Christian Polz: Systemisches Coaching für souveräne Führungspersönlichkeiten
Rezensiert von Lea Loosen, 08.06.2026
Christian Polz:Systemisches Coaching für souveräne Führungspersönlichkeiten. Die Brücke zwischen transformationaler und agiler Führung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2026. 57 Seiten. ISBN 978-3-658-50887-6. D: 14,99 EUR, A: 15,41 EUR, CH: 17,00 sFr.
Reihe: essentials.
Thema
Das Buch thematisiert, wie Führungskräfte als systemische Coaches in ihren Unternehmen agieren können, um auf diese Weise ihre Führungskompetenzen zu erweitern. Moderne und zielführende Führung entsteht erst durch systemisches Denken, welches die Menschen, das Team und die Organisation als zusammenhängendes Ganzes betrachtet. Die Inhalte beziehen sich dabei auf die aktuelle Veränderung von Führung, denn bedingt durch eine komplexe, dynamische und unsichere Arbeitswelt werden klassische, hierarchische Führungsstile von modernen Modellen abgelöst.
Autor
Christian Polz ist neben seiner Tätigkeit als Fachbuchautor als Berater, Coach, Trainer und Supervisor tätig sowie Inhaber und Geschäftsführer von Team-Polz, einem Unternehmen für Führung und Transformation.
Entstehungshintergrund
Seit über 20 Jahren arbeitet der Autor Christian Polz mit Führungskräften, aber auch Vorständen und Geschäftsführungen zusammen. Auf den Gebieten Transformation, Agilität, Führung, Teamentwicklung, Changemanagement und Konfliktmanagement fungiert er als Experte, weshalb er 2025 sein Buch „Souverän in Transformation“ beim Spinger Verlag veröffentlicht hat sowie 2026 das hier beschriebene Buch.
Aufbau
Das Buch gehört zu der Reihe Essentials vom Spinger Verlag, welche aktuelles Wissen in konzentrierter und kompakter Form liefert. Das Buch ist in sieben Hauptkapitel, mit jeweils mehreren Unterkapiteln, gegliedert. Es schließt mit einer kleinen Zusammenfassung der wichtigsten Punkte ab. Jedes Hauptkapitel beginnt mit einer Zusammenfassung und endet mit einem Fazit. Ebenfalls werden in jedem Hauptkapitel praxisnahe Beispiele erläutert.
Inhalt
Systemisches Coaching ist ein sehr komplexes Konstrukt, weil es sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen unterschiedlicher Menschen zueinander bezieht, welche oftmals schwierig in ihrer Komplexität zu verstehen sind. Systemisch bedeutet, dass die Welt als eine Ansammlung von verbundenen und abhängigen Elementen angesehen wird, welche in Wechselwirkung zueinander stehen. Kapitel 1 behandelt zu Beginn die übergreifenden Ziele von systemischem Coaching. Durch den dreifachen systemischen Blick gelingt es Führungskräften, als systemische Coaches und souveräne Führungspersönlichkeiten gleichzeitig zu agieren. Dieser beinhaltet den Blick auf sich selbst als Führungskraft (intrapersonell), den Blick auf das innere System (interpersonell) und den Blick auf die Organisation und das weitere Umfeld. Auf diese Weise kann systemisches Coaching als eine ganzheitliche und interdisziplinäre Methode genutzt werden, um komplexe Situationen in Unternehmen zu verstehen und Konflikte zu lösen.
Kapitel 2 leitet über zu der Verknüpfung von systemischem Coaching und Führungsverhalten. Folgende Formel ist für Führungskräfte unerlässlich, um systemisch zu coachen: Coachingerfolg = Coachinghaltung x Verhalten. Das bedeutet, dass eine souveräne Führungskraft den dreifach systemischen Blick und die entsprechenden Verhaltensweisen beherrscht und anwendet. Durch die Beherrschung dieser Formel wird eine systemische Haltung entwickelt, welche systemisches Handeln beeinflusst, wie zum Beispiel die Steigerung der Effektivität und Effizienz und die Stärkung der Zusammenarbeit.
Für diesen systemischen Blick bedarf es eines spezifischen Mindsets, welches sich in sieben Haltungen niederschlägt, die in Kapitel 3 des Buches erläutert werden. Der systemische Blick richtet sich stets auf das große Ganze, weshalb bei jeder Handlung das Gesamtbild in den Fokus rücken muss. Mit hineinspielen zwei Arten von Regeln: formelle, offizielle und sichtbare Regeln im Vordergrund und auf der anderen Seite informelle, inoffizielle und nicht sichtbare Regeln im Hintergrund. Damit eine Führungsperson das Gesamtbild im Auge behält, müssen Offenheit und Flexibilität für einen Perspektivwechsel aufgrund von dauerhaften Veränderungen gegeben sein. Diesen Herausforderungen müssen Führungskräfte systemisch begegnen. Eine weitere Haltung ist, dass Nicht-Wissen akzeptiert und als Chance interpretiert werden muss. Führungskräfte, die das systemische Denken beherrschen, agieren nicht im Schwarz-Weiß-Denken, sondern in Sowohl-als-auch-Kategorien. Durch den Blick auf das gesamte System wird die Weiterentwicklung des Unternehmens, des Teams und der Mitarbeitenden gefördert, welche sich in der Haltung des verantwortlichen Einsatzes für das gesamte System widerspiegelt. Selbstreflexion, das kritische Hinterfragen der eigenen Person und das Einfordern von offensiver Rückmeldung zeigen, dass die Führungspersonen erst reflektieren und anschließend handeln, um ihr Handeln multiperspektivisch und kontinuierlich auszubauen. Außerdem soll das Unternehmen durch Stärkenfokussierung und Ressourcenmanagement zu einem performanten Unternehmen geführt werden. Das bedeutet, dass die Führungspersönlichkeiten als Lösungsfinder mit Blick auf die jeweilige Zielerreichung agieren. Wenn Führungskräfte diese sieben Haltungen in ihr tägliches Mindset aufgenommen und verinnerlicht haben, sind sie dazu befähigt, systemische Entscheidungen zu treffen und Handlungen auszuführen, die das große Ganze miteinbeziehen und stets an die Optimierung des Unternehmens und der einzelnen Personen richten.
Diesem Verhalten entsprechende und erforderliche Kompetenzen werden in Kapitel 4 mit praxisnahen Beispielen erläutert und sind folgende: aktiv zuhören & konstruktive Fragen stellen; eine Reflexionsenergie aufbauen; ein Vertrauensverhältnis etablieren; den Coachee auf seinem Lebensweg unterstützen; sich flexibel anpassen; die richtige Methode auswählen; lebenslanges Lernen von Coaches. Neben den Kompetenzen und der Haltung benötigen systemische Führungskräfte bestimmte Prämissen für gelungene Kommunikation, um das Coaching zielführend durchzuführen: ein humanistisches Menschenbild; eine Kommunikationskaskade; die Kenntnis über ein Ursachenbündel; das Wissen, dass es nicht die eine Lösung gibt; die Betrachtung des Kommunikationsprozesses als ganzheitlich. Diese lassen sich in Kapitel 5 finden.
Die Fähigkeiten der Führungskraft, systemisch zu agieren und zu coachen, bieten unterschiedliche Einsatzbereiche. Zum einen auf Unternehmenssicht für umfassende Veränderungen sowie auf der Ebene der Teamentwicklung, welche im vorletzten Kapitel 6 anhand von zwei Beispielen erläutert wird.
Im abschließenden Kapitel 7 wird die Ebene der Mitarbeiterführung in den Mittelpunkt gestellt. Denn das Coaching kann eingesetzt werden, um Konflikte mit den Mitarbeitenden, aber auch zwischen den Mitarbeitenden untereinander nachhaltig zu lösen, indem ein 360-Grad-Blick verwendet wird. Auch wird die ganzheitliche Entwicklung der Mitarbeitenden angestrebt, denn im systemischen Gefüge wird der Mitarbeitende als eigenständige Person mit seinen eigenen privaten Gegebenheiten angesehen und im Komplex des gesamten Unternehmens und dessen Umfeld verortet.
Dieser beschriebene systemische Coaching-Ansatz nach dem Autor Christian Polz zeigt, wie die Brücke zwischen dem transformationalen und dem agilen Führungsstilumgesetzt werden kann, um das Unternehmen zu einem performanten System zu entwickeln.
Diskussion
Das Werk lässt sich als kompakte Einführung in die Verknüpfung von systemischem Coaching und modernen Führungskonzepten einordnen. Besonders hervorzuheben ist die klare Argumentationslinie, die Führung als coachende Tätigkeit interpretiert und dabei transformationale sowie agile Ansätze integrativ zusammenführt. Damit greift der Autor einen zentralen Diskurs der aktuellen Führungsforschung auf und überträgt diesen in einen praxisnahen Kontext.
Eine wesentliche Stärke liegt in der anwendungsorientierten Aufbereitung der Inhalte. Die dargestellten Haltungen, Kompetenzen und kommunikativen Prinzipien sind nachvollziehbar strukturiert und bieten insbesondere für die Führungspraxis anschlussfähige Impulse. Jedes Kapitel bietet realistische Beispiele, welche die zuvor beschriebenen Theorien umsetzen und die Lesenden direkt miteinbeziehen. Zusätzlich zu den Beispielen werden theoretische Ausführungen zum Coaching durch Abbildungen unterstützt. Ebenso ermöglicht die kompakte Darstellungsform einen niederschwelligen Zugang zur Thematik.
Kritisch anzumerken ist jedoch die begrenzte theoretische Tiefe. Aufgrund des geringen Umfangs bleiben zentrale Konzepte teilweise unterkomplex und werden eher deskriptiv als analytisch behandelt. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit möglichen Grenzen, Spannungsfeldern oder empirischen Fundierungen des systemischen Coaching-Ansatzes erfolgt nur eingeschränkt. Auf der anderen Seite dienen die Essentials Bücher von Spinger lediglich diesem grundlegenden Überblick.
Inhaltlich ordnet sich das Buch in den aktuellen Diskurs um agile, transformationale und systemische Führung ein und bestätigt weitgehend etablierte Ansätze, ohne diese grundlegend weiterzuentwickeln. Es fungiert daher als Einführung und Impulsgeber, weniger als vertiefende wissenschaftliche Analyse.
Insgesamt ist das Werk besonders für Arbeitende aus der Praxis geeignet, die einen ersten Zugang zum Thema suchen oder ihren Führungsstil reflektieren möchten. Es eignet sich auch insbesondere für Lesende, die einen ersten systematischen Zugang zum Thema suchen, während für ein wissenschaftlich vertieftes Verständnis ergänzende Literatur erforderlich bleibt.
Fazit
Das Buch „Systemisches Coaching für souveräne Führungspersönlichkeiten – Die Brücke zwischen transformationaler und agiler Führung“ von Christian Porz erläutert praxisnah sowie kompakt und prägnant die Wichtigkeit von systemischem Coaching für Führungskräfte in Zeiten von ständigem Wandel. Der Autor argumentiert konsequent, dass erfolgreiche Führung in komplexen Organisationen nur dann gelingt, wenn Führungskräfte systemisch denken, coachend handeln und unterschiedliche Führungslogiken integrieren, mit dem Ziel, Selbstorganisation und Entwicklung im Team zu fördern. Durch die Nennung konkreter Kompetenzen und Beispiele aus der Praxis hat das Buch einen besonderen Nährwert für Führungskräfte oder Werdende, die ihren Stil modern und wirksam gestalten wollen.
Rezension von
Lea Loosen
Studentin im Masterstudiengang Kindheits- und Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Management & Beratung sowie pädagogische Fachkraft in einer stationären Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe
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