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Jörg Maywald: Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern

Rezensiert von Katrin Böhm, 28.08.2026

Cover Jörg Maywald: Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern ISBN 978-3-451-03523-4

Jörg Maywald: Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern. Die Kita als sicherer Ort für Kinder. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2026. 1. Auflage. 176 Seiten. ISBN 978-3-451-03523-4. 24,00 EUR.

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Thema

Gewaltvolle Handlungen gegenüber Kindern durch Fachkräfte sind in der Kita kein Einzelfall. Die Gewalt kann offensichtlich oder auch subtil stattfinden. Dabei gilt es zu beachten, dass die Formen der Gewalt durch pädagogische Fachkräfte ganz unterschiedlicher Natur sein können. Neben seelischer Gewalt und körperlichen Bestrafungen sind an der Stelle auch mangelnde Versorgung, Vernachlässigung der Aufsichtspflicht sowie sexualisierte Gewalt zu nennen. Prof. Dr. Jörg Maywald macht in seinem Buch deutlich, wie Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung gemeinsam dieses Thema in den Fokus holen können, um Handlungssicherheit im Umgang mit pädagogischem Fehlverhalten zu erlangen. Basierend auf dem notwendigen Fachwissen und den gesetzlichen Grundlagen wird aufgezeigt, welche Schritte es braucht, um ein Schutzkonzept zu entwickeln. Dabei können die Checkliste für eine Kita als sicherer Ort und ein Muster für eine Selbstverpflichtungserklärung eine wertvolle Unterstützung darstellen.

Autor

Prof. Dr. Jörg Maywald ist Soziologe und Honorarprofessor für Kinderrechte und Kinderschutz an der Fachhochschule Potsdam. Er ist Mitbegründer des Berliner Kinderschutzzentrums und war viele Jahre sowohl als Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind als auch in der Kinder‑ und Jugendhilfe tätig.

Entstehungshintergrund

Wenn Eltern ihre Kinder in die Kindertagesbetreuung bringen, gehen sie davon aus, dass dies ein sicherer Ort ist für ihr Kind, weil ausgebildete Fachkräfte das Kind in seiner Bildung und Entwicklung begleiten und es vor möglichen Gefahren schützen. Inzwischen ist hinlänglich bekannt, dass dies nicht immer so der Fall ist. Mit diesem Buch möchte der Autor einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass gewaltvolles Handeln erkannt wird und entsprechende Schritte eingeleitet werden, dieses zukünftig zu unterbinden.

Aufbau

Das Buch besteht neben Einleitung, Schlusswort und einem Anhang, in dem sich Presseberichte, eine Checkliste (Kita als sicherer Ort), ein Muster für eine Selbstverpflichtungserklärung, gesetzliche Grundlagen, ein Literaturverzeichnis und eine Liste mit Anlaufstellen im Internet befinden, aus 7 Kapiteln. Diese 7 Kapitel bauen aufeinander auf und führen die Leser:innen umfassend in das Themenfeld „Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern“ ein:

  • Kita – ein sicherer Ort für Kinder?
  • Das Recht des Kindes auf Schutz vor Gewalt
  • Fehlverhalten und Gewalt durch Fachkräfte in der Praxis: erkennen und reagieren.
  • Aktiv werden – von Gewaltprävention bis zu strafrechtlichen Konsequenzen
  • Schritt für Schritt zur gewaltfreien Kita
  • Auf dem Weg zu einer Ethik pädagogischer Beziehungen
  • Der Kinderrechtsansatz in der Kita

Inhalt

Die Hauptaussage des Buches ist, dass jede Kita ein individuelles Gewaltschutzkonzept benötigt, in dem Maßnahmen zur Prävention und zur Intervention beschrieben werden, damit im Falle von pädagogischem Fehlverhalten ein verbindlicher Handlungsplan vorliegt, nach dem alle verantwortlichen Personen handeln können. Auf dieser Basis kann sichergestellt werden, dass die Rechte der Kinder stets gewahrt werden. Kitas können dann zu sicheren Orten werden, in denen Kinder sich entwickeln und lernen können. Dies wiederum bildet die Grundlage dafür, dass Eltern ihre Kinder dort in guten Händen wissen.

Prof. Dr. Jörg Maywald untermauert mithilfe von relevanten Studien und Presseberichten die Tatsache, dass gewaltvolles Handeln in unterschiedlicher Intensität und verschiedener Form und Ausprägung in vielen Kindertagesstätten vorzufinden ist. Er beschreibt, die verschiedenen Formen gewaltvollen Handelns und zeigt auf, dass die Bandbreite von subtiler und versteckter Gewalt bis hin zu offensichtlichen Handlungen reicht. Dabei macht er deutlich, dass neben körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt auch das Thema Vernachlässigung nicht außer Acht gelassen werden darf und gewaltvolles Handeln bereits im alltäglichen Tun entstehen kann. Des Weiteren legt er ausführlich dar, welche Rechte Kinder zum Schutz vor Gewalt haben und dass Kinderschutz keine freiwillige Aufgabe ist.

Er erörtert die Ursachen für gewaltvolles Handeln und nimmt dabei das gesamte System Kindertagesbetreuung in den Blick. Hierzu gehört die einzelne Fachkraft ebenso wie die Leitungen, der Träger und die allgemeinen Rahmenbedingungen. Das zeigt auf, dass institutioneller Kinderschutz ein komplexes Thema ist, welches angegangen werden muss, möchte man die zum Teil langfristigen Folgen für Kinder, die Gewalt erfahren mussten, unterbinden. Hier wird noch einmal deutlich, jede Kita sollte Schritt für Schritt gemeinsam ein Kinderschutzkonzept erarbeiten, in dem dargelegt wird, wie die Kinderrechte in der Kita vor Ort gelebt und umgesetzt werden. Eine Checkliste und Anlaufstellen im Internet bieten dabei eine ganz praktische Unterstützung für die ersten Schritte.

Teil eines jeden Kinderschutzkonzeptes sollte zudem der Handlungsplan sein, wie im Falle eines Fehlverhaltens reagiert werden muss. Prof. Dr. Jörg Maywald erklärt, welche Meldepflichten es gibt und wann u.U. auch arbeitsrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen gezogen werden müssen. Überlegungen zur Notwendigkeit einer Berufsethik und Ideen zur Umsetzung eines Kinderrechtsansatzes in der Kita vor Ort runden das Buch ab.

Diskussion

Das Besondere an diesem Buch ist, dass zum einen die theoretischen und rechtlichen Grundlagen kompakt und verständlich vermittelt werden und zum anderen immer wieder konkret der Bezug zur Praxis hergestellt wird mithilfe von Checklisten, Fallbeispielen oder Merkkästen, die einen Überblick ermöglichen. Dieses Buch vermittelt somit Handlungssicherheit bei der Erstellung eines Schutzkonzeptes aber auch im Falle eines konkreten Fehlverhaltens durch eine pädagogische Fachkraft. Somit verbindet dieses Buch die Theorie mit der Praxis. Da der Schwerpunkt des Buches auf der Theorievermittlung liegt, hätte es eine Idee sein können in der überarbeiteten Neuausgabe, auf eine Auswahl weiterführender Materialen und Bücher zu verweisen, die die partizipative Erarbeitung eines Kinderschutzkonzeptes unterstützen.

Fazit

Kita-Leitungen, Träger, Fachkräfte und Fort‑ und Weiterbildner*innen, die sich mit dem Thema institutionellem Gewaltschutz in der Kindertagesbetreuung befassen wollen, finden in diesem Buch ein umfassendes Grundwissen. Es sollte in keinem Bücherregal fehlen und bewusst immer wieder zu Rate gezogen werden.

Rezension von
Katrin Böhm
Diplom Pädagogin, Fachberaterin Kindertagesbetreuung, insoweit erfahrene Fachberatung im Kinderschutz, Autorin, Fortbildnerin
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Es gibt 1 Rezension von Katrin Böhm.

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ISSN 2190-9245