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Waldemar Pallasch, Ralf Petersen: Coaching. Ausbildungs- und Trainingskonzeption [...]

Cover Waldemar Pallasch, Ralf Petersen: Coaching. Ausbildungs- und Trainingskonzeption zum Coach in pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern. Juventa Verlag (Weinheim) 2005. 276 Seiten. ISBN 978-3-7799-0378-9. 18,00 EUR, CH: 31,90 sFr.

Unter Mitarbeit von Peter Flittiger.
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Einführung in das Thema, Hintergründe und Autoren

Das Buch beginnt mit einem Satz, der jede/n mit dem Thema etwas Vertraute/n spontan nicken lässt: "Wer sich heute einen Überblick über die Angebote, Programme, Ansätze und Konzepte, die unter der Überschrift "Coaching" formieren, verschaffen möchte, steht vor einer Sisyphusarbeit." (S. 9) "Coaching" ist zum "Containerbegriff" (Rauen) für die unterschiedlichsten Angebote geworden: von esoterischen Selbsterfahrungsangeboten bis zur Weiterbildung für Telefonistinnen reicht die Bandbreite - und darüber hinaus. Da kenne sich einer aus! Insofern tut es gut, dass Pallasch/Petersen der Definition viel Raum geben. "Definition" bedeutet Abgrenzung: der wissenschaftliche Coachingbegriff muss von seiner missbräuchlichen Passepartout-Verwendung abgegrenzt werden: "Der wissenschaftlich verstandene Fachbegriff "Coaching" benennt eine spezifische Form professioneller Beratung und Begleitung, deren Fokus grundsätzlich auf die berufliche Praxis des Ratsuchenden (hier: Coachee) gerichtet ist." Auch diese Definition bietet freilich noch viel Raum für Variation und unterschiedliche Konzepte. Ein solches Coachingkonzept legen die Autoren mit ihrem Band vor - in ausgeführter Form, aus der Ausbildungspraxis für die Ausbildungspraxis. Das Ganze aber mit einer speziellen Akzentuierung: Coaching, bisher vor allem im Bereich von Wirtschaftsunternehmen als Förderung von Führungskräften angesiedelt, wird auf seine Eignung auch für den pädagogischen und sozialen Bereich hin geprüft.

Die Autoren

  • Waldemar Pallasch ist Pädagogikprofessor in Kiel und bereits als Begründer des Kieler Supervisionsmodells (KSM) im Bereich der Beratung in Erscheinung getreten. (Auch dazu ist eine entsprechende Ausbildungskonzeption bereits veröffentlicht, allerdings für unterrichtende Berufe). Pallasch ist seit über 20 Jahren Trainer und Coach für verschiedene Zielgruppen.
  • Ralf Petersen ist Diplompädagoge und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Flensburg sowie Lehrbeauftragter an der Uni Kiel. Außerdem arbeitet er als Kommunikationstrainer.

1 - 4 Grundsätzliches zum Coachingkonzept

Die ersten vier Kapitel sind grundsätzliche Kapitel: sie erläutern das Coachingkonzept der Autoren.

  1. Erste Ab- und Eingrenzungen bietet das erste Kapitel. In Text und Graphik wird zum einen der Beratungsbegriff gegliedert, zum anderen der Coachingbegriff. Das ist für eine erste Feldbesichtigung gut und bestellt eben das Feld für die folgenden Kapitel.
  2. Das zweite Kapitel stellt und beantwortet die Frage nach dem "Coaching in pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern". Da in diesen Arbeitsfeldern traditionell eher das Beratungsformat "Supervision" zuhause war, ist in diesem Kapitel auch eine (nicht immer polemikfreie) Gegenüberstellung von Coaching und Supervision zu finden.
  3. Das dritte Kapitel liefert die "Theoretischen Grundlagen". Erforderliche Basisqualifikationen eines Coachs werden benannt, ein theoretisches Konzept auf den verschiedenen Theorieebenen (Metatheorie, Theorie, Methodik, Praxeologie) skizziert, das Korrespondenzverhältnis von Mensch und Arbeit als grundlegender Bezugsrahmen von Coaching dargestellt, Coaching selbst noch einmal genauer definiert und schließlich das Menschenbild erfreulich ausführlich reflektiert.
  4. Das vierte Kapitel ist überschrieben mit "Trainingskonzeption" und stellt die vier Säulen vor, auf denen das Konzept steht: die erste Säule heißt "Grundlagen und Theorie" und bietet Hintergrundannahmen und zugrunde liegende Theorien. Die zweite heißt "Themen und Problemstellungen" - hier werden exemplarische Probleme aufgelistet, mit denen Menschen zum Coaching kommen. Die dritte heißt "Methoden und Techniken" und die vierte schließlich "Training, Übung und Praxis". Am Ende des Kapitels bringen die Autoren etwas Ordnung in die Begriffsvielfalt im Coachingsektor. Das Konzept arbeitet mit drei klar umrissenen und gut begründeten Coachingvarianten: kontextuelles Coaching, personales Coaching und Crash-Coaching. Diese Varianten werden mit ihrem speziellen Ansatz vorgestellt.

5 Trainingseinheiten

Es folgt ein fünftes Kapitel mit "Trainingseinheiten". Dabei werden zunächst die genannten Coachingvarianten wieder aufgenommen. Es folgen weitere Trainingseinheiten zu ausgewählten Methoden. (Bei der Einheit "Erstkontakt" stocke ich allerdings: das ist weniger an der Methode als vielmehr am Prozess orientiert - und dann fehlt mir ein korrespondierender Abschnitt zum Thema "den Prozess beenden"!) Einen zweiten Teil des Kapitels bilden die "Trainingseinheiten zu ausgewählten Coachingthemen" - ich nenne einige: Arbeitszufriedenheit, Lebensphasen, Stress/Burnout, Mobbing, Organisationskultur, Führung, Projektmanagement etc. Die Trainingseinheiten folgen einem festen (pädagogischen) Ablauf: zunächst werden die Ziele festgelegt. Dann wird die Coachingaufgabe formuliert und anschließend erläutert. Weiter werden die "Anforderungen an den Coach" bedacht, dann Durchführungshinweise gegeben und schließlich die Übung selbst skizziert. Das ähnelt (wohl nicht zufällig) einem schulischen Stundenentwurf, in dieser methodisch sauberen Aufarbeitung liegt aber gerade die Stärke ...

Diskussion

... Womit ich schon bei der Wertung wäre. Der Band ist, trotz des akademischen Kontextes der beiden Autoren, kein akademisches Buch geworden. Es verbindet auf eine sehr angenehme Weise wissenschaftliche Redlichkeit (in Definitionen und Klarheit der Rede) mit allgemein verständlicher, gelegentlich elementarisierter Darstellung. Das qualifiziert das Werk als ein gutes Lehrbuch, und zwar nicht nur für AusbilderInnen im Bereich Coaching, sondern für alle, die die Frage klären möchten, ob Coaching eine Allerwelts- und Modeerscheinung ist oder ob es Hand und Fuß hat. Darüber hinaus aber auch für alle, die auf der Suche sind nach guten Definitionen und Klarlegungen. Von besonderem Gewinn wird der Band allerdings für AusbilderInnen sein: sie bekommen den Kanon einer Coachingausbildung hilfreich präsentiert und können manch eine Anregung gewinnen. Auf jeden Fall bieten auch die Trainingseinheiten gutes Material, selbst wenn man sie - aus Gründen des eigenen methodischen Konzeptes etwa - nicht eins zu eins übernehmen wird. (Mir kommen zum Beispiel die analogen, medienorientierten Methoden zu kurz!) Gut - für AusbilderInnen und für LehrgangsteilnehmerInnen - sind die Literaturhinweise, die die einzelnen Trainingseinheiten ergänzen. Sie verdienen es, zur Kenntnis genommen zu werden - Coachingausbildungen sind gelegentlich zu früh an der Praxis orientiert und vernachlässigen das theoretische Fundament, ohne das man nicht gut stehen kann! (Nicht umsonst bildet es bei Pallasch/Petersen eine eigene Säule!)

Was mir nicht so gut gefällt, ist die gelegentlich wenig wertschätzende Art, mit der von Supervision gesprochen wird. Pallasch stuft die Ansprüche an Coaching höher ein als die an Supervision, er hält Supervisionskompetenz für eine Voraussetzung von Coaching. Darüber würde sich manch ein Supervisor gern streiten - ich nicht. Aber dennoch: wenn z.B. gesagt wird, Coach arbeite zwar auch die Probleme auf, aber "auch nicht episch weit und breit ausgedehnt" (S. 21), und "im Gegensatz zur Supervision" erwarte man vom Coaching "ein stringenteres, zielgerichteteres, zügiges und lösungsfokussiertes Vorgehen bei der Problembearbeitung" (S. 28), dann wird unhinterfragt das Bedürfnis nach Tempo und niedrigen Kosten bedient und die "langsamere" Methode abgewertet. Beide Beratungsformate machen Sinn und haben ihre Stärke - und sollen eben deshalb wertgeschätzt werden.

Fazit

Ein gelungenes Buch, das wenigstens die AusbilderInnen zur Kenntis nehmen sollten. Aber auch anderen sei der Kauf durchaus empfohlen - allein die Lektüre des ersten Drittels ist lohnend!


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 21.03.2006 zu: Waldemar Pallasch, Ralf Petersen: Coaching. Ausbildungs- und Trainingskonzeption zum Coach in pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern. Juventa Verlag (Weinheim) 2005. ISBN 978-3-7799-0378-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3503.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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