Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Matthias Meyer: Strategisches Management in Nonprofit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen

Rezensiert von Marten Jansen, 17.08.2026

Cover Matthias Meyer: Strategisches Management in Nonprofit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen ISBN 978-3-658-47835-3

Matthias Meyer: Strategisches Management in Nonprofit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen. Effiziente Instrumente für zweckbasierte Organisationen. Springer Gabler (Wiesbaden) 2025. 226 Seiten. ISBN 978-3-658-47835-3. D: 44,99 EUR, A: 46,25 EUR, CH: 50,00 sFr.
Reihe: Edition Innovative Verwaltung.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Mit dem Oberbegriff der „zweckbasierten Organisationen“ für Nonprofit-Organisationen und öffentliche Einrichtungen schlägt Matthias Meyer eine Brücke zwischen diesen beiden Organisationsformen und richtet die Ziele des strategischen Managements auf den Zweck von Organisationen aus. Aus der Literatur des strategischen Managements für Nonprofit‑ und Forprofit-Organisationen und seinen praktischen Erfahrungen entwickelt er eigene Modelle und Instrumente, die für den gesetzlichen Rahmen von deutschsprachigen Ländern speziell gedacht sind.

Autor

Dr. Matthias Meyer ist Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Zuvor war er Studiengangleiter und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Bevor er lehrend tätig war, hatte er acht Jahre die Leitung des Gesundheitsamtes des Kantons Zug inne. Zu seinen Kernthemen gehören die Suchtthematik und Prävention. Meyer machte seine Dissertation an der Middlesex University in London. Er hat einen Abschluss als Master of Public Health, ist Diplom Sozialökönom und Diplom Betriebswirt. Er bietet über die Webseite matthiasmeyer.ch Organisationsberatung an.

Entstehungshintergrund

Meyer verfasste dieses Buch auf Grundlage seiner Dissertation „Strategisches Management zweckbasierter Organisationen – Strategie und Umsetzung in öffentlichen und Non-profit‑ Organisationen neu fokussiert“. Seine Motivation zu diesem Thema basiert auf seiner Feststellung, dass die bisherigen Modelle zum strategischen Management auf Organisationen im „Common Law“-Rechtsverständnis (z.B. USA) zugeschnitten sind. Das „Civil Law“-Rechtsverständnis im deutschsprachigen Raum, auf das sich Meyer beruft, sagt aus, dass der Staat durch Gesetzgebung gestalterischen Einfluss auf die Gesellschaft nimmt (S. 1). Meyer möchte Nonprofit-Organisationen und öffentliche Einrichtungen mit seinem Buch unterstützen, Modelle und Instrumente des strategischen Managements zu nutzen, die speziell auf den durch Gesetz gebundenen Zweck von Organisationen ausgerichtet sind (S. 4). Meyer gibt an, dass alle Instrumente seines Werkes gratis über seine Webseite zur Verfügung stehen. Die Verwendung und eine anschließende Rückmeldung ist Meyer für eine Weiterentwicklung wichtig (S. 1).

Aufbau

Das Buch ist eine Monografie Meyers und weist eine Unterteilung in Einleitung und sechs Teile auf. Jeder Teil widmet sich einem oder mehreren Themen. Insgesamt zählt Meyer 28 Kapitel mit teilweise weiterer Unterteilung auf. Fast jedes Kapitel beginnt mit einer einleitenden Passage, die zur Einordnung von Motivation und der Literaturlandschaft dient. Abbildungen werden meist vor oder nach der passenden Textpassage dargestellt.

Inhalt

Meyer beginnt sein Buch mit der Beschreibung des Oberbegriffs „Zweckbasierte Organisationen“ für Nonprofit-Organisationen und öffentliche Einrichtungen (S. 10). Mit der Darstellung von Bedingungen für einen vollkommenen Markt erklärt Meyer, warum nicht alle gesellschaftlichen Bedürfnisse von Forprofit-Organisationen abgedeckt werden und hier der Staat oder NPOs diese absichern (S. 12–13). Der Vergleich von rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen Common-Law-Ländern (z.B.Australien, Neuseeland, Kanada und Teilen der USA) und Civil-Law-Ländern (z.B. Europäische Staaten) macht deutlich, dass unterschiedlich stark in soziale Sicherung und gesellschaftliche Gestaltung eingegriffen wird (S. 22). Im Bereich der Civil-Law-Ländern konzentriert sich Meyer auf den deutschsprachigen Raum und beschreibt, dass öffentliche Einrichtungen und NPOs einen begrenzten aber relevanten strategischen Handlungsspielraum haben (S. 24–27). Einflüsse und Herausforderungen der Umwelt, der Gesellschaft und technischer Entwicklungen sind Beispiele, die in einer strategischen Ausrichtung berücksichtigt werden sollten. Für zweckbasierte Organisationen bedeutet dies, dass sie konsequent am Zweck und an gesellschaftlicher Wirkung ausgerichtet sind (S. 45–46, 63–64).

Meyer diskutiert klassische strategische Modelle (u.a. Ansoff, Drucker, Porter, Mintzberg, McKinsey, Balance Score Card (BSC), das neue St. Galler Management-Modell) und zeigt deren begrenzte Übertragbarkeit auf zweckbasierte Organisationen (S. 65–75). Auf diese Modelle aufbauend entwickelt Meyer ein eigenes Modell, das den gesellschaftlichen Zweck in den Mittelpunkt setzt. Das Modell benennt die Gesellschaft, Branche und Stakeholder als externe Einflüsse. Erwartungen, Ressourcen, Kommunikation und Dienstleistungen sind Interaktionen mit der Umwelt. Folgend werden Struktur, Kultur und Mitarbeiter als interne Einflüsse benannt. Der Kern richtet sich auf den Zweck aus. Es sind die Aktivitäten und Projekte der Organisationen. Meyer verfolgt das Ziel, mit diesem Modell eine Grundlage für strategische Entscheidungen in öffentlichen Einrichtungen und NPOs auf den Zweck auszurichten, Komplexität zu vermeiden und aufzuzeigen, für welche Entscheidungen welche Kenntnisse nötig sind (S. 85–96).

Mit der Übertragung des Kreislaufs „Analyse – Zielsetzung – Umsetzung – Evaluation“ für das Strategische Management beginnt Meyer Instrumente für öffentliche Einrichtungen und NPOs und deren Zweck zu entwickeln und anzupassen. Der Ausgangspunkt für jede Zielsetzung ist dabei die Analysephase für die Meyer seine auf zweckorientierte Instrumente des Reifegradmodells, das Zuger Business-Model-Canvas und der SWOT-Analyse vorstellt. Einfluss auf die Analysephase nimmt vor allem die Größe von Organisationen, da die Distanz zwischen Tagesgeschäft und strategischen Entwicklungsprozessen entscheidend ist (S. 151). In der Planungsphase kritisiert Meyer bestehende wirkungsorientierte Ansätze, bei denen strategische Ziele nicht auf den Zweck der Organisation ausgerichtet sind (S. 157). Neben den Vor‑ und Nachteilen der Schweizer Variante des New Public Managements stellt er das Wirkungsmodell und sein Modell der visuell unterstützten Wirkungsstory vor. Er beschreibt, dass die gemeinsame Entwicklung und Vermittlung von Zielen, wie sie in seinem Modell der Wirkungsstory stattfindet, das Kohärenzgefühl stärken kann und dies ein Beitrag zur psychischen Gesundheit und zur Motivation sein kann (S. 177). Für die Umsetzung und Überprüfung modifiziert Meyer die BSC auf zweckbasierte Organisationen um und beschreibt das Schweizer Rechnungsmodell GAAP FER. Diese Kontrollinstrumente sollen die Ausrichtung von Organisationen überprüfen. In der Evaluation betont Meyer die Bedeutung der Wirksamkeitsmessung und stellt spezifische Instrumente, wie das Lebensqualitätskonzept, das Goal Attainment Scaling und das Modell Assessing Public Impact vor. Sein eigenes Evaluationsmodell für zweckbasierte Organisationen beinhaltet die Perspektiven des Umfelds, der Struktur, der Beteiligten und überprüft die Zielerreichung. Zum Abschluss empfiehlt Meyer in seinem Buch kurz die vorgestellten Instrumente für Umfeld, Analyse, Ziele und Umsetzung. Nur von den vorgestellten Instrumenten der Evaluation distanziert er sich mit der Begründung unüberprüfter Validität. Meyer schätzt sein Instrumentarium, das am Managementkreislauf ausgerichtet ist, als praxisnah ein. Es soll die Prozessqualität und die Effizienz stärken. Den Sachstand, wie die Wirksamkeit einfach und kostengünstig gemessen werden kann, stellt er selbst als offene Frage auf (S. 223–225).

Diskussion

Meyers Werk kann eine bedeutende Stellung in der deutschsprachigen Literatur zum strategischen Management von Nonprofit‑Organisationen und öffentlichen Einrichtungen einnehmen. Seine Analyse zeigt, dass das unterschiedliche Rechtsverständnis von Common‑Law‑Ländern und Civil‑Law‑Ländern den strategischen Handlungsspielraum dieser zweckbasierten Organisationen prägt. Meyer gelingt es, klassische Modelle des strategischen Managements auf den Zweck von Organisationen auszurichten und Führungskräften Instrumente für die Planung an die Hand zu geben.

Das Wirkungsmodell beschreibt er jedoch nur schwer verständlich, weshalb Fragen offenbleiben können. Eine eigenständige Auseinandersetzung mit „ Impact und Wirkungsanalyse in Nonprofit Organisationen, Unternehmen und Organisationen mit gesellschaftlichem Mehrwert“ von Christian Grünhaus und Olivia Rauscher oder dem Text “What’s Impact?” von Alnoor Ebrahim und V. Kasturi Rangan kann helfen, ein besseres Verständnis zu entwickeln. Seine Beispiele im Bereich der Rechnungslegungsmodelle sind so präzise auf die Schweiz zugeschnitten, dass sie ihre Allgemeingültigkeit für den restlichen deutschsprachigen Raum teilweise verlieren. Meyers Darstellungen über strategisches Management in NPOs setzen zudem andere Schwerpunkte, als man sie in ähnlichen Büchern, wie zum Beispiel im „Handbuch der Nonprofit‑Organisation“ (2022) von Michael Meyer, Simsa und Badelt findet. Hier kann man vermuten, dass es sein Anliegen war, einen bewusst praxisorientierten Beitrag zur Literaturlandschaft zu verfassen – und das ist ihm gelungen. Er formuliert einige wenige provokante Aussagen, etwa zur intrinsischen Motivation von Mitarbeitenden: Zwar sei der Wunsch, etwas Gutes zu tun, ein großer Gewinn für Organisationen, gleichzeitig berge er das Risiko, nicht mehr kritisch zu hinterfragen, was wir wie tun (S. 93). Dies unterstreicht erneut Meyers Motivation, Organisationen vor dem Stillstand zu bewahren, ihnen ihren gesellschaftlichen Zweck zurückzugeben und gleichzeitig Weiterentwicklung zu fördern.

Fazit

Das Buch „Strategisches Management in Nonprofit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen“ von Matthias Meyer gibt einen guten Einblick in die Unterschiede des rechtlichen Rahmens in deutschsprachigen Ländern im Vergleich zur weit verbreiteten Lektüre der USA. Die eigens entworfenen Modelle von Meyer ermutigen und motivieren strategische Planung auch in öffentlichen Einrichtungen anzugehen und sie als unabdingbare Aufgaben im Management von zweckbasierten Organisationen zu verstehen. Für andere Modelle, auch wenn sie beschrieben werden, ist eine anderweitige Informationsquelle notwendig, die sie ausführlicher beschreibt.

Quellen

  • Meyer, Matthias (2025): Strategisches Management in Nonprofit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen. Effiziente Instrumente für zweckbasierte Organisationen. Wiesbaden: Springer Gabler
  • Meyer, Michael; Simsa, Ruth; Badelt, Christoph (2022): Handbuch der Nonprofit-Organisation. Strukturen und Management. 6. Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag

Literaturhinweise

  • Ebrahim, Alnoor; Rangan, V. Kasturi (2014): What Impact?. A FRAMEWORK FOR MEASURING THE SCALE AND SCOPE OF SOCIAL. California Management Review, Vol. 56, No. 3, S. 118–141

Rezension von
Marten Jansen
Student des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz
Mailformular

Es gibt 1 Rezension von Marten Jansen.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245