Dirk Wassermann, Boris Friele et al. (Hrsg.): Soziale Arbeit und Menschenrechte
Rezensiert von Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Eichenhofer, 07.08.2026
Dirk Wassermann, Boris Friele, Mehmet Kart, Holger Knothe, Jens Rieger (Hrsg.): Soziale Arbeit und Menschenrechte zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2026. 312 Seiten. ISBN 978-3-7799-9819-8. 85,00 EUR.
Herausgeber:innen
Dirk Wassermann ist Professor an der IU Internationale Hochschule und forscht unter anderem zu Sozialpolitik, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Ethik sowie gesellschaftlicher Transformation in der Sozialen Arbeit.
Boris Friele ist Professor an der IU Internationale Hochschule und beschäftigt sich in Forschung und Lehre insbesondere mit gesellschaftlicher Transformation, Professionalisierung und Sozialer Arbeit.
Holger Knothe ist als Hochschullehrer und Herausgeber mehrerer Fachbände im Bereich Soziale Arbeit tätig und wirkt an Publikationen zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen und Professionalisierung mit.
Mehmet Kart ist Professor an der Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg und arbeitet zu Themen wie Diversität, gesellschaftliche Transformation und Sozialer Arbeit.
Jens Rieger ist Hochschullehrer im Bereich Soziale Arbeit und befasst sich insbesondere mit Fragen gesellschaftlicher Transformation, Nachhaltigkeit und Professionalisierung.
Bärbel Schomers ist Professorin an der IU Internationale Hochschule und arbeitet zu Themen der Sozialen Arbeit im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse.
Martin Staats ist Professor für Konzepte und Methoden Sozialer Arbeit im Gesundheitswesen an der Frankfurt University of Applied Sciences und forscht insbesondere zu Profession, Methoden und Gesundheitsbezogener Sozialer Arbeit.
Katrin Sen ist Professorin an der IU Internationale Hochschule; ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen soziale Teilhabe im Quartier, Migrations‑ und Gerontologieforschung sowie politische Jugendbildung.
Aufbau
Das Buch vereinigt ohne benannten Anlass eine Vielzahl von Aufsätzen, welche die Soziale Arbeit unter dem global umschriebenen Blickwinkel der Menschenrechte aus vielerlei Perspektiven behandeln.
Es wird thematisch mit einer Betrachtung über die „soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“ eingeleitet. Als diese versteht sich das Fach jedenfalls weltweit seit geraumer Zeit. Der einstimmende Beitrag von Jens Rieger klärt und erklärt, was daraus folgt, erörtert die hieraus folgenden Prägungen Sozialer Arbeit für Analyse und Praxis und sieht in den Menschenrechten das Ziel Sozialer Arbeit.
Das Buch untergliedert sich in mehrere Teilabschnitte zum Bildungsauftrag Sozialer Arbeit, Herausforderungen an das Fach, Beobachtungen zum Rechtsextremismus, Handlungsfelder und Medizin.
Inhalt
Die sich daran anschließenden vielen Aufsätze nehmen auf diesen Untersuchungsrahmen nur selten Bezug. In jeder Abhandlung dominiert je ein praktisches Thema, das in der Abfolge der Beiträge je einer thematischen Gruppe zugeordnet ist.
Zum Thema Bildung wird die Bedeutung der Kinderrechte für die Frühpädagogik hervorgehoben. Schülervertretungen werden als Einrichtungen politischer Partizipation und Orte demokratiefeindlicher Einstellungen identifiziert. Eine Untersuchung erhebt die Einstellungen unter Studierenden der Sozialen Arbeit zu gesellschaftlicher Vielfalt und kommt zu eher ernüchternden Befunden. In einer weiteren auf Befragung Studierender gestützten Untersuchung wird gezeigt, dass im Studium von Sozialer Arbeit und Lehramt der Umgang mit menschenfeindlichen Haltungen und Handlungen wenig adressiert wird. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession ist eher Anspruch als Realität.
Ein weiterer Beitrag plädiert vor dem Hintergrund zunehmend verbreiteter psychischer Beeinträchtigungen unter Studierenden für eine bessere inklusive Hochschulbildung. Weitere Artikel beschäftigen sich mit den Problematiken von Antisemitismus, Queerness und Rechtsextremismus.
Der Umgang mit Covid-19 und der Digitalisierung werden als Themen im modus operandi Sozialer Arbeit unter den Perspektiven der Menschenrechte untersucht. Der Band klingt mit weiteren Aufsätzen aus, die sich mit den UNICEF-Kinderrechte-Schulen, Kinder‑ und Zwangsehen, Erfahrungen von Flucht und Migration von Betroffenen, Schutz von Kindern in der psychiatrischen Behandlung sowie in der Kranken‑ und Hospizversorgung befassen.
Diskussion
Die zu Eingang unterschiedenen vielfältigen Bestimmungen sozialer Arbeit durch die Menschenrechte kommen in den einzelnen Feldstudien nicht deutlich zum Ausdruck. Es wäre deshalb sehr hilfreich gewesen, wenn die einzelnen Beobachtungen und Analysen in einem sich um die Summe bemühenden Aufsatz zusammengefasst und gebündelt worden wären. Ohne eine solche Zusammenschau stehen die vielen Aufsätze weithin unverbunden nebeneinander als unmittelbare Betrachtung von zahlreichen unverbundenen Einzelthemen, in denen die Menschenrechte nicht im Hinblick auf ihre Prinzipien und Strukturen, sondern eher beiläufig angesprochen werden.
Fazit
Das Buch veranschaulicht die vielen und vielfältigen Anwendungsfelder sozialer Arbeit und illustriert einige sich dabei stellende menschenrechtliche Fragen. Der Bezug zu den Menschenrechten wird stets nur beispielhaft verstanden und nicht systematisch behandelt; nicht selten kommen viele Beiträge über das schlichte Stichwort Menschenrechte kaum hinaus.
Rezension von
Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Eichenhofer
Friedrich-Schiller-Universität Jena, im Ruhestand und wohnhaft in Berlin.
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