Ferdinand von Schirach: Alexander
Rezensiert von Dr. phil. Rita Zellerhoff, 22.06.2026
Ferdinand von Schirach:Alexander. Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH (München) 2026. 149 Seiten. ISBN 978-3-328-30481-4. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 24,85 sFr.
Autor
Der vielfache Bestsellerautor Ferdinand von Schirach legt zum ersten Mal ein Kinderbuch vor, das sich mit den existenziellen Menschheitsproblemen auseinandersetzt. Wie können Menschen in Frieden zusammenleben?
Entstehungshintergrund
Als Enkel von Baldur von Schirach hat sich der Autor mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten auseinandergesetzt. Sein Großvater war Reichsjugendführer und für die Deportation der Wiener Juden verantwortlich. Beim Tod des Großvaters war der Autor zwei Jahre alt. Die existenzielle Frage eines friedlichen Zusammenlebens ist für ihn fundamental. Die Titelfigur Alexander löst sie auf seiner Reise mithilfe ungewöhnlicher Begegnungen.
Aufbau
Das Buch umfasst vierzehn Kapitel und einen Epilog. Die aussagekräftigen Zeichnungen stammen von Ferdinand von Schirach selbst.
Inhalt
Das Buch handelt von Alexander, einem kleinen Jungen, der wohlbehütet in einer wunderschönen Hafenstadt lebt, die sich aber mit einer Nachbarstadt verfeindet, sodass es schließlich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommt, bei der Alexanders Vater stirbt. Damit geht Alexander eine Gewissheit spendende Imagination verloren: ein Elefant, den sein Vater über seinem Bett gemalt hat.
Als es den Bewohnern schließlich gelingt, die Invasoren zu vertreiben, beschließen sie, Gesetze zu suchen, die verhindern, dass neue Tyrannen die Macht übernehmen. Dazu treffen sie die Abstimmung, dass ein Kind auf die Suche nach gerechten Gesetzen geschickt werden soll, das in der Lage ist, das Rätsel der Sphinx zu lösen, was Alexander gelingt. Der Leuchtturmwärter bescheinigt ihm, dass er mutig, tapfer und sanft sei. Auf seine Bedenken spricht der Leuchtturmwärter ihm Mut zu: „Es ist nicht immer leicht, das Richtige zu tun. Oft wirst du damit scheitern. Aber das ist nicht schlimm. Schlimm ist nur, das Richtige erst gar nicht zu versuchen.“
Diskussion
Durch die Konfrontation des Jungen mit einem Winzer, einem Orakel, einem Modeschöpfer, einem Philosophen, verrückten Zwillingen und einem seltsamen Pferd erfährt er jeweils die wesentlichen Prinzipien des menschlichen Miteinanders von der Freiheit des Menschen, der Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht auf Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Damit lernt er die Grundzüge der Demokratie kennen und kann damit seine Heimat vor einem neuen Krieg in letzter Sekunde retten. Die Hauptfigur Alexander ist ein ungewöhnlich sensibles Kind, das sich nicht nur für seine Mitmenschen einsetzt, sondern auch die Fische verschont. Im Epilog sieht man ihn neben seiner Enkelin auf der Kaimauer sitzen. Beide halten eine Angel in der Hand, vermutlich ohne Köder
Fazit
Das erste Kinderbuch des Autors besteht aus einer Reihe von kurzen Episoden, mit denen er Prinzipien der Demokratie anschaulich erklärt.
Rezension von
Dr. phil. Rita Zellerhoff
Lehrerin für Sonderpädagogik mit den Förderschwerpunkten: Sprache, Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung
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Es gibt 13 Rezensionen von Rita Zellerhoff.




