Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Erziehungsbüro Rheinland gGmbH (Hrsg.): 55 Impulskarten Psychotraumatologie und Traumapädagogik

Rezensiert von Prof. Dr. rer. pol. Jürgen Beushausen, Gina Beushausen, 21.09.2026

Cover  Erziehungsbüro Rheinland gGmbH (Hrsg.): 55 Impulskarten Psychotraumatologie und Traumapädagogik ISBN 978-3-7799-9584-5

Erziehungsbüro Rheinland gGmbH (Hrsg.): 55 Impulskarten Psychotraumatologie und Traumapädagogik. E-Book inside. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2026. 55 Seiten. ISBN 978-3-7799-9584-5.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand
Kaufen beim Verlag

Thema

Vorgestellt wird in dieser Rezension kein Fachbuch, sondern eine Sammlung von 55 Therapiekarten, mit denen das Kartenset die nötigen Anregungen bietet, um über die Themen psychische Traumatisierung und Traumapädagogik ins Gespräch zu kommen, und ermöglicht einen direkten, emotionalen Zugang. 55 anschaulich gestaltete Bild‑ und Impulskarten bringen alle wichtigen Themen der Arbeit mit traumatisierten Menschen auf den Punkt. Grundlegende Begriffe der Psychotraumatologie, Traumafolgesymptome und Traumadynamiken werden ebenso verdeutlicht wie die Grundlagen der Traumapädagogik. Das Set eignet sich für die Praxis in der Jugendhilfe, der Psychotherapie, der Beratung und der Fortbildung. Die Karten sind sowohl für die Arbeit im Einzel‑ als auch im Gruppensetting gestaltet.

Autor:innen

Die Autorinnen sind Fachberaterinnen für Erziehungsstellen und absolvierten jeweils Weiterbildungen zur Traumapädagogin und traumazentrierten Fachberaterin (DeGPT/FVTP):

Lea Gerlach studierte Erziehungswissenschaft B. A.,

Christiane Kesting ist Diplom-Pädagogin und systemische Beraterin (SG),

Michèle Quadflieg studierte Soziale Arbeit B. A.,

Anja Steingen ist Diplom-Psychologin, zertifizierte Fachpädagogin für Psychotraumatologie und Kinderschutzfachkraft.

Eline Vandewiele studierte Soziale Arbeit B. A und ist systemische Beraterin (DGSF).

Die Illustrationen erstellte Michael Hüter (selbstständiger Illustrator und Karikaturist für verschiedene Verlage, Institutionen und Unternehmen).

Entstehungshintergrund

Erstellt wurden die Impulskarten vom Erziehungsbüro Rheinland gGmbH, das Pflegeeltern und ihre Netzwerkpartner*innen darin unterstützt, traumatisierte Kinder und Jugendliche angemessen zu versorgen und zu erziehen. Hierzu gehören Information und Aufklärung über psychische Traumata und ihre Folgen mit einem passenden emotionalen Zugang. Bilder sind für die Autorinnen in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, da das menschliche Gehirn visuelle Inhalte nicht nur deutlich schneller und einfacher als Sprache und Texte erfasst und unmittelbar emotional verknüpft, um ein ganzheitliches Begreifen zu ermöglichen. Visuelle Inhalte können zudem deutlich besser erinnert werden als reine Textinformationen. Auf diesem Hintergrund entstand die Idee für das Kartenset. Dabei bieten die Bildkarten eine Gesprächsgrundlage und initiieren einen Austausch über die Themen Trauma und Traumapädagogik.

Aufbau und Inhalt

Mit Hilfe der Karten sollen psychische Traumata und ihre Folgen verständlich, Perspektiven aufgezeigt sowie Mut und Hoffnung auf Veränderung und eine gelingende Alltagsbewältigung gemacht werden.

Das Begleitheft versteht sich als unterstützende Erläuterung zu den Karten und soll Impulse geben, zum Nachdenken anregen und die Anwendung der Karten im pädagogischen Alltag erleichtern. Eingesetzt werden könnten die Bildkarten in der Beratung traumatisierter Menschen und ihrer Bezugspersonen und zudem in Fortbildungen.

Das 54-seitige Begleitheft beinhaltet eine kurze Einführung in die Struktur des Kartensets und eine Einführung in die Psychotraumatologie und die Grundlagen der Traumapädagogik. Das Begleitheft schließt mit zwölf Literaturangaben und einer Übersicht über die Karten.

Auf den Rückseiten der Bildkarten finden sich jeweils Stichworte zu verschiedensten Begriffen der psychosozialen Traumatologie (z.B. psychische Monotraumatisierung, Trigger, erlebte Einsamkeit oder Bindungsverhalten) und der Traumapädagogik (z.B. Sicherer Ort, Selbstregulation begleiten, Selbstreflexion der Bezugspersonen, Absprachen im Netzwerk). Zudem enthalten die Bildkarten jeweils einen Hinweis auf die entsprechende Seite im Booklet.

Gegliedert sind die Inhalte wie folgt:

  1. Einführung in die Psychotraumatologie, z.B. Was ist ein psychisches Trauma, psychische Monotraumatisierung, Komplexe psychische Traumatisierung, Langfristige Folgen psychischer Traumata, Reinszenierung, Instinktive Täuschung und Retraumatisierungen
  2. Grundlagen der Traumapädagogik, z.B. Traumapädagogische Grundhaltungen, Wertschätzung/​wertschätzende Präsenz, Transparenz, Grenzen achten und Grenzen setzen, Methoden der traumapädagogischen Arbeit.

Diskussion

Die Bildkarten, die nur einen Teil der im Booklet benannten Aspekte thematisieren können, geben in der Beratung, der pädagogischen Unterstützung und der Fortbildung wichtige Impulse, die ein kreatives Bearbeiten vieler Themen unterstützen. Die Karten sind anregend und liebevoll gestaltet. Der vorgegebene rote Faden unterstützt das zielführende Arbeiten. Die Autorinnen geben u.E. wertvolle Anregungen bei der Unterstützung von Menschen ab ca. acht Jahren. Inwieweit der Einsatz der Bildkarten in der Arbeit mit Erwachsenen nützlich ist, sollte jeweils im Einzelfall erwogen werden, da sicherlich nicht alle Personen von Bildkarten angesprochen werden. Beim Einsatz der Karten sollten diese vorbereitend sortiert werden, da diese sich oftmals auf verschiedene Kontexte, zum Beispiel auf die Beratung oder die Fortbildung, beziehen. Karten aus dem Bereich der Traumapädagogik können hier auch gut für die Beratung genutzt werden (und umgekehrt).

Allerdings werden unseres Erachtens einige Hinweise zu vereinfachend vermittelt. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Bildkarte „Was ist ein psychisches Trauma?“ Hier folgen keine Hinweise, dass auch fortdauernde Diskriminierungen oder Mobbingerfahrungen traumatisieren können. So erfolgen keine Hinweise auf die bedeutsamen sozialen Faktoren, Traumata werden nicht in einem biopsychosozialen Kontext verortet. Auf einige Aspekte wird zu kurz eingegangen. Dies kann zu Missverständnissen führen, wenn z.B. bei der Thematisierung von pränatalen Traumata nur kurz benannt wird, dass diese durch chronischen Stress der Mutter, Gewalt, die Ablehnung der Schwangerschaft und extreme Ängste entstehen könnten.

Zudem wird methodisch nicht vermittelt, wie Berater*innen und Pädagog*innen die Bildkarten im Gespräch konkret einsetzen können. Zudem erfolgen keine Hinweise auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen beim Einsatz dieser Materialien. Nicht genügend ausgebildete Fachkräfte könnten daher diese Bildkarten missverständlich und vereinfachend einsetzen und die Adressat*innen überfordern und so letztlich möglicherweise „Schaden anrichten“.

Fazit

Der Einsatz dieses Kartensets kann für Fachkräfte, Berater*innen und Pädagog*innen, aber auch für Therapeut*innen, die sich mit dem Thema Trauma bereits intensiv beschäftigt haben, als ein nützliches Medium in der Beratung, der Traumapädagogik und der Fortbildung empfohlen werden. Diese Bildkarten können Klient*innen und Patient*innen beim Umgang mit ihren Emotionen unterstützen. Ein Vorteil ist die Flexibilität beim Einsatz der Karten, sie lassen sich je nach den aktuellen Anforderungen gezielt auswählen.

Rezension von
Prof. Dr. rer. pol. Jürgen Beushausen
studierte Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaft und absolvierte Ausbildungen als Familientherapeut und Traumatherapeut und arbeitet ab 2021 als Studiendekan im Masterstudiengang „Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit“ an der DIPLOMA Hochschule
Website
Mailformular

Gina Beushausen
Diplomsozialpädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Supervisorin, Beraterin der evangelischen Kirche für Menschen, die von sexueller Gewalt im kirchlichen Kontext betroffen sind.

Es gibt 80 Rezensionen von Jürgen Beushausen.
Es gibt 4 Rezensionen von Gina Beushausen.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245