Laura Best, Laureen zu Dohna et al. (Hrsg.): Trennungs- und Scheidungsfamilien begleiten
Rezensiert von Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack, 15.06.2026
Laura Best, Laureen zu Dohna, Dominique Eising, Jan Fries, Michael Domes (Hrsg.):Trennungs- und Scheidungsfamilien begleiten. Handlungswissen für die Soziale Arbeit. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2026. 226 Seiten. ISBN 978-3-17-044605-2. 34,00 EUR.
Reihe: Grundwissen Soziale Arbeit.
Thema
Die Unterstützung unterschiedlicher Familienkonstellationen nach Trennung/Scheidung steht im Mittelpunkt dieses Buches. Es bietet einen Überblick über die Hintergründe von Trennung und Scheidung, vermittelt Orientierung im Beratungsprozess durch Methoden und Vorgehensweisen, gibt Impulse zu Professionalität, Haltung sowie zur Reflexion der eigenen Beratungspraxis und rückt die betroffenen Kinder in den Mittelpunkt.
Herausgeber:innen
Die Herausgeber:innen und Autor:innen sind an der an der FH Münster/Soziale Arbeit in unterschiedlichen Kontexten tätig. Jan Fries ist Fachberater für Trennungs‑ und Scheidungsberatung beim Landschaftsverband Rheinland. Das Buch gehört zur Reihe „Grundwissen Soziale Arbeit“.
Entstehungshintergrund
Das vorliegende Buch verfolgt – wie auch die anderen Bände dieser Reihe – das Ziel, professionelle Handlungskompetenzen zu vermitteln und das jeweilige Thema im Kontext der professionellen Praxis Sozialer Arbeit zu verorten. Die Sprache ist bewusst klar und gut verständlich gehalten. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichem Wissen, dessen kritische Reflexion sowie die Weiterentwicklung der eigenen Professionalität.
Aufbau
Das Buch umfasst sieben zentrale Themenbereiche, die verschiedene Aspekte von Trennung und Scheidung beleuchten. Jedem Themenbereich ist ein kompakter Infokasten vorangestellt, der die wichtigsten Inhalte und zentralen Erkenntnisse auf einen Blick zusammenfasst.
Inhalt
1. Themenbereich: Herausforderungen und Belastungen für Paarbeziehungen und Familien
Bislang konzentriert sich die Forschung überwiegend auf traditionelle Familienmodelle. In der Beratungspraxis begegnen Fachkräfte jedoch zunehmend vielfältigen Familienkonstellationen, die häufig noch mit Diskriminierung und Stigmatisierung verbunden sind. Um dieser gesellschaftlichen Realität gerecht zu werden, ist es notwendig, dass sich Berater:innen intensiv und auch selbstreflexiv mit diesen unterschiedlichen Lebensformen auseinandersetzen, um Betroffene angemessen und professionell unterstützen zu können.
Paarbeziehungen und Familien stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Den Alltag zu bewältigen, die eigene Individualität zu bewahren und gleichzeitig eine erfüllende Partnerschaft zu führen, ist oft schwer miteinander vereinbar. Da Ehe und Familie längst nicht mehr als alleinige Lebens‑ und Beziehungsform gelten, wird eine Trennung häufig schneller in Betracht gezogen, wenn persönliche Wünsche und Bedürfnisse über längere Zeit unerfüllt bleiben. Zu den Faktoren, die Trennungen begünstigen können, zählen unter anderem der Übergang zur Elternschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Entfremdung und Langeweile in der Beziehung.
Gleichzeitig gibt es Bedingungen, die das Gelingen von Partnerschaften fördern. Dazu gehören Toleranz, Verständnis, Vertrauen, Liebe, Solidarität sowie die Fähigkeit zur Konfliktlösung und offenen Kommunikation. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Resilienz – der Fähigkeit eines Paares, schwierige, herausfordernde oder krisenhafte Situationen gemeinsam zu bewältigen. Davon abzugrenzen ist das sogenannte dyadische Coping, das die gemeinsame Bewältigung von Belastungen und Stress innerhalb der Partnerschaft beschreibt.
2. Themenbereich: Trennung und Trennungsdynamik
Das nächste Kapitel beschäftigt sich im ersten Teil mit den Bedingungen und Faktoren, die dazu beitragen, dass Beziehungen in Krisen geraten und scheitern, beziehungsweise damit, welche Voraussetzungen für ihr Gelingen entscheidend sind.
Die Trennungswahrscheinlichkeit ist bei unverheirateten Paaren höher. Paare mit Kindern nennen stärkere sowie quantitativ mehr Belastungsgründe als kinderlose Paare. Zu den Faktoren, die eine Trennung begünstigen können, zählen unter anderem Binationalität, ein niedriges Heiratsalter, eine fehlende kirchliche Bindung, Bildungsstand und Einkommen der Frau sowie die Erfahrung der Trennung beziehungsweise Scheidung der eigenen Eltern.
Durch Konflikte verschlechtert sich die Kommunikation innerhalb der Partnerschaft, was wiederum dazu beitragen kann, dass sich bestehende Konflikte verstärken und verfestigen. Destabilisierend für eine Partnerschaft sind jedoch weniger die Häufigkeit oder Intensität von Konflikten als vielmehr das Verhältnis zwischen positiven und negativen Interaktionen. Als stabilitätsfördernd gilt dabei ein Verhältnis von etwa fünf positiven zu einer negativen Interaktion.
Für Berater:innen ist es daher wichtig zu verstehen, wie sich Konflikte entwickeln und welche Dynamiken dabei entstehen, um das Verhalten von Paaren besser einordnen zu können. Im nächsten Kapitel werden daher das Phasenmodell der Eskalation nach Glasl, das Konfliktmodell nach Alberstötter sowie die Konfliktmatrix nach Simon anhand von Praxisbeispielen vorgestellt.
An dieser Stelle wird der Bezug zur Elternschaft nach Trennung hergestellt und das damit verbundene Entwicklungsrisiko für Kinder in den Fokus gerückt. Hochkonflikthafte Elternbeziehungen – ein differenzierterer Begriff als „Hochstrittigkeit“ – zeigen sich bei etwa 5 bis 25 % der Elternpaare nach Trennung oder Scheidung. Diesen Eltern gelingt es zumindest zeitweise nicht, die Bedürfnisse ihrer Kinder im Mittelpunkt zu behalten. Sie benötigen daher externe Unterstützung, um Lösungen im Sinne der Kinder entwickeln zu können.
3. Themenbereich: Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf die Betroffenen
Deutlich wird, dass Trennungen und Scheidungen einen tiefgreifenden Einschnitt im Leben darstellen, der eine Neuausrichtung und umfassende Anpassungsprozesse erfordert. Die Auswirkungen auf die Beziehungspartner:innen werden näher beleuchtet, wobei die Vielzahl an Einflussfaktoren und Stressoren erläutert wird. Besonderes Augenmerk liegt auf den ökonomischen Folgen, da sich die finanzielle Situation aller Beteiligten in der Regel verschlechtert.
Rollen müssen neu definiert werden: Es gilt zu klären, in welchem Ausmaß Betreuungspflichten übernommen werden und wie die Erwerbstätigkeit beider Elternteile gestaltet werden kann. Ein funktionierendes soziales Umfeld übernimmt in diesem Prozess eine bedeutende stabilisierende und unterstützende Rolle.
Neben den belastenden Folgen einer Trennung oder Scheidung weisen Studien jedoch auch darauf hin, dass solche Umbruchsituationen persönliches Wachstum fördern und zur Stärkung von Resilienz beitragen können.
Für Kinder stellt die Trennung der Eltern eine tiefgreifende emotionale und psychische Herausforderung dar, die erhebliche Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben kann. Wie gut Kinder diese Situation bewältigen, hängt jedoch maßgeblich davon ab, inwieweit die Eltern ihre elterliche Verantwortung wahrnehmen und in der Lage sind, die Elternrolle von der nicht mehr bestehenden Paarebene zu trennen. Kinder entwickeln eigene Vorstellungen und Erklärungsmodelle zu Trennung und Scheidung. Häufig schreiben sie sich selbst eine hohe Verantwortung für die Trennung der Eltern zu, sehen sich als deren Ursache und fühlen sich zudem für das Wohlergehen ihrer Eltern verantwortlich.
Darüber hinaus beeinflussen auch die Persönlichkeit des Kindes, die Stabilität des sozialen Umfelds nach der Trennung sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen – etwa das Bildungs-, Gesundheits‑ und Sozialsystem sowie finanzielle Unterstützungsangebote – den Umgang mit der Trennungssituation.
Vielen Kindern gelingt es jedoch, nach einer Phase der Instabilität und Umorientierung die Trennungssituation positiv zu bewältigen. Mit einer Ausnahme: Anhaltende Konflikt der Eltern stellen ein Entwicklungsrisiko für Kinder jeglichen Alters dar.
4. Themenbereich: Haltung, Kompetenzen und Professionalität
In diesem Kapitel wird der Fokus auf die Rolle der Fachkräfte, die Eltern in dieser Phase begleiten, gerichtet.
In der Begleitung spielt die Haltung – der innere Zustand, der von Selbstreflexion, Beziehungskompetenz und der Fähigkeit mit Widersprüchen und Unsicherheiten umzugehen – eine entscheidende Rolle. Wesentlich sind auch Ressourcenorientierung, Empathie sowie die Wertschätzung von Vielfalt.
Haltungen:
- Die Personenzentrierung nach Carl Rogers kann als Grundhaltung mediativer Verfahren angesehen werden.
- Mediation: im Mittelpunkt stehen die konstruktive Konfliktbearbeitung und gemeinsame Lösungsfindung.
Professionelles Handeln ist im Kontext von Trennungs‑ und Scheidungsberatung besonders bedeutsam, da Fachkräfte häufig mit hochdynamischen, konflikthaften und emotional belastenden Situationen konfrontiert sind. Dafür braucht es fundiertes Fachwissen, erprobte Interventionen sowie selbstreflexive, soziale und verstehende Kompetenzen. Professionalität zeigt sich dabei darin, auch unter hoher Belastung reflektiert, strukturiert und handlungsfähig zu bleiben.
Der Begriff der doppelten Professionalisierung bedeutet eine Verschränkung von explizitem und impliziten Wissen als kontinuierlichen Prozess, bei dem die Fachkräfte lernen, ihre Intuitionen und Haltungen durch Theorie zu prüfen und umgekehrt Theorie durch Praxis zu schärfen.
Orientierung in der Trennungs‑ und Scheidungsberatung bieten Strukturierungsmodelle, die professionelles Handeln systematisch leiten (vgl. Spiegel 2021). Die fünf Phasen methodischen Handelns umfassen die Analyse der Rahmenbedingungen, die Situations‑ und Problemanalyse, die Zielentwicklung, die Planung sowie die Evaluation. Zunächst werden die Rahmenbedingungen betrachtet, etwa rechtliche Vorgaben, institutionelle Möglichkeiten oder familiäre Ausgangslagen. Darauf aufbauend erfolgt eine Situations‑ und Problemanalyse, in der Konflikte, Bedürfnisse und Dynamiken der Beteiligten erfasst werden. In der Phase der Zielentwicklung werden gemeinsam realistische und am Kindeswohl orientierte Ziele formuliert. Anschließend werden passende Interventionen und Handlungsschritte geplant. Die Evaluation dient schließlich dazu, den Beratungsprozess zu reflektieren und zu überprüfen, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden oder Anpassungen notwendig sind.
Beispiele aus der Praxis der Trennungs‑ und Scheidungsberatung verdeutlichen die theoretischen Grundlagen professionellen Handelns und machen sichtbar, wie Fachkräfte ihr Wissen in konkreten Situationen anwenden.
5. Themenbereich: Interventionen und Unterstützungsangebote bei Trennung und Scheidung
Dieses Kapitel widmet sich unterschiedlichen Angeboten der Trennungs‑ und Scheidungsberatung für Eltern und ihre minderjährigen Kinder. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung des Ablaufs dieser Beratungsprozesse. Ein strukturierter Ablauf stellt eine wichtige Voraussetzung dar, um allen Beteiligten Sicherheit zu vermitteln und als Fachkraft in den komplexen und häufig schwer steuerbaren Situationen Orientierung zu bewahren.
Der Beratungsprozess umfasst dabei mehrere Phasen:
Vorbereitungsphase: In dieser Phase wird geklärt, welche Informationen bereits vorliegen und welche Hintergründe sowie Dynamiken des jeweiligen Falls berücksichtigt werden müssen. Ebenso setzt sich die Berater:in mit eigenen Annahmen, Erwartungen und möglichen Assoziationen auseinander, die den Blick auf den Fall beeinflussen könnten. Zur Vorbereitungsphase zählen außerdem die Kontaktaufnahme mit den Beteiligten, die Terminvereinbarung sowie die Klärung organisatorischer und inhaltlicher Fragen.
Durchführungsphase:
- Einstiegsphase/Kontrakt: Im Mittelpunkt dieser Phase stehen die Klärung des Beratungsauftrags, die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit sowie der Aufbau einer tragfähigen Beziehung zu den Konfliktbeteiligten. Eine sorgfältige Auftragsklärung bildet die Grundlage für den weiteren Beratungsverlauf. Dabei werden insbesondere folgende Fragen bearbeitet: Was ist der Anlass für die Beratung? Welche Anliegen und Themen sollen im Rahmen der Beratung behandelt werden? Welche Erwartungen bestehen hinsichtlich möglicher Klärungen oder Lösungen? Ebenso wird geklärt, welche Erwartungen an die Berater:in in Bezug auf die Gestaltung und Begleitung des Prozesses gerichtet werden. Am Ende dieser Phase steht der Kontrakt. Dieser kommt zustande, wenn die Berater:in die Erwartungen an den Beratungsprozess grundsätzlich erfüllen kann und alle Beteiligten der Zusammenarbeit zustimmen. Darüber hinaus stellt die gemeinsame Vereinbarung von Regeln für die Zusammenarbeit eine wichtige Grundlage für den weiteren Beratungsprozess dar. Diese Regeln sollen für alle Beteiligten gleichermaßen gelten und möglichst positiv formuliert werden, um eine respektvolle und konstruktive Zusammenarbeit zu fördern.
- Themensammlung und ‑gewichtung: In dieser zweiten Phase erhalten die Beteiligten die Möglichkeit, ihre Sichtweisen auf den Konflikt, bestehende Streitpunkte sowie ihre jeweiligen Anliegen darzustellen. Dabei stehen die subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungen der einzelnen Personen im Vordergrund. Ziel ist es, alle relevanten Themen sichtbar zu machen und den Beteiligten Raum zu geben, ihre Anliegen einzubringen. Durch die gemeinsame Sammlung, Priorisierung und möglichst neutrale Formulierung der Themen kann der emotionale Druck innerhalb der Konfliktsituation reduziert werden. Gleichzeitig wird eine erste Struktur geschaffen, die den Beteiligten Orientierung im weiteren Beratungsprozess bietet. Eine Visualisierung der gesammelten Themen unterstützt die Übersichtlichkeit und erleichtert die gemeinsame Bearbeitung der Anliegen.
- Bedürfnisse und Lösungsoptionen: In dieser Phase wird das zuvor priorisierte Thema vertieft bearbeitet. Ziel ist es, die hinter den Positionen liegenden Bedürfnisse, Interessen und Beweggründe der Beteiligten herauszuarbeiten und für alle nachvollziehbar zu machen. Dabei soll ein grundlegendes Verständnis für die jeweilige Sichtweise des Gegenübers gefördert werden. Im Mittelpunkt stehen nicht Vorwürfe oder Schuldzuweisungen, sondern die Auseinandersetzung mit den individuellen Bedürfnissen und Anliegen der Beteiligten. Durch diese Perspektiverweiterung können festgefahrene Konflikte aufgelockert und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden. Aufbauend auf diesem Verständnis werden erste Lösungsoptionen entwickelt und festgehalten, die den Interessen aller Beteiligten möglichst gerecht werden sollen. Bewährt hat sich, den Eltern die Möglichkeit zu geben, zuerst ihre eigenen Wünsche und Interesse zu artikulieren, denn dann fällt es ihnen leichter, die Bedürfnisse ihrer Kinder in den Mittelpunkt zu stellen.
- Verhandlung und Vereinbarung: In dieser abschließenden Phase werden die zuvor erarbeiteten Lösungsoptionen konkretisiert und in verbindliche Vereinbarungen überführt. Ziel ist, gemeinsam tragfähige Regelungen zu entwickeln, die von allen Beteiligten mitgetragen werden können. Die getroffenen Vereinbarungen sollen möglichst klar, nachvollziehbar und überprüfbar formuliert sowie schriftlich dokumentiert werden. Ein wesentliches Anliegen dieser Phase besteht darin, dass alle Beteiligten den Beratungsprozess als konstruktiv und erfolgreich erleben. Dadurch kann das Vertrauen in die eigene Konfliktlösungsfähigkeit gestärkt und die Zuversicht im Hinblick auf zukünftige Klärungsprozesse erhöht werden. Die Aufgabe der Berater:in besteht insbesondere darin, die Perspektive und Bedürfnisse der Kinder in den Prozess einzubringen. Zudem unterstützt sie die Beteiligten dabei, realistische und alltagsnahe Vereinbarungen zu treffen und diese schriftlich festzuhalten und zu besprechen, wie damit umgegangen wird, wenn sich eine der Konfliktpartner:innen nicht an die Vereinbarungen hält.
Daran schließt die Phase der Nachbereitung an.
Neben der Struktur des Beratungsprozesses trägt auch die Gestaltung des kommunikativen Rahmens wesentlich zum Gelingen der Beratung bei. Die Berater:in schafft durch den Einsatz geeigneter Methoden die Voraussetzungen für eine konstruktive Zusammenarbeit der Beteiligten. Folgende Gesprächstechniken werden beschrieben, die diesen Prozess unterstützen und anhand von Praxisbeispielen veranschaulicht, um ihre Bedeutung und Anwendung im Beratungsalltag nachvollziehbar darzustellen: Aktives Zuhören (Paraphrasieren, Zusammenfassen, Verbalisieren von Gefühlen), Fragetechniken, Emotionsregulation, Visualisierung im Gespräch, Umgang mit Schweigen und Pausen, gewaltfreie und deeskalierende Kommunikation, Doppeln, Einzelgespräche.
Der Einsatz von weiteren Methoden hängt vom Gesprächsverlauf ab. Folgende Methoden werden für unterschiedliche Gesprächssituationen, die unterschiedliche Ziele haben, vorgestellt und Möglichkeiten der Umsetzung beschrieben.
- Arbeit mit Gesprächsrollen: Ziel ist Entschleunigung und Zuhören zu ermöglichen (mittels Sprecher:innen und Zuhörer:innenkarte).
- Kontrollierter Dialog: Auch hier ist das Ziel Entschleunigung und Zuhören zu ermöglichen (vor dem eigenen Redebeitrag wird das Gesagte der Vorredner:in wiederholt).
- Visualisierung der Kooperationsbedarfe: Hier geht es darum, gemeinsame elterliche Verantwortung sichtbar zu machen und autonome Bereiche der Eltern davon abzugrenzen.
- Angebot und Wunsch: Das Ziel ist Wünsche und Interessen des Gegenübers im Sinne einer Perspektivenübernahme wahrzunehmen und einen ersten Schritt aufeinander zu zugehen.
- Familienbrett/-aufstellung: Mit dieser Methode werden Situationen oder Beziehungen mit Perspektivenerweiterung visualisiert.
- Skalierung: Skalierungen sollen eine Selbsteinschätzung der Konfliktbeteiligten und ein Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten ermöglichen.
- Leerer Stuhl: Ziel ist die Fokussierung auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder.
- Seilmethode: Diese Methode wird eingesetzt, um mit den Eltern zum Thema tragfähige Elternschaft zu arbeiten (das Seil symbolisiert die tragfähige Brücke, auf dem das Kind zwischen den Elternteilen hin‑ und herwandert).
Wie Kinder im Verfahren beteiligt werden können, wird im folgenden Abschnitt näher erläutert. Oberstes Ziel muss dabei stets sein, dass Kinder die Trennungssituation möglichst unbeschadet bewältigen und altersgerecht in die sie betreffenden Prozesse einbezogen werden. Dies setzt voraus, dass ihr kognitiver, emotionaler und sozialer Entwicklungsstand bei der Ausgestaltung ihrer Beteiligung angemessen berücksichtigt wird. Für die Durchführung von Gesprächen und Interventionen werden folgende Methoden vorgestellt:
Themenzentriertes Kinder-Interview: Dieses hat das Ziel, die Sichtweisen, Bedürfnisse und Interessen des Kindes zu erfassen und den Eltern zugänglich zu machen. Es gliedert sich in drei Phasen: ein Vorgespräch mit den Eltern, das Interview mit dem Kind sowie die anschließende Rückmeldung an die Eltern. Die einzelnen Abschnitte werden detailliert beschrieben und durch praxisnahe Beispiele veranschaulicht.
Baummethode: Diese Methode eignet sich insbesondere für jüngere Kinder, da ihr kreativer und bildhafter Charakter den Ausdruck von Emotionen sowie das Gespräch fördert. Hierfür wird die Zeichnung eines Baumes und Figuren in unterschiedlichen Positionen (z.B. sitzend, kletternd oder kauernd) verwendet. Das Kind wählt zunächst eine Figur, die seine eigene Situation repräsentiert, und ordnet anschließend auch Eltern, Geschwistern sowie weiteren wichtigen Bezugspersonen entsprechende Positionen zu. Diese Methode kann Kinder einen sichern Raum geben, um Empfindungen zu äußern, Familienbeziehungen zu reflektieren und gemeinsam mit der Fachkraft neue Handlungsspielräume entwickeln.
Zwischen den Welten: Diese Methode soll das kindliche Erleben zwischen zwei Elternhäuser darstellen (Zeichnung auf der ein Kind zwischen zwei Häusern abgebildet ist).
Familienaufstellung mit Kindern: Hier werden dem Kind Tier‑ und Spielfiguren angeboten, um das Erleben in Bezug auf das Familiensystem, Beziehungen und Muster zu erfassen. Wichtig ist, dass das Kind nach der individuellen Bedeutung gefragt wird und die Fachkraft keine Interpretationen vornimmt.
Darüber hinaus werden ein Gruppenangebot zur Unterstützung von Kindern sowie ein entsprechendes Angebot für Eltern vorgestellt. Ergänzend wird die Begleitung von Einzelpersonen durch Krisen‑ und Entlastungsgespräche erläutert.
Ein Exkurs setzt sich mit der Vorgehensweise im Hochkonflikt auseinander.
6. Themenbereich: Reflexionsräume für Fachkräfte im Kontext von Trennung und Scheidung
Dieses Kapitel thematisiert die Bedeutung von Reflexionsräumen für Fachkräfte, die im Beratungsprozess mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sind. Im Zentrum stehen die Selbstreflexion sowie die Stärkung und Weiterentwicklung der professionellen Handlungskompetenz. Zudem werden ausgewählte Methoden vorgestellt, die eine konstruktive und lösungsorientierte Reflexion fördern und die weitere Arbeit mit dem Elternpaar unterstützen.
Der fachliche Austausch mit Kolleg:innen sowie die kontinuierliche Reflexion des eigenen Handelns nehmen im Beratungsalltag eine zentrale Rolle ein. In diesem Zusammenhang werden zunächst Tür‑ und Angelgespräche sowie die kollegiale Beratung als wichtige Formen des professionellen Austauschs näher betrachtet. Darüber hinaus wird die Supervision als externe Begleitung und Unterstützung des Beratungsprozesses dargestellt.
Diskussion
Dieses Buch bietet Fachkräften, die mit Paaren sowie Eltern nach Trennung oder Scheidung arbeiten, einen fundierten und differenzierten Einblick in die komplexen Dynamiken von Konflikten innerhalb von Elternpaaren nach der Trennung oder Scheidung. Es verdeutlicht, wie vielfältig die Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Trennungs‑ und Scheidungskonflikten sein können und welche Herausforderungen sich daraus für die professionelle Begleitung ergeben. Gleichzeitig sensibilisiert das Buch dafür, welche Belastungen Kinder im Kontext elterlicher Konflikte erleben und welche langfristigen negativen Folgen für ihre psychische, soziale und emotionale Entwicklung entstehen können, wenn diese Konflikte nicht konstruktiv bearbeitet werden.
Sehr gelungen ist die Verknüpfung von theoretischen Grundlagen, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praxisnahen Fallbeispielen. Die Beispiele aus der Beratungspraxis veranschaulichen das Spannungsfeld, in dem sich Berater:innen bewegen.
Darüber hinaus überzeugt das Buch durch seinen hohen Praxisbezug. Die vorgestellten Methoden, Interventionen und Werkzeuge bieten konkrete Anregungen für die Arbeit mit Eltern und Kindern und lassen sich unmittelbar in den beruflichen Alltag integrieren.
Zusätzlich bietet das Buch durch Methoden, Interventionen und Werkzeuge konkrete Anregungen für die Arbeit mit Eltern und Kindern, die sich unmittelbar im beruflichen Alltag umsetzen lassen.
Fazit
Ein fundiertes und praxisnahes Fachbuch, das wichtige Impulse für die professionelle Begleitung von Familien in Trennungs‑ und Scheidungssituationen bietet und die Perspektive sowie die Bedürfnisse der betroffenen Kinder in den Fokus rückt.
Rezension von
Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack
Leitung RAINBOWS-Österreich
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