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Julia Mayer, Andrea Ellmermeyer et al. (Hrsg.): New Work im Krankenhaus

Rezensiert von Prof. Dr. Michael Krisch, 30.09.2026

Cover Julia Mayer, Andrea Ellmermeyer et al. (Hrsg.): New Work im Krankenhaus ISBN 978-3-662-70409-7

Julia Mayer, Andrea Ellmermeyer, Laura Gerken, Maria Kitzmantel (Hrsg.): New Work im Krankenhaus. Shared Governance in der Pflegepraxis. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2026. 1. Auflage. 199 Seiten. ISBN 978-3-662-70409-7. 44,99 EUR.

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Thema

Das Buch New Work im Krankenhaus – Shared Governance in der Pflegepraxis beschäftigt sich mit der Frage, wie Arbeit, Führung und berufliche Entwicklung in der Pflege neu gestaltet werden können. Im Mittelpunkt steht das Konzept der Shared Governance, das im Buch auch als „Gemeinsame Führung“ bezeichnet wird. Mitarbeitende sollen stärker an Entscheidungen beteiligt werden und entsprechend ihrer Kompetenzen Verantwortung übernehmen. Shared Governance bedeutet gemeinsame Entscheidungsfindung und geteilte Verantwortung. Im Krankenhaus beschreibt es ein Führungs‑ und Organisationsmodell, bei dem Mitarbeitende aktiv an Entscheidungen beteiligt werden, die ihre Arbeit und die Patientenversorgung betreffen. Entscheidungen werden also nicht ausschließlich „von oben“ durch die Führung getroffen.

Damit greift das Buch Themen auf, die für Krankenhäuser und insbesondere für das Pflegemanagement von großer Bedeutung sind. Pflegepersonal muss gewonnen, langfristig gehalten und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Führung und Zusammenarbeit. New Work wird dabei mit Aspekten wie Selbstständigkeit, Autonomie, Sinn, Teilhabe und einer positiven Arbeits‑ und Teamkultur verbunden. Für das Krankenhaus bedeutet dies auch, bisherige Führungsstrukturen und Arbeitsprozesse zu hinterfragen.

Herausgeberinnen

Herausgegeben wurde das Buch von Julia Mayer, Andrea Ellermeyer, Laura Gerken und Maria Kitzmantel. Die Herausgeberinnen bringen unterschiedliche berufliche Perspektiven mit. Julia Mayer verfügt über Erfahrungen als Stationsleitung, Pflegedienstleitung und in der Pflegedirektion. Andrea Ellermeyer ist Pflegewissenschaftlerin und leitet eine Stabsstelle Pflegewissenschaft. Laura Gerken arbeitet als Advanced Practice Nurse und pflegefachliche Leitung. Maria Kitzmantel ist Organisationspsychologin in einer Pflegedirektion und verfügt ebenfalls über Berufserfahrung in der Pflege.

Diese unterschiedlichen Hintergründe passen gut zum Thema des Buches. Moderne Pflegeorganisation wird dadurch nicht nur aus Sicht des Managements betrachtet, sondern auch aus pflegefachlicher, wissenschaftlicher, pädagogischer und psychologischer Perspektive.

Entstehungshintergrund

Das Buch entstand aus einem konkreten Veränderungsprojekt am TUM Klinikum Rechts der Isar. Dort wurde Shared Governance praktisch umgesetzt und mit einem Traineeprogramm für Pflegefachpersonen verbunden. Zusätzlich wurde ein Learneeprogramm für Auszubildende und Pflegestudierende entwickelt. Ziel war es unter anderem, Pflegefachpersonen stärker an der Gestaltung von Versorgungsprozessen zu beteiligen und neue berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.

Gerade für Studierende im Bereich Pflegemanagement ist dieser Hintergrund interessant. Viele Themen wie Personalentwicklung, Führung oder Organisationsentwicklung werden im Studium theoretisch behandelt. Das Buch zeigt an einem konkreten Beispiel, wie solche Ansätze in einem Krankenhaus umgesetzt werden können.

Aufbau

Das Buch besteht aus sieben größeren Kapiteln. Zu Beginn werden New Work, Kompetenzentwicklung und Karrierewege in der Pflege behandelt. Danach folgen Themen wie New Leadership und Shared Governance. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Pflegemanagement, Personalausstattung, Dienstplanung, Qualitäts‑ und Risikomanagement, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft. Das letzte Kapitel stellt ausführlich das Shared-Governance-Traineeprogramm und die Erfahrungen nach drei Jahren Praxisentwicklungsstation vor.

Der Aufbau ist nachvollziehbar, da zunächst die Grundlagen erläutert werden und anschließend zunehmend konkrete Beispiele aus dem Krankenhausalltag folgen. Dadurch kann das Buch sowohl vollständig als auch gezielt zu einzelnen Themen gelesen werden.

Inhalt

Ein zentraler Gedanke des Buches ist, dass Führung und Verantwortung in der Pflege nicht ausschließlich bei einer einzelnen Leitungsperson liegen müssen. Die klassische Stationsleitung ist häufig für sehr unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig zuständig. Im Shared-Governance-Modell werden Verantwortungsbereiche dagegen stärker nach vorhandener Expertise aufgeteilt. Dazu gehören beispielsweise Pflegemanagement, Pflegefachlichkeit beziehungsweise Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik sowie Qualitäts-, Risiko‑ und Chancenmanagement. 

Dadurch entstehen auch neue Rollen für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen. Neben Stations‑ und Bereichsleitungen können beispielsweise Advanced Practice Nurses, Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler, Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen oder Verantwortliche für Qualitätsmanagement stärker in die Führung und Weiterentwicklung der Pflege eingebunden werden. Das Buch weist gleichzeitig darauf hin, dass entsprechende Stellen für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen in deutschen Krankenhäusern noch nicht überall vorhanden sind.

Anschaulich wird das Konzept durch konkrete Beispiele. Bei einem neu aufgetretenen Dekubitus wird beispielsweise nicht nur das pflegefachliche Problem betrachtet. Gleichzeitig werden Qualitätsdaten, Personalausstattung und Qualifikationen überprüft und mögliche Schulungsmaßnahmen geplant. So wird deutlich, wie unterschiedliche Verantwortungsbereiche zusammenarbeiten können.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Traineeprogramm. Die Teilnehmenden lernen verschiedene Bereiche der Shared Governance kennen und bearbeiten praktische Aufgaben. Das Programm soll dadurch sowohl der Kompetenzentwicklung als auch der Personalentwicklung dienen.

Diskussion

Aus Sicht des Pflegemanagements besitzt das Buch eine hohe Praxisrelevanz. Viele Inhalte lassen sich direkt mit Themen eines Pflegemanagementstudiums verbinden. Dazu gehören insbesondere Leadership, Personalmanagement, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Qualitätsmanagement, Kommunikation und Change Management.

Interessant ist vor allem die Frage, ob eine Stationsleitung tatsächlich für nahezu alle organisatorischen, personellen, fachlichen und pädagogischen Themen einer Station zuständig sein sollte. Shared Governance bietet hierzu einen anderen Ansatz. Verantwortung wird stärker nach Kompetenzen verteilt. Für zukünftige Pflegemanagerinnen und Pflegemanager bedeutet dies, Führung weniger als alleinige Entscheidungsverantwortung und stärker als Koordination, Beteiligung und Entwicklung von Mitarbeitenden zu betrachten.

Die Praxisrelevanz besteht dabei nicht nur für Stationsleitungen. Das Buch ist ebenso für Bereichsleitungen, Pflegedienstleitungen (PDL), Pflegedirektionen und deren Stellvertretungen interessant. Hinzu kommen Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler, Advanced Practice Nurses, Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten, Qualitäts‑ und Risikomanagement, Praxisanleitungen, pflegepädagogische Leitungen sowie Mitarbeitende der Personal‑ und Organisationsentwicklung.

Für eine Stationsleitung stehen beispielsweise Teamführung, Kompetenzverteilung, Dienstplanung und Personalentwicklung im Vordergrund. Eine PDL oder Pflegedirektion betrachtet stärker die übergeordnete Ebene: Welche Führungsstrukturen benötigt das Krankenhaus? Welche Karrierewege können angeboten werden? Wie können akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen eingesetzt werden? Und wie lässt sich Personal langfristig an das Krankenhaus binden?

Positiv ist, dass das Buch nicht ausschließlich theoretisch bleibt. Die beschriebenen Konzepte wurden tatsächlich in einem Krankenhaus umgesetzt. Nach drei Jahren werden unter anderem positive Entwicklungen bei Stellenbesetzung, Qualifikation des Pflegeteams und dem Einsatz von Arbeitnehmerüberlassung beschrieben.

An dieser Stelle liegt allerdings auch eine Schwäche des Buches. Viele Erfahrungen und Ergebnisse stammen von einer konkreten neurochirurgischen Station eines Universitätsklinikums. Es bleibt daher offen, wie gut sich das Modell auf kleinere Krankenhäuser oder Einrichtungen mit anderen personellen und finanziellen Voraussetzungen übertragen lässt. Die positiven Ergebnisse sollten deshalb nicht automatisch auf jedes Krankenhaus übertragen werden.

Auch die Umsetzung dürfte im Alltag anspruchsvoll sein. Das Buch selbst beschreibt, dass der Wechsel von traditionellen Führungsstrukturen zu Shared Governance einen deutlichen Kulturwandel erfordert. Insbesondere Mitarbeitende, die lange in klassischen hierarchischen Strukturen gearbeitet haben, müssen sich an neue Rollen und Zuständigkeiten gewöhnen. Als wichtige Voraussetzungen werden deshalb unter anderem Zeit, Reflexionsfähigkeit und die Unterstützung durch die Pflegedirektion genannt.

Teilweise hätte eine noch kritischere Auseinandersetzung mit dem eigenen Konzept dem Buch gutgetan. Beispielsweise wären mehr Beispiele für Schwierigkeiten, Widerstände oder nicht erfolgreiche Maßnahmen interessant gewesen. Interessant wären außerdem Fragen nach dem zusätzlichen Zeitaufwand, den notwendigen personellen Ressourcen und der langfristigen Finanzierung solcher Strukturen wichtig.

New Work im Krankenhaus – Shared Governance in der Pflegepraxis bietet einen verständlichen und praxisnahen Einblick in moderne Führungs‑ und Organisationsformen in der Pflege. Besonders interessant ist die Verbindung von Pflegemanagement, Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik und Qualitätsmanagement. Dadurch wird deutlich, dass die Weiterentwicklung der Pflege nicht allein Aufgabe einer Stationsleitung oder Pflegedirektion sein muss.

Für Studierende des Pflegemanagements ist das Buch gut geeignet, weil sich viele Inhalte des Studiums in konkreten Situationen des Krankenhausalltags wiederfinden. Besonders deutlich sind die Bezüge zu Leadership, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Qualitätsmanagement und Change Management.

Auch für bereits tätige Stationsleitungen, Bereichsleitungen, PDLs und Pflegedirektionen bietet das Buch Anregungen. Nicht jedes Krankenhaus wird das vorgestellte Modell vollständig übernehmen können oder wollen. Dennoch regt das Buch dazu an, bestehende Führungsstrukturen zu hinterfragen und darüber nachzudenken, welche Aufgaben tatsächlich bei einer einzelnen Führungskraft liegen müssen und welche Verantwortung sinnvoll auf mehrere qualifizierte Personen verteilt werden kann.

Fazit

Insgesamt ist das Buch vor allem für Personen interessant, die sich mit der zukünftigen Gestaltung der Pflege beschäftigen und nach praktischen Ansätzen für Personalentwicklung, Mitarbeiterbeteiligung und neue Führungsstrukturen suchen. Dies entspricht auch der Zielgruppe, die die Herausgeberinnen selbst nennen: Pflegemanagement, Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik und Qualitätsmanagement.

Rezension von
Prof. Dr. Michael Krisch
Studiengangsleiter Pflegemanagement B.A. an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft
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Es gibt 9 Rezensionen von Michael Krisch.

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ISSN 2190-9245