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Peter Buttner (Hrsg.): Soziale Berufe

Rezensiert von Stefanie Gellert-Beckmann, 22.09.2026

Cover Peter Buttner (Hrsg.): Soziale Berufe ISBN 978-3-7841-3846-6

Peter Buttner (Hrsg.): Soziale Berufe zwischen Überforderung und Professionalisierung. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2026. 96 Seiten. ISBN 978-3-7841-3846-6. 18,20 EUR.
Archiv Nr. 1/2026 .

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Thema

Mit dem Terminus „Soziale Berufe“ ist eine breite Palette von Berufen, die sich insbesondere den Bereichen Erziehung, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege und Pflege zuordnen lassen, mit einer Vielzahl unterschiedlicher personennaher Dienstleistungen verbunden. Sie gelten als systemrelevant und werden zu einem hohen Anteil von Frauen ausgeübt. Die Fachkräfte und ihre Anstellungsträger sind mit strukturellen Belastungen und Herausforderungen konfrontiert, zu denen Personalmangel und Arbeitsverdichtung, erhöhte fachliche und bürokratische Anforderungen, komplexe Bedarfs‑ und Problemlagen der adressierten Personenkreise sowie eine häufig nicht auskömmliche finanzielle Ausstattung gezählt werden. Die Ausgabe „Soziale Berufe zwischen Überforderung und Professionalisierung“ der Fachzeitschrift ARCHIV für Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit leuchtet Entwicklungen der sozialen Berufe und Problemlagen der im Sozial‑ und Pflegebereich Berufstätigen und Organisationen der Sozialwirtschaft aus, bietet Analysen und Handlungsempfehlungen zu ausgewählten Themen und stellt konkrete Lösungsansätze vor.

Herausgeber

Prof. Dr. Peter Buttner ist Professor für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München. Beim Dt. Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. ist er Herausgeber der Fachzeitschrift ARCHIV für Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit, die vierteljährlich mit thematisch geschlossenen Ausgaben erscheint.

Aufbau und Inhalt

Der Band umfasst elf Einzelbeiträge. Fünf Abhandlungen beschäftigen sich mit feldübergreifend relevanten Inhalten; sie werden durch fünf Texte mit Lösungsansätzen sowie einen arbeitsfeldspezifischen Artikel ergänzt.

  1. Soziale Berufe: Entwicklungen und Herausforderungen (Ivo Zürcher, Anna Traub)
  2. Wer studiert Soziale Arbeit und warum? (Julia Breuer-Nyhsen, Verena Klomann)
  3. Zwischen Überforderung und Anerkennung: Wie strukturelle Belastungen verletzendes Verhalten in der Sozialen Arbeit begünstigen (Nikolaus Meyer, Elke Alsago)
  4. Heilerziehungspflege zwischen Inklusionsideal, Systemlogik und professioneller Verantwortung (Berufsverband Heilerziehungspflege e.V.)
  5. Gestärkte Fachkräfte durch Förderung individueller und organisationaler Resilienz (Irene Poczka)
  6. Strategisches Ausfallzeitmanagement als Personalgewinnungs‑ und ‑bindungsstrategie (Helena Armbrecht)
  7. Quereinstiege in die Kindertagesbetreuung – Aufwertungsstrategie oder Deprofessionalisierung? (Nina Weimann-Sandig)
  8. Wer betreut die Kinder der Erzieher:innen? Vereinbarkeit in den sozialen Berufen (Antje Asmus, Dörthe Gatermann)
  9. Im Ausland qualifizierte pädagogische Fachkräfte: eine Chance für Kita und Ganztag (Mohini Lokhande)
  10. Migrationserfahrene Fachkräfte gewinnen: der Brückenkurs „ApaLe“ (Meike Günther, Tanja Ehmann, Maik Eimertenbrink)
  11. Sozigang: die Bewegung für digitale Sichtbarkeit Sozialer Arbeit (Markus Herzog, Anna Saamen)

Ivo Zürcher, Professor im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg, und Anna Traub, wissenschaftliche Referentin im Deutschen Verein, diskutieren in ihrem Beitrag die Definition sozialer Berufe und der angrenzenden Pflegeberufe und skizzieren die Historie der Ausbildungen und Tätigkeitsfelder. Sie stellen die dynamische Arbeitsmarktentwicklung der sozialen Berufe vor und arbeiten strukturelle Herausforderungen und Belastungsfaktoren für die Fachkräfte im Spannungsfeld zwischen hohen gesellschaftlichen Bedarfen an sozialen Dienstleistungen und dem Fachkräftemangel heraus. Angeführt werden u.a. spezifische Begleiterscheinungen des sehr hohen Frauenanteils der Beschäftigten („Care-Gap“), Vergütungsfragen, die mit Vor‑ und Nachteilen verbundenen Strategien zur Kompensation des Personalmangels, wie Quereinstiege und Fachkräfteanwerbung aus dem Ausland, und gesetzlich vorgegebene Qualitätsanforderungen, z.B. im SGB VIII oder durch das Bundesteilhabegesetz, die im Kontext nicht auskömmlicher Ressourcen und neuer Belastungen durch individuell zu managende Zielkonflikte gesehen werden.

Auf Grundlage empirischer Erkenntnisse analysieren Julia Breuer-Nyhsen (Lehrkraft und Projektreferentin an der kath. Hochschule NRW) und Verena Klomann (Professorin am Fachbereich Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt) unter der Fragestellung „Wer studiert Soziale Arbeit und warum?“ Studienangebot und ‑verläufe in der Sozialen Arbeit sowie die Studierendenschaft im Hinblick auf biographische Orientierungen, Studienmotivation, Zugangswege zu den Hochschulen und Erwartungshorizonte mit Schlussfolgerungen für die Gestaltung von Studiengängen, Lernorten und ‑arrangements, die zur professionalitätsermöglichenden und ‑steigernden Qualifizierung beitragen sollen.

Im dritten Beitrag untersuchen Nikolaus Meyer (Professor für Profession und Professionalisierung Sozialer Arbeit an der Hochschule Fulda) und Elke Alsago (Bundesfachgruppenleitung Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit bei ver.di) arbeitsfeldübergreifend, wie verletzendes Verhalten als Strukturproblem in der Sozialen Arbeit entsteht und welche spezifischen Risikofaktoren und Ausdrucksformen von Gewalt und Verletzung in den Feldern Kindertagesstätten, stationäre Kinder‑ und Jugendhilfe, offene Kinder‑ und Jugendarbeit, Schule, Behindertenhilfe und Wohnungslosenhilfe vorherrschen.

Der Berufsverband Heilerziehungspflege e.V. widmet sich den problematischen Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) auf den Beruf der Heilerziehungspflege. Die Autor:innen beschreiben ein ausgeprägtes und Belastungen produzierendes Spannungsverhältnis zwischen dem hohen normativen Anspruch der Eingliederungshilfereform und den faktisch nicht vorhandenen Umsetzungsmöglichkeiten, das weitere negative Entwicklungen nach sich zieht. Sie erläutern die mit den neuen Anforderungen und einer zunehmenden Kompetenzorientierung verbundenen Veränderungen des Berufsprofils in Richtung Professionalisierung bei gleichzeitiger Abkehr von der originär zentralen Beziehungsorientierung und formulieren Forderungen zur Überwindung der Strukturdefizite bei der Umsetzung des BTHG, damit dessen überzeugende Ziele nicht konterkariert werden.

Unter Bezugnahme auf das Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft Kinder‑ und Jugendhilfe AGJ „Fachkräfte am Limit?! Arbeitsbelastungen in der Kinder‑ und Jugendhilfe und gesundheitsförderliche Strategien“ thematisiert Irene Poczka, wissenschaftliche Referentin der AGJ, die Förderung individueller und organisationaler Resilienz, die der individuellen Stärkung und Unterstützung von Fachkräften dienen soll. Es werden personale Schutzfaktoren und organisationale Bedingungen zur Herstellung von Resilienz fördernden Arbeitsbedingungen vorgestellt.

Helena Armbrecht (Referentin beim Diakonischen Werk Bayern) stellt drei Konzepte des strategischen Ausfallzeitmanagements durch den Einsatz von Springerkräften vor, die im Rahmen eines Modellprojektes der Diakonie Bayern erprobt wurden und in den Kontext verbesserter Arbeitsbedingungen und gesteigerter Arbeitgeberattraktivität gestellt werden. Konkret handelt es sich um die Modelle Springerkraft, Springerpool und Springer‑ bzw. Entlastungsdienst, die zur Orientierung für andere Organisationen zur Verfügung gestellt werden.

Von Nina Weimann-Sandig, Professorin für Soziologie und Empirische Sozialforschung an der Ev. Hochschule Dresden, werden Quereinstiege in die Kindertagesbetreuung mit ihren Auswirkungen auf Professionalisierung und Qualität beleuchtet. Sie beschreibt Quereinstiegspfade in Bezug auf fachliche Standards und Risikolagen und diskutiert die Anforderungen an gezielte und gesteuerte Multiprofessionalität als Organisationsstrategie.

Von Antje Asmus (Leiterin Arbeitsfeld Kindheit, Jugend, Familie, Soziale Berufe im Deutschen Verein) und Dörthe Gatermann (wissenschaftliche Referentin im Arbeitsfeld Kindheit, Jugend, Familie, Soziale Berufe im Deutschen Verein) wird das Spannungsverhältnis zwischen der politisch angestrebten Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel in den sozialen Berufen und deren nicht ausreichender Verfügbarkeit aufgegriffen. Unter der Fragestellung „Wer pflegt die Angehörigen der Pflegekräfte und wer betreut die Kinder der Erzieher:innen?“ diskutieren die Autorinnen drei Lösungsansätze:

  1. die Arbeitsteilung im Kontext eines Wandels von Männlichkeitsnormen,
  2. eine familiengerechte Arbeitswelt und
  3. sorgegerechte Infrastrukturen, Zeitpolitik und familienpolitische Geldleistungen.

Der Beitrag von Mohini Lokhande, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Sachverständigenrat für Integration und Migration gGmbH, befasst sich mit im Ausland qualifizierten pädagogischen Fachkräften für den Bereich Kita und Ganztag als eine Chance zur Kompensation des Fachkräftemangels. Sie beschreibt deren quantitatives Potenzial und das komplexe, hürdenreiche Anerkennungssystem und diskutiert Handlungsansätze für einen gelingenden Berufseinstieg.

Mit dem von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin angebotenen internationalen Anpassungslehrgang für soziale Professionen „ApaLe“ wird von Meike Günther (Professorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Projektleitung ApaLe), Tanja Ehmann (wissenschaftliche Mitarbeiterin Projekt ApaLe) und Maik Eimertenbrink (Projektverwaltung/Öffentlichkeitsarbeit Projekt ApaLe) ein konkretes Kursangebot mit Zielen und Konzeption vorgestellt, das das Anerkennungsverfahren ausländischer Studienabschlüsse erleichtern soll.

Die beiden Gründungsmitglieder der digitalen Community „Sozigang“, Markus Herzog und Anna Saamen, haben sich der Sichtbarmachung Sozialer Arbeit auf Social Media verschrieben und erreichen mehr 60000 Follower:innen. Sie beschreiben ihr Projekt mit seinen Zielen und Aktivitäten, die sie im Zeichen von Haltung, reflektierter Positionierung, Austausch und Vernetzung verorten.

Diskussion

Im Folgenden wird eine Auswahl der Beiträge kritisch in Bezug auf ihre praktische Relevanz für die Praxis diskutiert.

Der erste Text von Ivo Zürcher und Anna Traub bildet mit der definitorischen, historischen und arbeitsmarktbezogenen Einordnung der sozialen Berufe und der Skizzierung verschiedener Herausforderungen eine gute Hinführung zu anderen Beiträgen des Bandes, die sich diesen Problemen vertieft widmen.

Zu kritischer Auseinandersetzung lädt die Aussage zur Verdiensthöhe der sozialen Berufe ein. Die Gehälter werden trotz hoher Tarifanpassungen im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen als weiterhin niedrig dargestellt und sogar in einen Prekariatskontext gestellt. Diese pauschale und undifferenzierte Feststellung ist de facto nicht mehr richtig und wird auch durch die enormen Kostensteigerungen in der Eingliederungshilfe und stationären Altenpflege sichtbar. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (https://statistik.arbeitsagentur.de; abgerufen am 05.09.2026) nähern sich die Verdienste im sozialen Bereich mittlerweile den Vergütungsniveaus von Technik‑ und Industrieberufen an bzw. sind mit diesen z.T. vergleichbar. In Baden-Württemberg ist das Median-Bruttomonatsentgelt in der Berufsgruppe Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege im Zeitraum von 2015 bis 2025 um 44 % auf 4414 € und in den Pflegeberufen um 47 % auf 4732 € gestiegen (www.welt.de/regionales/​baden-wuerttemberg/​article6a826c39a87e8142c31d240f/​so-viel-kann-man-mit-sozialen-berufen-mittlerweile-verdienen.html; abgerufen am 05.09.2026). Weiterhin vorzufindende Einkommensunterschiede stehen z.B. im Zusammenhang mit Arbeitgeberfaktoren wie Tarifzugehörigkeit und Abhängigkeit von Fördermitteln und Vergabeverfahren. Fraglich ist, warum sich das Narrativ der pauschal niedrigen Vergütung, das auch vom Herausgeber des Bandes im Editorial bemüht wird, im wissenschaftlichen Diskurs offenbar beharrlich hält. Es ist möglicherweise ein Indiz für fehlende Nähe zwischen Wissenschaftsbetrieb und Praxis. Im Hinblick auf die zur Behebung des Fachkräftemangels notwendige Attraktivitätssteigerung der sozialen Berufe wird diesen hiermit ein Bärendienst erwiesen.

Mit der Bestandsaufnahme zu den biographischen Orientierungen, der Studienmotivation und den Erwartungen der angehenden Sozialarbeiter:innen von Julia Breuer-Nyhsen und Verena Klomann lassen sich kausale Erkenntnisse zu deren späterer fachlicher Performance gewinnen, die nicht zwangsläufig den Qualitätserfordernissen entsprechen, die von den Leistungsträgern und den Anstellungsorganisationen erwartet wird. Den empirischen Daten zufolge ist ein zentrales Studienmotiv die ethische Grundüberzeugung und weniger das Interesse an theoriegeleitetem Erkenntnisgewinn. Letzteres läuft dem Professionalitätsanspruch zuwider, dem der Terminus Sozialarbeitswissenschaft Ausdruck verleiht. Auf Grundlage ihrer vorgestellten Befunde formulieren die Autorinnen konkrete Empfehlungen für die Hochschulen für die Gestaltung von Studiengängen und Lernräumen, um das Studienziel „reflexiver, theoretisch und methodisch fundierte sowie kontextsensible Professionalitätsentwicklung“ (S. 24) zu ermöglichen. Aus Organisationssicht können die Erkenntnisse hilfreich für das Rekrutierungsmanagement, die Fort‑ und Weiterbildungsplanung und eine passende Platzierung von Fachkräften innerhalb des Unternehmens sein.

Die arbeitsfeldübergreifende Analyse von Nikolaus Meyer und Elke Alsago zu verletzenden Verhaltensweisen im Kontext der jeweils institutionsspezifischen Arbeitsbedingungen und organisationskulturellen Gewaltrisiken als Folge defizitärer struktureller Rahmenbedingungen bringt wesentliche Hindernisse für die Wirksamkeit von Gewaltschutzkonzepten auf den Punkt. Sie sind in den ressourcenbezogenen Voraussetzungen professioneller Beziehungsgestaltung, d.h. Personalschlüsseln und Zeitbudgets für die Arbeit mit den Adressat:innen und die Zusammenarbeit im Team sowie das Leitungshandeln, zu finden. Für Entgeltverhandlungen zwischen Leistungsträgern und ‑erbringern lässt sich mit den Analyseergebnissen zeigen, dass die Sicherstellung des Gewaltschutzes als Verpflichtung der öffentlichen Hand u.a. gemäß UN-Behindertenrechtskonvention kein konzeptionelles Add-on ist, das ohne angemessene Ressourcenausstattung von den sozialen Organisationen gefordert werden kann.

Auch der Artikel von Nina Weimann-Sandig zu Quereinstiegen in die Kindertagesbetreuung als Strategie gegen den Fachkräftemangel macht auf erfolgskritische Faktoren und ressourcenabhängige Risikolagen aufmerksam und adressiert diese als zu berücksichtigende Bedingungen an Politik, Leistungsträger und soziale Organisationen. Der Beitrag ist auf andere Arbeitsfelder, wie z.B. die Eingliederungshilfe, übertragbar.

Der Band enthält Beiträge mit konkreten und adaptierbaren Lösungsansätzen zum Umgang mit dem Fachkräftemangel, wie der Brückenkurs für ausländische Fachkräfte und das strategische Ausfallzeitmanagement, wobei Letzteres ohne Klärung der Finanzierung der Zusatzressourcen für die Organisationen leider keine umsetzbare Option darstellt.

Handlungsleitende Impulse für die Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe lassen sich den idealtypischen Ausführungen zur Förderung individueller und organisationaler Resilienz von Irene Poczka weniger entnehmen. Diese berühren einerseits eher den psychotherapeutischen Bereich und nicht die betriebliche Personalentwicklung und sind andererseits der Managementliteratur entnommen, ohne die limitierten ökonomischen Möglichkeiten der Sozialwirtschaft mitzudenken. Sie gehen in ihrer Betrachtung der personalen Ebene und der organisationalen Flughöhe an der Betriebsrealität vorbei.

Die Überlegungen zur Vereinbarkeit von Berufs‑ und Sorgearbeit von Antje Asmus und Dörthe Gatermann basieren auf soziologischen, organisationswissenschaftlichen und familienpolitischen Betrachtungen und Forderungen, deren Umsetzbarkeit z.T. wünschenswert, aber nicht realistisch erscheint. Da der angesprochene Wandel von Männlichkeitsnormen mit Auswirkungen auf die paritätisch zwischen den Geschlechtern verteilte familiäre Sorge‑ und Hausarbeit in einem überschaubaren Zeitraum nicht zu erwarten ist, die Vorstellungen von einer familiengerechten Arbeitswelt konträr zu den Bedarfen der Adressat:innen verlaufen können und an den organisationalen Realitäten der Unternehmen scheitern, bleiben die Ausführungen der Autorinnen vorerst rein akademischer Natur. Leider weisen auch die bei der Regierungspressekonferenz vom 07.07.2026 verkündeten familienpolitischen Entscheidungen zu den Sparvorgaben beim Elterngeld nicht in die gewünschte Richtung.

Einen erfrischenden Abschluss bildet die Vorstellung der von engagierten Sozialarbeitenden gegründeten digitalen Community Sozigang.

Fazit

Das Spektrum der Beiträge umfasst eine gelungene und facettenreiche Auswahl zu den mehrdimensionalen Herausforderungen der sozialen Berufe, konkrete Lösungsansätze und Transferimpulse für die Praxis und wird vom Titel passend gerahmt. Auf empirischer Grundlage zeigen einige Analysen zentrale ressourcenbasierte Missstände und fachliche Anforderungen auf, die sich für den Diskurs mit Politik und Verwaltung und im Rahmen der Verhandlungen zwischen Leistungsträgern und ‑erbringern über die in Entgelte zu übersetzenden Ressourcenerfordernisse nutzen lassen.

Rezension von
Stefanie Gellert-Beckmann
Dipl.-Pädagogin und Dipl.-Sozialarbeiterin, Geschäftsführerin Suchthilfe Wuppertal gGmbH, Dozentin und Autorin von Fachbeiträgen zum BTHG
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Es gibt 2 Rezensionen von Stefanie Gellert-Beckmann.

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ISSN 2190-9245