Tanja Ulrich, Inga Lassmann: Wortschatzsammler im Unterricht
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 25.09.2026
Tanja Ulrich, Inga Lassmann: Wortschatzsammler im Unterricht. Strategieorientierte Wortschatzförderung in der Grundschule. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2026. 126 Seiten. ISBN 978-3-497-03364-5. D: 26,00 EUR, A: 26,80 EUR.
Ich‑ und Welterkundung
Richtig und differenziert sprechen ist eine Fähigkeit, die der anthrôpos individuell, familial, gesellschaftlich und schulisch erlernt. In nationalen und internationalen Vergleichsuntersuchungen werden die Wissens‑ und sprachlichen Kompetenten von Schülerinnen und Schülern ermittelt. Die OECD legt in zeitlichen Abständen die Ergebnisse vor. Sie sollen Ansporn und Herausforderung sein, die Grund‑ und Wissensfertigkeiten zu verbessern. Mit der PISA-Studie 2026 kommt zutage, was die Bildungsforscher Anant Agarwala und Martin Spiwak zur Frage provoziert: „Werden wir immer dümmer?“ (DIE ZEIT, 10.9.26, S. 29f).
Entstehungshintergrund und Autorenteam
Richtig, differenziert sprechen ist eine Grundfertigkeit. „Ein reichhaltiger Wortschatz ist … ein Schatz, den jedes Kind erhalten sollte.“ Begriffe erkunden, sich damit auseinandersetzen und sie in Sprach‑ und Sprechfähigkeit einordnen, das ist lernen. Bei der institutionalisierten, schulischen Bildung in der Grundschule kommt es darauf an, die lebenslange Grundfertigkeit des Sprechens einzuüben. Deshalb sind Fragen bedeutsam, wie „Wie lernen Kinder neue Wörter?“ – „Wodurch können Schwierigkeiten entstehen und wie lassen sie sich im Unterrichtsalltag bemerken?“ – „Wie lässt sich eine individualisierte Wortschatzförderung im Unterricht zeitökonomisch gestalten?" - „Wie kann Wortschatzförderung fächerübergreifend umgesetzt werden?“ Sprachliche Fähigkeiten sind Schlüsselfaktoren für die lebenslange psycho-soziale Entwicklung.
Die Bildungswissenschaftlerin Tanja Ulrich vom Institut für Sonderpädagogik der Universität Duisburg-Essen und die Pädagogin Inga Laßmann legen mit dem Buch „Wortschatzsammler im Unterricht“ die praxiserprobten Ergebnisse, Verläufe und Konzepte eines Forschungs‑ und Praxisvorhabens eines „selbstgesteuerten, strategiebasierten Wortlernens von Schüler:innen im Primarbereich“ vor [1].
Aufbau und Inhalt
Neben der Einführung, in der die unterschiedlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen der Schüler/innen in der Schulklasse aufgewiesen werden, geht es um „Wortschatzerwerb als lebenslange Aufgabe“. Es sind die differenzierten, semantischen, phonologischen, morphologischen Eigenschaften und Bedeutungen, die individuell und kollektiv, rational und emotional, fachlich und sachlich, denkend und handelnd aufgenommen werden. Mit zahlreichen Beispielen werden „Möglichkeiten der unterrichtsintegrierten Wortschatzförderung“ thematisiert und mit Download-Materialien zur Verfügung gestellt. Es sind selbstregulierte und angeleitete Lernstrategien. „Strategieorientierte Wortschatzfindung und ‑förderung bedürfen der Verbindung von schulischen und außerschulischen Lernaktivitäten“. Wortschatzerwerb und ‑sammeln lassen sich mit alltäglichen Fragen motivieren: „Was heißt das?“ – „Wie nennt man das?“ – „Wie schreibt man das?“ – „Wie sieht das aus?“ – „Wozu braucht man sowas?“… Das Autorenteam legt Stundenentwürfe vor, die übernommen oder als Anregung weiterentwickelt werden können. Es sind sprachfördernde und sprachtherapeutische Hinweise, die mit der umfangreichen Literaturliste erweitert und schulalltagsgerecht aufbereitet werden.
Diskussion
Lernmotive bieten sich im Unterricht, in den Freizeitaktivitäten und Alltäglichkeiten an. Im „Sachverzeichnis“ finden Lehrkräfte vielfältige Zugangs‑ und Praxisbeispiele.
Fazit
Lernen, lernen, lernen.
[1] Siehe dazu auch: Cornelia Rosebrock/Daniel Nix, Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen Leseförderung, 2025, 10. erweit. Auflage, 2025, 225 S.
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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