Christine Hoffmann-Schütz: Psychologisches Coaching und moderne Führung
Rezensiert von Amelie List, 14.09.2026
Christine Hoffmann-Schütz: Psychologisches Coaching und moderne Führung. Die Logik des Gelingens. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2026. 108 Seiten. ISBN 978-3-658-52126-4. D: 34,99 EUR, A: 35,97 EUR, CH: 39,00 sFr.
Thema
Das Werk von Christine Hoffmann-Schütz thematisiert die Verbindung aus psychologischem Coaching und zeitgemäßer Führung unter dem Leitgedanken der „Logik des Gelingens“. Sie widmet sich der zentralen Problematik, dass Menschen trotz fundierten Wissens häufig anders handeln. Dementsprechend verfolgt die Autorin das Ziel, das Konzept des psychologischen Coachings darzustellen, welches eine dauerhafte, gelingende Veränderung ermöglicht, um die bestehende Lücke zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischer Anwendung zu schließen. Der methodische Fokus liegt dabei auf einer konsequenten Zukunftsorientierung, der Nutzung von Systemvielfalt als Ressource sowie auf kontinuierlichen Fortschritten durch kleine, machbare Schritte. Der verknüpfte Ansatz vereint wissenschaftliche Erkenntnisse über das menschliche Erleben und Entscheiden mit Lösungsfokussierung und systemischen Kompetenzen. Das Werk liefert durch praxisnahe Transfer-Impulse konkrete Handlungsorientierung für den Alltag, von der Entscheidungsklarheit bis hin zur Bewältigung von Konflikten. In der aktuellen Fachdiskussion wird das Werk als Symbol für den Wandel von einer autoritären oder rein intuitiven Führung hin zu einer evidenzbasierten, beziehungsorientierten und zukunftsgewandten Führungskultur betrachtet.
Autor:in
Christine Hoffmann-Schütz ist eine erfahrene Arbeitspsychologin, Executive Coach und Trainerin, die seit 2007 Menschen in komplexen Veränderungsprozessen begleitet. Sie ist die Entwicklerin der sogenannten HOFFMANN-Methode®, einer Methode, die freudvolle und nachhaltige Weiterentwicklung ermöglicht. Seit dem Jahr 2016 engagiert sie sich in zertifizierten Lehrgängen für psychologisches Coaching und Training sowie in einer Coaching MasterClass, in denen sie ihr Wissen weitergibt. Für ihre Arbeit wurde sie bereits mit mehreren Auszeichnungen geehrt.
Aufbau
Das Werk umfasst 108 Seiten und ist in ein Vorwort, eine Danksagung, eine Einleitung und ein Inhaltsverzeichnis gegliedert. Es folgen fünf Kapitel, die jeweils mit Literaturangaben versehen sind. Ein Nachwort bildet den Abschluss des Werkes. Die Autorin wählt im Werk eine direkte Ansprache an die Lesenden und mit gezielten Reflexionsfragen zu den einzelnen Themen ermöglicht sie den Lesenden, sich selbst intensiver mit dem Thema zu befassen. Im ersten Kapitel erfolgt die Einführung in das psychologische Coaching, worauf die drei Hauptsäulen in den Kapiteln zwei bis vier folgen (Psychologie, Fokus und Beziehung). Diese sind durch verschiedene Methoden und Reflexionsfragen charakterisiert. Das letzte Kapitel widmet sich der Zukunftsfähigkeit. Das Werk endet mit einem Nachwort und den letzten Transferfragen.
Inhalt
Das erste Kapitel widmet sich der Erläuterung der grundlegenden Logik des psychologischen Coachings als Reaktion auf eine bedeutsame Beobachtung. Es wird dargelegt, dass viele Menschen zwar eine klare Vorstellung davon haben, welche Veränderungen sie anstreben, jedoch Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung dieser Veränderungen. Die Intention des psychologischen Coachings besteht in der Schaffung psychischer Voraussetzungen, die ein tatsächliches Handeln ermöglichen. Gemäß der Autorin resultiert die Wirksamkeit von Coaching in erster Linie aus einer grundlegenden inneren Haltung, die Entwicklung ermöglicht. Im Rahmen des Coachings werden fünf Leitprinzipien dargelegt, deren Befolgung als essenziell erachtet wird. Es wird eine Haltung eingenommen, die das Nicht-Wissen als gegeben voraussetzt. Des Weiteren wird Aufmerksamkeit auf die gewünschte Zukunft gerichtet. Zudem werden Muster des Gelingens identifiziert. Prozessuale Flexibilität wird praktiziert und schließlich werden kleine Schritte unternommen. Die vorliegenden Leitprinzipien basieren auf einer methodischen Grundlage, die sich aus drei Säulen konstituiert: der Psychologie, dem Fokus und den Beziehungen. Ein konkretes Beispiel für ein Executive Coaching am Ende des Kapitels veranschaulicht die Wirkung der Leitprinzipien und Säulen in einem Gespräch.
Das zweite Kapitel „Psychologie“ stellt das wissenschaftliche Fundament des Werkes dar, indem es zentrale neuropsychologische, motivations‑ und emotionspsychologische Prozesse beleuchtet. Es veranschaulicht die Gründe dafür, dass Menschen in Führungs‑ und Selbstführungskontexten häufig anders handeln, als es ihrer rationalen Intention entspricht. Ausgangspunkt des Kapitels ist die Subjektivität der Wahrnehmung. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Erläuterung der unbewussten Denkfilter, sogenannter kognitiver Verzerrungen (Bias). In Bezug auf die Motivation stützt sich die Autorin auf die Erwartungs-Mal-Wert-Theorie sowie die Self-Determination Theory. Eine mangelnde Veränderungsbereitschaft resultiert demnach selten aus fehlender Einsicht, sondern manifestiert sich insbesondere bei einer Verletzung der Grundbedürfnisse nach Autonomie, Kompetenzerleben oder sozialer Eingebundenheit. Darüber hinaus werden Emotionen als wertvolle Informationsträger betrachtet. Praxisnahe Reflexionsimpulse und Entscheidungswerkzeuge (wie Wenn-Dann-Regeln oder Perspektivenwechsel) helfen nach der Autorin dabei, automatisierte Muster zu unterbrechen und innere Widerstände empathisch zu steuern.
Das dritte Kapitel vertieft die Bedeutung des Fokus als aktiven Gestaltungsfaktor in den Bereichen Coaching, Führung und Selbstführung. Auf Basis neurobiologischer Erkenntnisse, motivationspsychologischer Forschung und lösungsfokussierter Ansätze wird dargelegt, wie der bewusste Wechsel vom Problem hin zum Zukunftsfokus neuronale Netzwerke verändert, Motivation freisetzt und Handlungsfähigkeit stärkt. Um Überforderung zu vermeiden und Ziele klar zu formulieren, wird im Kapitel die Strategie der zwei Ziele eingeführt. Die große Vision definiert dabei erstbeste Ziele, während zweitbeste Ziele Maßnahmen beschreiben, die zu 100 % im eigenen Einflussbereich liegen und das unmittelbare Handeln auslösen. Die sogenannte Dietrich-Metapher (Skeleton Key) verdeutlicht ergänzend, dass komplexe Probleme keineswegs komplexe Lösungen erfordern. Vielmehr genügt die Übertragung bereits vorhandener Erfolgsstrategien (Muster des Gelingens), um festgefahrene Situationen zu lösen. Als zentrales Führungswerkzeug wird die sogenannte Problem-Ziel-Liste vorgestellt.
Das vierte Kapitel widmet sich der Beziehung als dritter methodischer Säule des psychologischen Coachings. Auf Basis hypnosystemischer Konzepte, des interpersonalen Zirkumplexes und systemtheoretischer Perspektiven wird Beziehung nicht nur als Interaktion mit anderen verstanden, sondern als innere Haltung gegenüber allem Bedeutsamen, inklusive der eigenen Persönlichkeitsanteile. Im Fokus steht die Vielfalt innerer und äußerer Systeme. Darunter befinden sich unterschiedliche Perspektiven und Ambivalenzen, welche nicht zu bekämpfen sind, sondern vielmehr zu würdigen und in einen Dialog zu bringen. Gemäß der Annahme der Autorin ergibt sich der Sinn eines Verhaltens aus dessen Kontext. Infolgedessen sind Sowohl-als-Auch-Lösungen als nachhaltiger zu erachten als starre Entweder-Oder-Entscheidungen. Zur ganzheitlichen Erfassung des menschlichen Erlebens wird seitens der Autorin das Fünf-Welten-Modell vorgestellt. In Konflikten plädiert das Kapitel für die Unterscheidung zwischen vordergründigen Positionen und dahinterliegenden Bedürfnissen. Die Vermittlung der Prinzipien erfolgt anhand praktischer Werkzeuge wie dem Seitenmodell (Innere Berater) sowie strukturierten Übungen zum Umgang mit Meinungsverschiedenheiten.
Im fünften Kapitel findet eine Übertragung der „Logik des Gelingens“ auf zwei zentrale Dimensionen zukunftsfähiger Führung sowie auf die strukturelle Verteilung von Führungsverantwortung statt. Die Autorin verankert die Prämisse, dass eine wirksame Führung im Außen eine physisch wie mental gestärkte Führungsperson voraussetzt („Wer sich selbst gut führt, führt andere besser“). Longevity Leadership bezeichnet die individuelle Energie und Gesundheit als die bedeutsamste, aktiv gestaltbare Führungsressource. Im zweiten Teil wird Co-Leadership als strukturelle Antwort auf Überlastung und die Komplexität der modernen Arbeitswelt präsentiert. Gemäß dem fünften Kapitel stellt die geteilte Übernahme von Führungsaufgaben das Potenzial dar, neue Perspektiven zu eröffnen, die Resilienz des Systems zu stärken und die Qualität der Entscheidungsfindung zu erhöhen. Wie bereits in anderen Passagen des Werkes hervorgehoben, betont auch die Autorin an dieser Stelle: Dass Veränderungen nicht durch radikale Ausnahmekuren gelingen, sondern vielmehr durch die verlässliche Konsistenz kleiner, kontinuierlicher Schritte im Alltag.
Diskussion
Das Werk besticht durch die gelungene Synthese aus wissenschaftlicher Fundierung und praxisnahen Impulsen für den Führungs‑ und Coaching-Alltag. Aufgrund der enormen Themenvielfalt behält das Werk jedoch vorrangig einen einführenden Charakter, weshalb eine tiefere, differenzierte Darstellung einzelner Konzepte ausbleibt. Des Weiteren ist kritisch anzumerken, dass die Autorin ihr eigenes Modell kaum hinterfragt. Dennoch liefert das Werk durch gezielte Reflexionsfragen, die zur Auseinandersetzung mit der eigenen Situation einladen und eine direkte Verknüpfung mit dem persönlichen Erleben ermöglichen, einen wertvollen Impuls zur Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und beziehungsorientierten Führungs‑ und Coaching-Kultur.
Fazit
Das Werk bietet einen kompakten, zukunftsorientierten Leitfaden, der neurowissenschaftliche Erkenntnisse und wertschätzende Coaching-Prinzipien nahtlos in die Praxis überträgt. Anstatt sich auf die Analyse von Problemen zu fokussieren, die zu einer Lähmung führen können, ermöglicht es Führungskräften und Coaches in Veränderungsprozessen, die Kluft zwischen Wissen und Handeln durch die Konzentration auf die Zukunft (erwünschte Ziele) und die Umsetzung kleiner, kontinuierlicher Schritte nachhaltig zu schließen. Dieses Fachbuch regt zum eigenen Nachdenken an und richtet sich an Personen, die sich professionell mit der nachhaltigen Begleitung von Veränderungsprozessen bei Menschen befassen.
Rezension von
Amelie List
BA Kindheitspädagogin / Masterstudentin Kindheits- und Sozialwissenschaften HS Koblenz mit Schwerpunkt Management und Beratung
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