Gabriele Wilz, Klaus Pfeiffer: Zu Hause pflegen
Rezensiert von Marina Lenk, 26.06.2026
Gabriele Wilz, Klaus Pfeiffer:Zu Hause pflegen. Psychologische Unterstützung und Entlastung für pflegende Angehörige. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2026. 121 Seiten. ISBN 978-3-8017-3086-4. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 18,02 sFr.
Ratgeber zur Reihe Fortschritte der Psychotherapie - Band 62.
Thema
Die beiden Autoren Wilz und Pfeiffer haben einen Ratgeber für pflegende Angehörige geschrieben, welcher die Angehörigen unterstützen möchte bei den verschiedenen Herausforderungen, Belastungen und Krisen im Alltag. Zahlreiche Praxisbeispiele geben Tipps und praktische Hinweise für einen stressfreien Umgang mit dem zu Pflegenden, Erkennung der eigenen Belastungsgrenzen und die Stärkung der eigenen Resilienz. Das Buch gibt viele Verweise auf weiterführende Internetseiten, Informationen und hilfreichen Adressen.
Autoren
Die Autoren des Buches sind Gabriele Wilz und Klaus Pfeiffer.
Prof. Dr. Gabriele Wilz: Ist Professorin für Klinisch-psychologische Intervention und Leitung der Hochschulambulanz an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Dr. Klaus Pfeiffer: Ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Geriatrie am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, sowie Leitung verschiedener Forschungsprojekte und Lehrbeauftragter an Hochschulen.
Entstehungshintergrund
Im Vorwort ist zu lesen: „Was pflegende Angehörige in der häuslichen Versorgung von derzeit über fünf Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland täglich leisten, verdient unsere höchste Anerkennung und Unterstützung. Mit diesem Ratgeber wollen wir hierfür einen kleinen Beitrag leisten“ (Wilz & Pfeiffer, 2026, S. 9).
Dieses Zitat aus dem Vorwort, beschreibt sehr gut den Entstehungshintergrund des Buches.
Ergänzt wird das Buch immer wieder mit Verweisen zu kostenlosen und freizugänglichen Online-Angeboten aus dem Bereich Pflege und Unterstützung.
Aufbau und Inhalt
Das Taschenbuch, umfasst insgesamt 120 Seiten. Das Buch beinhaltet neben dem Vorwort und einem Anhang mit Literatur und weiterführenden Hilfen, einen Hauptteil mit 8 Kapiteln. Die acht Überkapitel sind wiederrum unterteilt in 2 - 7 Unterpunkten. Jedes Kapitel wird ergänzt mit Beispielen, Hinweisen, Übungen oder Online-Angeboten.
Die einzelnen Kapitel des Taschenbuches werden im Folgenden kurz dargestellt:
Pflege betrifft uns alle
Im Kapitel 1 wird auf die Situation pflegender Angehöriger eingegangen, Belastungssituationen und Herausforderungen im Hinblick auf die Pflege von Angehörigen und die damit häufig verbundenen Veränderungen im Lebensalltag werden zudem thematisiert.
Alltag gestalten
Im zweiten Kapitel geht es um die Bereiche:
- Planung der Versorgung
- Schöne (gemeinsame) Momente
- Selbstständigkeit fördern und erhalten
- Probleme wahrnehmen und besprechen
- Körperliche Nähe und Sexualität
„Manchmal vermeiden Angehörige es auch, Freunde oder sogar die eigenen Kinder über die Erkrankung ihres Vaters oder ihrer Mutter zu informieren. Aus Scham oder zum Schutz der anderen wird versucht, die Veränderungen durch die Erkrankung zu verstecken“ (Wilz & Pfeiffer, 2026, S. 26).
Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen mit Demenz
Das dritte Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten, welche im Umgang mit Menschen mit Demenz verbunden sind. Auch Lösungen für herausfordernde Situationen und Umgang mit aggressivem Verhalten werden dabei vorgestellt. Den Abschluss des Kapitels bildet der Bereich „Wohlfühlmomente“. Viele Beispiele aus der Praxis bieten dabei einen guten Transfer von der Theorie in die Praxis, um die Erkrankung Demenz und die damit verbunden Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen mit Demenz in der eigenen Häuslichkeit, besser verstehen zu können.
Psychische Belastungen und Krisen bewältigen
Viele pflegende Angehörige erleben belastende Gedanken und Krisensituationen durch die häusliche Pflege. Neben den vielen Belastungen und Herausforderungen im Pflegealltag, gibt es Situationen, welche nicht voraussehbar sind und die pflegenden Angehörigen aus ihrer gewohnten „Bahn werfen“.
Das Kapitel ist wieder untermalt mit verschiedenen Selbstreflexionsübungen, Hinweisen und Beispielen aus der Praxis.
Ein Beispiel aus dem Kapitel vier, welches ein pflegender Ehemann berichtet:
„Seit einiger Zeit kann ich nicht mehr gut schlafen…wegen der Sorge um die Zukunft, der vielen kleinen Abschiede von unserem gemeinsamen Leben und weil ich kaum Hilfe habe. Wegen der Angst, den Rest meines Lebens mit der Pflege meiner Frau verbringen zu müssen und dadurch kein eigenes Leben mehr zu haben. Ich fürchte mich davor, mit der Pflege ganz allein zu sein. Ich fürchte mich davor, nichts, was mir auch noch wichtig ist, gemacht zu haben, weil die Pflege meiner Frau mein Leben bestimmt. All das habe ich auch noch nie jemanden mitgeteilt, weil ich fürchte, dann dafür verurteilt zu werden“ (Wilz & Pfeiffer, 2026, S. 47).
Auch wohltuende und stärkende Gedanken, belastende Gefühle, veränderbare und nicht veränderbare Situationen sowie Umgang mit Wut und Ärger werden dabei thematisiert.
Entlastung und Erholung finden
„Ich fühle mich so erschöpft, dass mir alles zu viel ist. Ich weiß gar nicht mehr so richtig, was mir eigentlich guttun würde“ (Wilz & Pfeiffer, 2026, S. 65).
Viele pflegende Angehörige gehen jahrelang über ihre Belastungsgrenzen und vergessen dabei auch ihre eigenen Akkus wieder aufzuladen. Selbstreflexionsübungen und Praxisbeispiele geben Anlass zum Nachdenken über die eigenen Werte und Ziele im Leben. Neben Erholungszeiten geben auch kleine schöne und freudige Erlebnisse aus dem Alltag neue Kraft für die kräftezehrende Aufgabe.
Belastungsgrenze und Abgabe der Pflegeverantwortung
Eine häusliche Pflegesituation ist auch häufig mit Ängsten, schlechtem Gewissen, Versagens‑ und Schuldgefühlen verbunden. Mitunter stellen sich finanzielle Sorgen ein und auch Konflikte innerhalb der Familie, vor allem wenn es um die Frage einer Heimunterbringung geht. Auch der Umzug von der häuslichen Pflege in eine Langzeitpflegeeinrichtung stellt häufig eine große Veränderung für alle betroffenen Personen dar, welche gerade in der Anfangszeit sehr belastend sein kann.
Abschied, Tod und Trauer
Der Beginn des Kapitels beschreibt bereits den Inhalt des Themas. „Der körperliche und geistige Abbau durch Erkrankungen oder Unfälle (z.B. Stürze) bringt sowohl für die Betroffenen als auch deren Angehörige bereits zu Lebenszeiten viele Abschiede mit sich. Abschiede von Aktivtäten und bisherigen Selbstverständlichkeiten im Alltag, aber auch von Vorstellungen, Wünschen und Hoffnungen bezüglich der eigenen und gemeinsamen Zukunft. So tritt schmerzlich ins Bewusstsein, dass vieles unwiderruflich nicht mehr möglich sein wird, manches nur noch eingeschränkt in einem begrenzten, oft unsicheren Zeitfenster“ (Wilz & Pfeiffer, 2026, S. 93).
Die letzte Lebensphase kann bei der Pflege von Nahestehenden mit sehr großen Herausforderungen verbunden sein und auch der Trauerprozess während der letzten Lebensphase und nach dem Tod ist mit unterschiedlichen Belastungen verbunden.
Fallbeispiele innerhalb des Kapitels regen zum Nachdenken und zur Selbstreflexion an.
Beratung und Unterstützung
Im achten und letzten Kapitel des Buches geht es um Beratungs‑ und Unterstützungsangebote. Hier werden vielfältige Angebote kurz und kompakt vorgestellt. Wie z.B. Pflegeberatung § 7a SGB XI, Beratungsbesuche nach § 37.3 SGB XI, Pflegeschulungen nach § 45 SGB XI, Wohnraumberatung, Palliativberatung, sowie auch verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für die häusliche Pflege und auch Unterstützungsmöglichkeiten außer Haus wie Kurzzeitpflege oder Tagespflege. Den Abschluss des Kapitels bietet der Bereich Vollmachten, mit weiterführenden Tipps und Hinweisen.
Diskussion
Die beiden Autoren Gabriele Wilz und Klaus Pfeiffer verbinden in ihrem Buch die beiden Bereich Psychologische Unterstützung und Entlastung für pflegende Angehörige. Das Buch bietet einen bunten Strauß verschiedener Themenbereich rund um den Bereich der Pflege von Angehörigen, mit wertvollen Tipps, Hinweisen und Fallbeispielen.
Fazit
Das kompakte Taschenbuch, lädt zum einen ein zur Selbstreflexion und dient zum anderen auch als Informationsquelle mit wertvollen Tipps und Ergänzungen. Das gesetzte Ziel: „Dieser Ratgeber möchte pflegende Angehörige bei der Bewältigung von Alltagsanforderungen, Belastungen und Krisen unterstützen“, welches auf dem Klappentext des Buches zu lesen ist, wird mit den unterschiedlichen Themen, Fallbeispielen und ergänzenden Materialien, von den Autoren auf jeden Fall erreicht.
Rezension von
Marina Lenk
Gesundheits- und Pflegemanagerin (B.A.), Pflegeberaterin §7a SGB XI, Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, Palliative-Care-Fachkraft, Betriebliche Gesundheitsmanagerin, freiberufliche Fachautorin und Dozentin
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