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Wilhelm Reich, Kurt R. Eissler: Reich über Freud

Rezensiert von Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens, 28.07.2026

Cover Wilhelm Reich, Kurt R. Eissler: Reich über Freud ISBN 978-3-8379-3422-9

Wilhelm Reich, Kurt R. Eissler: Reich über Freud. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2026. 134 Seiten. ISBN 978-3-8379-3422-9. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.
Reihe: Wissenschaft vom Lebendigen.

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Thema

Das Thema ist mit dem Buchtitel „Reich über Freud“ nur zur Hälfte benannt, die andere müsste die Überschrift „Reich über Reich“ tragen. Beide Seiten kann man je für sich betrachten. Man kann sie aber auch zusammenlesen, wenn man die Libidotheorie als roten Faden verwendet: Wilhelm Reich legt immer wieder und unter wechselnden Aspekten dar, welch hohe Bedeutung er der von Sigmund Freud entworfenen Libidotheorie von Anfang an beigemessen und weshalb und wie er sie – im Unterschied zum Urheber selbst und im Gegensatz zu dessen sonstigen Schüler:innen – auf seine besondere Weise fortentwickelt hat.

Entstehungsgeschichte

Kurt R. (Robert) Eissler hat 1951 die New Yorker Sigmund Freud Archives gegründet – zusammen mit drei weiteren vor den Nazis aus Wien geflohenen Psychoanalytiker:innen: Heinz Hartmann, Hermann Nunberg und Ernst Kris (im Buch auf S. 7 „Kriz“ genannt) und dem in Texas geborenen Bertram Lewin (im Buch auf S. 7 „Lewis“ genannt), der 1926–1927 am noch jungen Berliner Psychoanalytischen Institut seine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolvierte, dann nach New York ging und nach Beginn der Nazi-Herrschaft Vorsitzender des Emergency Committee on Relief and Immigration wurde, das europäische Psychoanalytiker:innen dabei unterstützte, ihr Land zu verlassen und sich in den USA niederzulassen. Die Archivgründer begannen sogleich, Zeitzeug:innen, Freundinnen und ehemalige Kolleg:innen ausfindig zu machen und mit ihnen Interviews zu führen, die für die Nachwelt dokumentiert wurden.

Das in vorliegendem Buch zu findende Interview mit Eissler fand am 18. und 19. Oktober 1952 in Reichs letzter Wirkungsstätte, dem Orgonon statt; die Bezeichnung kommt von „Orgon“, dem Name einer von Reich seit Ende der 1930er zunehmend mehr postulierten universalen Energie. Das Orgonon liegt auf dem Gebiet der Stadt Rangeley (Maine), eine gute Tagesreise von New York und nur eine Autostunde von der Grenze zu Kanada entfernt. Die an Mischwald reiche Gegend ohne größere Erhebungen mag Reich an seine Kindheits‑ und Jugendjahre in der Bukowina (Buchenland) erinnert haben. Die beiden Interviewpartner kannten sich (Reich zu Eissler: „Sie waren an meiner Arbeit in der Wiener Bewegung 1928 beteiligt […]“; S. 46). Das Interview wurde auf Englisch – Reich mit starkem deutschen Akzent – geführt; man kann sich Ausschnitte vom zweiten Tag anhören (Library of Congress o.J.).

Es war Reich, der das New Yorker Freud-Archiv kontaktierte und seine Mitarbeit anbot. Er hatte dabei eine klare Absicht, die er im Interview denn auch recht schnell zum Ausdruck brachte: „Sie verstehen jetzt, dass ich mich nicht nur für Freud interessierte, als ich dem Freud-Archiv meine Hilfe anbot? Es war nicht das Interesse an der psychoanalytischen Bewegung. Ich habe daran keinerlei Interesse. Es war nicht das Interesse an der psychoanalytischen Theorie. Es war nur das Interesse an einer einzigen Sache: Wie werden sich die öffentlichen Institutionen in Bezug auf die Weiterentwicklung der Libidotheorie verhalten […]“ (S. 47–48). Der Reich-Biograph und langjährige Mitarbeiter (1948-1955) Myron Sharaf lässt wissen: „In Reichs Vorbereitung auf das ganze Interview steckte die tiefe Sorge, dass Gerüchte und Verleumdungen in psychoanalytischen Kreisen über seine Arbeit und Person unkorrigiert in die historischen Aufzeichnungen gelangen könnten.“ (Sharaf 1994, S. 482) Wie begründet diese Sorge war, weiß man seit Erscheinen der Jonesschen Freud-Biographie nur kurze Zeit nach dem Interview (ausf. Fallend & Nitzschke 1997)

Die Verwendungsrechte für die Niederschrift des Interviews, von der zumindest ein Exemplar der zwei von Reich erbetenen (S. 103) in Orgonon lagert(e), war allem Anschein nach zwischen den beiden Akteuren geteilt und fiel nach deren Tod in deren jeweiligen Nachlass. Welche Vorstellungen von einer möglichen Veröffentlichung der eine oder andere auch gehegt haben mag, Fakt ist: Der Interviewtext wurde 1967 – im Jahr des Summer of Love – zeitgleich in den USA und Kanada veröffentlicht. Und zwar neben kurzen anderen Texten in einem Buch unter dem Titel Reich Speaks of Freud. Wilhelm Reich Discusses His Work and His Relationship with Sigmund Freud, das von Mary Higgins, damals als Treuhänderin des Wilhelm Reich Infant Trust Fund die Copyright-Inhaberin, und Chester M. Raphael herausgegeben wurde (Higgins & Raphael 1967; heute kostenfrei online verfügbar). Von den im vorliegenden Buch zu findenden vier Hauptteilen (Anmerkung, Interview, Fortsetzung des Interviews und Anhang zum Interview) sind die letzten drei direkt aus dem englischen Werk genommen. Für die vorangestellte Anmerkung findet sich dort kein korrespondierendes Textstück, wohl aber können zwei Teile der Anmerkung in Reich Speaks of Freud an unterschiedlichen Orten ausfindig gemacht werden (s.u.).

Autoren

Eissler wurde 1908, da war die k.u.k. Monarchie noch in voller Pracht, in Wien geboren, studierte dort nach dem Ersten Weltkrieg, als Österreich nur noch ein Schatten seiner selbst war, zunächst Psychologie, dann auch noch Medizin (beides mit Promotionsabschluss), machte Analysen bei Richard Sterba und August Aichhorn, dessen Mitarbeiter bei der Hilfe für verwahrloste Jugendliche er war, und wurde 1938 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Im selben Jahr erfolgte die Annexion Österreichs an das Deutsche Reich, was den Juden zusammen mit seiner Frau zur Flucht in die USA trieb.

Im Jahr 1943, da war der Krieg weder in Europa noch im Pazifikraum entschieden, meldete er sich freiwillig zur US-Army (Medical Corps), 1944 erfolgte die Qualifizierung zum Psychiater, 1947 ließ sich das Ehepaar in New York nieder, 1949 wurde Eissler Mitglied und Lehranalytiker der New York Psychoanalytic Society und 1951 wurde er, wie schon oben ausgeführt, Mitbegründer und dann auch Sekretär der Freud-Archives bis 1985; gestorben ist er als kinderloser Witwer 1999 in New York. Welche Bedeutung er in der US-amerikanischen psychoanalytischen Community nach dem Zweiten Weltkrieg hatte, kann man daran ermessen, dass er eine rund vierzigseitige Abhandlung im ersten Heft des bis heute erscheinenden Journal of the American Psychoanalytic Association publizieren konnte. Dieser Artikel, heute kostenfrei im Internet verfügbar, gewährt einen Einblick in seinen spezifischen Beitrag zur Entwicklung der Psychoanalyse und trägt den Titel The effect of the structure of the ego on psychoanalytic technique (Eissler 1953).

Reich, den sein Vater nach dem von diesem verehrten Kaiser des Deutschen Reiches Wilhelm benannte, wurde 1897 im damals unter österreichischem Regime stehenden Ostgalizien, heute in der Westukraine, in eine säkulare jüdische Familie geboren. Im Unterschied zu anderen aus dem dortigen Judentum stammenden Menschen, Helene Deutsch und Abraham Brill etwa, die sozialen Aufstieg über ein Studium (meist Jura oder Medizin) suchten (Heekerens 2024), wäre er wohl nie Psychoanalytiker geworden, hätte nicht der Erste Weltkrieg seine in die Wiege gelegte Zukunft als Großagrarier zunichtegemacht.

Hilarion Petzold, der Mitbegründer des Fritz Perls Instituts, sprach einmal im Zusammenhang mit dem Freudschen Wirken von den Werken „seiner genialen Schüler Reich, Rank, Ferenczi“ (Petzold 1996, S. 387). Wie recht Petzold mit seiner Einschätzung hat, sieht man bei Betrachtung der Langzeitwirkung: Die Spuren Sándor Ferenczis in der modernen Psychoanalyse sind unübersehbar, Otto Rank gab wesentlich Anstöße für die Entwicklung sowohl der Gestalt‑ als auch der Klientenzentrierten Therapie sowie einer aktivierenden Beratung in der Sozialen Arbeit, und Reich zählt mit gleichem Recht zu den Gründungsfiguren der Körperpsychotherapie, wie er als Exponent einer politischen Psychoanalyse (Peglau 2013, 2015) gilt. Mit diesen drei Schülern hatte Freud größte Schwierigkeiten (ausf. Heekerens 2024). Bei Betrachtung der zwischenmenschlichen Ebene in den genannten Fällen zeigt sich „ein Beziehungsmuster […], das Freuds Umgang mit einem bestimmten Typus von Schüler-Söhnen kennzeichnet“ (Cremerius 1997, S. 131)

Wie dieses dreiphasige Muster im Falle Reichs konkret aussieht, hat Johannes Cremerius (1997) gut begründet aufgezeigt. Zu Beginn, in den Jahren 1919–1926, steht „eine glänzende Anfangsphase, eine Zeit intensiver Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, Schüler und Lehrer“ (Cremerius 1997, S. 132–133). Die zweite, bis ca. 1930 dauernde Phase wird von Cremerius (1997) mit „Jahre eines falschen Friedens“ (S. 155) etikettiert, „falsch insofern, als durch diesen Frieden Freuds wahre Gefühle Reich gegenüber verdeckt wurden“ (ebd.). Die dritte Phase „bekommt durch Reichs Kampf gegen den Faschismus eine spezifische Färbung. Trennte sich Freud in der Regel [wie bei Ferenczi und Rank] von dem Typus Schüler-Sohn, wenn er ihn als Dissidenten, als Apostaten erkannte, so trennte er sich von Reich, weil er das Überleben der Psychoanalyse in Deutschland durch dessen Kampf als Analytiker gegen den aufkommenden Faschismus bedroht sah“ (Cremerius 1997, S. 138).

Aufbau und Inhalt

Dem Interviewtext und der darauf bezogenen Anmerkung vorangestellt ist ein bald dreißig Seiten langes Vorwort von Thomas Harms, der zum Herausgeberkreis der im Psychosozial-Verlag erscheinenden Reihe: Wissenschaft vom Lebendigen, in der vorliegendes Buch publiziert wurde, zählt. Hier finden sich Informationen zur Vorgeschichte des Interviews, der Freud-Reich-Beziehung sowie zu Reichs Leben (knapp) und Werk (ausführlich).

Zu Anmerkung (Januar 1954) wurde eingangs schon angemerkt, dass sich im englischen Werk von 1967 kein direkt korrespondierendes Textstück findet. Wohl aber können zwei Teile der Anmerkung in Reich Speaks of Freud (Higgins & Raphael 1967) ausfindig gemacht werden: in Reichs Introductory Note von 1954 (S. XVIII) und einer auf 1954 datierten – und von wem auch immer platzierten – Anmerkung zu einer Interviewpassage (S. 124, Anm. 8). An der ersten Stelle erklärt Reich zu der hier angesprochenen Frage einer Publikation des Interviews: „It is of crucial importance […], that the major, factual parts of the Wilhelm Reich Interview on Freud be published now.“

Der zweite Text findet sich übersetzt in der Anmerkung und enthält eine prägnante Positionsbestimmung Reichs gegenüber Freud: „Die Betonung, die ich auf Freuds Libidotheorie als hypothetischen Vorläufer der tatsächlichen Entdeckung der kosmischen Lebensenergie gelegt habe, ist der Tatsache geschuldet, dass ich als Psychoanalytiker zwölf Jahre lang praktisch und klinisch damit gearbeitet habe und so meine eigene Entdeckung in die Entwicklungen und Konflikte der psychoanalytischen Bewegung einbrachte. Allerdings hätte ich meine Entdeckung der Lebensenergie auch aus Drieschs Entelechie oder Bergons Elan Vital oder aus irgendeinem der biochemischen Wissenschaftszweige entwickeln können, wenn ich zufällig zwölf Jahre lang praktisch in einem dieser Bereiche gearbeitet hätte.“ (S. 32)

Interview (18. Oktober 1952)

Den Inhalt von Interviews zusammenzufassen, fällt dann noch relativ leicht, wenn es sich um ein leitfadengestütztes Interview handelt und sich beide Parteien auch an den Leitfaden halten. Das ist im vorliegenden Falle nicht gegeben, ja Reich durchbricht sogar grundlegende Interviewregeln (mehr dazu u.). Angesichts dessen scheint es mir angemessen, den Inhalt anhand exemplarischer Beispiele darzustellen.

Vom Interview des ersten Tages scheinen mir zwei Passagen das Anliegen, das Reich verfolgt, besonders prägnant zum Ausdruck zu bringen. Zunächst: Die Bedeutung dessen, wofür er den Begriff „orgastische Potenz“ gewählt hat, beschreibt er so: „Was ich meine, ist die emotionale, die primäre emotionale Erfahrung der Verschmelzung zweier Organismen. […] Ja, es ist nicht nur das Ficken, verstehen Sie? Nicht die Umarmung an sich, nicht der Geschlechtsverkehr. Es ist eine echte emotionale Erfahrung des Verlusts des Ichs, des ganzen spirituellen Selbst in dieser Erfahrung.“ (S. 46–47)

Zum Zweiten. Bei der obigen Darlegung der Reichschen Motive für das Interview war zu lesen: „Es war nur das Interesse an einer einzigen Sache: Wie werden sich die öffentlichen Institutionen in Bezug auf die Weiterentwicklung der Libidotheorie verhalten […]“ (S. 47–48). Dieser letzte Satz muss unverständlich bleiben, wenn man ihn nicht zur Gänze und mit dem Nachfolgenden liest: „Wie werden sich die öffentlichen Institutionen in Bezug auf die Weiterentwicklung der Libidotheorie verhalten, womit gemeint ist, wie sie sich in Bezug auf die Entwicklung der bio-sexuellen Energie bei Kleinkindern, Müttern, schwangeren Müttern, Kindern in der ersten und zweiten Geschlechtsreife verhalten werden. Ich könnte mich irren, ich könnte völlig falschliegen. Ich glaube jedoch nicht, dass ich mich irre, aber ich versichere Ihnen, ich denke, dass es keine Lösung für die Probleme dieser Welt geben wird, bis dieser Punkt soziologisch, politisch, sozial, wirtschaftlich, psychologisch, strukturell und charakterologisch, also in jeder Hinsicht geklärt ist.“ (S. 48).

In der zweiten, durch eine Pause getrennten Interviewhälfte – Reich ist erst einmal losgeworden, was er loswerden wollte, und Eissler kann jetzt endlich zum Zuge kommen – finden sich einige Aussagen Reichs zu Freud und der Beziehung zwischen den beiden. Da findet sich zunächst eine Textpassage, die die Gemeinsamkeit mit wie den Unterschied zu Freud markiert: „Nun, um mit den grundsätzlichen Problemen Freuds fortzusetzen, das heißt mit Freud als Wegbereiter: ich sagte vorhin, dass Freud sehr erfolgreich darin war, bis zu der Grenze vorzudringen, wo sich die Sprache entwickelt, etwa am Beginn des dritten Lebensjahres, dann blieb er stecken. Die Charakteranalyse führte von dort aus weiter, sie ging bis zur körperlichen Ausdrucksform, die wortlos ist, ohne Worte. Sie schritt noch weiter vor bis zu einem Stadium, in dem das Neugeborene im Mutterleib heranwächst.“ (S. 48)

Und später berichtet er vom letzten Treffen mit Freud, das im September 1930 in Freuds Feriendomizil, der Villa Rebenburg in Archkogl am Ufer des Grundlsees stattfand.

„Dr. E.: Und worum ging es in dieser hitzigen Debatte?

Dr. R.: Er sagte – ich erinnere mich an seine Worte. In der hitzigen Debatte ging es um Folgendes: Ich sagte, dass man die natürliche Familie, die auf Liebe basiert, von der Zwangsfamilie unterscheiden muss. Ich sagte, man müsse alles in seinen Möglichkeiten Stehende tun, um Neurosen vorzubeugen. Und er, das waren seine Worte: ‚Ihr Standpunkt hat nichts mit dem mittleren Weg der Psychoanalyse zu tun [auf Deutsch].‘

Dr. E.: Mittleren Weg [auf Deutsch]?

Dr. R.: Ja, ‚mit dem Mittel … [auf Deutsch]‘ Mein Deutsch ist mir ein wenig abhandengekommen. ‚Mit dem Mittelweg der Psychoanalyse [auf Deutsch]‘ – das waren seine Worte.“ (S. 67–68)

Fortsetzung des Interviews (19. Oktober 1952) und Anhang zum Interview (19. Oktober 1952)

Man kann, ja muss die beiden Buchteile zusammenfassen. Was hier „Anhang“ genannt wird, ist einfach – nach einer eventuellen Pause – die Fortsetzung des Interviews an jenem Tag; im englischen Original lautet die Überschrift October 19, 1952 (continued) (Higgins & Raphael 1967, S. 100). An diesem zweiten Tag kann Eissler das Gespräch wesentlich stärker steuern als am ersten.

So kann er beispielsweise das Gespräch mit einigem Erfolg auch auf andere Psychoanalytiker:innen zu Reichs Wiener und Berliner Zeiten lenken. Über Ernest Jones, dessen Freud-Biographie, die damals noch nicht erschienen war, sagt er: „[E]r war ein sehr frustrierter Engländer, und er hasste meine Art zu leben. Nach dem, was [1934] in Luzern passiert ist [Ausschluss Reichs aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung], ist es wahrscheinlich, dass er bei Freud gegen mich intrigierte.“ (S. 114) Gleiches gelte für Paul Federn (was dessen Sohn Ernst bestreitet (Wolkerstorfer & Federn, 1988)). Sándor Radó habe, weil er wegen seines engen Kontaktes mit dessen (zweiter) Frau Emmy eifersüchtig gewesen sei, 1934 das Gerücht in die Welt gesetzt, Reich sei schizophren, was Otto Fenichel sogleich aufgegriffen habe. Mit anderen sah sich Reich weniger im Clinch. Über Helene Deutsch, die seine dominante Art verabscheute (dazu u. mehr), sagt er: „Freud mochte Helene Deutsch sehr. […] Sie war damals sehr hübsch, Deutsch war eine sehr hübsche Frau.“ (S. 101) Und zur Freud-Rank-Beziehung gibt er die Einschätzung ab: „Freud mochte [Otto] Rank [um 1919] sehr.“ Zu dem sich ab 1923/24 entwickelnden Streit zwischen den beiden meint er: „Ich erinnere mich, dass Freud sich in seinem Konflikt mit Rank sehr anständig verhielt, aber Rank lag falsch.“ (S. 97) Und auf das Freud-Stekel-Verhältnis angesprochen, erklärt er: „Er hielt [Wilhelm] Stekel für einen Scharlatan. Ich glaube, dass er Stekel gegenüber ungerecht war.“ (S. 96; zur Freud-Stekel-Kontroverse: Nitzschke o.J.)

Im Interview des zweiten Tages werden aber auch zentrale Sachthemen behandelt: die Mental Hygiene-Bewegung der Wiener Zwischenkriegsjahre oder das von Reich entwickelte Strukturkonzept des menschlichen Charakters: „der ‚Kern‘, die ‚mittlere Schicht‘ – der Panzer – und die ‚Peripherie‘ – die Außenseite, diese drei. Das ist ein sehr nützliches Werkzeug, um mit Patient:innen bioenergetisch zu arbeiten. Das kann man nicht auf psychoanalytischem Wege erreichen.“ (S. 112)

Die letzte Frage, die Eissler stellt, lautet: „Denken Sie, dass Freud die Libidotheorie aufgegeben hat?“ (S. 125) Reichs Antwort fällt klar und entschieden aus: „Nein, niemals! Niemals! Er konnte seinen Weg nur nicht voranschreiten. Er steckte fest. Ich glaube, dass es mein Weg war – der Weg, den ich so erfolgreich beschritten habe. Ich musste es tun.“ (S. 125)

Gegen Ende werden Personen – von Karl Abraham bis Victor Tausk – kurz vorgestellt. Helene Deutsch etwa so: „(1884–1982), austroamerikanische Psychoanalytikerin; Direktorin des Psychoanalytischen Ambulatoriums in Wien; spezialisierte sich auf die Psychologie der Frau und weibliche Sexualität“ (S. 127).

Am Schluss finden sich unter Literatur zunächst im Interview erwähnte und weitere ausgewählte Werke Reichs, die in der Reihenfolge ihres Entstehens geordnet sind: von seinem Antrittsvortrag in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1920 (Libidokonflikte und Wahngebilde in Ibsen Peer Gynt) bis Contact with the Space: The Second Oranur Report, 1957. Danach werden die sieben im Interview genannten Werke Sigmund Freuds und Karen Horneys The Neurotic Personality of Our Time, 1951 aufgeführt.

Im Interview des zweiten Tages werden aber auch zentrale Sachthemen behandelt: die Mental Hygiene-Bewegung der Wiener Zwischenkriegsjahre oder das von Reich entwickelte Strukturkonzept des menschlichen Charakters: „der ‚Kern‘, die ‚mittlere Schicht‘ – der Panzer – und die ‚Peripherie‘ – die Außenseite, diese drei. Das ist ein sehr nützliches Werkzeug, um mit Patient:innen bioenergetisch zu arbeiten. Das kann man nicht auf psychoanalytischem Wege erreichen.“ (S. 112)

Die letzte Frage, die Eissler stellt, lautet: „Denken Sie, dass Freud die Libidotheorie aufgegeben hat?“ (S. 125) Reichs Antwort fällt klar und entschieden aus: „Nein, niemals! Niemals! Er konnte seinen Weg nur nicht voranschreiten. Er steckte fest. Ich glaube, dass es mein Weg war – der Weg, den ich so erfolgreich beschritten habe. Ich musste es tun.“ (S. 125)

Gegen Ende werden Personen – von Karl Abraham bis Victor Tausk – kurz vorgestellt. Helene Deutsch etwa so: „(1884–1982), austroamerikanische Psychoanalytikerin; Direktorin des Psychoanalytischen Ambulatoriums in Wien; spezialisierte sich auf die Psychologie der Frau und weibliche Sexualität“ (S. 127).

Am Schluss finden sich unter Literatur zunächst im Interview erwähnte und weitere ausgewählte Werke Reichs, die in der Reihenfolge ihres Entstehens geordnet sind: von seinem Antrittsvortrag in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1920 (Libidokonflikte und Wahngebilde in Ibsen Peer Gynt) bis Contact with the Space: The Second Oranur Report, 1957. Danach werden die sieben im Interview genannten Werke Sigmund Freuds und The Neurotic Personality of Our Time, 1951, von Karen Horney aufgeführt.

Diskussion

Das Vorwort weist seinen Verfasser, den Diplom-Psychologen und Körperpsychotherapeuten Harms, als Kenner des Reichschen Wirkens einschließlich des Spätwerkes aus. Wer Reich nicht oder weniger kennt bzw. nicht mehr so recht vor Augen hat, findet hier einen prägnanten Überblick zu seinem Schaffen und eine große Hilfe dafür, das Interview zu verstehen.

Die mir eindrücklichste Botschaft des Interviews lautet: Der späte Reich (Norwegen, USA) ist nicht verrückt (psychotisch o.a.); weder verhält er sich so, noch behandelt ihn Eissler dergleichen. Der späte Reich ist ebenso wenig verrückt wie es der frühe (Wien, Berlin) war, auch wenn ihn manche Kolleg:innen so bezeichneten. Ich kann mit Reichs Orgon-Konzept bis heute theoretisch nichts anfangen, kann es aber gut als Versuch einer konsequenten Fortentwicklung der Freudschen Libidotheorie verstehen, wenngleich ich dieses Unternehmen für einen geistigen Irrweg halte. Die Reichsche Skizze einer orgonomischen Struktur des menschlichen Charakters kann von umsichtigen Bioenergetiker:innen therapeutisch fruchtbar gemacht werden; ich habe es am eigenen Leib erfahren.

Furchtbar, aber nicht das Produkt eines Verrückten, scheint mir die Ausweitung dieses Konzeptes auf das nicht-klinische Feld, wie das Reich gegen Ende des Interviews tut: „Dazwischen [in der mittleren Schicht] sind der Schrecken, Hass, Terror, Mord und all die Kriege, die es gibt, das ganze gegenwärtige Chaos – wissen Sie, was das meiner Meinung nach ist? Können Sie sich vorstellen, was das ist? Die Menschheit versucht an ihren Kern, an ihren lebendigen, gesunden Kern heranzukommen. Es ist gesund [!], diesen Prozess stattfinden zu lassen, und dazu muss die Menschheit durch diese Phase des Mordens, des Tötens, der Zerstörung hindurch.“ (S. 112–113)

Bei Betrachtung der Reichschen Motivation für das Interview wurde dargelegt, dass es ihm dabei thematisch um die Weiterentwicklung der Libidotheorie geht – und zwar „in Bezug auf die Entwicklung der bio-sexuellen Energie bei Kleinkindern, Müttern, schwangeren Müttern, Kindern in der ersten und zweiten Geschlechtsreife“ (S. 48). Reich hat über all die Jahre seiner beruflichen Tätigkeit in der Nachfolge Freuds zu Fragen der Prävention sexueller Pathologien im Rahmen von Mental Hygiene-Arbeit nachgedacht und publiziert. Einschlägige Aufsätze sind seit 2017 in einer Publikation des Psychosozial-Verlags (Reich 2017) leicht greifbar. Zu den späten Arbeiten gehört der Artikel The Children of the Future, 1950 im Orgon Energy Bulletin publiziert, zu den frühen „Über kindliche Masturbation“, erstveröffentlicht 1928 in der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik. Aber die theoretische Beschäftigung Reichs mit der kindlichen und jugendlichen Sexualität beginnt noch früher und aus persönlichen Gründen.

Im Jahr 1920 wird in der Zeitschrift für Sexualwissenschaft seine Arbeit „Über einen Fall von Durchbruch der Inzestschranke in der Pubertät“ veröffentlicht. Sharaf merkt dazu an: „Seine erste Veröffentlichung war eine kaschierte Selbstanalyse. Es gibt wesentliche Ähnlichkeiten zwischen dieser Analyse und seiner späteren Beschreibung des ‚triebhaften Charakters‘ [Reich 1924]. Seine Bewusstheit gegenüber den eigenen Problemen führte zu den verschiedensten Erkenntnissen über Autoritätsprobleme, die ‚emotionale Pest‘, so wie seine Wahrnehmung der eigenen emotionalen Gesundheit zur Erkenntnis über den ‚genitalen Charakter‘ und die ‚orgastische Potenz‘ beitrug.“ (Sharaf 1994, S. 26)

Bei all den Wandlungen, die Reich im Laufe seines Lebens durchgemacht hat, ist er doch der alte geblieben. Das betrifft nicht nur Sachthemen, sondern auch Verhaltensweisen. Etwa die Dominanz seines Auftretens. Ein Interview ist ja der Form nach ein Typus der komplementären Kommunikation mit einer ungleichen Machtverteilung: Wer fragt, führt. Reich macht von Anfang an klar, dass er sich diesem Muster nicht fügen will. Er dreht – am Anfang mehr, am Ende wegen der Beharrlichkeit Eisslers – den Spieß immer wieder um. So enden beispielsweise seine drei ersten Statements nicht mit einem Punkt oder Ausrufe-, sondern mit einem Fragezeichen: „Was können Sie in diesem Foto erkennen?“ (S. 33) „Ist das ganz klar, was ich hier sage?“ (S. 34) „Können Sie mir folgen?“ (S. 34)

An dieser – wohl vom Vater übernommene und in der vor-analytischen Zeit gefestigte (Heekerens 2024) – Dominanz hat die Kollegenschaft schon früh Anstoß genommen. „Nach einiger Zeit entwertete er selbst die Qualität seiner Arbeit [im Ambulatorium], indem er versuchte, bestimmte Ideen, die zwar an und für sich richtig, aber auf der Hand liegend und nicht besonders originell waren, zum zentralen Konzept der Psychoanalyse zu erheben. Die aggressive Art, mit der er diese Ideen vertrat, war typisch für ihn.“ (Deutsch 1978, S. 141) Und der Adler-Schüler Manès Sperber, Mitstreiter in dem von Reich gegründeten Deutschen Reichsverband für proletarische Sexualpolitik, schreibt in seinen Erinnerungen an das Berlin Anfang der 1930er: „Er [Reich] war von der Gewißheit durchdrungen, dass seine Auffassungen so überzeugend, so unanfechtbar richtig wären, dass sich ihnen niemand verschließen könnte, verschließen dürfte. Es kam nicht selten vor, dass er in der Lebhaftigkeit der Diskussion, wurde sie stehend geführt, den Partner tatsächlich immer mehr an die nächstliegende Wand drückte, ohne es zu merken.“ (Sperber 1982, S. 155) Gegen Ende seines Lebens traten die hässlichen Seiten von Reichs Dominanz immer mehr in den Vordergrund: „In seiner eifersüchtigen Wut, seiner Gewalt, seinem Tyrannisieren, seinen Forderungen nach Bekenntnissen stand Reich unter dem Fluch seines verinnerlichten Vaters.“ (Sharaf 1994, S. 486)

Seines leiblichen Vaters muss man präzisierend sagen, denn Reich hat noch einen seelischen. Cremerius, der unter den deutschen Psychoanalytiker:innen von Rang und Namen Reich als erster würdigte, hat einmal gesagt: „Erwartete Freud in Reich eine Stütze für die psychoanalytische Bewegung zu finden, so suchte Reich in Freud eine Vaterfigur, den Vater, den er nie gehabt hatte. Gleich beim ersten Besuch bei Freud 1919 war er überzeugt, in Freud diesen Vater gefunden zu haben. […] Es entstand eine positive Vaterübertragung, die bis ans Ende seines Lebens währte und durch die späteren Enttäuschungen durch Freud nie aufgehoben wurde.“ (Cremerius 1997, S. 134)

Wie recht er damit hat, bestätigen Reichs Aussagen zu Freud und ihrer Beziehung zueinander. Wann immer die offensichtlichen sachlichen Unterschiede zwischen ihm und seinem Lehrer – meist handelt es sich um solche im Punkt „Libidotheorie“ – zur Sprache kommen, findet Reich entschuldigende Gründe: Freuds Alter, Krankheit, sexuell unglückliche Ehe oder unverständige bzw. missgünstige Freud-Schüler:innen.

Das Schärfste, was Reich über die Lippen kommt: „Ich habe sogar viele Gründe auf ihn böse zu sein. Er hat sich 1933 und 1934, als ich in Schwierigkeiten war, in sehr großen Schwierigkeiten war, nicht sehr gut verhalten. Während ich seine Arbeit verteidigte, wollte er mich nicht unterstützen.“ (S. 121–122) Das ist die ganze Kritik: „nicht unterstützen“. Fakt ist: Die Streichung seines Namens aus der Mitgliederliste der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft unter der Präsidentschaft von Max Eitingon im Frühjahr 1933 erfolgte aufgrund einer als Bitte vorgetragenen Direktive aus dem Hause Freud und ebenso sein auf dem Luzerner Kongress vom August 1934 beschlossener Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung unter der Präsidentschaft Ernest Jones’, der politisch stockkonservativ war und aus persönlichen Gründen missgünstig gegenüber Reich (Cremerius 1997). Der scheint all dies zum Interviewzeitpunkt nicht gewusst zu haben, wie seine folgende Bemerkung dokumentiert: „Nach dem, was in Luzern passiert ist, ist es wahrscheinlich, dass er [Jones] bei Freud gegen mich intrigierte.“ (S. 114)

Zum Personen-Register möchte ich abschließend anmerken: Wenn man ein solches noch für notwendig hält in Zeiten, da Interessierte bei der Textlektüre nicht mehr nach hinten blättern müssen, sondern sich relevante Informationen mit der linken Hand aufs Handy zaubern können, dann sollte man nicht einfach Wikipedia-Texte komprimieren, sondern deren eventuellen Schwächen beheben, keinesfalls aber Fehler hinzufügen. Nehmen wir beispielhaft die oben referierten Angaben zu Deutsch. Was, bitte schön, soll einem zu der vielgebrauchten Floskel „austroamerikanisch“ einfallen? Die Vorstellung, die sich am ehesten aufdrängt, ist die einer deutschsprachigen Österreicherin, wenn nicht gleich Wienerin, die in die USA auswanderte. Ja, Deutsch, geb. Rosenbach, sprach auch Deutsch – neben Jiddisch und Polnisch seit Kindertagen sowie später Englisch. Aber sie war doch keine „Österreicherin“.

In ihrer Autobiographie Selbstkonfrontation, die sie in ihren Achtzigern verfasste, erklärt sie: „Mein ganzes Leben lang sollte Przemysl für mich das wahre Symbol meiner wahren Identität bleiben.“ (Deutsch 1978, S. 158) Sie fühlte sich, wofür ihre Autobiographie viele Hinweise gibt, zeitlebens als jüdische Polin (Heekerens 2024). Przemysl, Helenes Geburtsort, liegt heute wieder auf polnischem Staatsgebiet, bis 1918 war es am östlichen Rand Westgaliziens unter Wiener Regime, aber polnisch in Kultur und nationaler Gesinnung. Dass Deutsch nach der Externen-Matura vor Ort nicht an eine der beiden polnischsprachigen Universitäten in der Nähe, nach Krakau (Westgalizien) oder Lemberg (Ostgalizien), ging, sondern ins weit entfernte Wien, lag nicht an Sigmund Freud oder sonst jemandem in der Reichshauptstadt, sondern an ihrem Geliebten seit früher Jugend: dem bald fünfzehn Jahre älteren verheirateten Herman Liebermann.

Der war seit ca. 1900 in Przemysl als Rechtsanwalt tätig und zeitlebens ein politisch aktiver Mensch; als er im Oktober 1941 in London starb, war er Justizminister der dort ansässigen polnischen Exilregierung (Heekerens 2024). Begonnen hatte er seine politische Laufbahn in Przemysl als wichtigster Führer der politischen Linken; als solchen lernt die 16-jährige Helene ihn kennen und bald als Mann lieben. Im Jahr 1907 wurde er als Abgeordneter für den Wahlbezirk Przemysl in den Reichsrat gewählt, weshalb er mehr in Wien als zuhause war. Dieses Ereignis fällt zeitlich zusammen damit, dass Helene nunmehr studieren konnte. So wird die Wahl des Studienorts verständlich. So weit zu „austroamerikanisch“.

Des Weiteren liest man zu Deutsch: „Direktorin des Psychoanalytischen Ambulatoriums in Wien“ (S. 127). Das ist schlichtweg falsch, wie man nicht zuletzt auf S. 41 des vorliegenden Buches nachlesen kann. Das Wiener Psychoanalytische Ambulatorium der Zwischenkriegszeit hatte von seiner Eröffnung 1922 bis seiner Liquidation 1938 als Direktor Eduard Hitschmann, und Reich war dort anfangs Mitarbeiter und später stellvertretender Direktor. Deutsch hatte im Wien der Zwischenkriegszeit die Leitung einer anderen psychoanalytischen Institution inne: des Ausbildungsinstituts. Als das im Januar 1925 gegründet wurde, konnte es sich nicht nur das Berliner, das Deutsch im Jahr zuvor gründlich in Augenschein genommen hatte, als Vorbild nehmen, sondern auch zurückgreifen auf Erfahrungen des Ausbildungskomitees der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, deren Vorsitzende Deutsch mehrere Jahre gewesen war.

Fazit

Man muss dem Herausgeber(kreis), den Übersetzerinnen und dem Verlag danken dafür, dass sie der interessierten Öffentlichkeit erstmals den autorisierten und zitierfähigen deutschsprachigen Text eines vor über 70 Jahren mit Reich geführten Interviews übergeben haben. Zusammen mit dem wohl informierten Vorwort kann das Buch dienen als Zugang zu Reichs Leben und Werk, was vor allem eine Option ist für Menschen, die von Büchern mit thematischen Abhandlungen eher abgeschreckt werden. Alle jene, die von Reich – in welchem Umfang auch immer – schon etwas wissen, können Neues entdecken, unabhängig davon, wie ihr Zugang – über Die Funktion des Orgasmus, Massenpsychologie des Faschismus oder Das Oranur-Experiment etwa - erfolgte.

Quellenverzeichnis

Cremerius, Johannes 1997. Der „Fall“ Reich: Ein Exempel für Freuds Umgang mit abweichenden Standpunkten eines besonderen Schülertyps. In: Karl Fallend & Bernd Nitzschke (Hrsg.). Der „Fall“ Wilhelm Reich. Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 131–166.

Deutsch, Helene, 1978. Selbstkonfrontation. München: Kindler Taschenbuch Verlag.

Eissler, Kurt R., 1953. The effect of the structure of the ego on psychoanalytic technique [online; Zugriff am 28.05.2026]. In: Journal of the American Psychoanalytic Association, 1(1), S. 104–143. Verfügbar unter: https://www.psychomedia.it/pm/modther/​probpsiter/​eiss53-2.htm.

Heekerens, Hans-Peter, 2024. So fern-so nah. Eine Lesereise nach Galizien. Berlin u.a.: LIT Verlag.

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Rezension von
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
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Es gibt 188 Rezensionen von Hans-Peter Heekerens.

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ISSN 2190-9245