird zunächst auf Risikofaktoren eingegangen, welche aus

• biologischen Risikofaktoren: somatische Faktoren, genetische Anteile, Temperament und Geschlechtszugehörigkeit,

• psychosozialen Risikofaktoren: familiäre Faktoren, Trennungserfahrungen, Geschwisterposition, psychische Störungen der Eltern, Mehrgenerationenperspektive sowie Erziehungsverhalten bzw. Erziehungsstile (mit Verweis auf Baumrind) sowie

• soziokulturellen Risikofaktoren: Zugehörigkeit zur unteren sozialen Schicht, Kinderreichtum, städtisches Lebensumfeld sowie Migration bestehen (445-447).

Es wird der Family Adversity Index bzw. Rutter-Index (mit Verweis auf Rutter) beschrieben, der wichtige Risikofaktoren mit kumulativen Effekten aufzeigt: starke Partnerschaftskonflikte, niedriger sozialer Status, psychische Störung der Mutter, sehr viele Familienmitglieder, aggressive Auffälligkeiten beim Vater (Kriminalität), Fremdplatzierung von Kindern. Außerdem wird auf belastende Lebensereignisse eingegangen und zwischen normativen und nichtnormativen Lebensereignissen sowie traumatischen Erfahrungen unterschieden. Schutzfaktoren werden unterschieden in solche auf Seiten des Individuums – u.a. kognitive und soziale Kompetenzen, Selbstvertrauen, sichere Bindung, Kohärenzgefühl – und solche auf Seiten der Umwelt – u.a. harmonisches Familienklima, soziale Unterstützung (447, 448). Im Hinblick auf Diagnostik und Indikation (Kapitel 54) wird zunächst auf die Epidemiologie eingegangen, wobei der Anteil psychisch kranker Kinder und Jugendlicher dem Anteil Erwachsener mit ca. 20 Prozent gleicht. Jungen seien eher anfällig, ab der Pubertät würden bei Mädchen häufiger psychische Störungen auftreten (448). Zudem folgen Hinweise zur Altersverteilung, Störungsbelastung, Persistenz und Komorbidität (448, 449). Die Informationsgewinnung im psychodiagnostischen Prozess beinhaltet die körperliche Untersuchung (im Rahmen des somatischen Konsils), die psychologische Untersuchung bzw. Erhebung des psychischen Befundes und schließlich die multiaxiale Diagnostik inklusive einer multiplen Verhaltens‑ und Psychodiagnostik (449-451). Die multimethodale Diagnostik wird erläutert und es wird u.a. auf Interviewverfahren eingegangen (Kinder-DIPS, Mannheimer Elterninterview, CASCAP-D sowie OPD-KJ-2). Zudem wird ein ausführlicher tabellarischer Überblick über die gängigen Fragebogenverfahren und Skalen im Kindes‑ und Jugendalter geliefert (453-459). Anhand von Abbildungen werden projektive Testverfahren illustriert (460) und es wird auf die Unterscheidung zwischen kategorialer und dimensionaler Diagnostik sowie auf Wahrnehmungs‑ und Beurteilungsfehler eingegangen (461). Daraufhin werden verschiedene Klassifikationssysteme vorgestellt (461-463): u.a. das Multiaxiale Klassifikationsschema für psychische Störungen im Kindes‑ und Jugendalter (mit Verweis auf Remschmidt) und die operationalisierte Psychodynamische Diagnostik im Kindes‑ und Jugendalter. Zur Indikation wird darauf hingewiesen, dass sich ein störungsspezifischer Ansatz durchgesetzt habe, und es wird auf leitlinienorientierte Behandlungsempfehlungen verwiesen (464). Allgemeine Besonderheiten bestehen im Entwicklungsbezug, Familieneinfluss und Setting-Ansatz, in der Dreiecksbeziehung, Interdisziplinarität und eingeschränkten Einsichtsfähigkeit (464, 465). Zur Behandlungstheorie und Technik (Kapitel 55) wird erstens auf Besonderheiten psychoanalytisch begründeter Therapie eingegangen: U.a. sind bestimmte Voraussetzungen auf Seiten der Patient:innen nur eingeschränkt gegeben, weshalb Anpassungen notwendig seien (465). Es folgen Hinweise u.a. zum therapeutischen Spiel, zur Handhabung von Übertragung und Gegenübertragung, zu Deutungen sowie zu Abwehr und Widerstand (465-467). Zweitens wird auf Besonderheiten der Verhaltenstherapie eingegangen: Es wird festgehalten, dass alle Interventionsmethoden anwendbar seien (467), und es folgen Hinweise u.a. zu operanten Methoden, kognitiven Verfahren, Konfrontationsverfahren, Selbstsicherheitstraining sowie Elterntraining (467, 468). Kandale & Rugenstein liefern hier einen prägnanten tabellarischen Überblick über verhaltenstherapeutische Techniken bei entsprechenden Störungsbildern (468, 469; mit Verweis auf Esser). Drittens wird auf Besonderheiten der systemischen Therapie hingewiesen, wobei ein fehlender Einbezug von Eltern bzw. Bezugspersonen undenkbar ist und es das einzige Verfahren sei, das auch durchgängig im Mehrpersonensetting durchgeführt werden dürfe (470). Zudem wird auf die Multifamilientherapie, die Theorie der familiären Resilienz (mit Verweis auf Walsh) sowie auf methodische Vielfalt hingewiesen (470, 471) und es wird eine tabellarische Übersicht systemischer Interventionen angeboten (471, 472). Schließlich werden Hinweise zu Allparteilichkeit, Joining, Familienskulptur, Familienaufstellungen, Figurenplatzierungsverfahren, Familienbrett sowie systemische Manuale für spezifische Störungen gegeben (472-474).

Abschließend werden störungsspezifische Modelle und Interventionen (Kapitel 56) behandelt (474-494):

• Störungen des Säuglingsalters: frühkindliche Regulationsstörungen,

• Störungen des Kindesalters: umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache sowie der motorischen Funktionen, tief greifende Entwicklungsstörungen, Ausscheidungsstörungen, Kinderschutzleitlinie, Kindesmisshandlung und ‑vernachlässigung, sexueller Kindesmissbrauch, elektiver Mutismus,

• Störungen des Jugendalters: Substanzmissbrauch, selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität, Schizophrenien sowie

• Störungen des Kindes‑ und Jugendalters: Lese‑ und Rechtschreibstörungen, Rechenstörung, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, Störungen des Sozialverhaltens, Angststörungen mit Beginn im Kindesalter, depressive Störungen, Tic-Störungen, weitere Störungen (Zwangsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen, Sexualstörungen, Intelligenzminderungen, Anorexie, Adipositas, Probleme chronisch kranker Kinder).

Zum Schluss wird im fünfzehnten Teil die Frage behandelt, wie es nach der Approbation weitergeht, und zwar zunächst nach der bestandenen alten Approbationsprüfung (Kapitel 57). Nun darf man die Berufsbezeichnung psychologische:r Psychotherapeut:in bzw. Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapeut:in führen, eigenverantwortlich psychotherapeutisch tätig sein, sich ins Arztregister eintragen lassen und Kassenleistungen erbringen (496). Es werden verschiedene mögliche Tätigkeitsbereiche benannt und insbesondere auf die Gründung einer eigenen Praxis (496-501) sowie auf die Zulassung einer Kassenpraxis eingegangen (501-504). Schließlich wird die Frage beantwortet, wie es nach der bestandenen neuen Approbationsprüfung weitergeht (Kapitel 58). Nun darf man die Berufsbezeichnung Psychotherapeut:in führen, eigenverantwortlich psychotherapeutisch tätig sein und die Approbation beantragen (504). Letztere gelte unbeschränkt, umfasse alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren und unterscheide nicht zwischen Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen. Erst die Gebietsweiterbildung bzw. Anerkennung als Fachpsychotherapeut:in führt zwar faktisch zu einer entsprechenden Einschränkung, habe jedoch haftungsrechtliche Vorteile (504). Ohne die Weiterbildung sei zudem u.a. eine Abrechnung mit gesetzlichen und privaten Kostenträgern derzeit nicht möglich, somit beschränke sich die Zielgruppe einer psychotherapeutischen Praxis auf Selbstzahler:innen (505). Andere mögliche Tätigkeitsfelder liegen im Gesundheits‑ und Sozialwesen, Kliniken und Krankenhäusern sowie in Forschung und Lehre in wissenschaftlichen Einrichtungen. Eine postgraduale Weiterbildung zum:zur Fachpsychotherapeut:in dauere mindestens fünf Jahre, führe zu einer Spezialisierung auf bestimmte Verfahren und Gebiete und sei dann äquivalent zur alten Bezeichnung ‚psychologische:r Psychotherapeut:in‘ (505).

Diskussion

Mit diesem Buch liefern Kandale & Rugenstein ein bewährtes, notwendiges und hinreichendes Hilfsmittel zur Vorbereitung auf die Approbationsprüfung – und zwar mit dieser aktualisierten Auflage ebenso für die Prüfung nach dem novellierten Psychotherapeutengesetz von 2020. Auf diese Neuerungen wird explizit eingegangen und das Buch um entsprechende Kapitel ergänzt. Die Darstellung der Inhalte ist didaktisch äußerst überzeugend: Sie sind u.a. sinnvoll zusammengefasst und verdaulich aufbereitet – in möglichst einfacher und verständlicher Sprache, sie enthalten Markierungen und besonders prüfungsrelevante Inhalte werden nochmals ausgewiesen. Angesichts der Fülle und des Niveaus der Inhalte erscheint dies als sehr überzeugende Leistung, die den Lernenden ein deutliches Stück Arbeit erleichtert. Aber auch Praktikerinnen und Praktiker, welche die Approbation bereits erlangt haben, werden gewinnbringend darauf zugreifen.

Fazit

Ein äußerst überzeugendes Werk zur Vorbereitung auf die Approbationsprüfung der Psychotherapie sowie zur anschließenden praktischen Arbeit in diesem Bereich.

Rezension von
Dr. Philipp Thaler
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Ausbildung am IVS in Fürth.
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Es gibt 16 Rezensionen von Philipp Thaler.

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ISSN 2190-9245