Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Rolf Rosenbrock: Selbstgestaltung und Soziale Arbeit

Rezensiert von PD Dr. Nicolai Savaskan, 04.06.2026

Cover Rolf Rosenbrock: Selbstgestaltung und Soziale Arbeit ISBN 978-3-96488-260-8

Rolf Rosenbrock:Selbstgestaltung und Soziale Arbeit. Erkenntnisse und Positionen zur Wohlfahrtspflege: gegen Armut und Opferschelte. VSA-Verlag (Hamburg) 2026. 150 Seiten. ISBN 978-3-96488-260-8. D: 14,80 EUR, A: 15,30 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Mit dem Buch ‚Selbstgestaltung und Soziale Arbeit‘ legt Rolf Rosenbrock eine Sammlung von Reden und Aufsätzen vor, die zentrale Entwicklungen der Sozial-, Gesundheits‑ und Wohlfahrtspolitik der vergangenen Jahrzehnte reflektieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Soziale Arbeit Menschen dabei unterstützen kann, ihr Leben unter gegebenen sozialen Bedingungen selbstbestimmt zu gestalten. Rosenbrock erklärt die Bedeutung der freien Wohlfahrtspflege für eine liberale Demokratie und ordnet sie als eigenständigen gesellschaftlichen Handlungsspielraum zwischen Staat und Markt ein.

Autor:in oder Herausgeber:in

Rolf Rosenbrock zählt zu den prägenden Sozial‑ und Gesundheitswissenschaftlern Deutschlands. Seine wissenschaftlichen und sozialpolitischen Arbeiten zu Prävention, Gesundheitsförderung, sozialer Ungleichheit und Zivilgesellschaft haben die fachlichen Debatten seit den 1970er-Jahren wesentlich beeinflusst. Als langjähriger Akteur und Funktionär in Wissenschaft, Politikberatung und Wohlfahrtsverbänden verbindet er den wissenschaftlichen Forschungsstand mit praktischer Erfahrung.

Entstehungshintergrund

Man kann Rolf Rosenbrocks Veröffentlichung als autobiographischen Abriss und Bilanz seines Wirkens in Prävention, Gesundheitsförderung und Gesellschaft interpretieren und dabei die Wohlfahrtspflege in Deutschland von innen kennenlernen.

Aufbau

Der Band versammelt Beiträge aus mehreren Jahrzehnten sozialpolitischer Diskussionen. Die Texte behandeln insbesondere die drei Themenkomplexe Gesundheit, Handlungsfelder und Kooperationen von Wohlfahrtspflege.

Inhalt

Rosenbrock beginnt mit dem Entwickeln des Verständnisses von Gesundheit als sozial bedingtem Gut. Gesundheit wird nicht primär als Ergebnis medizinischer Versorgung, sondern als Folge gesellschaftlicher Lebensbedingungen verstanden. Bildung, Einkommen, Arbeits‑ und Wohnverhältnisse bilden zentrale Determinanten gesundheitlicher Chancen.

Dann führt Rosenbrock den Begriff der „Selbstgestaltung“ genauer ein. Im Zentrum seiner Beschreibung sieht Rosenbrock den Wandel von einer paternalistisch geprägten Fürsorge hin zu einer ressourcen‑ und teilhabeorientierten Sozialen Arbeit. Menschen sollen nicht lediglich Empfänger sozialer Leistungen sein, sondern als aktive Gestalter ihrer Lebensführung unterstützt werden. Hieran hebt der Autor die Bedeutung der Zivilgesellschaft und der freien Wohlfahrtspflege hervor. Soziale Innovationen entstehen nach seiner Auffassung häufig außerhalb staatlicher Strukturen. Die freien Träger fungieren dabei als Vermittler zwischen individuellen Problemlagen, gesellschaftlicher Solidarität und politischen Institutionen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kritischen Analyse der Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen. Rosenbrock hinterfragt die zunehmende Orientierung an Effizienz-, Wettbewerbs‑ und Steuerungslogiken und plädiert für ein Verständnis Sozialer Arbeit, das sich an Teilhabe, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit orientiert.

Diskussion

Die Stärke des Buches liegt weniger in einer systematischen Theorieentwicklung als in der Verbindung von wissenschaftlicher Reflexion und langjähriger sozialpolitischer Erfahrung. Die Beiträge dokumentieren zugleich wichtige fachpolitische Debatten der vergangenen Jahrzehnte und machen deutlich, wie eng Gesundheits-, Sozial‑ und Gesellschaftspolitik miteinander verknüpft sind.

Der Sammelband weist die für Textsammlungen typische Heterogenität auf. Wiederholungen einzelner Argumentationslinien lassen sich daher nicht vermeiden. Gleichwohl entsteht ein konsistentes Gesamtbild, das Rosenbrocks normatives Grundanliegen erkennen lässt: die Stärkung von Selbstbestimmung, Teilhabe und zivilgesellschaftlichem Engagement als Voraussetzungen sozialer Integration.

Besonders aktuell erscheinen seine Überlegungen zur Rolle der Wohlfahrtspflege und zu den Folgen einer zunehmenden Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen. Die Beiträge bieten damit Anknüpfungspunkte für gegenwärtige Diskussionen über die Zukunft des Sozialstaats und der Sozialen Arbeit.

Fazit

‚Selbstgestaltung und Soziale Arbeit‘ ist kein Lehrbuch, sondern eine programmatische Bestandsaufnahme aus der Perspektive eines der einflussreichsten Sozial‑ und Gesundheitswissenschaftler Deutschlands. Der Band verbindet sozialpolitische Analyse mit normativer Orientierung und verdeutlicht die Bedeutung von Selbstgestaltung, Prävention und Zivilgesellschaft für eine moderne Soziale Arbeit. Für Fachkräfte der Jugendhilfe und Öffentlichen Gesundheit, Wissenschaftler:innen sowie sozialpolitisch Interessierte und bietet das Buch zahlreiche Impulse zur Reflexion aktueller Herausforderungen des Sozialstaats.

Rezension von
PD Dr. Nicolai Savaskan
Amtsarzt, Gesundheitsamt Berlin-Neukölln
Website
Mailformular

Es gibt 1 Rezension von Nicolai Savaskan.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245