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Manfred Domnowski: Burnout und Stress in Pflegeberufen

Cover Manfred Domnowski: Burnout und Stress in Pflegeberufen. Mit Mental-Training erfolgreich aus der Krise. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2005. 2., aktualisierte Auflage. 163 Seiten. ISBN 978-3-89993-424-3. 20,50 EUR, CH: 34,90 sFr.

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Einführung

Immer mehr Menschen in pflegerischen Berufen geraten nach einer Phase des Ehrgeizes, der Euphorie und des Idealismus in das Burnout-Syndrom, ein Erschöpfungszustand der sich (meist) langsam entwickelt und der zu einer "Familienkrankheit", zu einem "sozialen Leiden" werden kann. Im vorliegenden Buch wird das Phänomen "Burnout" umfassend behandelt und in einem direkten Zusammenhang mit der Stress-Symptomatik dargestellt. Pädagogische und entwicklungsorientierte Interventionen sollen Auswege und/oder Hilfen aufzeigen.

Entstehungshintergrund

Der Autor betrachtet die Phänomene "Stress" und "Burnout" auf dem Hintergrund eigener, langjähriger Berufserfahrungen. Das beobachtete Scheitern von langjährigen Pflegekräften sowie Berufsanfängern führten zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema.

Aufbau und Inhalt

  • Das Buch führt mit einem kurzen, eher geschichtlich geprägten, Überblick in  die Thematik ein. Der Weg von der christlich-caritativen Liebestätigkeit zur professionalisierten Dienstleistung sowie Wege zum Helfen (mit Grundvoraussetzungen und möglichen Motive zur Berufswahl) werden kurz - und daher im Informationswert eingeschränkt - angesprochen.
  • Unter der Überschrift Burnout - Phänomen und Pathogenese findet der Leser Ausführungen zum Altruismus,  zum Narzismus und über frühkindliche Erfahrungen, die ein Helfersyndrom begründen (können). In wieweit Zitate aus dem alten Testament und Beispiele aus den Hadzu- und Schamanenkulturen hilfreich sind, ist sicher von der persönlichen (Lebens-)Einstellung des Lesers abhängig.
  • Im nachfolgenden Kapitel Belastungsfaktoren in Helferberufen - Definition und Beispiele beruflicher Deformation findet der Leser findet Beispiele für Belastungen in Helferberufen und (falsche) persönliche Reaktionen. Dabei werden Belastungen im persönlichen und beruflichen Bereich angesprochen sowie Deformationen in diesen beiden Bereichen verdeutlicht. Nicht immer klar getrennt wird zwischen Situation (Ursache), Reaktion sowie Folgen. Mehrere Ausführungen bleiben (leider) unklar: z. B. Seite 55 wird unter dem Stichwort "Empathieverlust" ausgeführt, dass Einfühlungsvermögen eine wichtige Grundvoraussetzung sowie ein wichtiges Werkzeug des Helfers ist und mit ihm die Behandlung und der soziale Kontakt zum Klienten steht und fällt. Der Absatz endet dann mit dem unverständlichen und auch zusammenhanglosen Satz: "Eine wirkliche Hilfe wird dann unmöglich.".
  • Die Ausführungen zu Burnout und Stress - Die destruktive Allianz  stellen bekannte und auch an anderen Stellen zu findende Ausführungen zum Problembereich Stress in sehr differenzierter und umfassender Weise dar. Sie geben auch eine bekannte Möglichkeit der Eigenbeurteilung (Stress-Typ A oder B) an die Hand. Abschließend wird aufgegriffen, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen frühkindlicher Prägung und Stresserleben zu geben scheint, wobei auch im nachfolgenden Kapitel Zusammenhänge zwischen pränatalen Einflüssen auf das Stressverhalten/Stresserleben angesprochen werden. Allerdings wird nicht immer ganz klar, welche Einflüsse nun in direktem Zusammenhang mit Stress zu bringen sind und welchen Belegwert eher populärwissenschaftliche Quellen und Kulturvergleiche mit der Südsee und Afrika haben. An einer Stelle zitiert der Autor selber aus dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.
  • Die Ausführungen zu Burnout - Definitionen und Erscheinungsbild sind ebenfalls auf viele bekannte und an anderen Stellen zu findende Aussagen bezogen, dabei aber umfassend und gut strukturiert. Der Verlauf und die Ursachen (individuelle, organisations- und arbeitsbezogene sowie gesellschaftliche Faktoren) werden deutlich beschrieben. Das "Maslach Burnout Inventory" liefert einen (Selbst-)Diagnoserahmen für eine Burnout-Gefährdung. Warum eher banale Ernährungstipps (z. B. mehr Heilwasser, mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag und eine geregelte Aufnahme gesunder, natürlicher Lebensmittel) zur Beeinflussung einer Borunout-Symptomatik in diesem Kapitel und nicht bei den Interventionen aufgegriffen werden, bleibt unverständlich.
  • Unter der Überschrift Pädagogische Interventionen werden grundlegendes Erziehungsverhalten, psychohygienische und individuell orientierte aber auch organisationsorientierte Interventionen sowie soziale Unterstützungssysteme gegen Stress und Burnout vorgestellt. Konkret handlungsrelevante "Anweisungen" wird der Leser an einigen Stellen vermissen, so ist und kann die Schrift kein Lehrbuch für das Autogene Training oder das Neurolinguistische Programmieren sein.
  • Anschließende entwicklungsorientierte Interventionen beziehen sich im Wesentlichen auf  Möglichkeiten der Visualisierung und der Zielformulierung. Eine Visualisierungsübung (Fantasiereise) wird handlungsrelevant beschrieben.

Diskussion

Die Schrift wiederholt zahlreiche bekannte und an anderen Stellen auch ausführlicher zu findende Aussagen über Stress und Burnout, die mit einigen meditativen und kulturspezifischen Aussagen ergänzt werden. Einige, wenn auch wenige, Fragetabellen und Selbsteinschätzungsskalen bieten eine erste Orientierung. Dabei sind die Ausführungen und Handlungsaufträge leider wenig didaktisch sowie methodisch aufgebaut und gar nicht oder nur schwer zu bearbeiten.

Zielgruppe

Die Schrift richtet sich an Menschen in Helferberufen. Ob Pflegeberufe (insbesondere die Altenpflege) wirklich einen Focus der Schrift bilden, darf als Frage formuliert werden, sieht man von einigen Eingangsseiten einmal ab.

Fazit

Mit dem Buch von Manfred Domnowski wird ein Werk vorgelegt, das Ursachen und Erscheinungsformen von Stress und Burnout darstellt. Der Käufer der Schrift wird hierzu, will er nicht auf verschiedene andere (Primär-)Quellen zurückgreifen, ausreichende Informationen finden, die manchmal auch den "glaubenden" und den etwas von der Thematik entfernten kulturspezifischen Bereich tangieren. Die Handlungsrelevanz von dargestellten Interventionen bleibt begrenzt.  


Rezension von
Prof. Dr. Werner Reiners-Kröncke
Dipl.-Päd./Soz.Arb. Vizepräsident a. D. der Fachhochschule Coburg. Lehrte Pädagogik und Methoden der Sozialarbeit, insbesondere Suchterkrankungen, Kriminalität und Sozialmanagement


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Zitiervorschlag
Werner Reiners-Kröncke. Rezension vom 31.01.2006 zu: Manfred Domnowski: Burnout und Stress in Pflegeberufen. Mit Mental-Training erfolgreich aus der Krise. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2005. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-89993-424-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3457.php, Datum des Zugriffs 20.09.2020.


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